Einzelbild herunterladen
 

Der bisherige Bundestag trat am 3. April vor der Ma­jestät dieser Versammlung zurück und löste sich auf. Er wird sich gleichzeitig mit der constituirenden Versammlung wieder bilden, um mit ihr gemeinsam zu berathen, aber seine Glieder werden, müssen Männer seyn , würdig des Vertrauens des Volkes. Dieses ist seine Lebensbedingung.

Einstweilen ist das permanente Komite der Frankfurter National-Versammlung der Mittel- und Anhaltspunkt des nun Gottlob vereinten Deutschlands.

So, deutsche Brüder, ist unsere fetzige Stellung; das, deutsches Volk, ist dein Trost! Bleibe wahr, bieder, bleibe deutsch, und du wirst sie gebrauchen zu deinem und aller Völker Wohle. Wir sind jetzt in einer Umwandlung begriffen, das Vertrauen in Handel und Wandel ist hier den Augenblick gestört unb daraus erwachsen Mißbehagen und Nothstand. Allein ver­harre, bleibe rubig und gelaffen, deine Sache ist in den Händen deiner wahren Freunde und Gott waltet sichtbarlich über dir. Sv muß es besser, fa gut werden!

Reform unseres Volksschulwesens.

Pzi. Schon sind mehrere Stimmen von Nassauischen Leh­rern laut geworden, die die gewonnene Freiheit auch für sich, für eine Verbesserung ihrer Lage, und eine, der jetzigen Stel­lung des Volkes entsprechende Umgestaltung des Volksschulwesens verlangen. Diese Stimmen sind, wenn auch einseitig, weil sie nur ihre unmittelbaren Interessen im Auge haben, doch wichtig, da sie Boden und Material zu der durchaus nöthigen Reform bilden.

Die völlige Umkehrung aller Verhältnisse hat dem Volke eine nie gekannte Selbständigkeit, welche alle Verhältnisse durch­dringt, gegeben. Für die Freiheit muß das Volk erzogen wer­den - das zukünftige Geschlecht wird die Früchte unseres Auf­schwunges genießen. Es muß dazu gebildet und entwickelt werden, daß es nicht unreife und bittere, sondern reife, süße Früchte vom Baum der wahren Freiheit pflücke. Nicht ferner gilt einseitiges Wissen und Bücherbildung nnd Lüchergelehrsamkett, sondern gesunder Menschenverstand klare, rasche Erkenntniß der Wahr­heit fester Wille tüchtige Gesinnung mit einem Wort: wahre, schöne Menschlichkeit ist heute das Ziel der freien Volksbildung oder der Bildung zur Freiheit. Schon unter den früheren Verhältnissen seufzte das Volköschulwesen unter einem verderblichen Druck. Heute ist dieser Druck rein unmöglich geworden.

An der Spitze des Volksschulwesens dürfen nicht Leute stehen, die nur mit philologischer Gelehrsamkeit gerüstet, die oberste Leitung der Schule zum Brennpunkt eines büreaukrati- schen Systemes machen; nach oben kriechend, nach unten herrisch, des allgemeinen Vertrauens entbehrend.

An der Spitze des Volksschulwesens muß vielmehr ein Mann stehen, der von der Pike aus gedient hat, der einerseits die Sorgen, Mühen, Beschwerden des Lehrers kennt, da er sie selbst getragen der die Selbstverläugnung und die Opfer zu schätzen weiß, die jener ehrenwerthe Stand fordert, da er selbst Opfer gebracht und Selbstverläugnung geübt hat; der aber auch andernseits die nöthige Bildung, Umsicht, Kenntnisse, Orga- nisations- und Leitungs-Talente besitzen muß, welche diese Stelle fordert. Kein Büreau- und Federheld, kein Büchergelehrter soll er seyn, sondern ein Mann der frischen That und des freien Lebens! Die Schreibereien und Berichte :c. werden vermindert. Er lerne, vermittelst größerer und öfterer Rund­reisen durch das Land, Schulen und Lehrer nach eigener An­schauung kennen ziehe das bescheidene Verdienst aus der Verborgenheit hervor ermuthige und belebe die Schwachen lerne die Noth und die Beschwerden kennen schlichte die Mißhelligkeiten zwischen Lehrern und Gemeinden belehre thatsächlich den Unerfahrenen und befördere so sicherer, als es bisher auf dem Schreibweg geschehen konnte, auch auf dem Felde der Schule, durch Mündlichkeit und Oeffentlich- keit, die wahre Menschenbildung.

Das Institut der Schulinspektoren bedarf eben­falls der Erneuerung, und muß mit dem oben Angedeuteten in Uebereinstimmung gebracht werden. Es ist nicht nöthig, daß der Schulinspektor ein Geistlicher sey. Aber ebensowenig ist es nöthig, daß die Geistlichen ausgeschlossen seyen. Kirche und Schule sollen nicht feindlich getrennt, sondern frei und har­monisch vereinigt dem schönen Ziel der reinen Menschlichkeit entgegenstreben. Der Geistliche ehre und anerkenne den prak­tischen Wirkungskreis des.Lehrers und wolle nicht beurtheilen

ur) leiten, was er nicht versteht, nicht verstehen kann; der Leh­rer ehre den Geistlichen und feinen Wirkungskreis und fördere dessen Wirksamkeit, die in der Schule ihre Grundlage erhält.

