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nach den Ansichten der Versammlung ein Volksvertreter in sich vereinigen muß. Als solche wurden bezeichnet:

1) Bewährter rechtlicher Charakter.

2) Die erforderliche geistige Bildung, um seine Gesinnung mit Nachdruck vertreten zu können.

3) Unabhängige Stellung.

4) Kenntniß der Bedürfnisse des Volkes. Zuletzt wurde der Beschluß gefaßt, diese Berathung Sonntag, den 10. April, Nachmittags 2 Uhr, zu Königstein im Saale der Gebrüder Pfaff daselbst fortzusetzen And alsdann Männer in Vorschlag zu bringen, welche durch die genannten Vorzüge sich zu würdigen Vertretern des Volkes eignen.

Möge die Versammlung eine ihrer Bedeutung und ihrem Zwecke entsprechende Theilnahme finden!

Frankfurt, 6. April. (Wes. Z.) Hier finden fast täglich im Freien große Versammlungen der Handwerksgeselle» Statt, namentlich der Schuster und Schneider, sie dringen auf kürzere Arbeitszeit und größeren Lohn; republikanische Bestrebungen liegen ihnen nicht fern; in geordneten Zügen kehren sie gewöhnlich in die Stadt zurück, imponiren durch ihre Menge, wenn sie durch die Straßen ziehen, und durch ihre Ruhe. Ruhig!" sagen sie,wir wollen nicht lärmen und schreien wie die Herren im Parlament."

Kassel, 10. April. Unsre ganze Stadt ist in wilder Bewegung. Der Kurfürst wollte den General von Löbel seiner Stelle als Kommandant von Kassel entheben ; allein der Kriegs­minister erhob Einsprache hiegegen und erhielt seinen Abschied, worauf sämmtliche Minister ihre Entlassung forderten. Der Kurfürst willigte nicht ein, sondern nahm vielmehr die Maßre­geln gegen Löbel und den Kriegsminister sofort zurück. Darauf hin hatte sich eine gewaltige Menschenmenge gestern Abend auf­gemacht, um den Ministern ein Lebehoch zu bringen. Auf das eigenmächtige Kommando eines Lieutenants brach eine Abtheilung Gardesoldaten in diese Schaar von Bürgern ein und verwundete mehrere. Darüber hat sich ein heftiger Kampf in den Straßen entsponnen, Barrikaden sind in der vergangenen Nacht errichtet worden, mehrere ehemals hochgestellte Männer, auf denen der Ver­dacht des Volkes ruht, haben die Stadt verlassen. Seit heute Morgen ist cs jedoch wieder etwas ruhiger, aber noch kann man das Ende dieser Vorfälle nicht absehen.

Der Kurfürst hat soeben eine Proklamation erlassen, worin das freventliche Einschreiten der Leibgarden als eigenmächtige Willkür eines Einzelnen dargestellt und Genugthuung nach der ganzen Strenge des Gesetzes versprochen wird.

Der sofortige Ausmarsch der Garde du Corps und dann die Auflösung derselben ist angeordnet worden.

Aus dem badischen Oberland, 9. April. (Freib. Z.) Nach einer Mittheilung des Militärkommandanten zu Hüningen an das Großh. Hauptzollamt zu Leopoldshöhe ist es gestern Nacht in einem Walde bei Hüningen zwischen dem französischen Militär und sechzig deutschen Arbeitern zu einem Zusammenstoß und Gefecht gekommen, bei welchem es auf beiden Seiten Ver­wundete und auf Seiten des Militärs einen Todten gegeben hat. Neun Arbeiter wurden gefangen genommen, die übrigen zerstreut. Das Militärkommando in Lörrach, von dem Vor­gang in Kenntniß gesetzt, hat sogleich die nöthigen Vorsichts­maßregeln an der Hüninger Brücke getroffen.

(A . Z.) Aus Donaueschingen vom 6. April liegen traurige Berichte über bewaffneten Widerstand gegen den Ein­marsch württembergischer Hülfstruppen vor. Ueber 8000 Bauern aus der Baar und dem Schwarzwalde schaarten sich dort zusam­men und sandten eine Deputation nach Karlsruhe, um den augenblicklichen Rücktritt des Ministers Bekk und des Markgra­fen Wilhelm zu verlangen. Die württembergischen Truppen er­warteten weitere Weisungen von Stuttgart. Der Schwäbische Merkur macht aufmerksam auf das Unsinnige der Vermuthung, daß das Ministerium Römer zu einem Reaktionsversuch die Hand bieten könnte!

Aus dem Erzgebirge, 6. April. (D.A.Z.) So eben geht uns von dem Ortsgeistlichen des Dorfes Grumbach bei Annaberg durch briefliche Mittheilung eine herzerschütternde Schil­derung von dem Jammer und dem Elende zu, welches der Hungertyphus in seiner Gemeinde anrichte. Binnen acht Tagen sind 25 Personen gestorben, ja an einem Tage wurden sechs begraben, während andere sechs auf der Bahre lagen. Der größte Theil der Bevölkerung, auch die Wohlhabendsten, sind von dem Typhus ergriffen; die Mehrzahl der Ergriffenen stirbt, nur die sorgsam Gepflegten haben auf Genesung zu hoffen.

Berlin, 10. April. (Köln. Z.) Die Regierung hat fast einstimmiges Vertrauens-Votum erhalten.

