Woche hindurch des vergangenen, und freut sich auf den nächsten. — Bei dieser Betrachtung steigt mir ein Gedanke auf, der, wenn er ausgeführt wurde, vielleicht gute und ersprießliche Folgen haben könnte, und ich wage es, ihn vor Ihnen, verehrte Vereinsgcnosscn, auszusprechen."
„Wenn man nämlich zurückdenkt auf seine eigenen Gesellenjahre, uud blickt dabei auf das Thun und Treiben der jetzigen jungen Leute, da findet man, daß in dieser Hinsicht für diesen Stand gar nicht gesorgt ist. Man ist sich in diesen Jahren zu sehr selbst überlassen, und das Sprüchwort: „Ein böser Gesell führt den andern in die Höll'," findet hier gar häufig seine Anwendung. Die Gesellen bringen, wenn sie ausgehen, ihre Abende, wenn auch nicht immer, doch öfters mit Karten, Singen, mit leichtfertiger, zuweilen auch roher Unterhaltung zu, wobei auch mitunter dem Glase fleißiger, als cs seyn sollte, zugesprochen wird. — Würde es nun nicht sehr gut seyn und segensreich, wenn sich einige von den Herren Gelehrten verbänden und eine Art von Abendgesellschaft für den Gesellen- stand stifteten? — An einem der Ausgehtage in der Woche kämen die Theilnehmer bei einem Glase Bier und einer Pfeife Tabak zusammen, die Herren Gelehrten, welche sich dazu verbänden, läsen ihnen allerlei angemessene Gegenstände, Bruchstücke aus der Welt- und Vaterlandsgeschichte, Reisebeschreibun- gen, unterhaltende moralische Erzählungen u. s. w. vor; mitunter könnte sich ein heiterer Gesang einmischen; im Sommer könnten die Abende im Freien zugebracht werden. — Ich glaube, daß dieses für die jungen Leute die segensreichsten Folgen haben könnte. Denn da es eine Hauptbedingung wäre, daß sich die Leute an solchen Abenden unter der Aufsicht der Vorsteher ordentlich verhalten müßten, so würde dieß auf die übrigen Abende nach und nach auch einwirken, und die gut geleitete Unterhaltung eines einzigen Abends würde öfters Einfluß auf die ganze Woche haben. Doch muß das noch angemerkt werden, daß es den jungen Leuten so wenig als möglich kosten darf, und Jeder, der sich bei einem der Vorsteher meldet, er mag Ausländer oder Hiesiger seyn, wenn er einen guten Ruf hat, ausgenommen werden muß. Ruhestörer und Trunkenbolde dagegen müssen sogleich ausgestoßen werden.
(Fortsetzung folgt.)
Ein Wort des alten Arndt.
E. M. Arndt, der vielbewährte Freund des deutschen Volkes, schreibt in der Deutschen Zeitung das Folgende unter dem Titel: „Noch eine kleine Ausgießung in die Sünd- fluth." Können wir auch nicht zu Allem Ja sagen, was der ehrwürdige Alte in diesen Sätzen ausspricht, so werden sie doch Alle gerne lesen, und sey es auch nur, weil der alte Arndt sie geschrieben hat.
„Wir werden auf hoher, wilder Fluch umhergetrieben, auf so wilder, daß wir in den Abgrund hinabgerissen werden könnten , w.enn wir in den orkanischen Stürmen des Augenblicks von Muth und Besonnenheit verlassen würden. Welche Verhängnisse schließen die letztverflossenen sechs Wochen in sich? Und wie befindet sich die Sechswöchnerin Germania? Es war nicht bloß ein Fall und Sturz; nein es war eine Umstürzung und Ueberstürzung. Wie viel die Klugen und Verständigen auch vorhergesehen und vorhergesagt hatten, doch riefen bei den plötzlichsten, ungeheuersten Erscheinungen, die blitzend und krachend wie Gewitter-schläge einander jagten, fast Alle aus: Wer hätte Solches in solcher Weise gedacht?
Und dieses Geständiß muß für diejenigen, welche geirrt und gefehlt haben und jetzt von Jedermann Sünder und Frevler am Vaterlande genannt und gescholten werden, ein milderes Urtheil hervorlocken. Hat Louis Philipp, der Kluge, viel schmählicher als sein Vorgänger aus Frankreich entfliehen, hat Guizot, der Gelehrte und Gewandte, einer der rechtschaffensten Franzosen, gleich einem Verbrecher und Mordbrenner in verkappter Verkleivung dem Verderben entrinnen müssen, warum gießt man denn so dicken und schmachvollen Schimpf und Hohn auf König Ludwig von Baiern und Friedrich Wilhelm von Preußen und'auf ihre höchsten Diener und Räthe?
Ich will und kann es nicht leugnen, Verblendung, Kurzsichtigkeit , Taubheit gegen Warnung ist genug da gewesen; man hat nur zu lange an der halb jesuitisch-pfäffischen, halb macchiavellistisch-despotischeu Politik des bösen, jetzt verscheuchten Geistes in Wien festgehalten, der uns über ein Menschenalter wie der greulichste Alp gedrückt hat. Entschuldigung jener Verblendung ist allerdings eine sehr schwere Sache! seit einem Jahre hatte sie fast keine Entschuldigung mehr. Seitdem Pius IX. in Rom losgebrochen war und unter dem Kapitol dem neuen Lichte gehuldigt hatte, seitdem der Bienenschwarm der schweizerischen Eidgenossen, wohinein man mit so täppischen Fingern gefahren war, immer wilder durcheinander summte und brummte, läutete auch den taubsten Ohren die große Glocke des Tages; Eilet! rührt Euch! thut und macht geschwind, was Ihr thun und machen müßt. Für mein Land und für meinen König ist die Lösung und Entwickelung die allertragischeste geworden, dadurch die tragischeste, daß, wie ich jetzt versichern darf, das Küchlein, welches hervorspringen sollte, zum Durchbrechen eben mit dem Schnabel arbeitete, daß binnen ein paar Wochen die endliche Lösung der Zeitfragen edel und frei geschehen sollte — und daß der Sturz wie ein plötzlicher Donnersturm hereinbrach. So ist Gott, und so sind Gottes Gerichte, wann die Sterblichen auf seine Zeichen nicht Acht geben wollen.
Nun mitten in dem Jauchzen über die gewonnene Freiheit, mitten in dem Wehegeschrei über gefallene Größen, ist cs wahrscheinlich eine merkwürdigste, traurigste Erscheinung, wie