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Wo soll das hinaus mit unserm Vaterlande? Im Osten wollen uns die Polen auch deutsche Städte ablisten, setzt wo wir ihnen freundnachbarlich die Hand reichen, um ihnen wieder- zugeben, was polnischen Stammes, polnischer Sprache ist. Im Süden fordern die Italiener; an der schleswig'scheu Nordgränze beginnt ein ungewisser Kampf. Und wenn man nun ruhig zu- ssebt, wie man so oben und unten und an beiden Seiten an dem deutschen Vaterlande abzuschnciden trachtet, was soll da zuletzt werben ans des deutschen Reiches Größe und Herrlichkeit?

Wir sitzen zusammen und disputiren über des deutschen Volkes inneren Wiederaufbau und unterdessen beginnt man uns den deutschen Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Aller Orten sammelt man Geld für die hartbedrängten Brüder in Schleswig-Holstein. Aus vielen Städten ziehen Frei- schaaren aus. Will'Wiesbaden Zurückbleiben? es gilt eine na­tionale That! Das Geld ist rar; wir wissen cs Alle. Wir haben einen großen Nothstand in nächster Nähe, den wir unter­stützen müssen. Aber vielleicht bliebe uns doch auch noch ein kleines Scherflein übrig zu des gemeinen Vaterlandes Nutz und Frommen ein kleines Scherfleiu für eine nationale That!

Es haben sich hier bereits Parteivcreiue gebildet. Sollten diese nicht eine Sammlung veranstalten? Eine Sammlung bei allen Parteien, denn die Sache ist eine gemeinsame, eine deutsche Sache! Wer reden kann, der möge in den verschiedenen Volks­versammlungen das Wort ergreifen, daß man auch in unserer Stadt sogleich zur That schreite für Schleswig-Holstein.

Einzeln zufließende Beiträge würde die Expedition der Nas­sauischen Allgemeinen Zeitung gerne in Empfang nehmen und weiter befördern.

Deutschland.

$ Wiesbaden, 7. April. Lange Zeit hatte man sich in Wiesbaden mit dem naiven Gedanken getragen, daß man keine Parteien habe, vielmehr Alle dahin einig seyen, auf der Grund­lage der Errungenschaft des 4. März fortzubauen, daß man folglich Alles vermeiden müsse, was zur Bildung von Parteien irgend Vorwand und Veranlassung geben könne!

Dieser, dem Herzen der hiesigen Bevölkerung mehr Ehre machende, als von politischer Bildung zeugende Gedanke war Lie Grundursache des bisherigen schwankenden Systems oder vielmehr des Mangels an irgend einem Systeme, der Lahmheit der Regierung, der Unentschiedenheit und folglich Wirkungslosigkeit des hiesigen Sicherheits - Ausschusses und der fortwährenden fieberhaften Aufregung der ganzen Bevölkerung, welche sichtlich zum gänzlichen Ruin des ohnedies auf sehr schwachen Füßen stehenden materiellen Wohlbefindens führen muß. Dieses Schaukelsystem führte weiter zur Konnivenz gegen grobe Exzesse, während man in der, eine großartige materielle Macht entwickelnden, vom besten Geiste durchdrungenen Bürger­wehr das Mttel zur Niederhaltung aller dieser Auswüchse der Freiheit zur Hand hatte; und endlich mußte es nothwendig die Folge haben, daß eine kleine Anzahl rücksichtsloser weil Lurch keinen festbegründeten Erwerbsstand gebundene Leute, obgleich dieselbe weder durch Talent, Bildung oder Charakter­festigkeit irgendwie hervorragend auftreten konnte, die ganze hiesige Bevölkerung terrorisieren!

Dieser Zustand würde voraussichtlich noch lange angedauert haben, wenn die bezeichneten Leutchen diplomatischer verfahren hät­ten; so aber haben sie selbst demselben ein Ende dadurch gemacht, daß sie sich für Republikaner erklärten, (verzeiht ihnen Schatten von Cato, Brutus, Washington, Franklin!) ein Pro­gramm eines s. g. republikanischen Ausschusses mit noch dazu größtentheils falschen Namens-Unterschriften voll Hetzereien, auf die gemeinsten Tendenzen des rohen Haufens berechnet, sowie eine Liste ihrer Kandidaten für das zu bildende Wahl-Konnte veröffentlichten.

Diese Schritte hatten zur unmittelbaren Folge, daß bei der von einer äußerst zahlreichen Versammlung vorgenommenen Wa'hl feiie Kandidaten der sich selbst so nennenden republikanischen Par­tei mit einer wahrhaft lächerlichen Minderheit sämmtlich durch­fielen, und dadurch erst der gesummten hiesigen Bevölkerung, welche nunmehr erst erkannte, wie geringe Ursache sie zu ihrer bisherigen Aengstlichkeit und Unentschiedenheit gehabt, die Schup­pen von den Augen fielen.

Herzlichen Dank also unsern guten f. g. Republikanern, daß sie es uns zum Bewußtseyn gebracht haben, was wir von ihnen, aber auch was wir von uns zu halten haben.

