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Dienst, den man der absoluten Gewalt und Rußland leisten, der unglücklichste Schlag, den man der Freiheit und Polen ver­setzen könnte, wäre die Erregung von Zwiespalt zwischen Deutsch­land und Frankreich; Deutschland und Frankreich dürfen um keinen Preis Zwiespalt zwischen sich aufkommen lassen; die Miß­billigung Europa's wurde sich dem Theile zuwenden, der Anlaß dazu gäbe. Wir- hier in Frankreich, wir wollen nicht an feind­selige Absichten der Deutschen gegen uns glauben; mögen uns die Deutschen, mit ähnlicher Großsinnigkeit, solche auch nicht gegen sie beimessen."

V Cine Lehrer Petition

Sechzehn Volksschullehrer der zweiten Schulinspektion zu Herborn aus den Orten Uebernthal, Eisemroth, Oberndorf, Tringenstein, Wallenfels, Offenbach, Bicken, Ballersbach, Her- bornselbach, Burg, Uckersdorf, Amdorf, Hörrbach, Hirschberg und Sinn haben eiue Vorstellung an die Landesregierung ge­richtet, welche viel Beherzigungswerthes enthält.

Einige Gemeinden des Amtes Herborn hatten in falscher Auffassung der zugesagten freien Gemcindeverfassung dieselbe vorerst dahin benutzen zu müssen geglaubt, daß sie die Ge­halte ihrer Lehrer verringern wollten! Die Bittsteller bitten um Schutz hiergegen und verlangen Anweisung der Besoldung der Volkslehrer auf die Staatskasse und günstigere Regelung der­selben.

Außerdem bitten sie, man möge die Lehrer von allzuniedri­gen Dienstleistungen entbinden, und überhaupt eine Revision der Schulordnung anordnen.

Jedoch erklären wir," fügen diese Lehrer hinzu,daß wir nicht auf die Idee der Emanzipation der Schule in dem grassen Sinne des Worts anspielen, d. h. daß wir nicht eine förmliche Trennung der Schule von Kirche und Staat wünschen; wir wünschen vielmehr nur, als Lehrer in einen unserm Amt ange­messenen, selbstständigeren und rechtlichen Zustand versetzt zu seyn.

Die Bittschrift hat noch ein unterstützendes Begleitschreiben, verfaßt vom Schulinspektor, Professor Ler, welches wir um sei; ner trefflichen Ausführung willen vollständig hier folgen lassen.

Die ernste Zeit, welche Gottes unerforschliche Hand über die Völker Europens hereingeführt hat, drängt auch die Nassaui­schen Volkslehrer zu ihrer Regierung mit der vertrauens- und ehrfurchtsvollen Bitte um das, was zu ihrem Heile dienen soll. Ein kleiner, aber höchst ehrenwerther Theil derselben hat mich zu ihrem Fürsprecher erbeten; ich säume nicht, dieses Vertrauen nach Maßgabe meines Amtes zu rechtfertigen.

Wer mit unbestochenem, d. i. christlich-einfältigem Auge die Gegenwart prüft, der sieht klar, daß aus allen Verhältnissen des Lebens, von der Gemeinde- und Amtsstube bis hinauf zum Audienzsaale, von der Bude bis zur Börse, das gegenseitige Ver­trauen, der Kredit, diese einzige Garantie alles Friedens, ge­wichen ist; deßhalb der Unfriede allenthalben, auch im Herzen Europa's. Geben Sie uns darum, hohe Landesregierung, geben Sie uns Arzneien zur Stärkung des wechselseitigen Vertrauens, und der Friede wird sich gründen.

Gründlicher aber können Sie gewiß die dringliche Kur nicht beginnen, als bei den Volksschulen und deren Handhabern, diesen Werkstätten und Trägern 'des Volksgeistcs. Unser ehr­würdiger Stand der Volkslehrer hat den Volksgeist in seinen Händen und bereitet, still und ungesehen zwar, aber sicher den Regenten und Regierungen Heil oder Unheil. Daß unsere Volkslehrer fortan mit heiterer Zufriedenheit den Geist des Frie­dens in das Volk einhauchen, ach dazu helfen Sie, und säumen Sie nicht! Unter den Herrn Lehrern meiner Inspektion ist auch nicht Einer, welcher an der Krankheit hochmüthiger Chimären leidet; sie alle wollen keine sogenannte Emanzipation der Volks­schule von der Kirche, denn sie wollen sich nicht die religiös­christliche Erziehung, die Seele ihres Berufs, die Krone ihres Amtes nehmen lassen; sie alle einstimmig wollen in der bürger­lichen Gesellschaft keine andere, als eine bescheidene Stellung einnehmen, wollen bleiben Männer der Demuth, dieser Kardinal­tugend des Glaubens, welcher die Welt überwindet. Ohne jedes Bedenken, ohne alle Schwärmerei und mit allem Frei- muthe erlaube ich mir darum anliegende Petition der Ele­mentallehrer der Schulinspektion Herborn IL ge­horsamst vorzulegen; ich bitte inständigst im Nainen der gesomm- ten vaterländischen Volksschule, bitte im Namen unseres Hochher-

