Aber, was ist das für eine politische Weisheit, die nichts Höheres kennt als Anwendung materieller Gewalt, Zwang ung Verneinung gegen den Geist und dessen edelste Regungen, und daneben Furcht vor dem Stärkern? Wie hat Metternich Oesterreich und Europa zurückgelassen, nachdem er beinahe ein halbes Jahrhundert lang die Geschicke des Staates gelenkt, der das Unglück hatte ihm anvertraut zu werden? Der Fluch von hundert Million.cn Menschen heftet sich an die Fersen dieses Mannes, dessen Physiognomie ein deutscher Politiker, unter Anwendung eines Witzwortes, das Talleyrand einst von Wellington gesagt, als dcmi aigle, dcmi mouton (halb Adler, halb Kchaaf) bezeichnete.
*** Unser Volksschulwesen
(Schluß.)
WaS nun endlich die das Schulwesen beaufsichtigenden und leitenden Behörden betrifft, so scheint man hier nur allzu sehr geneigt, das Kind mit dem Bade auszuschütten. „Keine Geistlichen und keine Philologen zu diesen Posten!" so lautet das allgemeine Feldgeschrei. Warum aber doch? — Weil sie nichts von der Sache verstehen? — Das kann man gewiß von manchen, vielleicht sogar von vielen dieser Herren behaupten, auch von solchen sicherlich, in deren Hände sie hier und da gelegt worden ist; aber von allen nimmermehr. Man sehe sich doch nur um unter den bedeutenden Männern der Volksschule! Wie Viele zählen wir denn, die nicht Theologie, oder Philologie studirt, ja im geistlichen Amt und an Gelehrten-Schulen gestanden haben? Oder sollte man etwa Nichtwissen, daß Diesterweg ein Philologe, daß Basedow, Salzmann, Campe, Dinter, Harnisch, Gruner re. Theologen waren? Oder hält man etwa die Aufgabe der Kirche und der Schule für so verschieden von einander, daß nicht derselbe Mann ein warmes Herz und ein gesundes Auge für Beide haben könnte? Oder ist's vielleicht eine Schmach für den Stand der Lehrer, in seinem Wirken nicht allein beaufsichtigt, sondern auch unterstützt zu werden von Geistlichen und Männern der Gelehrtenschule? Gewiß, es ist in Bezug auf diesen Punkt bisher im Einzelnen gar Manches nicht gewesen, wie eS hätte seyn sollen; aber so wird's auch künftig seyn, und keine abändernde Bestimmung, die beliebt werden mag, wird allen Beschwerden, nicht einmal allen gegründeten, abhelfen; denn eS ist nun einmal nichts vollkommen unter dem Monde. — Ob aber der Vorschlag der Königsteiner (Freie Zeitung No. 33) in Bezug auf diesen Gegenstand durchgehen könne und, wenn er durchginge, die Lehrer auch nur im Mindesten zufriedener stellen würde, wage ich zu bezweifeln. Wenig-
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag
stenS scheint mir, so viel ich von solchen Dingen verstehe, die Schule gar nicht eine solche Sache zu seyn, daß der Staat ihren Dienern bewilligen könnte, was dort gefordert wird, eben so wenig, wie er's den Forstmännern, den Aerzten, den Apothekern, den Amtleuten bewilligen kann und wird, daß sie sich selbst beaufsichtigen und regieren, worauf doch zuletzt jener Vorschlag hinausläuft. Es wäre freilich in mancher Beziehung wünschenswerth, daß die Schulinspektoren und selbst die Regierungsmitglieder für die Volksschule aus dem Lehrerstand genommen würden; aber eS ist dabei zu bedenken, daß die Wil berge nicht sehr häufig sind, und daß Lehrer nach der bisherigen Erfahrung sich eben nicht zum glücklichsten fühlen, wenn einer ihres Gleichen ihnen vorgesetzt ist. —
Doch, was jetzt noch nicht thunlich seyn mag, das kann's noch werden. Es wird sich noch Vieles ändern, hoffentlich auch bessern; und so muß ich denn noch einmal sagen: „Nur Geduld in Hoffnung!" Sehe nur ein Jeder, der es mit der Schule wahrhaft wohlmeint, zu, daß er ihr an seinem Theile nach bestem Vermögen diene! dann wird die Hoffnung auf die Verwirklichung so mancher jetzt vielleicht noch unerfüllbarer Wünsche keine eitle seyn.
Miszellen.
— Neuyork, 20. März. (W.-Z.) Die mit der „Cambria" eckH- laufenen Nachrichten haben hier ungemeine Aufregung veranlass Die I European Times waren alsbald in allen Händen, die Tricvlore wehte sofort aus französischen Gasthäusern und Cafes und schon wenige Stunden darauf fanden französische, italienische und deutsche Meetings statt. Es soll ein ' Mammuth-Mectiug auberaumt werden: Heinzen will nach Europa zurück und dort handeln statt hier zu schreiben. Die Irländer haben schon morgen eine Versammlung, um über Irlands Unabhängigkeit zu berathen, wollen auch 100,000 Dollars zu dem Zwecke, die letztere zu erreichen, zusammen- schießen. Die Deutschen haben auch schon 16 Dollars gesammelt und bedauern die durch Heizens Anmaßung drohenden Zerwürfnisse. Heinzen glaubte hier eine Generalpacht der Liberalität zu haben, und wessen Ansicht nicht mit seiner nur deutschen, keineswegs amerikanische» Ansicht übereinstimmt, der ist ein Flachkopf, ein Tyranncnknccht u. s. w. Dies geht hier nicht und so ist es wohl am besten, daß Heinzen geht.
— Wien. Ueber das bisherige schwarze Kabinct schreibt die Oestr. Ztg.: Die Eröffnung von Briefen geschah hier allein von dem Chiffrekabinette, welches sich in keinem der Postgebände befand. Keiner der - hiesigen Postbeamten hatte einen Auftrag oder die Befuguiß, das Brief- - geheimniß zu verletzen, wohl aber waren ein paar eigens ins Vertrauen gezogene und dafür besonders besoldete Individuen im geheimen Auftrage des Chiffrekabinets angewiesen, demselben gewisse, ihnen bezeichnete Briefe zur weiteren Benützung auszuliefern. Außer diesen Individuen war -fein , Postbeamter -mit dieser Manipulation bethciligt.
In Venedig will sich der Guardia civica (Bürgerwehr) auch ein Frauenbataillo» anschließen.
der L. S cheilen der g'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.