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Beilage zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

M 18. Mittwoch den 19. April 1848.

Der große Andrang des Stoffes bestimmt uns, eine regelmäßige Politische Beilage Nachmittags um 4 Uhr auszugeben. Wir sind dadurch in den Stand gesetzt, für Wiesbaden und den größten Theil des Herzog- thums die Nachrichten aus Schleswig-Holstein, Preußen re. um 612 Stunden früher zu liefern als die Frank­furter Blätter; die Nachrichten aus dem Süden wenigstens gleichzeitig.

Wie Redaktion der Nass. Allg. Zeitung.

Uebersicht.

Der Aufstand im Leckreise.

Schleswig-Holstein.

Kein Deutscher mehr in Feindes Dienst.

Deutschland. Darmstadt (ZurückgebrachteDeserteure). Göttingen

(Zurückberufung der sieben Professoren). Altona (Die hannoverschen

Truppen). Posen (Die Polen ziehen sich zurück). Wien (Die

Entfernung der Deutschen aus Krakau verlangt).

Der Aufstand im Seekreise.

Aus der Deutschen Zeitung stellen wir nachfolgende Ueber­sicht der neuesten Ereignisse im badischen Oberland zusammen: Die schweren Besorgnisse vor der gewaltsamen Schilderhebung deS Volkes im Seekreise, vor der Vollziehung der Drohung, daß 10,000 bewaffnete Männer auö dem Seekreise nach Karls­ruhe ziehen, die Republik ausrufen, daß Tausende der Unzu­friedenen sich ihnen anschließen würden, sind gehoben. Die hoch- verrätherischen Plane von Hecker und Struve sind gescheitert an der Verfassungstreue und dem gesunden Sinne des badi­schen Volkes.

Daß in Konstanz Heckers Aufruf zur Einführung der Republik und zum bewaffneten Zuge noch Karlsruhe keinen Anklang fand, ist schon früher aus den Zeitungen bekannt ge­worden. In Ueberlingen, wo Struve einen ähnlichen Versuch machte, hatte der Volksredner dasselbe Schicksal. Man wei­gerte die Theilnahme. Auf die Stockacher Versammlung hatte Hecker seine Plane gebaut. Der Stockacher Gemeinderath hatte den Muth und den Verstand, die benachbarten Gemeinden zu warnen und den Besuch der Bewaffneten sich zu verbitten.

Als Heckers bewaffnete Schaar (sie bestand aus etwa 40 Leuten, die mit ihm aus Konstanz ausgezogen, und einigen Wenigen, die hinzu kamen) ankam, richtete sich zunächst der Unwille der Aufrührer gegen die Stockacher Gemeinderäthe; nur Hecker rettete ihnen das Leben; der Gemeinderath blieb fest und verweigerte ebenso wie in Konstanz die Theilnahme am Aufruhr. In Neustadt war eine Versammlung, die ent­schieden die republikanischen oder besser die anarchischen Be­strebungen ablehnte. In Villingen kamen Bürgermeister und Abgeordnete der benachbarten Orte zusammen und erklärten, daß sie an dem bewaffneten Zuge nach Karlsruhe nicht Theil nehmen würden. Nach den vorliegenden Berichten ist dies der herrschende Geist unter den Bürgern, die ihre Uebereilung be­reuen und vor den Folgen der Anarchie zurückschaudern.

In Donaueschingen war am 14. April vorzüglich Struve thätig. Es fehlte nicht an vielen Männern, an tobenden Schreiern, aber die erwartete Schaar aus allen Orten des Seekreises blieb aus; nur wenige Bewaffnete sanden sich ein; die Kanonen, die man nach der Zusage einiger Städte erwarten zu können hoffte, wurden nicht gegeben; das Häuflein der Anfangs schwer Dro­henden wird immer kleiner, und Struve muß cinsehen, daß sein beabsichtigter Zug keinen Anklang findet. Aus Villingen wurde der würtembergische General ersucht, ungesäumt mit seinen Trup­pen einzurücken. Hecker warf sich mit seinem kleinen Häuflein nach Jestetten, wo er mit dem kühnen, von entschlossenen Män­nern umgebenen Weißhaar aus Lottstetten sich vereinigen will.