zigen Herrn, der sein ganzes Volk glücklich wissen will, bitte aber auch im Namen des Allerhöchsten, der die Hirten sammt den Heer- den nach dem Maaße ihres guten Willens vor sein Gericht stellt, ich bitte in aller Treue eines ehrfurchtsvollen Gehorsams:Berück­sichtigen Sie angelegentlichst die vorgelegte Petition und legen Sie hochgeneigt dieselbe ungesäumt unserm Staatsministerium vor, mit dem Anträge auf höchste Genehmigung und vorläufige öffentliche Zusage derselben." Auch meine geringe Person erlaubt sich nach der ihr zu Gebote stehenden Einsicht für die Nassauischen Bolkslehrer um Folgendes zu bitten.

1) Um demnächstige Besoldungs - und Pensionsanweisung auf die Landessteuerkasse, damit mancher Lehrer fortan sorgloser der Gegenwart leben und beruhigter in die Zukunft blicken kann, und damit das den Lehrerstand unbeschreiblich deprimirende, mit­unter deinoralisirende, in wahre Bettelei ausartende Suppliciren um Gratifikationen im Frühlinge unb um Herbste ein Ende gewinne.

2) Um Einsetzung der Volkslehrer als ständige Mitglieder in die Schul- und Kirchenvorstände, damit fortan der Diener der Kirche lind der Schule als solcher auch öffentlich anerkannt dastehe, damit das allbekannte Mißtrauen zwischen Lehrer und Pfarrer an der Wurzel absterbe und den nach Einanzipation Schreienden endlich der Mund gestopft werde.

3) Revision aller mit dem heutigen Stande der Volkspäda­gogik und Volksdidaktik nicht mehr in Einklang stebenden Schul- - Verordnungen, sowie Einziehung aller derjenigen Reskripte, welche wider die Ehre eines Mannes streiten, dem die Seelen der fünf« f tigen Staatsbürger anvertraut sind. Insbesondere möchte es an der Zeit erscheinen, das Schulinspektionswesen einer Reform zu unterwerfen und der Lehrerschaft selbst bei Wahl ihrer In­spektoren ein bedingtes Recht zuzugestehen.

Darf es der Bittsteller wagen, in aller Bescheidenheit hin­sichtlich einer in Angriff zu nehmenden Reorganisation der/ Volksschule seine Ansicht auszusprechen, so gehet dieselbe dahin:/ Es möge hoher Landesregierung gefallen, sich durch den gesamm- ten nassauischen Volkslehrerstand selbst aus der Zahl der gegen­wärtigen Schulinspektoren drei der durch vierjährigsten Dienfi > erfahrensten Männer bezeichnen zu lassen, welche das allgemein«, Vertrauen besitzen, und diese sodann zu unverweiltem Beginnes als Glieder einer Kommission sich beizugesellen. Auf diese'WeisZ würde rasch und sicher das Ziel erreicht, sowie allen bereits schon hier und dort austauchenden Irrungen^ und Träumereiei' ein Ende gemacht werden.

Mit der schuldigen Hochachtung und Ehrfurcht verharre t'd Hoher Landesregierung

gehorsamster Schulinspekto

Herborn den 4. April 1848. Lex."

Deutschland.

Wiesbaden, 9. April. Die heute Nachmittag st Saale des Gasthofes zum Adler abgehaltene Volksversamn lung war wieder außerordentlich zahlreich besucht. Der in b Versammlung vom 7. d. M. ernannte provisorische Ausschn dem die Vorarbeiten zur Gründung eines Bürgervereins übe tragen worden waren, hatte sie berufen, um über seine Thäti keit Bericht zu erstatten. Ehe damit begonnen wurde, fordei einer der Anwesenden in begeisterter Ansprache zur Unterstützur ; der Schleswig-Holsteiner durch Geldbeiträge auf, woro der Vorsitzende bemerkte, daß sich auch bereits eine solche Auffc derung in diesen Blättern finde, und die Expedition dersell Beiträge in Empfang nehmen und an ihre Bestimmung beförde werde. Darauf kamder Entwurf zu einem Wiesbadener Br gerverein" zur Berathung und erfuhr, nachdem von mehrer 8 Rednern daran erinnert worden war, daß man nicht einen V | ein mit starren Formen, sondern auf der Grundlage der mc . lichst freien Bewegung gründen solle, in einzelnen Theilen w 1 Inhalt und Form eine Umgestaltung. Ich lasse ihn hier - folgen, wie er von der Gesellschaft angenommen worden.

Zweck des Vereins ist, die in dem Programm der Gest 8 schaft vom 7. April ausgesprochenen Zwecke zu verwirklich und gesetzwidrigen Bestrebungen entgegenzutreten.

Als Mittel zur Verwirklichung dieses Zweckes ergebelt ff |

a) Versammlungen des Vereins, Besprechungen, Verstqg | gung über politische Gegenstände und gesetzlich vorzunehmei Schritte.

b) Verbreitung der in dem Programm ausgesprochen Ansichten unter dem Volke durch die Zeitungen oder besondt Druckschriften.