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außerordentliche Nothstände erheischen auch außerordentliche Ab- Hülssmittel.

Dieses Geldinstitut kann natürlich nur da Hülfreich eintreten, Wo die Natur der Industrie-Erzeugnisse der Art ist, daß sie Weder einer baldigen Entwerthung unterliegen, noch ihrem Wesen nach als Unterpfänder schwer zu beaufsichtigen sind. Der Braun­kohlenbergbau und noch weniger andere Erwerbszweige sind hierzu obgleich jener auf sein Grubcnvermögcn Unterstützung an- sprechen darf nicht geeignet, weshalb ich namentlich für den ersteren, der eine hervorragende Wichtigkeit behauptet, besonders vorschlage, daß seine Produkte an den Gewinnungsorten in einen leichter zu verwerthenden Zustand gebracht werden, in dem sie als Ersatz des Holzes und der Holzkohlen zu technischen und häuslichen Zwecken verwendbar sind. Die Lösung dieser Auf­gabe, die man füglich ein Problem nennen könnte, ist durch die beharrlichen Versuche eines kenntnißreichen und für das öffent­liche Wohl begeisterten Mannes, den die Regierung wohl kennt, da er ihr die Resultate seiner Forschungen mitgetheilt hat und nur auf Anweisung der Mittel zur Muster-Ausführung im Großen Wartet, vollkommen gelungen, und eröffnet nicht allein für den Hüttenbetrieb, sondern auch für den Hausbedarf und sonstige technische Zwecke die Aussicht auf Benutzung eines neuen, wohl­feilen Brennmaterials; während sie für die fernere Entwickelung des Braunkohlenbergbaues, der noch einer großen Ausdehnung fähig ist, von unberechenbarem Nutzen seyn wird.

Für diejenigen Theile des Landes, die weniger unmittelbar bei dessen Industrie betheiligt sind und eine Menge gerne thä­tiger und hülfsbedürftiger Hände besitzen, wäre die Ausführung der projectirten Straßen und die weitere Ausbildung der so vielfach in ihren wohlthätigen Wirkungen verkannten Lahnschiff­barmachung, der ich mich in einem besondern Artikel annehmen werde, dringend nöthig, und es kann im allgemeinen Interesse die Wichtigkeit dieser Ausführungen, sowohl für den inneren Verkehr als auch für die Ruhe des Landes, durch die allein nur ein sicherer Genuß der großen Errungenschaft der jüngsten Zeit zu erzielen ist, nickt genug hervorgehoben werden. Besonders empfehle ich auch noch zu dem vorschwebenden Zwecke die unver zügliche stärkere Betreibung der Domanial-Bergwerke, die in allen Theilen des Landes zerstreut sind. Es ist zwar jetzt keine Zeit, an die Ausführung von Eisenbahnen zu denken, wohl aber kann da, wo ohnehin jedenfalls Straßen angelegt werden müssen, wie durch unser Lahnthal und längs des Rheines, bei dem Bau derselben darauf Rücksicht genommen werden, daß sie später als Hauptsubstanz von Eisenbahnen Benützung finden können. Ich meine nämlich damit nur die Vorarbeiten zu.diesen Straßen und die Planirung rc. derselben ohne vollständige Her­stellung des Oberbaues und des Beschlags.

Möge unsere Regierung zu der Einsicht gelangen, daß nicht durch mattes Nachgeben ihre Kraft gestärkt und ihre Autorität gefestigt werden kann! Sie trete nur kräftig auf, mit wahrhaft gemeinnützigen Handlungen und auf das Volkswohl berechneter allgemeiner Thätigkeit, und es wird ihr der Beistand des ganzen Landes nicht fehlen! /

Ä> Unsere Zustände

Wiesbaden, 7. April. Vier Wochen sind es jetzt, daß wir die uns lange vorenthaltenen politischen Freiheiten errungen haben, und daß wir, wenn dadurch allein eine glücklichere Gestaltung unserer Verhältnisse möglich ist, den Grunv zu einer schönen Zukunft gelegt haben.

Wollen wir nun auf demselben weiter fortbauen, und das Erworbene dem ursprünglichen Zweck entsprechend ausbilden, so dürfen wir uns nicht in das Reich der Träume verlieren, son­dern wir müssen bedenken, daß wir Menschen sind, welchen es schwer fällt, das Ideal vollkommener Einrichtungen zu erreichen; wir müssen streben, die gegebenen Verhältnisse zu beherrschen, und um dieses zu können, unsere gegenwärtigen aus der Revo­lution entsprungenenen sozialen Zustände klar und scharf ins Auge fassen.

Was bietet sich uns nun dar?

1) Ueberall die gesetzlichen Autoritäten in ihrer Wirksamkeit gslähmt, und statt dieser Elemente einer ungeordneten Volks­herrschaft thätig.

2) Als Folge davon die Achtung vor dem Gesetze, welches Personen und Eigenthum schützen und dem Eigenthum insbe­sondere einen Werth verleihen soll, welchen es durch gesetzlichen Schutz allein behalten kann, untergraben.

