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dies wie ein elektrischer Funke durch alle Râumt deS HauseS. ES zündet stoch, aber dir Wirklichkeit ist zu gro geworden. WaS hier im ichattenhaftèn Bilde, klein und ge schminkt zwischen pappdcckelncu Kulissen vor uns auftaucht, daS haben wir Alle ja in diesen Tagen leibhaftig, riesengroß, in zermalmender Wirklichkeit zwischen den ewigen Granitfelsen der Weltgeschichte aufsteigere sehen. Das große Leben hat dieses kleine Spiel mit seinen niedlichen Puppeneffekten todt gemacht.

Doch kehren wir zu dem Stücke zurück.

Dieser Herzog Karl ist nicht, was man so gewöhnlich einen Tyrannen nennt, und der Schauspieler würde weit fehlgrei­fen, welcher ihn also auffaßte. Herzog Karl ist eine eigensin­nige, starrköpfige, pedantisch strenge Natur, er ist ein Korporal, auf die Potenz eines Herzogs erhoben. Er ist ein Mann vom alten Schrot und Korn, ein Ehrenmann, aber ein so fürchter­lich starrer Ehrenmann, daß man ihn fast einen Despoten nennen muß. Denkt man sich die übrige damalige Fürstenwelt, verweichlicht, jesuitisch, verderbt, ohne Mark und Halt daneben, dann hat dieser gestrenge alte Herr, der die junge Zeit nicht versteht, nicht verstehen will, der von Herzensgrund überzeugt ist, daß er nur seine verfluchte Schuldigkeit thue, wenn er die jungen Freiheitsmänner mit Skorpionen züchtige, etwas höchst Achtbares. In diesem Sinne versöhnt uns auch einigermaßen das Geständniß, welches er im 4. u. 5. Akte ablegt, mit sei­nem gewaltsamen, selbstherrischcn Geiste.

Wir freuten uns, daß der Darsteller deS Herzogs, Herr- Mey er, nicht, wie es anderwärts oft geschieht, geradezu den Tyrannen in dieser Rolle zeichnete. Allein auf der anderen Seite hat er uns doch den Herzog wieder etwas zu gutmüthig, zu gemüthlich gehalten. Ich meine, wenn man zu dem gebie­terischen, doch biderben Wesen, noch eine etwas stärkere Zuthat der eisigen, vernichtenden Strenge nähme, jenes kalten, schnei­denden Selbstvertrauens, das jede Ansicht so geltend macht, als ob sie schlechterdings der alleinseligmachende Glaube für Jeden werden müsse, dann erst würde diese Rolle auf die wir­kungsreichste Weise verwirklicht seyn.

Den Schiller darzustellen ist eine schwierige Aufgabe. Es gibt hier zwei Klippen. Entweder man macht einen Prome­theus in Zopf und Perücke aus ihm, der das Publikum und die Kulissen mit seinem Empörungsruf der geknechteten Frei­heit niederschreit, oder den sentimentalen, zerfahrenen moder-, nen Poeten, dem die Poesie fast nur ein süßschmeckendes Rat­tengift ist, mit dem er die böse Welt und zur Hälfte auch sich selbst vergiftet. Der Schiller der Karlsschüler hat allerdings sehr viel von beiden Elementen und gerade deßhalb ist er so weit entfernt von dem Schiller der Geschichte. Der selbst­schöpferische Schauspieler wird nun diese beiden Ertreme nie# derzuschlagen versuchen, er wird das kühne Beginnen wagen, trotz Heinrich Laube wenigstens ein Stück des historischen, wirklichen Schillers, wie er als Urbild dem deutschen Volke

vorschwebt, hineinzutragen, und in der Rolle aus eigener Kraft das zu verbessern, was Laube darin verdorben hat. Herr Stölzel hatte augenscheinlich das Bewußtsein, jene oben bezeichneten Ertreme zu vermeiden und hat sie auch vermieden, aber dadurch gerieth er auf eine gewisse indifferente Mittel­straße, wo der Dichter Schiller mitunter auf Kosten des Chirurgus Schiller verloren ging. Er versuche statt dessen einmal den Charakter schillerähnlicher und also dichterisch größer zu machen, als ihn Laube selbst gemacht hat, dann wird dem ganzen Stück erst eigentlich der rechte Halt und Mittelpunkt gewonnen seyn.

Laura ist, wie in den Schiller'schen Gedichten, das ge­staltlose in der Luft zerrinnende weibliche Idealbild. Je weniger Handlung, je weniger scharfe Charakterzeichnung die Darstellerin hineinlegt, je näher kommt sie der Absicht des Dichters. Diese Laura ist eigentlich nur die gemüthsinnige Erscheinung der Frauenwelt, kein Charakter. Sie darf fast nur erscheinen, nicht handeln. Fräulein Fürst löste diese Aufgabe vortrefflich. So muß die Laura gehalten werden. Das leibes- und seelenschöne Frauenbild, anschauend ühlend durch ihre Erscheinung redend; in dichterischem Hauch, ein zarter Klang, der in Luft zerrinnt, wenn wir ihn 'assen wollen. W. H. R.

Miszellen.

Wien, 5. April. Der zum Entschluß gereiste Gedanke des Kaisers, die Krone und die Insignien Karls des Großen, welche seit der ersten Jnva- ion der Franzosen im Jahre 1796 von Nürnberg hierhergebracht wurden, den versammelten Reichsständen in Frankfurt znrnckzustellen, erregte hier einen allgemeinen Eindruck, besonders da man zugleich die Worte des Mo­narchen vernahm, welche er hierüber aussprach:Meine akademische Jugend è hat zuerst das Reichsbanner erhoben, und Niemand ist "wtkrvlger, als sie, diese Kleinodien dem Sitz des Reichstags zu übergeben." So sprach der Fürst, und heute noch werden die hierzu bestimmten Deputaten, an deren Spitze der Professor Endlicher steht, die Mission übernehmen.

DieBerl. Ztgs.-Halle" enthält folgendesEingesandt": Diejenigen sauber gekleideten jungen Herren, welche die Sache der arbeitenden Klaffen auf so geräuschvolle Weise vertreten, sollten zum Beweise, daß sie thatsäch­lich ihre Pflichten gegen ihre ehrenwerthen Schützlinge erfüllt haben, vor­erst ihre guittirten Schuhmacher- und Schneider-Rechnungen aufweisen!

M. F.

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Theater zu Wiesbaden.

Dienstag den 11. April. Lucia von Lammcrmoor. Große heroische Oper in 3 Aufzügen. Musik von Donizetti.

Donnerstag den 13. April. Zum Erstenmale: Der Rückfall. Original- Lustspiel in 4 Akten von A. P. Werner.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Scheltend erg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.