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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^U LS. Samstag den LS April L8L8.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige PrânumerationSpreis ist in Wiesbaden 2 fl., wozu bei auswärtigen Postämtern noch der Postaufschlag kommt. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

U e b e r s i ch t.

Die Niederlage der anarchistischen Partei in Baden.

Gegen das Manifest des LimburgerVereins für religiöse Freiheit".

Deutschland. Wiesbaden (Die Wahlen). Frauenstein (Zustim­mung zu dem Wiesbadener Programm). Höchst (Die Wahlen).

Kamberg (Erklärung). Frankfurt (Anfrage der Bundesver­

sammlung an Kurhessen). Wetzlar (Ein Freischaarenzug gegen Braunfels). Kassel (Näheres über die dortigen Vorfälle). Köln . (AufstanbSversuch im Arresthause). Meiningen (Mordthat). Dresden (Minister von Holzendorf dankt ab). Berlin (Finanz­proposition). Pleschen (Rüstungen der Polen zum Kampf gegen die Preußen). Von der Niederelbc (Landung der Dänen. Vor- kebrnngen im Kieler Hafen. Baarfumme in Altona vorgefunden). Schleswig-Holstein (Halb Schleswig in Feindeshand). Altona (Flensburg erobert)., Rendsburg (Gefecht bei Holniß). Wien (Anlehen bei der Nationalbank. Die Wiedereroberung Venedigs beschlos­sen). Grätz (Volkstumult).

Frankreich. Paris (Nationalbank. Aufruhr. Die Abdankungsakte Ludwig Philipps).

Rußland. Petersburg (Die Ostseeprovinzen sollen in ihren Rechten ungefährdet bleiben. Erläuterungen zum kaiserlichen Manifest).

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Die Niederlage der anarchistischen Partei in Baden.

Die jüngsten Vorfälle in Mannheim und Karlsruhe haben nicht mit für Baden, sondern für ganz Deutschland eine ent­scheidende Bedeutung.

Die Schreckensherrschaft einer Partei ist gebrochen, welche im Namen der Freiheit uns schmählich tyrannisiren wollte. Diese Leute wollten Republikaner seyn und haben das Volk be­zogen, sie wollten Rupublikaner seyn und haben ihr Vaterland verrathen. Die Kardinaltugenden eines Republikaners sind Ge­radheit, Ehrlichkeit und heiße Vaterlandsliebe. Wir haben es bei diesen Männern der Zerstörung gar nicht mit Republikanern ; zu thun, sondern nur mit Lügnern und Landesverräthern.

Hört es, wie schmählich die deutschen Arbeiter in Paris. von [ diesen Anarchisten belogen und betrogen worden sind.

Der Obmann der ersten Lyoner Arbeiterkolonne, Fischer, gibt in der Karlsruher Zeitung folgende Erklärung ab:

Als vor 6 Wochen die glorreiche Revolution in Frankreich ; ausbrach, wurden auch wir Deutsche von der Begeisterung, die - sich überall und aus jedem Munde aussprach, hingerissen, ähn­liche Umwälzim^en unserm Vaterlande zu wünschen, und wir fühlten in ttcfnn^Sinne stärker als je die Nothwendigkeit, Alle , zusammen uns zu vereinigen, um erfahren zu können, welchen ; Eindruck erwähnte Revolution auf das übrige Europa, zunächst r aber auf unser deutsches Vaterland hervorbringen werde.

Da erscholl auf einmal von Paris aus der Ruf an alle deutschen Arbeiter, die in Frankreich sind, mit Herwegh an deren ^"itzein unser deutsches Vaterland zu marschiren, um vereint mit unsern Gesinnungsverwandten daselbst die Republik zu pro- namiren und sie mit unsrem Arme zu unterstützen. Zu diesem Schritte wurden wir durch folgende Thatsachen aufgefor- bert und ausgemuntert, nämlich: Der König von Preußen sey strängulirt; Fürst Metternich gekövft;Rhein­

