0 Vom Rhein 17. April. In Tyrol beginnt sich der gute alte patriotische Geist wieder mächtig zu regen, aber es thut auch Noth, denn die deutsche Südgränze ist hart bedroht. Jetzt sieht man, wohin das alte System geführt hat; eine ganze Reihe von Orten an der Südgränze, die dort eine starke Vormauer gegen Italien bilden sollten, ist ganz geflissentlich italienisch gemacht worden, jetzt erheben sich diese Orte auf den Aufruhr in Trient hin, statt daß sich die wackeren Schützen für Deutschland bewaffneten: das ist die Frucht des alten Systems!
Von ihren deutschen Behörden bedrückt und geschunden — wie konnten da diese Bergbewohner Liebe zu Deutschland fassen? Und doch ist es kaum etwas besser geworden, schon erheben sich die Tyroler wieder für Deutschland, wie sie es auch in früheren Tagen gethan.
Den italienischen Freischaaren an den Gränzen Widerstand zu leisten, wird keine leichte Arbeit seyn. Wir Deutsche haben in der letzten Zeit mehrere unserer Nachbarvölker viel zu geringschätzig angesehen in Betracht ihrer kriegerischen Tüchtigkeit. So ist es uns auch mit den Italienern ergangen. Jetzt, da sie sich einmal erhoben haben, sind sie doch nicht so feige, wie wir vor vier Wochen noch glaubten, und an die Tyroler Gränze bringen sie den Muth mit, welcher am stärksten macht — den Muth des Siegers.
Während im Norden, Westen und Osten die Kriegsgefahr ungestüm an die Thüre klopft, entspinnt sich nun auch an der Südgrenze des deutschen Reiches ein Kampf, der nach den neuesten Berichten, sehr schwer und entschieden werden kann. Es ist ein großer Gewinn, daß die Tyroler zu den Waffen greifen; denn ein unterdrücktes Volk, welches sich in seiner Rache sättigt, wie diese Italiener, ist immer ein gefährlicher Feind.
* In Mainz ist am 17. d. eine große Bürgerversammlung abgehalten worden, welcher an 5000 Personen anwohnten. Man entschied sich mit Stimmenmehrheit dafür, daß dem deutschen Parlamente der Wunsch vorgelegt werden soll, die republikanische Regierungsform, âls die beste, in Deutschland einzuführen.
£ Wallmerod, 16.April. Von 62 hiesigen Bürgern und Einwohnern unterzeichnet, ist heute folgende Zuschrift an die Wiesbadener von hier abgegangen:
Wir haben Euren Aufruf vom 7. dieses Monats vernommen. Er ist ganz in unserem Sinne und uns aus der Seele gesprochen. Auch wir halten dafür, daß nur die konftitionell monarchische Verfassung auf der breitesten Grundlage und mit den freisinnigsten Institutionen, wie sie uns am 4. März dieses Jahres bewilligt worden, die geeignetste, volkothümlichste und beste Staatsform für unsere Zeit sey. Wir finden nur darin und in deren vollkommenster und ausgedehntester Entwicklung das Glück unseres Landes, und verlangen mit Euch, daß unserem Herzog Wort gehalten werde, wie er Wort gehalten hat und hält. Darum unverbrüchliche Treue unserem edlen Fürsten, der unter allen Fürsten Deutschlands durch hohe Selbstverleugnung zuerst bewiesen hat, daß er in Wahrheit ein Deutscher ist, und darum ehrt sich jeder selbst, der aus vollem Herzen ruft: Hoch lebe Herzog Adolph! hoch!
Die Einwohner von Wallmerod den 15. April 1848.
(Folgen die 62 Unterschriften.)
Aachen, 17. April, 6 Uhr Morgens. Von der Zeit an, wo gestern Nachmittag die ersten Schüße der Bürgergarde fielen, ist in längeren oder kürzeren Pausen bis Nachts halb 12 Uhr geschossen worden. Es hat leider Menschenleben gekostet, man spricht von 6 Todten. Des Abends zogen große Hausen Menschen vor die Thüren derjenigen Bürger, von welchen man behauptete, sie hätten zuerst Befehl zum Schießen gegeben. Es war der Bäcker Zilleken, den sie zu ertappen wußten und persönlich mißhandelt haben, und Dr »Metz, dessen Haus durch Fenstereinwerfen und sonstige Zerstörungen sehr gelitten hat. Die Reservisten sind gestern Nachmittags in der Stille auf der Eisenbahn abgezogen.
Nach einem anderen Briefe ist von der Bürgerwehr, mit Ausnahme von einigen durch Steinwürfe Verwundeten, Niemand blessirt worden. Das Schießen auf die Masse, das am 16. um 3 Uhr begann, ist dadurch veranlaßt worden, daß die aufgeregte Masse mit langen Balken die Linien der Bürgerwehr gewaltsam durchbrechen wollte.
Berlin, 15. April. (K. Z.) Reisende, welche heute Nachmittag aus Hamburg, von wo sic heute früh abgegangen, hier angekommen sind, melden, daß die preußischen Truppen zwei Meilen von Rendsburg einen Sieg erfochten, das dänische Geschütz zum Theil demontirt und 220 Gefangene gemacht haben.
