Lembergern „Ausländer" zu erblicken ? War es deutsch, wenn überhaupt diese ganze Partei unverholen aussprach, daß sie, sofern man sie nicht rasch zum Ziele führe, sich lieber alsbald den Franzosen in die Arme werfen wolle? War es deutsch, wenn diese Männer ein ekelhaftes Spiel mit der Volksanbetung trieben, und in eben dem Maße die Speichellecker des Volkes waren, wie es sonst nur jemals Speichellecker der Fürsten gegeben hat?
Es gehört auch jetzt noch Muth dazu, dies Alles offen zu sagen, aber es ist eine Bürgerpflicht, daß man es sage.
Und ivas hat diese anarchistische Partei erreicht? — Sie hat uns wieder an den Abgrund der Reaktion geführt. Die Männer des alten Systems reiben sich jetzt vergnügt die Hände über diese Geschichte, denn sie wissen, daß die Unzucht, welche man mit der Freiheit und den Volksrechten getrieben hat, das Grab von Beiden ist.
Fickler, Hecker, Struve rc. haben in jüngster Zeit in Baden das Volk, die Presse, die Kammer lyrannisirt ärger, als es selbst ein Blittersdorf thun konnte. Und da kommen nun die Reaktionäre und Jesuiten, schmunzeln und sprechen: Ei seht doch, seyd Ihr denn frei geworden? Nein! Ihr habt nur die Herren gewechselt, und die neuen Herren sind just nicht besser als die alten!
Wir aber sagen, wir wollen die Despoten im Namen des Volkes so wenig als weiland die Despoten der hohenpriesterlich- königlichen Autorität von Gottes Gnaden, wir wollen die neuen Zwingherrn so wenig als die alten. — Gestern haben wir die Jesuiten fortgeschickt, heute sind sie wiedergekehrt; die von gestern trugen nur ein Priesterkäppchen, die von heute tragen eine Jakobinermütze.
Und wenn ich von Herzen ein Republikaner wäre, dann würde ich doch sagen, ich will wenigstens mit diesen Herren kein Republikaner seyn. Denn ein Republikaner, bei dem der Parteifanatismus selbst Treu' und Redlichkeit erstickt, ein Republikaner, der sein deutsches Vaterland vergessen, ja verrathen kann, kurz ein Mann, der Republikaner und Jesuit zugleich seyn will, der muß entweder ein großer Narr seyn oder ein großer Bösewicht.
i* Gegen das Manifest des Limburger „Vereins für religiöse Freiheit".
Hachenburg, den 10. April.
Aus unserer Stadt ist folgende „brüderliche Mahnung an die nassauischen Mitbürger" ergangen, welche im Druck über das ganze Land verbreitet werden soll:
„Männer des Nassauischen Landes!
„Mit Vertrauen wendet sich eine Anzahl Eurer Mitbürger an Euch, um Euch zu sagen, was sie jetzt zur Wohlfahrt des Landes für nöthig hält, um Euch auf Gefahren aufmerksam zu machen, die unserm Volke drohen und Euch aufzufordern, daß Ihr mit uns sorget und arbeitet, damit Unglück abgewendet und Frieden erhalten werden möge.
Fragt Ihr: Wer hat Euch dazu Macht gegeben? So antworten wir: Die Liebe zu unserem Vaterlande hat es uns geboten und diese Liebe ist eine Macht, die überall herrscht, wo brave Männer wohnen. Sie gibt uns ein Recht, zu Euch zu reden, als Brüder zu Brüdern.
Aber welche Gefahren drohen uns dann? Wo ist der Feind, der uns Uebels thun will? — Von den äußern Feinden, den Franzosen und Russen, reden wir nicht, denn gegen diese wird Ö Deutschland, wenn es Noth thun sollte, seine starken en kehren. —
Wir denken an einen Feind in unserm Lande selbst, an die Zwietracht, welche unter die Bürger desselben gesäet werden soll, und diesen schlimmsten aller Feinde müssen wir selbst und allein überwinden.
Ihr steht betroffen, als wolltet Ihr sagen: Wo ist aber dieser Feind ? — O! liebe Mitbürger! das ist eben das Allerschlimmste an diesem Feinde, daß man nicht sagen kann, wo er ist, und daß cs, wann er sich zeigt, zu spät ist, ihn zu vertreiben. Darum mahnen wir Euch ernstlich, auf Eurer Hut zu sein, damit er sich nicht einschleiche Einschleichen will er sich aber in Eure Herzen und in Eure Gemeinden durch das Mißtrauen, welches man zwischen die verschiedenen Glaubensgenossen streut. — Glaubt also, liebe Brüder, denen nicht, welche Euch jetzt sagen, die Religion sey in Gefahr, denn die Religion steht fester, als die Thoren meinen! Traut Denen nicht, welche Euch
jetzt so angelegentlich auffordern, nur Männer in die Landstände zu wählen, welche „die religiöse Freiheit" für Alle wollen; denn nicht immer ist der ein Freund der religiösen Frei- heit, welcher von ihr spricht! Folgt Denen nicht, welche in die Berathungen über bürgerliche Angelegenheiten die Religion einmischen wollen; denn solche schaden der kirchlichen Freiheit eben so sehr, als der bürgerlichen. Seyd darum wachsam, Ihr Brüder, damit man Euch nicht unter dein Vorwande, Euch die Freiheit zu sichern, die Freiheit selber raube.