preußen habe sich von Preußen losgesagt und ver­eint mit Rheinbaiern die Republik proklamirt; die Festungen Rastatt, Germersheim, Landau seyen in den Hän­den der Bürger, das Militär, mit Ausnahme des badischen in starkem Kampfe mit den Bürgern, und man verlange schnell die Hülfe der deutschen Arbeiter, um die Bürger zu unterstützen. Dies und noch tausende von Ereignissen wurden uns theils durch Briefe, theils durch Zeitungen und von Durchreisenden bekräftigt, und wer konnte noch länger säumen, dem sein Vaterland noch lieb und theuer ist, und im Auslande verbleiben, während ihm der klägliche Hülferuf seiner Brüder das Herz durchschnitt? Von diesen Gefühlen durchdrungen, be­schlossen wird alsbald aufzubrechen."

Nach einem mühseligen Marsche kamen die Arbeiter nach Straßburg und dort erfuhren sie, daß Alles Lüge und Täu­schung gewesen war! Die Erklärung schließt mit den Worten; Wer in aller Welt wird jetzt die Verantwortung auf sich neh­men, der uns so schmählich, ja gottvergessen, über 100 Stunden Wegs herlockte, und wir jetzt von unsern Brüdern daheim wie Feinde und Verräther am Vaterlande betrachtet werden?"

Daß die anarchistische Partei in Baden auch hier unter der Decke steckt, ist nach den jüngsten Enthüllungen wohl nicht mehr zu bezweifeln, schweizerische Sendlinge wirkten im . Seekreis, französischer Einfluß regte sich in Mannheim. Und jene Män­ner, wie ein Fickler u. A., die das Land verrathen wollten, um ihren ehrgeizigen Despotismus der Freiheit durchzuseben, nann­ten sich Volksmänner? Wenn man in freien Staaten mit Recht die Todesstrafe bei allen Verbrechen abschaffte, dann sollte man doch ein einziges noch als allein todeswürdig be­zeichnen den Landesverrath, denn das Unheil, welckes der Landesverräther über Volk und Vaterland berbeiführen kann, ist zu maßlos und die Frevelthat zu unnatürlich.

^Es war eine große Handlung des Bürgermuthes, daß Mathy Fickler verhaftete. Wer da weiß, mit welchen Drohun­gen jene Parte: ihre Freiheit den Leuten einzuängstigen suchte, der weiß auch, daß ein ganzer Mann dazu gehörte, um einen Agitator wie Fickler ter Gerechtigkeit zu überweifen.

Aber damit ist die Sache noch nicht zu Ende. Es sind noch andere Namen im Spiel, Namen, mit denen man in jüng­ster Zeit eine wahre Abgötterei trieb, ohne es eigentlich zu wissen, was diese Leute wollten und wie sie es wollten. Dahin rechne ich - gerade heraus gesagt Hecker und Struve. Eines verbrecherischen Einverständnisses mit Fickler sind sie, so viel ich weiß, nicht bezüchtigt. Aber undeutsch und unredlich war ihr Treiben bisher, sie haben es wahrlich nicht verdient, daß man sie Männer des Volks nannte. Oder war dieses ewige Verdächtigungssystem etwa redlich? war es redlich, wenn Hecker in der Kammer sich wandte und drehte, um einer Erklärung dar­über auszuweichen, daß er die verfassungsmäßigen Stre­bungen des Ministeriums unterstützen würde, und endlich weder ja, noch nein sagte? war das Verfahren bei der Frankfurter Versammlung redlich? Ein Mann des Volks darf nicht den Parteibaß auf die Spitze treiben, ein Mann des Volks darf sich nicht jesuitischer Beweisführungen bedienen, um' seine Zwecke gewaltsam durchzusetzen.

War es deutsch, wenn Hecker, sobald man ihm in den Weg trat, mit Lamartine und Palmerston drohte? War es deutsch, wenn er in offener Versammlung erklärte, daß er denGaul der Rationalität" nicht reiten wolle? War es deutsch, wenn er die Bewohner seines Landes dazu aufstachelte, in den Oester- reichern und nachgehends gar in den freien Hessen und Wart-