So weit unsere Nachrichten reichen, dauert in dem Groß- h erzogt Hume Posen noch immer die bisherige Verwirrung
fort. So sind z. B. 800 Sensenmänner plündernd in Eren eingezogen. Die Opposition der Deutschen gewinnt täglich an Umfang und Entschiedenheit.
(K.Z.) In Oesterreich, selbst im fernsten Osten, regt sich immer mächtiger das deutsche Element. Wie in Posen, so erheben auch in Böhmen die Deutschen ihre Stimme immer lauter gegen die Uebergriffe der Czechen. Am entschiedensten aber ist der Ruf der Deutschen in Siebenbürgen gegen die Anmaßungen der Magyaren, seitdem es unzweifelhaft geworden, daß eine Einverleibung Siebenbürgens in den ungarischen Staat unvermeidlich geworden ist.
Botzen, 12. April. (A. Z.) Ein hier erschienenes Ertra- blatt sagt über die jüngsten Treffen, bei denen die Italiener sich den Sieg zuschreiben: „Am Sten d. M. fanden für unsere Waffen rühmliche Gefechte bei Sorio in der Nähe von Monte- bello und am Mincio bei Goito statt. Am 7ten recognoscirte Fürst Liechtenstein mit seiner Brigade von S. Bonifacio aus die Gegend nach Montebello, wo den eingehollen Erkundigungen zufolge ein Corps von etlichen Taufend Insurgenten mit Artillerie Posto gefaßt hatte.
Nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten, die unsern Truppen die gestörten Wege, gefällte Bäume und tiefgezogene Gräben entgegenstellten, stieß die Avantgarde bei Sorio auf den Feind, ungefähr 1000 Mann stark, griff ihn voll Kampfbegierde an, tödtete ihm 50 Mann, nahm 40 gefangen und erbeutete 2 Kanonen mit mehreren dreifarbigen Fahnen.
Die Aufständischen flohen in Unordnung gegen die Anhöhen, während bie auf der Straße vordringende östreichische Colonne die Brücke von Montebello mit zwei Kanonen erstürmte, den Ort selbst aber vom Feinde verlassen fand. Unsrer# seits besteht der Verlust nur in 2 Todten und 9 Verwundeten.
Eine viel schönere Waffenthat ehrt jedoch unsere Kaiserjäger. An demselben Tage der Recognoscirung gegen Montebello griffen 3000 bis 4000 Piemontesen Morgens 7 Uhr den Ort Goito am Mincio an, wo die.Compagnie des Hauptmanns Knezich des 4ten Bataillons Kaiserjäger stand.
Dreimal stürmte die ungeheure Ueberzahl der Feinde dit von so wenigen Tapfern besetzte Ortschaft, jedesmal wurden sie in wilder Flucht zurückgeworfen und konnten nur durch den Zuruf eines höhern Offiziers zum Stehen gebracht werden. Endlich nach einem vierstündigen Kampfe kam General Wohlgemuth, unter dessen Commando diese braven Jäger stehen, zu ihrer Unterstützung mit einem Theil seiner Brigade heran, vermochte aber nur sehr schwer die Heldencompagmc, gegen welche 16 feindliche Geschütze spielten, denen sie nur drei entgegenstellen konnte, zum Rückzug zu bewegen, da sein Auftrag die längere Vertheidigung von Goito nicht forderte, sondern den Feind in die Ebene zu locken beabsichtigte.
Beim Rückzüge sprengte ein kühner Artillerist die Brücke mit nachdringenden Feinden in die Luft. Der Versuch derselben durch eine nahe Furt über den Fluß zu gehen ward von einigen gutgezielten Kartätschenlagen dergestalt vereitelt, daß der Feind von allen weitern Bemühungen abstand und' sich zurückzog, aus dem tapfern Widerstände einer einzigen Compagnie wohl erkennend, welches Loos seiner in einer Gegend warte, wo wir eine größere Truppenmacht entwickeln können. Der Verlust des Feindes war besonders an Officieren bedeutend."
Botzen, 13. April. (A. Z.) Die Piemontesen sind in Subicarien eingebrochen und bis Tione, nach andern bereits bis Stenico vorgedrungen, amtliche Mittheilungen darüber fehlen. Ihre Anzahl wird auf 600 Mann regulären Militärs und 2000 Mann Freischaaren angegeben. Die ihnen gegen- übergestandenen Feldjäger sind dem Vernehmen nach vor der Uebermacht zurückgewichen.
Heute riufte hier ein Bataillon Schwarzenberg-Infanterie ein, welches die bedrohten Stellen verstärken wird. AuS Vintsch- gau langte gestern Abends eine Staffelte an, die den Einfall einer Freischaar von 4—500 Mann über das Stilfser Joch und ihr Vorrücken bis zur Franzenshöhe meldete. Die letzte Nachricht spricht bereits vom Brand einer Cantine. Vor Glurns steht eine Compagnie Tiroler Jäger, die Passeircr rückten mit 2 Compagnien über das Gebirg zu Hülfe, die Bevölkerung von Vintschgau ist aufgeboten, von hier ging heute eine Abtheilung Chevaurlegers, etwa 100 Mann Fußvolk und 2 Kanonen dahin ab.
Deutsche Brüder! wir brauchen nicht bloß Pulver, Blei und Mundvorrath, sondern Hülfe deutscher Männer. Allem Anschein nach ist die ganze Gränze von den Wal. schcn bedroht.