Die badischen und hessischen Truppen werden am Eingang des Kinzigthals vereinigt die Aufrührer empfangen. Der treff- llche Gagern, General in holländischen Diensten, reich an Kriegs- crfahrunp, an Muth und Energie, übernimmt das Oberkom­mando der badischen Truppen. Der gefürchtete Einfall der deut­schen Arbeiter aus Frankreich bei Breisach hat nicht Statt ge­

funden. Eine bedeutende militärische Macht in der Gegend wird jedem Uebergange wehren.

Die würtembergischen Truppen werden erst am Montag in das badische Gebiet einrücken, weil bisher durch Einmischungen übelwollender Personen das Einrücken verzögert war und es eine Verabredung der baierischen und würtembergischen Kom- mandirenden bedurfte, um zugleich gemeinschaftlich zu handeln. Der würtemb. General befehligt nun 6000 Mann. In Karls­ruhe hat man gestern für die einziehendeu Hessen keine Quartier­billets ausgetheilt, sondern die Einwohner eingeladen, die Sol­daten freiwillig aufzunehmen; in ganz kurzer Zeit war für das Unterkommen des Militärs gesorgt.

Bon dem Bodensee wird der Allg. Ztg. geschrieben: Die unbedeutende Küstenstrecke gegen Kreuzlingen hin, soll von den Anarchisten durch Schanzen gedeckt werden, damit keine Bundestruppen landen können. Es sind Schichten von Koch und Backscheitern bis zur normalmäßigen Höhe, und die Ver­bindung ist erzweckt durch eine einfache' Wand von horizontalen Bohlen, hinter welche sich^ die Schützen postiren. Ich glaube Flintenkugeln würden diese Schanzen aushalten. In die 4 Schan­zen gehören die der Stadt gehörigen Vierpfünder. Mit Muni­tion und Bedienung soll rs bis jetzt schlecht aussehen.

Aus Schleswig - Holstein.

Rendsburg, 13. April. (W.-Z.) Der König von Dänemark soll bereits in die Stadt Schleswig eingezoaen seyn. Die dänischen Vorposten sind bis auf eine Merle von hier vorgerückt.

Die zerstreueten Freischärler sammeln sich allmälig wieder; an Muth soll es nicht gefehlt haben, auch den Braun­schweiger Freischärlern wird das Lob gespendet, daß sie ihre Schuldigkeit gethan; aber die nothwendige Ordnung ist überall schmerzlich vermißt worden.

Rendsburg, 12. April. (Tageblatt.) Major Michelsen vom 5. Jägerkorps liegt schwer verwundet im Flensburger Ho­spital. Am Abend des 12. ist Flensburg festlich erleuchtet ge­wesen, auf den meisten Häusern hat der Danebrog geweht, die dänischen Truppen sind mit dem größten Jubel ausgenommen.

Die preußische Artillerie wird, wie man vernimmt, noch heute über die Eider gehen. Die Dänen sollen bereits dies­seits Schleswig fouragirt haben; im Eckernförder Hafen sind gestern dänische Dampfschiffe eingelaufen, ob sie gelandet, ist uns zur Zeit noch nicht bekannt. Wahrscheinlich wird zu Ende dieser Woche noch der Angriff von Seiten unserer Armee wieder unternommen werden, und ist zu erwarten, daß die Schleswig- Holsteiner die Vorhut bilden werden, um die erlittene Schlappe wieder gut zu machen. Alles brennt vor Begierde, sich mit den Dänen zu messen; die Preußen find vom Eifer entflammt, ihre Landsleute vom Joche der Fremdherrschaft zu befreien und den Dänen ihre stechen Schimpfworte gegen die Deutschen zu ver­gelten.

(H. B. H.) Einem Privatbriefe entnehmen wir Folgendes über ein Mißgeschick, welches in Eckernförde der Hambur­ger Freischaar begegnet ist. Das Korps, an welches sich Kieler Freischaaren angeschlossen hatten, war am 11. Abends sehr ermattet (da die Nacht vorher sehr beschwerliche Dienstlei­stungen erfordert hatte) in Groß Königsförde angekomyren und hatte am folgenden Morgen, als daselbst die Nachricht eintraf, die Dänen seyen in Eckernförde gelandet, Befehl erhalten, dort­hin abzugehen. Das Korps traf spät dort ein und es wurde der Einmasch in zwei Abtheilungen angeordnet. Die erste ern-