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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^Z N Sonntag den N April L8L8.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 2 fl., k^wozu bei auswärtigen Postämtern noch der Postaufschlag kommt. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet, eilt Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenbe r g' scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen. P -^ ^ ^^^^ tot

Uebersicht.

ü° Programm der demokratisch-monarchischen Partei, u» Ein Wort über Adressen.

'm Die englische Kriegsgefahr.

Ull Deutschland. Wiesbaden (Warnung vor der Reaktion). Voin 40 Westerwald (Holz und Braunkohlen). Ulm (Truppenmärsche). E Prag (Der Erzbischof). Wien (Kriegserklärung gegen Sardinien, d Der Landsknecht. Die Nachrichten ans Italien). Berlin (Die :ger Wahlen für das deutsche Parlament). Von der Elbe (Dänemark im und England). Kiel (Rüstung).

er Grohbrittanicn. London (Die Deutschen).

Italien. Mailand (Die österreichische Armee). Neapel (Rücktritt

des Ministeriums. Die Lombardei).

h(Rußland. Riga (Die Cholera in Livland).

,hl Sprechsaal für Stadt und Land.

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* Wiesbaden,^ April.

In einer außerordentlich zahlreich besuchten Volksversamm­lung, welche heute Abend im Saale des Adlers abgehaltcu ch, wurde, ist der nachfolgende von W. H. Riehl in Vorschlaz ^gebrachte Entwurf eines Programms der demokratisch-monarchi- schen Partei angenommen und Druck und Verbreitung desselben durch das ganze Land beschlossen worden. Die Listen zur Untex- Zchrift liegen für solche, welche nicht bei der Versammlung an- ^wesend waren, in der Schellenbergischcn Hofbuchhandlung offen. rel Das Programm lautet folgendermaßen.

i t I Wir halten diejenige Staatsform für die beste, welche ^sich ohne gewaltsame Zerstörung der-, gegenwärtigen Verhältnisse ee'au6füpfenJ^ Rechte des Volkes sichert, Lasten und Stenern ^so leicht als möglich macht, Jedem das reichste Maß der Freiheit ^gewährt, Person und Eigenthum kräftig M

rt; II. Wir sind überzeugt, daß in einer Monarchie, wo das gMolk durch seine Abgeordneten unmittelbar an der Regierung ..theilnimmt, wo die Gemeinden selbständig sind und sich selber verwalten, wo die freie Presse der niemals schweigende Verthei­diger der Volksrcchte ist, Summa, daß in einer durchaus freisinnigen und volksthümlichen Monarchie diese für den gegen- -wärtigen Zeitpunkt unter den gegebenen Verhältnissen beste Staatsform erreicht ist. Der Fürst ist nicht der Herr des Volkes im alten Sinne, er ist nur der oberste Vertreter des selbst- jerrschenden Volkes, das leibhaftige Sinnbild der Volksherrfchast. Dies nennt man einen wahrhaft konstitutionellen Fürsten

sa. III. Wir wollen die gewährten Forderungen der Nassauer wm 4. März verwirklichen, auf's weiteste ausbeuten und in vHwn die breite Grundlage von noch vielen anderen volks- 'Hümlichen-Ktttwicksungen/ überhaupt die Grundlagen unseres Bekenntnisses suchen^

Der Herzog hat uns Wort gehalten, wir haben uns ms ihn verlassen; so soll er sich denn auch auf uns verlassen vnnen. Wenn wir verlangen, daß der Herzog uns Wort ihm aber unser Wort nicht halten wollen, das ist kein hrlich Spiel. Ein gegenseitiges Vertrauen muß endlich wie- »erkehreu, wenn sich das Land nicht in sich selbst aufreiben md zerstören soll.

. Wir wollen den gründlichsten, aber auch den friedlich­en Fortschritt, keine Hetzereien, die Land und Leute auswiegeln. Orese Hetzereien bedrücken das Land schier so arg, als der alte

Polizeistaat, denn sie ruiniren den Erwerb und lassen den Ar­beiter .seines Fleißes nicht mehr froh werden. Der fieberhaft bewegte Zustand muß endlich aufhören, damit Handel und Ge­werbe wieder zu Kraft und Gedeihen kommen.

V. Wir wollen uns der Armen annehmen. Den Arbeits- tz losen soll zur Arbeit verholfen werden. Weil sie jetzt in der V Monarchie hungern müssen, darum glauben Viele, daß es in der Republik besser sey; aber der Hunger wird auch in der Republik bleiben. Wir wollen Alle zstsammentreten, daß schon augenblicklich nach unsern Kräften für die Abhülfe der näch­sten Noth gesorgt wird; wir wollen Opfer bringen, wir wollen zeigen, daß kein Republikaner ein größeres Herz für Noth und Elend haben kann, als wir.

VI. Freiheit für SHU, also auch Ehre jeder redlichen Ueberzeugung, jeglichem Parteibekenntniß. Kampf nur mit geistigen Waffen!

Außerdem machte Herr Schulinspektor Ebenau den Vor­schlag, einen Bürgcrvcrein zu gründen zur Wahrung und För­derung der Errungenschaften vom 4. März. Der Vorschlag fand allgemeinen Anklang und es ward sofort ein Ausschuß niederge­setzt , welcher sich mit den nöthigen Vorarbeiten über diesen Gegenstand beschäftigen und in einer der nächsten allgemeinen Versammlungen darüber Bericht erstatten soll.

5 @in Wort über A-reffen

Wiesbaden, 5. April.

Nicht von den Adressen der Briefe, nicht von Wohlge­boren und Hochwohlgeboren auf denselben, nicht davon, ob solche Bezeichnungen wegzulassen, ab sie vor oder hinter den Namen zu stellen seyen, auch nicht von den Dankadressen gelehr­ter Gesellschaften an einzelne ihrer hochberühmten Mitglieder, oder ungelehrter Gesellschaften an ihre Vorsteher, wenn diese ein Familienfest feiern nicht von solchen Adressen ist hier die Rede: sie sind zu unbedeutend und zu unschuldiger Natur, als daß sie bei der dermaligen großartigen politischen Bewegung Beachtung verdienten. Wohl aber möchte es an der Zeit seyn, ein Wort über politische Adressen zu sagen, die heute nicht immer wie gesunde Pflanzen auf gesundem Boden wachsen, son­dern gleich unnützen Pilzen oft über Nacht auf faulichtem Grunde emporschießen.

So lange ein allgemeiner Druck auf unserem Vaterlande lastete, mochte die Stimme des Volkes den Fürsten und Regie­rungen gegenüber in denAdressen" einen geeigneten Aus­druck finden, und erfreulich ist es, zu sehen, wie die Adressen allmählich an die Stelle deruntertänigsten" undallcrunter- thänigsten" Petitionen getreten sind. Sie waren Ausdruck der öffentlichen Meinung, keine Stimme aus dem Volke erhob sich dagegen, und darum wirkten sie auch, wo sie zu wirken bestimmt waren. Jetzt aber, wo sich über die Ausbeutung der errungenen Freiheiten schon Parteien gebildet haben, wo' also die öffentliche Meinung keine einige, ungetheilte mehr ist, jetzt sollte keine Partei die Form der Adresse mehr wählen, sondern auf andere Weise, in Zeit-, Flugschriften rc., ihre An­sichten vertreten und verfechten. Eine jede Adresse wird eine Gegen-Adresse Hervorrufen und die beabsichtigte Wirkung geht ganz verloren. Auch die noch so zahlreichen Unterschriften können