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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

J^ 1L Dienstag den LL April 18418.

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Die Raff. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint^ täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 2 ff., wozu bei auswärtigen Postämtern noch der Postaufschlag kommt. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum niit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der 8. SchelMlber g' schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

An unsere Regierung.

Unsere Zustande.

Deutschland. Wiesbaden (Ein Ansspruch Mirabeau's. Vvrschuß- banken). Diez (Der Abgeordnete Heß. Die arbeitende Klasse).

Karlsruhe (Deutsche Einheit). Berl in (Bestimmungen über das

Grvßherzvgthnm Posen. Ausweisung von Arbeitern. Elbing (Polnische

Umtriebe in Westprenßen). Wien (Erzherzog Johann geht nach

Frankfurt. Der Gehalt des Fürsten Metternich. Friedensversuche in

der Lombardei. Ministerwechsel).

Frankreich. Paris (Arago Kriegsminister. Vernüschtes).

Niederlande. A m st L r d a M (Durchreise Metternichs).

- ^Belßtcn. Brüssel (Freischaarenzug).

Russland. Petersburg (Kaiserlicher Ukas).

Sprechsaal für Stadt und Land.

t* An unsere Regierung

Bon der Dill.

Die Uebelstände einer in materiellen Dingen vertrauens- losen Zeit kommen immer drängender über uns und werden sich zermalmend aller unserer äußern Verhältnisse bemächtigen, wenn wir nicht bei Zeiten noch die richtigen Mittel zu deren Abwehr ergreifen.

Ich brauche wohl kaum die Quellen anzudenten, aus denen diese Uebelstände fließen. Sie entspringen im Allgemeinen aus der Dunkelheit unserer politischen Zukunft, aus der Unsicherheit und Lahmheit, mit welcher die Gesetze gehandhabt werden und aus dem Bestreben eines Jeden, der es "möglich machen kann, sich die Mittel zu sichern, um wenigstens dem ersten An­drange der Noth zu begegnen.

Alle unsere Nahruugsquellcn sind in ihrem Innersten be- 1 droht. Aller Handel liegt darnieder und die Straßen sind ver­ödet. Die Nachfrage nach unsern Hauptausfuhr-Artikeln nach ' Eisen, Kupfer, Braunstein, Getreide, Wein re. ist gleich Null. -Unsere gewerblichen Anstalten, wohin ich vorzüglich unsern um­fangreichen Bergbau uud das dazu gehörige Hüttenwesen rechne, '-sind zwar noch wenn auch in verminderter Thätigkeit; es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die allgemeine Kredit- und Geldklemme bald die Fortsetzung ihrer Operationen gänzlich hemmen muß, wenn denselben nicht zu Hülfe geeilt wird. Na­mentlich wird der umfangreiche Braunkohlenbergbau auf dem Westerwalde, der tausende Menschen unmittelbar und mittelbar ernährt, sehr bald in Stockung kommen müssen, da die Ver­werthung seiner Erzeugnisse bei den gefallenen Holzpreisen und der so frühzeitig eingetretenen besseren Jahreszeit sehr er­schwert ist.

. Die Wichtigkeit unserer auf naturgemäßer Grundlage fußen­den Industrie, an deren Spitze der Berzbau und das Hütten­wesen stehen, hat bisher leider nur geringe Würdigung gefun- wie alle Naturrcichthümer, die zu ihrer Hebung keiner Aunsillcheu, Aufsehen erregender Mittel bedürfen. Unsere durch und durch stockfuristische Verwaltung hat ihr keine genügende fechuung getragen und sich in der bei allen verständigen Leuten längst verstorbenen Meinung gefallen, daß unser kleines Land lnir cm Ackerbaustaat sey.