Der Landtag ist geschlossen.

Berlin, 5. April. (A. Z.) Der Sturz des Polizei­staats personifizirte sich in den letzten Tagen aus recht tragische Weise in dem Schicksal des weithin bekannten Polizeidirek­tors Duncker. Dieser war seit dem 19. März nur selten und stets bei fest verschlossenen Thüren in seiner Wohnung, denn er hatte sich in den Kopf gesetzt, und zwar nicht ganz grundlos, die befreiten Polen werden in Verbindung mit andern Opfern seiner Polizeigewalt Rache an seiner Person üben.

Am 1. April kam er wieder in seine Wohnung, und ver­brannte hinter Doppelschloß und Riegel viele geheime Papiere. Er, der sonst mit so vieler Vor- und Umsicht handelte, hatte bei seiner gegenwärtigen Stimmung von Furcht und Angst die Ofen­röhre verschlossen gehalten (denn Verschließen war nun seine Gewohnheit), der Rauch und Qualm drang durch das Fenster, und die Leute auf der Straße riefen: Feuer! Man drang hin­auf und schlug die sich nicht gleich öffnende Thüre, in der Vor­aussetzung , Hr. Duncker sey nicht zu Hause, mit Aerten ein. Aber Hr. Duncker war schon durch das verworrene Geschrei auf der Straße ohne Besinnung, und als nun gar die Thüre einge­schlagen wurde, lag es ihm in seinen unklaren Augen klar vor, daß die Rächer mit Mordgewehren hereindringen, und er stürzte sich durch'ö Fenster auf die Straße hinab und verletzte sich so gefährlich, daß man für sein Aufkommen besorgt ist.

Berlin, 7. April. (Wes.-Z.) Gestern Abends zog ein etwa 1500 Mann starker Hause Arbeiter nach Charlottenburg, um dort, wie man es nannte, eineZüchtigung" dafür vorzu­nehmen, daß die dortigen Einwohner das von hier abgezogene Militär so freundlich ausgenommen hätten und außerdem die dortigen Tagelöhner für einen billigen Preis arbeiteten. Die Charlottenburger schützten sich jedoch gegen diesen Ueberfall, in­dem sie die über die Berliner Chaussee führende Brücke aufzo­gen und so den Einzug hinderten.

O Posen, 7. April. Gestern ist die folgende Proklamation hier erlassen worden. Daß man an eine Wiederherstellung Po­lens nicht denkt, leuchtet aus derselben hervor; sie wird wohl die öffentliche Meinung in Deuschland aufklären, welche in der Bestimmung, die man dem Herzogthum Posen geben zu wollen schien, den ersten Schritt zur Wiederherstellung Polens durch deutschen Einfluß erblicken zu können glaubte.

Einwohner des Großherzogthums Posen!

Die Reorganisation der Provinz, wie sie Se. Majestät versprochen, soll beginnen; ich bin dazu mit den nöthigen Voll­machten versehen. Ich hoffe, das Vertrauen der ganzen Be­völkerung kommt uns bei dem schwierigen Werke entgegen, dürfte ich das nicht hoffen, würde ich den sonst so ehrenvollen Auftrag nie übernommen haben.

Polen! Ihr wünscht eine nationale Regierung, ein natio­nales Gerichtsverfahren in Eurer Sprache, Ihr werdet Beides haben; als erste Sicherheit dafür haben Se. Majestät bestimmt, daß ein Mann polnischer Abkunft an die Spitze der Verwal­tungsbehörde treten, und daß die freie Wahl der Landräthe wieder gegeben werden soll. Ihr wünscht eine nationale Be­waffnung,' Ihr habt sie schon an der Landwehr; es gibt keine volksthümlicherc als diese. Alles was Ihr wünschen könnt, wird sich leicht an sie anschließen, und ich werde gern Vorschläge erfahrener Männer unter Euch entgegenehmen über Aenderungen, welche etwa begehrt werden könnten, wie z. B. Abzeichen und Dienstsprache.

Deutsche! Hegt keine Besorgniß; die Rechte, welche Eure Sprache Euch giebt, sind unverletzbar, ganz Preußen gewährt sie Euch. Als leitendes Prinzip für die künftigen Einrichtungen steht fest, daß jeder in seiner Sprache regiert werde, in ihr sein Recht empfange. Keiner soll nöthig haben, zu irgend welcher Behörde in einer andern Sprache zu reden als in der seinigen, noch darf.er anders als in ihr beschieden werden oder sein Ur­theil empfangen. Habt Vertrauen zu Euren polnischen Lands­leuten, bei aller natürlichen Aufregung der letzten Zeit haben sie doch die ernstesten Anstrengungen gemacht, Keinem von Euch zu nahe zu treten. Einzelnes ist eine Ausnahme, die sie selbst be­klagen, und auch Einzelne von Euch haben nicht immer das rechte Maaß gehalten.

Darum vor Allem keine gegenseitigen Anschuldigungen, seht nur auf das Ganze, seyd nachsichtig und mild gegen das Ein­zelne.

Nach diesen allgemeinen Andeutungen soll nun sofort ans Werk geschritten werden. Aber eine Vorbedingung muß rch machen: zuvor muß Ordnung und Gesetzlichkeit vollkommen wieder hergestellt seyn. Es darf keine Autorität im Lande geben,