Ueberlassen wir es den geistlichen Behörden des Landes, die Wohlfahrt der Kirche zu lenken und die Angelegenheiten der Religion zu ordnen. Sorgen wir dafür, daß wir nicht Männer' in den Landtag rvählen, welche über der Aengstlichkeit für ihre Kirchengemeinden das Glück des Landes, ja ganz Deutschlands vergessen. Achten wir bei den bevorstehenden Wahlen nicht auf Solche, bei denen wir fürchten müßten, daß sie in den versammelten Ständen über Religion streiten würden. Wenden wir unser Vertrauen nicht Denen zu, von welchen wir besorgen könnten, daß sie, wenn auch in guter Absicht, das thun oder sprechen würden, was die Gemüther mit religiösem Haffe erfüllen möchte. Stimmen wir vielmehr einmüthig für solche Abgeordnete, welche ein warmes Herz und einen offenen Mund, für das Volk haben, für Männer, welche mit treuer Liebe zum Vaterlande Einsicht und Kraft vereinigen, die bürgerliche Freiheit zu bewahren, den Haushalt des Landes zu ordnen, die öffentlichen Lasten zu vermindern und ein wahrhaft edles Volksleben zu bilden.
Männer Nassau's! welchen Glaubens Ihr seyn und zu welcher Kirche Ihr Euch bekennen möget, auf Euch siehet die Mit- und Nachwelt, sieht der Herr im Himmel! Könntet Ihr die eben freigewordenen Hände thöricht in die Fessel stecken, welche geistliche Herrschsucht Erich anlegen möchte: dann wäret Ihr nicht werth, in einem freien Lande zu wohnen; Eure Mitbürger würden Euch Verräther heißen und Eure Kinder und Kindes- Kinder Euch fluchen.
Hinweg denn mit Denen, welche das Vaterland in kirchlichem Hader verderben wollen! Herbei, ihr Männer der Treue, daß wir zusammenstehen gegen die, welche die junge Freiheit unter dem Mantel der Religion zu begrabe» suchen. Wir wollen Recht, wir wollen Wahrheit. Wahrheit und Recht, das ist die rechte wahre Freiheit.
Gott mit uns und Euch! - „ ‘ | Hachenburg, den 5. April 1848.
Die Freunde des Vaterlandes."
Deutfehland.
ist Wiesbaden, 12. April. Mit Beziehung auf das erlassene neue Wahlgesetz sind in -diesen Tagen die Listen der Urwähler aufgestellt und die Vorbereitungen zur Wahl getroffen worden; so erfreulich es nun ist, daß in unserer Stadt dich Angelegenheit möglich beschleunigt wird, so sehr ist es zu bedauern, daß ein großer Theil der jüngeren Bewohner Wiesbadens sich bei den Einladungen zur Urwahl zurückgesetzt glaubt. Es if der Satz bei Ausstellung der Listen festgehalten worden, daß nur diejenigen volljährigen Bewohner der Stadt zur Wahl zuzulassen seyen, welche als selbstständige Bürger in die Gemeinde ausgenommen sind; hiergegen wäre natürlich nichts einzuwenden, wenn nicht der mißliche Umstand hinzuträte, daß eine nicht unbedeutende Anzahl minderjähriger Angestellter, zum Theil solcher, die noch im elterlichen Hause wohnen (als Kanzlisten,, Lieutenants rc.), weil sie als Staatsbürger betrachtet werden, ein Recht ausüben dürfen, das Anderen oft Volljährigen versagt ist, die sich durch nichts von den Genannten unterscheiden, ; als daß sie, statt ihren Unterhalt auf Schreibstuben re. zu suchen, in dem Geschäfte ihrer Eltern betheiligt sind. Dazu kommt dik Möglichkeit, daß solche junge Männer sogar zur Ausübung bei höchsten bürgerlichen Rechtes der Volksvertretung in Ständekam mer und Parlament gewählt werden können, ohne daß sie DI auch nur bei den Urwahlen betheiligen durften. Es ist deßhalb ' eine gewisse Mißstimmung unter den jüngern Wiesbadenern z» bemerken, und es sind die, wenn auch nicht zu billigenden, doch erklärlichen Aeußerungen gefallen, daß der Eifer in der Erfüllung gewisser Pflichten, z. B als Wehrmänner nothwendig erkalte» werde, wenn man ihnen das Recht der Urwahl versage. $ bedarf gewiß nicht des Beweises, daß eine Zurücksetzung »om Gesetze nicht beabsichtigt wurde; aber rathsam ist es den" do,ch schon jetzt darauf aufmerksam zu machen, daß dem betref