Es ist an der Zeit, daß unsere Negierung diesen Fehler so viel als thunlich wieder gut mache und in der fetzigen Zeit der Noth einer zahlreichen Klasse der Bewohner unseres Landes bei­springe, damit sie die bevorstehende Krise glücklich überstehe und nicht mittelbar gezwungen werde, die Verlegenheit noch zu ver­mehren, in welche die Landes-Verwaltung und das Land selbst durch die überwältigenden Ereignisse der jüngsten Zeit gekommen sind.

Als erstes und unfehlbares Mittel zu diesem Zwecke wird die strengste aber auch rechtlichste und humanste Handhabting der bestehenden Gesetze anzusehen sein, bis die neue Gesetzge­bung in Kraft tritt und hierbei kann sich die Negierung auf den Beistand aller Wohlgesinnten, zu denen mit wenigen Aus­nahmen die ganze Bevölkerung des Landes gehört, verlassen. Ich halte es daher für äußerst verwerflich, daß den Rentbeamten nachsichtige Eintreibung der Steuern, ohne die keine Staatsge­meinschaft wie feder Vernünftige einsieht bestehen kann, empfohlen wird; denn dadurch werden die Uebelgesinnten nicht zufrieden gestellt und die Wohlgesinnten, die dieses nothwendig als eine unverzeihliche Schwachheit ansehen müssen, ohne Ursache erbittert. Auch ist kein Mittel geeigneter, den Mechanismus des Staats zu hemmen, als die unregelmäßige Bezahlung de? Steuern; denn es setzt die Staatsgewalt außer Stand, die ge» setzlichen Organe zur richtigen Zeit oder überhaupt in Thätigkeit und Eifer für das Staatswohl zu erhalten, und lähmt alle Operationen, die im Gemein-Interesse nothwendig sind oder werden.

Als zweites Mittel bezeichne ick eine lebenskräftigere Er­weiterung der schon bestehenden aber totgeborenen Landes-Kredit- Kaffe, deren Verwaltung tüchtigen, praktischen, für das Ge­meinwohl beseelten Geschäftsmännern anvertraut werden müßte.

Diese Kasse, der alle disponiblen Gelder ans Staats- und Domanial-Mitteln, denen ohne Zweifel sich viele Privat-Kapi­talien zugesellen werden, zur Verfügung gestellt würden und die eine solche Umgestaltung zu erfahren hätte, daß sie als Bank­anstalt für das Land und den Staat zugleich die Staats-Kassen- Direktion re. entbehrlich machte, könnte den gewerblichen und auch andern, das Gcmeindewohl bedrohenden Verlegenheiten in den meisten Fällen aus energische Art vorbeugen, da die Natur unserer Industrie größtentheils weder anhaltende Stockungen, noch große Verluste durch Entwerthung ihrer Produkte zu be­fürchten hat.

Man mache nur nicht die Bedenklichkeiten geltend, die bei andern Verhältnissen wohl Anwendung finden können. Bei uns ist weder leicht ein Mißbrauch von Seiten der Bankverwaltung noch von Seiten der Hülfesuchendcn zu befürchten; denn sowohl die Leichtigkeit, womit unsere inneren Verhältnisse zu übersehen sind, als die freie Presse werden eine vollständige Gewährleistung dafür sein, daß die Operationen dieser Bank", deren Resultate natürlich in kurzen Zwischenräumen zur öffentlichen Kenntniß kommen müssen, keinerlei eigensüchtigen Zwecken dienen. Es ist auch nicht nothwendig, daß die vorgeschlagene Umgestaltung durch ein besonderes Gesetz stattfinde; denn das Organisationsedikt enthält alle Keime zu der nöthigen gemeinnützigen Entfaltung, die nur durch Verkennung des Zwecks und unverständige Schlepp- sucht gehemmt und erstickt worden ist. Man gehe nur frisch an's Werk und die Zustimmung des Landes wird nicht fehlen. Selbst dann, wenn dieses Gesetz in einigen seiner Bestimmungen unter Vorbehalt späterer Genehmigung durch die Landstände mo- difijirt werden müßte, darf dieses keinen Anstand abgeben, denn