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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

31 19. Mittwoch den 19. April 1848.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige PränumeratisnSpreis ist in Wiesbaden Ä fl. W 'den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Knrfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 3 ff 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 2 fl. 40 fr. Inserate werden die drei­spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen. , .

Uebersicht.

Die Kriegsgefahr am Rhein.

Ein Aufruf.

Schilderung der Zustände in Posen.

Deutschland. Wiesbaden (Die Versammlung der Geistlichen in Adstein). Vom Rhe in (Dte Schwäche Deutschlands zur See). Gießen (Zustimmung zu dem Programm vom 7. April). M a»n - heim (Aus dem Seekreis. Unruhen in der Stadt. Die Deutsche Ztg. über die Aufwiegelung im Oberlande). Aachen (Das Militär). Berl in (Die Preußen in Schleswig. Ausbruch der Sträflinge in Spandau. Aus Posen. Die Zahl, der Gefallenen vom Militär in den Mârztagen). Breslau (Militärverschwörung in Warschau). Prag (Die Czechen und die Deutschen). Hamburg (Ausweisung).

Altona (Die Antwort des Königs von Dänemark). Von der Niederelbe (Behandlung der Gefangenen in Kopenhagen). Rends­burg (Nachrichten vom Kriegsschauplatz).

Frautreich. Paris (Cavaignac. Metallwerth der Bank. Die Schul- denmaffe der Zivilisten).

Großbritannien. London (Folgen der Chartistendemonstration. Die Ostseeschifffahrt).

Sprechfaul für Stadt und Land.

* Die Kriegsgefahr am Rhein.

Es wird nicht lange mehr währen, dann werden wir schrei­ben müssen: der Krieg mit Frankreich ist eine Noth­wendigkeit geworden.

Die Negierungen wollen den Frieden und die Völker können den Krieg nicht brauchen. Allein schon sammeln sich jene kleine­ren Verwicklungen, wo jede einzelne an sich nicht viel sagen will, aber alle zusammen werden sie als ein tragisches Schicksal die Völker und Regierungen wider ihren Willen zum Kriege zwingen. Der Krieg wird mit ememmale da seyn, mag man nun sagen, er ist durch Zufall, eine Fügung, eine dunkle, ver­nunftlose Nothwendigkeit herbeigeführt oder durch gegenseitigen freien Willen.

Die Massen der deutschen Arbeiter, vermischt mit herunter­gekommenen Franzosen, wachsen stündlich in Straßburg. Und wer steckt hinter denselben? Täuschen wir uns nicht, ganz heim­lich steckt doch auch die provisorische Negierung hinter ihnen. Die provisorische Negierung befindet sich in einer nicht beneidenswer- then Lage, sie sucht sich zu helfen und dazu braucht sie einen Krieg- Sie spricht außerordentlich viel vom Frieden: wovon man am meisten spricht, daran denkt man oft am wenigsten.

Die provisorische Regierung hat nach den neuesten Nachrich­ten die Anforderung gestellt, daß man eine Schaar von 30,000 Franzosen durch Deutschland marschiren lasse, den Polen zu Hülse. Deutschland darf dies nicht bewilligen; es wäre das verderblichste Bekenntniß seiner Schwäche. Was würde wohl Frankreich dazu sagen, wenn man ihm jetzt zumuthetc, 30,000 Deutsche, von denen etwa zwei Drittheile aus Verbrechern, nichts­nutzigem Gesindel und zügellosen Vagabunden bestünden, durch Frankreich meinetwegen nach Spanien, ziehen zu lassen? Binnen acht Tagen kann ein solches Anmuthen die Kriegserklärung her- beigeführt haben.

Und was soll diese Schaar, abgesehen von der Gefahr, welche der Durchmarsch über unser Vaterland brächte, im Augen­blicke in Polen machen? Den Haß der Polen gegen die Deut­schen schüren helfen? Sind unsere östlichen Marken nicht schon mehr als genug von den Polen eingeängstigt? Haben die Polen dem deutschen Volke die Begeisterung, welche es seit Jahr und Tag für ihr Volksthum hegte, nicht besser vergelten können, als dadurch, daß sie jetzt deutsches Land für ihre Nationalität an- sprechen und die deutschen Bewohner Posens mit jeglicher Schreck­lich bedrohen ?

Und wenn nun auch die anmaßliche Forderung dieses Durch­marsches friedlich erledigt würde, ja wenn die provisorische 9te» gierung dieselbe gänzlich zurücknähme was wäre damit ge­wonnen ? Einen viel verwickelteren Knoten haben uns die deut­schen Schaaren geschlungen, welche aus Frankreich herüber­rücken.

Ein Theil dieser Arbeiter wird unser gastliches Anerbieten annehmen und ruhig herübcrkommen, Jeder an seinen heimath­lichen Hecrd; ein anderer Theil wird sich vielleicht unter sich, wozu bereits der Anfang gemacht ist, aufreiben; aber ein großer Rest wird gewiß den gewaltsamen Einbruch versuchen, und sollte er auch jeden Anlaß dazu in der Verzweiflung mit Gewalt vom Zaune ahreHptt.

Wird das französische Volk, wird das Proletariat, welches jetzt Herr ist jenseit der Vogesen, ruhig zusehen zu dem wag­halsigen Versuch? Nein! die französischen Arbeiter werden den deutschen helfen wollen, und wenn dann Lamartine zu viele Friedenshymnen dichtet, dann wird man ihm selbst den Krieg erklären, zusammt der übrigen provisorischen Regierung, und ist sie gestürzt, dann wird eine andere auferstehen, welche ihre Po­pularität in dem nationalen Kriege gegen Deutschland suchen muß.

So ist die Lage der Dinge am Rhein. Man braucht ge­rade kein prophetisches Gesicht zu haben, um hier ein Stückchen in die Zukunft schauen zu können.

Deutsche Männer!

Es bedarf keiner Ermahnung an Euch der Freiheit treu zu bleiben und dem Vaterland, laßt uns aber die großen Ereignisse inS Auge fassen, die uns bevorstehen.

An Deutschlands Gränzen wüthet der Krieg oder ist dem Ausbruche nahe. Die halben Maaßregeln des Berliner Kabi- nets haben unsere Brüder in Schleswig dem Feinde in die Hand gegeben; der Pole, der von Deutschland seine Befreiung hofft und begehrt; steht im Begriff, die deutsche Bevölkerung Posens zu unterjochen; der Italiener wagt es in Tyrol cinzu- fallen; und unsere eigenen Landsleute eilen von Paris und Lyon herbei, um unsere Gauen mit Krieg zu überziehen und dem deutschen Volkswillcn sich feindlich entgegen zu stellen.

Ucberall Schwäche, Undank, Unverstand.

Werden wir dieses Heinen Krieges nicht einmal Meister, was sollen wir von der Zukunft erwarten? Wo bleibt die Energie des Bundestags und der Gehör, am des Fürsten gegen ^'" Am erstenM« wird die funsu reute Nationalversammlung her Deutschen zusammentreten. Vom ganzen Oolke erwählt,