Nassauische Allgemeine Zeitung.
12. Mittwoch den 12. April 1848.
Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige PranumerationSpreis ist in Wiesbaden 2 ff., vorn bei auswärtigen Postämtern noch der Postaufschlag kommt. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebe r s i ch t.
Ob Krieg mit Frankreich.
Eine Lehrer-Petition.
Deutschland. Wiesbaden (Die Statuten des Bürgervcreins). — Höchst
(Der Bürgerverein). — Frankfurt (Der permanente Ausschuß über den Wahlmodus). — M annheim (Fickler als Landesverrâther durch Mathy verhaftet. Die anarchische Partei gestürzt). — Köln (Die Wahlen zum deutschen Parlament. Die Rheinschiffe). — Hannover (Oeffeutlichkeit der Verhandlungen. Bürgerverein). — Leipzig (Die Hungersnoth im Erzgebirge). — Berlin (Bitte der Provinzialstände von Preußen um Einverleibung in den deutschen Bund. Die Wahlen zum Bundestage. — , (Eintreffen der preußischen HülfStruppen. Mißhandlungen
von Seiten der Dänen. Die Freischaaren der Jüten). flußland. Petersburg (Die Kriegsrüstungen eingestellt. Rußland will neutral bleiben). - kprcchsaal für Stadt und Land.
A Vir Krieg mit Frankreich.
Wiesbaden, 9. April.
Ueber _ diese Frage spricht sich der „National," das Organ r dermaligen französischen Negierung, auf eine sehr beruhigende (eise aus.
„Kein Gedanke liegt Frankreich ferner, als die Versuche, Ruhe Deutschlands zu stören. In dieser Beziehung ist die wisorische Regierung der Ausdruck des allgemeinen Willens; e Erklärungen sind fest und bestimmt, - ihre Aufrichtigkeit vertut Vertrauen, und, was höher anzuschlagen ist, das franzö- khe Volk verbürgt einmüthig die Wahrheit dessen, was die sinner an seiner Spitze sagen. Man wünscht hier nur die Kundschaft Deutschlands, will es aber nicht beunruhigen, ihm - 'nichts -erckgegenarbeiten.
Nach den Februar-Tagen richteten wir unsere Blicke nach futschland und baten es um seine Neutralität; d. h. es sollte zwischen uns und seine Fürsten treten, daß die deutschen i ween nicht eine neue Verbindung gegen Frankreich entgingen, er auf diese Neutralität glaubten wir fest rechnen zu können: ■ii wußte diesseit des Rheins, wie sehr die neuen Ideen auch Deutschland Eingang gesunden, und die Gegenbestrebungen I Fürsten fürchtete man wenig. Darum schien uns eine Kreuzet der Russen und Deutschen gegen Frankreich unausführbar; ii auch dort hatte der Absolutismus schon seit Jahren mit ' Prinzip der Freiheit im Kampfe gelegen und im Geiste den Herzen der Menschen immer schwerere Niederlagen I ten.
L Nur auf Deutschlands Neutralität hatten wir gehofft, und F !lich bot cs uns seine Revolutionen, und durch diese sein I idniß. Kaum hatten wir Zeit uns umzusehen, kaum hatten I uns von dem großen Schlage, den wir geführt, erholt, als in Deutschland der Kampf entzündete und gleichzeitig auch I Sieg davongetragen wurde. Mit Erstaunen und Befriedi- I 8 sahen wir die von den Fürsten immer gegen die französi- I Gränze gerichteten Waffen auf einmal kehrt! machen und, I durch eine freiwillige Bewegung, sich gegen die Nordgränze ■ |ben.
Wir sind hier nicht das Echo leerer Worte, sondern wir I 11 Zeugniß ab von unsern wirklichen Gesinnungen. Wie ein
zelne Menschen, so besiegeln ganze Völker ihre Freundschaft durch irgend eine Großthat des Edelmuths und der brüderlichen Liebe. Frankreich und Deutschland haben ihrer Freundschaft das Siegel aufgedrückt, als dieses, wie wir unsere Februar« tage, seine Märztage bekam; als man wohl einsah, daß man sich beiderseitig einen großen Dienst geleistet habe, und daß man von beiden Seiten nur Achtung, Vertrauen und Eintracht verlange.
