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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 14. Freitag den April 1848.

Die Raff. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Prânumètationspreis ist in Wiesbaken 2 fl., wozu bei auswärtigen Postämtern noch der Postaufschlag kommt. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum nist 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Auch ein Glaubensbekenntniß.

Die neuen Deputirtcuwahlcn (Dritter Artikel).

Deutschland. Wiesbaden (Wer zum Landtage und in's Parlament zu wählen sey. Der Frauenverein). Vom Taunus Wahlversammlung in Hofheim). Frankfurt (DieRuhe" im Vorparlament).

Kassel (Nene Unruhen). A n S dem badischen Oberland (Zu­sammenstoß französischer Truppen und deutscher Arbeiter). Aus Do­naueschingen (Widerstand gegen das Einmarschiren der wurtembergi- schen Truppen). AnS dem Erzgebirge (Die Hungerpest). Ber l i n (Der Landtag geschlossen. Polizeirath Duncker. Bewegung unter den Arbeitern). Posen (Proklamation). Schleswig (Ein Vorposten­gefecht. Der Waffenstillstand). Wien (Zichy vor ein Kriegsgericht ge­stellt. Die Armee auf dem Kriegsfuß. Die Oesterreichische Zeitung über die Lombardei).

Frankreich. Paris (Die fremden Arbeiter. Ein Komplott.

Italien. Mailänder Bulletin. Aus dem Jura (In Savoyen die Republik ausgerufen).

Sprechsaal für Stadt und Land.

* Auch ein Glaubensbekenntnis

Die wahrhaft würdige Haltung, welche der überwiegend größte Theil der deutschen Presse seit der Gewährung der Preß­freiheit behauptet hat, gereicht wahrlich dem Vaterlande zum nicht geringen Ruhm.

Es strömt gegenwärtig so erstaunlich viel gediegene und friste geistige Kraft in den besseren Zeitungsorganen zusammen, der edle Wetteifer der politischen Zeitschriftsteller ist so großartig, daß es schwer fällt, neben so vielen Würdigen ein wenigstens nicht ganz Unwürdiger zu seyn. Darum soll man sich allezeit die Hände waschen als zu einem großen und reinen Werk, be­vor man an's Zeitungsschrciben geht.

Betrachtet alle die größeren und besseren deutschen Zeitun­gen: Seit die Zensur aufgehört hat, hat auch die Klatscherei und Kannegießerei aufgehört, die widerlichen persönlichen Be­fehdungen und Verdächtigungen sind vorläufig und will's Gott für immer eingestellt ; die Zeit ist zu groß geworden, sie hat keinen Raum mehr übrig gelassen für die kleinlichen Katzbal­gereien der Journalisten.

Wer sich aber trotzdem jetzt noch mit dergleichen Dingen befaßt, der stellt sich freiwillig auf den Standpunkt der lokalen Winkeljournalistik, er bekundet, daß er die journalisti­schen Kinderschuhe noch nicht ausgetreten hat.

Wir halten es für einen Verrath an dem Volke, welches durch Zeitungen sich bilden, sich auf der Höhe der Ereignisse halten will, wenn man ihm jetzt noch durch kleinlichen journali- itllchen Skandal und persönliche Polemik die Zeit stiehlt. Wir wissen nicht, wie ein gewissenhafter Zeitschriftstcller solches bvr sich selbst und vor dem Volke verantworten kann.

Dies ist die erste und letzte Erwiderung, welche die Nedak- hon bey Nass. Allg. Ztg. auf irgendwelche gegen sic gerichtete persönliche Anfeindungen und Gehässigkeiten gibt. Sie wird wrtan wie bisher alle persönliche Befehdung nur durch Schweigen beantworten, sie äppellirt dabei an alle ÄcrnunKge

und weiß, daß ihre Appellation nicht vergebens ist; denn wenn sie für ein Publikum schreiben müßte, welches durch persönlichen Skandal herbeigelockt seyn und an den Katzbalgereien der Zei­tungsschreiber sich amüsiren will, dann würde sie lieber sofort alles Schreiben bleiben lassen.

ii Die neuen Deputirtenwahlen.

Dritter Artikel.

Die in No. 10 der Nass. Allg. Ztg. enthaltene Anfrage: ^u wre weit wird das allgemeine Wahlkomite für den gestern zusammen getretenen Verein Geltung haben?" läßt sich, nachdem das Ergebniß der Abstimmung bekannt geworden, wohl beantworten. Bei Männern, die in ihren politischen Ansich­ten einig sind, ist es im Ganzen von geringer Bedeutung, ob ein Mann Namens A, oder einer Namens B Mitglied eines Wahlkomites sey, wo aber entgegengesetzte Grundsätze hervor­treten, da ist cs von der allergrößten Wichtigkeit, nach der Zu- sammensetzung auch im Einzelnen zu fragen. Was nun den vorb-genden Fall betriff;, so glauben wir mit vollem Vertrauen aus die Gesinnung, welche dort sich Geltung verschaffen wird, Hinblicken zu können, wünschen jedoch, daß diejenigen Mitglieder des Wahlkomite's, die ihre Ansicht noch nicht ausgesprochen ha­ben , dieß auf irgend eine Weise thun mögen. Wer dem Pro­gramm vom 7. April beigetreten ist, hat dies gethan, wer dem- sclben nicht beizutreten beabsichtigt, möge irgendwie eine frische, runde Erklärung abgeben, damit Jedermann wisse, wessen man zu ihm sich zu versehen habe.

Wichtiger jedoch als dies ist die Art und Weise, wie in den nächsten acht Tagen die Wahl der Wahlmänner vorbereitet werden soll; auf keinen Fall dürfte es zweckdienlich seyn, bis auf den letzten Tag zu warten und dann ohne Weiteres irgend eine Lifte |i$ in die Hände spielen zu lassen. Wir sind der Ansicht, daß die Arbeiten des Wahlkomite's wesentlich gefördert und erleichtert werden können, wenn 1) jede Kompagnie der Wehrmänner nach gemeinsamer Besprechung 5 Männer in Vor­schlag brächte, wenn 2) von den Unterzeichnern des Programms voin 7. April etwa 5060 Personen als Kandidaten bezeichnet würden; wenn 3) das Wahlkomite selbst in allen seinen Glie­dern unter die Wahlmänner aufgenommen würde und 4) das Wahlkomite, nur durch diese Vorwahlen unterstützt, die Liste der von ihm vorzuschlagenden Männer zwei Tage vor der Wahl verlegte, damit noch Zeit wäre zur Berathung , und zwar so, daß einige Namen über die gesetzliche Zahl gegeben würden, unter denen Jeder die ihm mißliebigen ausstreichen könnte. Wir halten diese Vorschläge für ganz geeignet dazu, daß jedem Theile der Bürgerschaft seine Mitwirkung gesichert und zugleich dem Wahlkomite die bei der Kürze der Zeit nicht unbedeutende Arbeit erleichtert werde.

Ist diese Art der Verständigung aber nicht am Platze, so dürfte es nicht unzweckmäßig seyn, nach Stadtvierteln oder kleinen Distrikten zu wählen und zwar in jedem Viertel eine gewisse dem Verhältnisse der Wähler zu der Gesammtzahl der Bürger entsprechende Zahl. ' ; -

Vor Allem muß jedoch dafür Sorge getragen werden, daß den Rechten der Wähler kein Eintrag geschehe durch das Ein­mischen von Leuten, denen entweder ihrem Alter oder sonstigen Verhältnissen nach das Wahlrecht nicht zusteht. Daß solche