Nachdem nun die weit überwiegende Mehrheit der hiesigen Bevölkerung ihre bisherige politische Stellung einmal verlassen hatte, machte sie auf der neu betretenen Bahn rasche Fort­schritte. So wurde namentlich in einer im Adler abgehaltenen äußerst zahlreichen Volks-Versammlung das von dem Redakteur dieser Zeitung entworfene Partei-Programm, welches einen klaren gemüthlichen Ausdruck der Gesinnung aller deren enthält, die cs mit dem Wiederaufbau der Heimath, sowie des großen deutschen Vaterlandes in freiester und möglichst vollkommener Weise redlich meinen, einstimmig angenommen, und ein Aus­schuß zur Organisation eines beschlossenen Bürger-Vereins ge­bildet.

So erfreulich nun auch diese Fortschritte in dem politischen ABC sind, so widerlich waren auf der andern Seite auch die Auswüchse, die sich in diesem an sich äußerst gesunden'und that­kräftigen Streben zeigten.

Wir mußten in jener Adler-Versammlung nicht nur Aeu­ßerungen hören, bie wie in einem früheren' Artikel cf dieser Zeitung sehr treffend bemerkt wird ganz nach dem Fa­natismus des alten Polizeistaates schmeckten, und mißbeliebige Personen verfolgt und ausgetrieben haben wollten; sondern wir mußten auch und das war uns der widerlichste verächtlichste Anblick zu jener Versammlung Leutchen in großen Schaaren Herbeiftrömen und sich damit breit machen sehen, welche bis zu jenem Tage sich gern in ein Mausloch verkrochen hätten im Gefühle der Unmöglichkeit ihres öffentlichen Auftretens seit dem Umschwung der Dinge am 4. März; getreue rührige Mit­arbeiterder alten L-chreiberherrschaft mit ihrer Aristokratie, Bureau­kratie, ihrem Höflings-, Familien- und Schmeichler-Regiment, Hofdemagogen und Andere dieses Schlags! Diese Leute, welchen der Muth plötzlich und über Nacht wieder gewachsen ist, bilden sich am Ende wohl gar ein, daß die weit überwiegend^lMrhr- heit der hiesigen Bevölkerung nur deßhalb jenen kräftigen Auf­schwung gnommen habe, um sie in ihre verloren gegangene Stellung wieder einzusetzen, und haben nicht einmal so vielen politischen Takt, um zu begreifen, daß ihre äußere Betheiligung bei einer solchen Sache das allergeeignetste Mittel ist, solche von vorn herein zu verderben, und der andern Partei das willkommenste schlagendste Beweismittel für ihre bereits laut ausgesprochene Behauptung, daß es sich hier um nichts mehr und nichts weniger als einen Rückschritt handle, in die Hand zu geben.

Möchten diese Zeilen dazu beitragen jene thörigten Men­schen zur Besinnung und zur Erkenntniß ihrer dermaligen Stel­lung zu bringen; möge überhaupt die gesummte hiesige Bevöl­kerung sich in ihrem jetzigen gerechten Unwillen über verächtliche Subjekte, die, weil sie selbst nichts zu verlieren hatten, aller­dings auf dem besten Wege waren, großes Unheil der ganzen Stadt zu bereiten, nicht zu ultra loyalen Schritten oder gar Beschränkungen der Redefreiheit und Gewaltthätigkeiten ge­gen Mißliebige verleiten lassen, sondern auf der einen Seite zwar die größte Entschiedenheit gegen jede Ungesetzlichkeit ent­wickeln, auf der andern Seite aber jeder Meinungsäußerung freien Raum gestatten, und namentlich bedenken, daß, wie im Großen bei der Versammlung zu Frankfurt so affckrRn wum hiesigen kleinen Verhältnissen es gerade die s. g. republikanische Partei war, welche uns, wenn auch nur mittelbar und gegen ihren Willen, auf den rechten Weg gebracht hat!

cf Wiesb aden, 7. April. In einem mit K signirten, von der Weil im März datirten Artikel der Freien Zeitung Nro. 30 wird unter Andern: auch alsbaldiger unentgelt­licher Aufhebung des Zehntens als eines Mittels zur Er­leichterung der Armuth erwähnt, und mit Hinweisung auf die bekannten Beschlüsse der Nationalversammlung in der ersten französischen Revolution verlangt.

Da der Verfasser dieses Artikels an die Geschichte appellirt, so hätte er unseres Erachtens auch wohl gethan, wenn er sich gründlicher in dieser Beziehung unterrichtet hätte; er würde dann gefunden haben, daß der Beschluß des Aufhebens des Zehntens ohne Entschädigung später als ein voreiliger, im ersten Enthu­siasmus gefaßter bitter bereut, und namentlich von dem ausge­zeichneten Staatsmanne und National-Oekonomen Sieyeö in jener Sitzung der Nationalversammlung, der er angehörte, , auf das Entschiedenste und aus den triftigsten Gründen getadelt worden ist.

Hat der Verfasser jenes Artikels wohl bedacht, daß er durch die unentgeldliche Abschaffung des Zehntens nicht den Besitzlosen, sondern den Besitzenden ein Geschenk mvchen will, auf welches sie weder ans Gründen des Rechts, noch der Billigkeit, noch der Staatsklugheit auch nur einen Schein von Anspruch haben, indem von ihnen Keiner bei Erwerbung des mit dem