So und nicht anders denkt und fühlt Frankreich; so erheischt es die Lage der Dinge, und welchen Gesichtspunkt wir auch wählen, wir vermögen, bei uns wenigstens, nichts zu finden, was für Deutschland auch nur ein Schatten der Beunruhigung werden könnte. Man freut sich nicht bloß darüber, von dieser Seite nichts fürchten zu müssen, sondern man hält es für ein Glück, sich einen Bundesgenossen gewonnen und die Verbrüderung zwischen beiden Völkern so ausgedehnt und befestigt zu haben, daß man wohl sagen kann, wie man es in Deutschland wirklich gesagt hat, ein Krieg zwischen beiden Ländern würde ein Bürgerkrieg seyn.
Wie wir diesseits des Rheins die Verhältnisse ansehen, so müssen sie, das sind wir überzeugt, auch jenseits gefaßt werden. Im Grunde genommen, ist die Lage beider Länder dieselbe. Wir, Deutsche und Franzosen, wir haben Großes und Schweres im eigenen Hause zu thun; wir haben zuerst die neue Ordnung der Dinge zu befestigen, und cs würde ein grober Fehler seyn, einander in der eigenen Entwickelung hemmen zu wollen. Die Deutschen würden, wollten sie uns beunruhigen, gegen ihre eigene Sicherheit handeln und — umgekehrt/ Kurz, was die Eintracht beider Länder erschüttert, wird beiden auf gleiche Weise zum Nachtheil gereichen. Unsere Republik fürchtet nicht die Könige der deutschen Völkerstämme; diese, ihrerseits, sollen auch unsere Republik nicht fürchten. Die beiden Gegensätze haben sich so genähert, daß ein feindliches Zusammentreffen nicht mehr möglich ist. Wir gründen eine Republik, die Deutschen — republikanische Monarchieen. Jeder Theil hat seine Aufgabe, seine Arbeit; aber diese Aufgaben, diese Arbeiten haben so viel UebereinstimmendeS, werden dergestalt von demselben Geiste getragen, daß sich kein wesentlicher Unterschied zwischen der Politik Frankreichs und Deutschlands ergeben kann.
Wir beschwören die Deutschen, im Namen unsrer gemeinschaftlichen Sache, auf Erinnerungen und Vorurtheile keinen Werth zu legen. Alles, was sich unter unsern Augen begibt, obwohl lange im Geiste verarbeitet und vorbereitet, ist doch neu und ohne Äeispiel in der Geschichte. Noch nie hat sich die Verbrüderung ganzer Völker auf eine so feierliche und tief empfundene Weise angekündigt. Vor einer solchen sich von selbst entwickelnden Freundschaft, vor der absoluten Unmöglichkeit jeder militärischen Eroberung und Herrschaft müssen die alten Ideen verschwinden und einer Politik Platz machen, die, menschlich und aufrichtig zugleich, den Elementen des Friedens und des Fortschritts das Uebergewicht gibt. Deutsche und Franzosen, schauen wir nicht rückwärts: wir möchten nur auf Erinnerungen stoßen, die uns verwirren und irre leiten! Schauen wir vorwärts, und wir werden vor uns nur die Unterpfänder der Sicherheit, nur die Hoffnungen der Eintracht und einigen Verbindung erblicken.
Polen regt sich und wird bald das Schwert ziehen. Was würde cs sagen, wie grausam würde eS sich getäuscht sehen, wenn nicht ein vollkommenes Einverständniß zwischen Deutschland und Frankreich herrschte? Es bedarf der Stütze dieser beiden Länder; mit ihnen ist eS seines Erfolges gewiß, vorausgesetzt, daß diese Vertrauen zu einander haben. Der größte