Zehnten belasteten Grundstückes den Zehnten in Wahrheit bezahlt, vielmehr das Grundstück um eben so viel wohlfeiler gekauft, als der Capitalwerth seines Zehntens ausmacht? Ein Besitzer von 100 Morgen zehntpflichtigen Landes würde also durch unentgeltliche Abschaffung des Zehntens ein reines Geschenk von wenigstens 10 Morgen Land erhalten! Glaubt man wohl im Ernste, durch solche Mittel der Armuth Erleichterung zu gewähren?
Der bei weitem größte Theil der Zehnten ist Domänial-, also jetzt Landes-Eigenthum, sollten die Einkünfte der Laudes- Steuerkasse nicht besser verwendet werden können, als um Geschenke an Besitzende zu machen!!
Hierzu kommt nun noch, daß diejenigen, welche ihre Zehnten bereits abgelößt haben — und es sind dies wenigstens vier Fünftel der zehentpflichtigen Bewohner des Herzogthums — doch sicher mit weit stärkeren'Billigkeitsgründen die Rückzahlung der Ablösungsgelder verlangen würden.
Die Vorschläge des Verfassers jenes Artikels würden also — wie man sieht — zu sehr ersprießlichen Resultaten für die Landes-Steuerkasse und folglich für die Steuerpflichtigen führen!
□ Wehen, 7. April. Bei uns ist der Fall vorgekommen, daß eine Gemeinde verändern in ihren Gemeindewald.einsiel und alles Holz zusammenschlug. Schon geraume Zeit erwarten wir Abhülfe einer solchen Anarchie. Bis jetzt hat die Regierung noch nicht eingeschritten, sie hat es den Sicherheitskomite's überlassen, zu warnen und mit bewaffneter Hand den Holzfrevel, dem Bedrohen der Dampfschiffe u. s. w. entgegenzuwirken. Wir glauben indeß um so mehr auf die Nothwendigkeit eines direkten Einschreitens der Regierung, wo möglich indessen durch die Bürgerwehr, bei derartigen Erzessen aufmerksam machen zu müssen, als bei noch länger anhaltender Wirksamkeit der anfangs gewiß nöthigen Sicherheitskommite's, die ordentlichen Behörden bei dem Volke ganz in Vergessenheit gerathen. Um so schlimmer wird es bei einem späteren, durchaus unvermeidlichen, entschiedenen Auftreten der Behörden werden und eine vielleicht nicht leicht zu beseitigende Opposition gegen dieselben sich noch ziemlich lange erhalten.
Um aber der Regierung im Lande wieder Kraft zu geben, ist eine Erneuerung und Reinigung gerade bei den niederen Beamten stellen, welche mit dem Volke in nächster Berührung stehen, durch Volks freundliche Männer ohne jeden Büreaukratenton, vor Allem erforderlich.
§ Aus dem Rheingau, 7. April. Gerne wollen wir den gelehrten Herren in Wiesbaden das Vergnügen lassen, die Vorzüge der republikanischen und der monarchischen Staatsverfassung abzuwägen: wir glauben, daß viel dringendere Fragen einer schleunigen Berathung unterworfen werden müssen, materielle Fragen, die für das Wohl oder Wehe der nächsten Zukunft bei weitem entscheidender sind, als jene formellen Zwiste.
Die bewegte unsichere Zeit, in welcher wir leben und der eine so lang andauernde allgemeine Geldkrisis schon vorausge- gangen war, hat fast alles Geld dem Verkehre entzogen, und den Kredit gänzlich erschüttert. Der Kapitalist, von Natur ein scheuer Vogel, flieht mit seinem Mammon aus dem Gesichtskreise der bewegten Volksmenge, in der er nur Kommunisten, Räuber seiner Schätze, erkennen zu müssen glaubt; er sieht die Grundpfeiler der ältesten Throne wanken und mit denselben die Staatspapiere unter den Gefrierpunkt sinken, jeder Tag bringt ihm die Schreckensbotschaft von dem Fallimente irgend eines früher als felsenfest gepriesenen Bankhauses; gestern hörte er von Angriffen aus Dampfschleppboote, bei denen er mit seinen Aktien beteiligt ist, heute erfährt er die Aushebung der Eisenbahnschienen! 'wo soll der unglückliche Kapitalist mit seinem Gelde hinaus? wohin anders als in eiserner Kiste in den tiefsten Keller seines Hauses! — Gerade darin sehen wir aber die Gefahr. Hier im weinproduzirenden Rheingau ist die größte Geld noth allgemein; unsere Lebensmittel beziehen wir von außenher und bezahlen sie mit dem Erlöse unseres Weines. Nun wird aber kein Wein gekauft; schon im vorigen Jahre war wegen der allgemeinen Gcldkrisis der Weinhandel ganz unbedeutend; man hoffte indeß auf das jetzige Frühjahr:. allein Niemand wagt es jetzt, eine Weinversteigerung abzuhalten, weder die reichbegüterten Adeligen, noch ein anderer Grundbesitzer. Einer der wohlstehendsten Weinproduzenten, der für mehr als fünfzigtausend Gulden Wein in seinem Keller liegen hat, versichert uns, daß er nicht wisse, wovon er in vier Wochen seine Taglöhner bezahlen solle! Wenn aber der Grundbesitzer nicht mehr Vic Mittel hat, um den Taglöhner zu bezahlen, dann freilich ist das Schlimmste zu befürchten. Darum wollen wir die Aufmerksamkeit der Regierung ganz besonders auf diesen
Uebelstand lenken, und ihr dringend anempfehlen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln auf Hebung oder.richtige Wiederherstellung des Kredites zu wirken. Sie möge hierin den Kapitalisten mit gutem Beispiele vorangehen. In §, 16 des Edikts über Errichtung der Laudes-Kreditkasse ist dieser Behörde die Besugniß eingeräumt, „Gewerbtreibeuden, welche als solid und^zahlungsfähig anerkannt sind und außerdem hinreichende Sicherheit stellen, einen zeitweisen Kredit für baare Geld^ezüge zu bewilligen; wohlan! so treffe sie unverzüglich Anstalten, um den Weinproduzenten, welche durch Verpfändung ihres Wein lagers genügende Sicherheit stellen, baare Vorschüsse zu leisten.
