welche Tausende nützlicher Hände beschäftigt , Plötzlich stille stehen. Arme Leute wird es immer geben - selbst bei den Kommunisten, — wenn aber heute ein armer Mann zu einem wohlwollenden Fürsten kommt, dann erhält er fast immer eine reiche Unterstützung, während er außerdem vielleicht in 50 Häusern anklopfen müßte, um dasselbe zu erhalten. Der Großherzog von Baden hat eine Zivilliste von 700,000 Gulden jährlich; zieht man die Ausgaben ab, welche er von dieser Summe machen muß, und welche wieder für die Allgemeinheit, d. h. namentlich zum Nutzen der arbeitenden Klassen, in Umlauf kommen, zieht man weiter das ab, was dieser sehr wohlthätige Fürst jährlich der Armuth an Unterstützung zuwendet, dann ist der Großherzog mit seinen 700,000 Gulden nichts weiter als ein einigermaßen bemittelter Mann, von dem aber wahrlich Niemand sagen kann, daß er ein reiches Einkommen habe.
Wir wollen nicht, daß ein Land arm werde, damit, wie es im 18. Jahrhundert häufig geschah, der Fürst allein herrlich und in Freuden leben könne, wir vermögen aber auch nicht einzusehen, wie die großen Summen, welche tue Fürsten jährlich in Umlauf setzen, ein Grund — für die Republik seyen.
3 Wiesbaden, 6. April. Vater Jahn war heute in unsern Mauern. Gestern schon wußte man's, daß er hierher kommen würde. Die Turner nahmen ihn mit Musik in Empfang und führten den ehrwürdigen Greis in die Stadt. Im Saale der Vier Jahreszeiten fand sich dann heute Nachmittag eine große Versammlung ein, welche der alte Turner mit einer jubelnd aufgenommenen Rede ansprach.
Von mehreren Freunden wurde bei dem alten Jahn auch die große Tagesfrage ob Monarchie oder Republik? angeregt. Jahn erwiederte, er lebe in der Republik (in der Schweiz) -aber er halte die Republik nicht für die Verfassungsform, welche i Deutschland glücklich machen könne. Für die Nassauer aber ins- r besondere sey durch die Gewährung der Forderungen vom 5e März eine Verpflichtung gegeben, auch ihrerseits dem Herzog. - Wort zu halten, eine Vepflichtung, der sie als deutsche . Männer sich nicht entschlagen könnten.
- (/ Wiesbaden, 6. April. Auch außerhalb Hochheim
1 auf nassauischem Gebiete hatte man mit der Verwüstung der > Eisenbahn begonnen. Doch ist jetzt bereits durch ent- > schiedenes Einschreiten dem frevelhaften Beginnen ge- - steuert worden. Die hiesigen Turner zogen heute morgen mit scharfen Patronen zum Schutze der Landesgränze ab, fanden t dieselbe aber bereits von Oesterreichern und Preußen besetzt, , welche die Urheber der Zerstörung festgenommen hatten, denen e der Muth bedeutend gesunken war, als ihnen die bewaffnete Macht gegenübrrtrat. Die Turner sind bereits wieder zurückgekehrt. Wie wir von Reisenden hören, arbeitet man oberhalb Hoch- - heim bereits ungestört an der Wiederherstellung der Bahn. Die Strecke von hier bis Mainz wird bis morgen Mittag wieder fahrbar seyn. Bis zu Wiederherstellung der ganzen Bahn-
., linie wird es jedoch noch einige Tage währen.
n □ Som Saunu d, 5. April. In Ems, wo es ruhig ># ist, soll sich bereits ein ganz ansehnliches Fremdenpublikum ^ zufamMngefunden haben, zum großen Vortheil des Ortes in dieser schweren Zeit. Dagegen fürchtet man, daß die fort-
1, dauernde Gâhrung und die in unserer Nachbarschaft immer neu wieder auftauchenden Eingriffe in fremdes Eigenthum, welche die Folge einer höchst bedauerlichen Verwirrung der Rechtsbegriffe sind, für den Wohlstand der Stadt Wiesbaden im bevorstehenden Sommer bittere Früchte tragen könnten. Man kann und soll nicht ruhig seyn in dieser Zeit des Sturmes; die Bewegung schafft Leben, die Bewegung schafft g- Freiheit, aber daß Skandal und Frevel Freiheit Ichaffe, das e- steht doch nirgends geschrieben.
'N A Kassel, 4. April. Der Kurfürst scheint sein altes id Mißtrauen gegen das Volk ganz verloren zu haben, und dies ch ist auch leicht erklärlich. Er schien ziemlich mit sich im Reinen b- zu seyn, daß er gestürzt sey und das Land verlassen müsse, als st, das Militär ihn im Stich ließ. Da sah er nun, wie durch 30 Leute aus dem Volk die Ruhe auf eine zum Theil wahr- l? Haft mährchenhafte Weise erhalten wurde, und wie namentlich ^ dies geschah von Denen, welche die früheren schlechten Rathgeber ui des Kurfürsten immer als Männer der Zerstörung und des nd Umsturzes hingestellt hatten — wie Jordan, Eberhard, iel Wippermann re. Dadurch bekam er Mißtrauen gegen sein hr altes Ministerium und fühlte, daß er betrogen war. Er ist ^ letzt sehr vergnügt und was das beste ist, in guten Händen.
ist Sein letzter Versuch, ein geheimes Kabinett zu grünen den scheiterte. J
IG ', Aks aus Berlin und Wien die Nachricht von den dortigen c., ^elgniffen einlief, freute sich der Kurfürst nicht wenig, im ent
scheidenden Augenblicke nachgegeben zu haben. Als er eine Musterung der Bürgerwehr in Person abhielt mit der bezeichnenden Binde um den Arm, soll er zu einem der Wehrmänner gesagt haben: „Ich hege großes Zutrauen zur Bürgergarde: ich bin schändlich betrogen gewesen." Er versprach 100 Uniformen machen zu lassen und aus seiner Kasse zu bezahlen.