3) Den Kredit in allen Beziehungen gestört, Handel und Gewerbe darnieder liegend, Angriffe auf die nur noch geringe Lebensthätigkeit des Handels durch Zerstörung der ihm nöthigen Kommunikationsmittel unternommen.

4) eine große Menge arbeitsloser und arbeisscheuer Men­schen.

5J Eine Furcht unter den vermögenden Theil der Nation, daß er das Seinige zum großen Theil einbüßen werde; daher allgemein das Streben, noch zu retten, was möglich ist; hier­durch das Geld beut Verkehr entzogen und dadurch tägliche Ver­mehrung der Arbeitslosen.

6) Das im Innern zerrissene Deutschland von äußeren Feinden bedroht, den Krieg vor der Thüre.

Alles dieses kann uns nicht auffalten, denn wir befinden uns in einen: Revolutionszustand, es muß uns aber zu ernstem Nachdenken treiben, wie wir der drohenden Auflösung aller ge­sellschaftlichen Bande, welche nothwendig und unausbleiblich ist, wenn der gegenwärtige Zustand nur noch kurze Zeit besteht, ent­gegenwirken.

Es kann und soll dieses nicht geschehen, daß wir durch eine Reaktion die Zustände in politischer Beziehung, wie sie vor dem 4. März bestanden, herbeiführen, dieses wäre nicht allein eine Unmöglichkeit, sondern ein Verrath am Vaterland, ein Be­streben, welches uns in eine noch fürchterlichere Lage versetzen würde, als die ist, welche uns droht. Wir haben eine solch Reaktion auch von keiner Seite zu befürchten, weit eher, daß eine wilde Alles zerstörende Schreckensherrschaft im mißbrauchten Namen der Freiheit sich entwickelt.

Ein Rückschritt anderer Art thut uns deßhalb Noth. Wir müssen den Strom, welcher sein Bett überschritten hat, wieder in das­selbe zurückzubringen suchen, und dahin streben, daß wieder Vertrauen unter uns herrsche, Handel und Ge­werbe wieder in Thätigkeit kommen, und der Nurtzer seinen gewohnten Beschäftigungen nachgehe, denn nur dam können wir von unserer Freiheit einen richtigen Gebrauch machen.

Alles dieses können wir aber nur erreichen, wenn bet Kern der Nation sich kräftig erhebt, dem ihm drohen­den Feind kühn in's Angesicht schaut, dem Gesetz wieder Kraft verleiht, die Staatsgewalten unterstützt, so daß dies auf gesetzlichem Wege den begonnenen Bau bürgerlicher Freiher vollenden. ' ' s

Schwere Zeiten erfodern große Opfer Md große TyMkrasG die Geschichte lehrt uns, daß wenn eine Nation noch nicht gat verdorben und erniedrigt ist und wer will der deutscher Nation einen solchen Vorwurf machen diese leicht wieder bt Herrschaft des Rechtes und Gesetzes herstellen, und dadurch alt Früchte eines geordneten Staates erndten kann.

Es kommt nur darauf an, daß die Nation von den m drohenden Gefahren und den Mitteln, denselben vorzubeuge«' klare Kenntniß erhält.

Dieses zu bewirken, haben wir zwei Wege, die freie Pre» und die mündliche Belehrung , und deßhalb sollte die Presse et sich zur doppelten Aufgabe machen, diesen Weg einzuschlagcri und ein jeder sein Vaterland und seine Mitbürger liebend! Mensch sollte jede Gelegenheit ergreifen, den, weites ""Vfr Sei hältnisse nicht klar anschaut, zu belehren. Sind Geldopfer m thig, um den Kredit wieder zu erwecken und den Staat M unterstützen, so muß sie ein Jeder bereitwillig darbringen.

Es würde dieses bessere Früchte tragen, als wenn idech stische Theorien über Beseitigung des Nothstands der arbeite« den Klasse und des Mittelstandes aufgebaut, oder dieser Net! stand nur zum Hebel gebraucht wird, groben Materialismus' befördern und die Klasse der Bürger, welcher geholfen werd soll, durch Verheißungen, welche Niemand erfüllen kann, nG unglücklicher zu machen, wie sie ist. Der bedrängte Bür« wird dadurch auf Irrwege geführt, der Arbeit noch mehr k« wöhnt, als er es zum Theil schon war.

Der Nothleidende muß unterstützt werden, es kann dieW aber, soll es von Erfolg sein, nur unter der Herrschaft der K setzlichen Ordnung geschehen.

Oder glauben vielleicht die neuen Staatsmänner, welche viel von dieser Hebung das Nothstandes sprechen, daß sie W bis jetzt unaufgelöste Problem lösen würden, die Armuth, überhaupt eine jede Ungleichheit in dem Vermögen aus der E zu verbannen, dem ewigen Naturgesetz zuwider, welches übeW in der Schöpfung Ungleichheiten bestehen läßt?

Welche Thorheit, nur zu denken, es sey möglich, die M : scheu zu gleichmäßiger Thätigkeit und Beschäftigung zu bring! Faulheit, Trägheit, Verschwendung, Leichtsinn von der Welt