Die Maßregeln zur Sicherung d'es Darlehens werden keine großen Schwierigkeiten darbieten, wenn nur die Behörde, welche uns freilich ihre Aufgabe seither nicht richtig aufgefaßt zu haben scheint, mit weniger Aengstlichkeit zu Werke gehen wollte. Hülfe, schleunige Hülfe thut noth; möge dies Wort nicht unbemerkt verhallen! —
Dresden, 5. April. Zuverlässigen Mittheilungen zufolge hat der König auf -den Antrag des Ministeriums eine Amnestie für alle politischen Vergehungen ausgesprochen.
Leipzig, 6. März. (D.A. Ztg.) Gestern Abends 8 Uhr wurde das Fürstl. schönburgische Schloß zu Waldenburg durch Tumultuanten in Brand gesteckt, Alles verwüstet und durch die Fenster geworfen. Der Fürst mußte fliehen, die Fürstin war vor Anfang des Tumults mit der Familie nach Altenburg gereist. Die von Rochlitz entbotene Cavallerie wie die von Zwickau re- quirirte Infanterie war zu schwach, um entschreiten zu können. Heute beabsichtigen die Tumultuanten, sagt man, Gleiches in Glauchau vorzunehmen, weshalb das Schloßarchiv geräumt ist und auch Privatpersonen ihre Habseligkeiten in Sicherheit bringen. Die Zahl der Tumultuanten in Waldenburg wird auf 16000 (?) angegeben.
Berlin, 3. April. (W.-Ztg.) Preußen, welches gestern bereits Truppen nach Schleswig-Holstein gesandt, hat nun noch gegen Rußland und Frankreich Front zu machen. Aus der Provinz Pommern, welche sich, beiläufig bemerkt, stellenweise gern zu einer Art Vendee machen möchte — unsere pommersche Chouanerie fängt bereits an — sind Truppen nach Posen gerückt, um dem tobenden Treiben dort ein Ende zu machen. Die Gewaltthätigkeiten lassen übrigens bereits etwas nach. Die in Masse vorgekommenen Beamtenverjagungen haben auch aufgehört. Heut hat eines unserer ältesten, würdigsten, achtbarsten und solidesten großen Bankhäuser, in Firma Gebrüder Veit u. Co., seine Zahlungen einstellen müssen.
Aus Preußen, 2. April. (D. A. Z.) Was vor vier Wochen noch als Hochverrath bestraft worden wäre, wenn man es auch nur im Vertrauen zu einem Freunde gesagt hätte, steht jetzt ganz offen in der Königsberger Zeitung: „Ihr sagt, der Prinz von Preußen sey in Petersburg. Möglich. Aber glaubt Ihr denn, unser König, der Prinz von Preußen, der russische Kaiser hätten nie gehört, welche Folgen die Konspirationen von Koblenz und Braunschwcig's Manifest für Ludwig XVf. gehabt? Wahrlich, eine russische Intervention in P r e u ß e n sa nn e r e A n g el eg e n h e i te n könnte nur E ine Wirkung haben: den Umsturz des preußischen Throns.' Das wissen die Monarchen eben so^gut als wir."
Königsberg, L April. (Voss. Z.) So eben lause» Nachrichten aus Pillau und von der frischen Nehrung hier ein / daß d än i sch e Kri e g s sch i ffe vor Pi ll a u kreuzen, den Seehafen absperren, und daß die Festung Pillau in Blokadezustand versetzt ist. Diese Nachrichten, werden als völlig zuverlässig bezeichnet. Wie man hört, soll die Artillerie in Pillau sofort durch hiesige Batterien verstärkt werden.
Tilsit, 28. März. (D. Z.) Eine wichtige, heute hier verbreitete Nachricht ist die, daß die an unserer Grenze befindlichen russischen Truppen in der Nacht vom 25. — 26. d. per Estaffette aus Petersburg den gemessenen Befehl erhalten haben, sich sofort marschfertig zu machen, um bei dem ersten Ausbruche von Unruhen in das Innere des Landes sich zurückzuziehen, so lange aber sich auf das Strengste vor Verletzung des preuß. Gebiets zu hüten. Bei den jetzt vielfach ausgesprochenen Gerüchten von dem Anmarsch russischer Truppen gegen die preuß. Grenze, namentlich von dem baldigen Anlangen dreier Armeekorps, kann ich zur Beruhigung aus sicheren Quellen mitthecken, daß nach allen deßfalls emgczogenen Erkundigungen diese Gerüchte sich durch nichts bestätigt haben. Ferner kann ich hinzusügen, daß auch die russische GUNzbesctzmig von Polangen bis Thorn durch Kosaken und Grenzwächter noch dieselbe rst, wre