Köln, 5. April. Es hat sich hier ein Komite von Rheinschiffern gebildet, um eine allgemeine Vereinigung sämmtlicher Schiffer des Rheinstromes und seiner Nebenflüsse zu be- wirken zur Hebung der so sehr gesunkenen Segelschifffahrt auf dem Rhein. Der Verein will vornehmlich jenen großen Aktiengesellschaften entgegenarbeiten, welche durch alleinige Beherr- jchung der Kapitalien den Mittelmann nicht aufkommen lassen und hie kleineren Schiffer meist zu Grunde gerichtet haben. Zu diesem Ende hat das Komite die Verwirklichung folgender Sätze in Vorschlag gebracht:
1) Abschaffung aller Rheinzölle, als Hemmung des freien Handels und Verkehrs.
2) Abschaffung aller bisherigen, für den Schifferstand eben so lästigen als drückenden Brückenabgaben, welche unter dem Namen von Durchlaßgebühren erhoben werden, da die Schiffer einerseits keinen Nutzen von diesen Brücken haben, sondern auch noch die kostbare Zeit verlieren.
3) Möglichste Einschränkung der Dampfschiffe zum Gütertransporte und Abschaffung aller auf Aktien gegründeten und für Rechnung großer Nhedereien fahrenden Güterschiffe.
Auf alle Fälle ist es besser auf diese Weise der Allein- herr,chaft der Schleppvampfschisse entgegenzuwirken als dadurch, daß man vom Ufer aus auf die unschuldige Schiffmannschaft schießt,
Köln, 5. April. (K. Z.). Gestern Abends ist hier ein kleiner Kreis für das Wohl ihrer Mitbürger besorgter Männer, bestehend aus einem Banquier, mehreren Kaufleuten und Ju- risten, zusammengetreten, um über die Errichtung eines Geld- Instituts auf hiesigem Platze zu berathen, welches vorzüglich dazu bestimmt seyn soll, den Kleinhändlern und Handwerkern gegen eine angemessene Sicherstellung die zum Fortbetrieb ihrer Geschäfte benöthigten Geldvorschüsse zu verschaffen und dadurch die Arbeit mit dem unentbehrlichen Kapitale auf die wenigst kostspielige Weise zu unterstützen.
Berlin, 2. April. (D. A. Z.) Unser neuer Finanzminister Hr. Hansemann hat dem König bereits einen sehr praktischen Vorschlag gemacht, dessen Ausführung unsern in diesem Augenblicke durchaus zerütteten Erwerbs-, Handels- und Kreditverhältnissen ohne Zweifel günstig aufhelfen würde. Dieser Vorschlag besteht darin, aus den bedeutenden Baarfonds des königlichen Staatsschatzes 5 bis 6 Millionen Thaler in die Bank einzuschießen und dadurch eine Belebung des Verkehrs hervorzurufen. In jedem Falle würde dies besser sein, als in einem so kritischen Augenblicke solche Summen im Staatsschätze müßig liegen zu lassen. Mit unsern Lebensmittelpreisen steht es merkwürdig gut. Den Preis der Kartoffeln haben wir hier seit mehreren Jahren nicht so niedrig gesehen, was das Volk dem Einschreiten der Studenten" beimißt, welche durch ihr Harangui- ren der Landleute auf dem Markte die Preise regelten. Die Studenten sind seit unserer Revolutionsnacht eine große Autorität für das hiesige Volk geworden.
Auf der Kuppel des königlichen Schlosses ist heute die preußische Fahne neben der deutschen Nationalfahne aufgestellt worden. Die letztere wird in einigen reaktionär gesinnten Provinzen, namentlich in Pommern und in verschiedenen Gegenden der Marken, auch in einem Theile von Schlesien, noch immer hartnäckig verschmäht und oft sogar mit Schimpf zurück- gewiesen.
Berlin, 2. April. (D. A. Z.) Wir können aus zuverlässiger Quelle berichten, daß die Stimmung unter den russischen Beamten und Militärs in Polen gedrückt und niedergeschlagen ist. Der dortige Heeresstand betrug bisher einschließlich Kosacken, Tscherkessen und Mohammedaner 80.000 Mann. In Folge der Ereignisse in Italien, Frankreich und namentlich in Deutschland ist man im Begriffe, dieses Heer bis auf 200,000 Mann zu vermehren, was aber auch das Maximum ist, ohne in Petersburg , Moskau und den Osftce- provinzen Gefahr zu laufen, und müssen zu Aufbringung dieser Zahl ohnehin schon Garden verwendet werden.
Berlin, 4. April. (Berl. Nachr.) Es wird versichert, daß gestern eine Erklärung des britischen Kabinets eing^ gangen sey, wonach das lle bersch reiten der Erder durch