Die Volksschullehrer selbst müssen besser gestellt wer­den, besonders die älteren, die ihre Jugend und ganze Lebens­kraft, eine Reihe von Jahren lang, dem edlen aber schlecht be­lohnten Beruf gewidmet haben, und so oft mit zahlreicher Familie darben von Sorgen uud Kummer umlagert und gedrückt sind, eie erhalten eine höhere Besoldung, die mit einer ge­wissen Anzahl von Jahren treuer Wirksainkeit eintrete. Ein öffentliches Zeichen der Ehre und Anerkennung, von Seiten des Staates, werde den Würdigsten zu Theil.

Endlich muß unser Schulseminar, die Pflanzschule un­serer Lehrer und der ganzen Volksbildung, vor Allem neu ge­boren werden. Der Direktor muß ein praktischer Schulmann seyn. Der eigentliche Gelehrte ist hier nicht an seinem Platz, der Theologe, als solcher, vielleicht am wenigsten.Unsere Zeit hat überhaupt der, durch klassische Bildung erstrebten (nie er­richten) antiken Humanität jene Alleinherrschaft entzogen, welche ihr schon darum nicht gebührt, weil ihre wärmsten Freunde uns so selten durch ihr Leben zeigen, was denn an ihr das allgemein Bedeutsame sey."

Das Seminar bildet das Fundament des Neubaues der Volksschule und Volksbildung. Es muß daher eine Erziehungs­und wahre Bildungsanstalt der pädagogischen Jugend werden. Es darf nichts weniger als eine mechanische Abrichtungsanstalt, keine Maschinenfabrik darf es seyn.

Vielleicht finden wir später Veranlassung, uns über seine Reorganisation ausführlicher auszusprechen.

Wiesbaden, den 30. März 1848.

Ein Freund des Volkes.

D e n t f ch l a n d.

Rendsburg, 1. April. (W.-Z.) Der Krieg zwischen Schles­wig-Holstein und Dänemark ist ausgebrochen. Privatnachrichten zufolge sind gestern bereits Vorpost engefechte in der Gegend von Hadersleben vorgefallen.

Es ist per Stafette ein Schreiben des Grafen Hahn von Neuhaus eingegangen, daß die Dänen bei Neversdorf (etwa 4 Meilen südöstlich von Kiel) gelandet seyen, und dass bereits Blut geflossen sey. Man hält hier dafür, daß die Ge­landeten ein dänisches Freikorps sind, die eine Razzia in den reichen Dörfern und Gütern dieses Distrikts machen wollten. Es ist ein wahrer Jammer, daß wir nicht einmal so viele Schiffe haben, um eine so erbärmliche Seemacht wie Dänemark von unsern Küsten abzuhalten.

Unsere Truppen, jetzt mit Einschluß von 3000 Freischärlern unter dem Oberbefehl des Advokaten Koch aus Segeberg, gegen 8000 Mann stark, rücken dem Feinde entgegen. Wir dürfen schon morgen oder übermorgen Nachricht von einem Treffen erwarten. Auf Alse n sind die Dänen Meister und sollen das Eigenthum des Herzogs von Augustenburg in Beschlag ge­nommen haben. Diese Insel wäre eben so wenig von unserer Seite zu vertheidigen, als es die Insel Fehmarn ist, in deren Nähe gleichfalls ein dänisches Kriegsschiff gesehen wird. Heute ist ein Freikorps aus Braunschweig hrer eingerückt, welches die Nachricht bringt, daß der Herzog von Braunschweig mit einem Heer von 3000 Mann und sechs Kanonen bald erwartet werden darf. Dem Einzuge von G000 Mann Hanno­veranern und 15,000 Mann Preußen dürfen wir bald entge­gensehen.

Der Geheimerath Professor Michelsen in Jena hat sich mit den Waffen für unsere Sache zu kämpfen bereit erklärt.

Karlsruhe, 4. April. (Fr. I.) Ein Abgeordneter der aus allen Theilen Frankreichs in Straßburg zusammenkom­menden Polen, Dr. Zurkowsky, ist gestern hier eingetroffen, um unsere Negierung zu ersuchen, den zur Befreiung ihres Vaterlandes zurückkehrenden Polen einen freien und unentgelt­lichen Durchzug durch unser Land zu verstatten. Es freut uns, berichten zu können, daß unser Ministerium bereit­willig diese Bitte gewährte, und Hrn. Dr. Zur­kowsky durch den Hrn. Staatsminister v. Dusch eröffnen ließ, daß die Polen kolonnenweise, 40 Mann stark, täglich mit dem ersten Zuge von Kehl nach Mannheim per Eisenbahn, von Mannheim aber per Dampfboot frei und unentgeltlich nach Köln geführt werden sollen. Die Polen sind durch diese Verfügung unserer Negierung zu größtem Danke verpflichtet, indem ihnen dadurch die Möglichkeit gegeben ist, in kürzester Frist in ihr Vaterland zurückkehren zu können.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schelleuberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.