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machen ohne eine englische oder französische oder -irgend eine andere Nachäfferei; aber wir wollen uns nicht täuschen, noch uns mit Vorspiegelungen falscher Sicherheit einwiegen es schwirren eben alle Zungen wild und wüst durcheinander, Kre- thi und Plcthi, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber es sind hundert und tausend Wirrköpfe in Bewegung / die durch eine gründliche Ausrottung und völlige Schleifung und Wegschlcifung des Alten mit mordlichen Gedanken und bluti­gen Schwertern in ihrer Weise ein verjüngtes Deutschland machen möchten.

Gegen Solche bedürfen wir der Stärke, des Rathes und der Weisheit für die Gründung des neuen Parlaments und des jungen deutschen Kaiserthums. Wir bedürfen, wie der Augenblick steht, verdoppelter, ja verdreifachter Macht auch gegen Außen. Es müssen die bleibenden Verhältnisse, die blei­benden Bedürfnisse und Belange des großen Germaniens ganz und hell ins Auge gefaßt und sestgehalten werden. Jetzt darf am allerwenigsten bei dem Einzelnen und Persönlichen verweilt werden.

Höre es, mein Volk! hört es, Ihr Fürsten! wollt Ihr in Ehre bestehen, durch Halbes und Wankendes dürft Ihr jetzt nicht stehen wollen, weil Ihr dadurch nicht stehen könnt. Es muß die volle Macht der Herzen und Fäuste zusammengehal­ten, es muß um die wirkliche große Macht jede kleinere Macht versammelt und vereinigt werden. Keine wankenden, wackli- chen Zustände taugen und frommen jetzt darum wehe dem Volke und den Fürsten, wenn sie sich nach alter deutscher Un­art um Unfestes und Wankendes zu schirmen meinten! Sie müssen, damit sie nicht untergehen, das Starke nicht schwächen und zerreißen helfen; sie müssen sich um Preußen versammeln, das wahrlich noch kein Federchen ist, welches jeder muthige Demagog mit den Winden dahinblasen kann: Preußen muß der König von Deutschland seyn, weil es allein König seyn kann. (?) Ich spreche hier nicht aus der zufälligen Person, sondern aus der bleibenden Sache: aus der deutschen Einheit der preußischen Macht. Ein die Länder und Völker schütteln­des Wahlreich werden wir hoffentlich doch nicht wieder machen wollen. Ist das konstitutionelle Deutschland fertig, steht das deutsche Parlament würdig da, so ist der Oberkönig freilich keine gleichgiltige Person, sondern eine höchst bedeutende, aber auch bei dem Erbreich trägt eine Verfassung wie die, welche jetzt für das Vaterland geschaffen wird, auch mit gewöhnlichen oder mittelmäßigen Herrschern sich glücklich durch.

Wir werden gelobt und loben uns oft selbst, als die, die vor den meisten europäischen Völkern die Fülle des Geistes haben. Jetzt gilt es zu beweisen, daß wir auch Verstand haben und uns nicht in einem wilden Zuviel zerflattern wollen. Wir dürfen Narren und Bösewichter nicht mit den Schicksalen eines großen Volkes spielen lassen, wir dürfen Thoren und Dumm­köpfe auch nicht zurückspielen, geschweige überspielen lassen.

Die Sache ist an Euch gekommen, deutsche Fürsten und weise Männer. Gebe Gott Euch Fürsten den Geist der Entsagung und Aufopferung, wo sie nöthig sind, und Euch weisen Män­nern den Geist des Muthes und der Kraft, wo es gilt, wüste Gelüste zurückzutreiben und wildem Geschrei bethörter Haufen zu widerstehen! Ihr werdet nimmer geschehen lassen, daß Hun­derttausende begeisterter Jünglinge, welche die Welt und, waS sie gibt und erträgt, noch nicht kennen, daß Zehntausende fa- natisirter Männer und einige hundert Taugenichtse und Böse­wichter ohne Ehre und Gewissen sich wie das ganze Deutsch­land geb erben und Alles unter Brand- und Schutthaufen begraben und, indem sie ein grünes deutsches Auferstehungs- ostern verkündigen, mit unserm Verstände und Glück durch­gehen dürfen.

Indem ich für Preußen spreche, scheine ich für mein Haus zu sprechen. Ja, ich bekenne es, ich spreche wie Cicero pro domo mca, pro domo germanica, ich spreche für mein echtes deutsches Haus, ich darf die preußische Herrlichkeit und in ihr Deutschlands Macht von Narren und Buben nicht niederreißen und beflecken lassen.

Ich bin an Sinn und Herrschaft und Abkunft so wenig ein geborner Preuße als die an der Donau und am Rhein Wohnenden. Aus schwedisch-pommer'scher, ziemlich leidlicher und (wie damals die Zeiten standen) glücklicher, halbdeutscher, halbnordischer Schläfrigkeit und Nnbewußtheit, wie in meiner Jugend die Confusio Impcrii germanici divinitus conser- vata (der durch Gottes Gnade erhaltene Zusammenguß des deutschen Reiches) um die Jahre 1780 und 1790 lag, habe ich als Knabe und Jüngling mit keiner Begeisterung jenseit der Peene und des Haffs den alten preußischen Koporalstock aufgepflanzt gesehen. Dieser, um welchen doch die herrlichen Siegeskränze großer Könige und Helden geflochten waren, ward in den Jahren 1813 bis 1815 glorreich gebrochen, und da habe ich mich mit Millionen deutscher Menschen der Herr­lichkeit der preußischen Männer und Helden mit vollem Herzen untergeben und angeschlossen. Niemand aber wird mich der Sünde zeihen können, daß ich für das, was von jenem Kor­poralstock und von dem alten preußischen Zopf irgendwo noch hervorguckt, jemals eine Lanze eingelegt, daß ich jemals für etwas Undeutsches und Halbes gekämpft habe.

Ich habe geredet. Ich trage mitten in den Wirren des Augenblicks mein altes Herz und meinen schneeweißen Kopf fröhlich in die jungen deutschen Hoffnungen hinein.

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Theater zu Wiesbaden.

Dienstag, den 11. April. Robert der Teufel. Große Oper in 5 Akten, Musik von Meyerbeer.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schcllenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.