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und der deutschen Ritterschaft, welche den heiligen Georg als ihren Schutzpatron verehrte.

Eine Beschreibung beider Fahnen gibt uns ein Bericht der Augsburger Chronik über das Leichenbegängniß Kaiser Karl's IV. zu Prag tm Jahre 1378:Darauf fürt man den schwarzen adler des Reichs in einem gülden vesd. Darnach fürt man ein fanen dez Heilligen Reichs ain weiß kreuz mit ainem langen Zagel (Wimpel) in ainem rothen veld. Darnach fürt man einen gulbin Rennfanen mit ainem schwarzen adler dez Reichs verkert, das Haupt gen tal uff ainem verdeckten roß w." Entweder schon unter Karl's IV. Nachfolger Wenzeslaus ober gewiß doch unter Ruprecht v. d. Pfalz (14001410) erhielt der Reichsadler zwei Köpfe, wahrscheinlich als Sym­bol der Weltherrschaft oder der über Deutschland und Italien. So erscheint z. B. der Adler über dem Thore des von Ru­precht erbauten Flügels des Schlosses zu Heidelberg. Seit­dem bis zur Auflösung des Reiches blieb der schwarze Doppel, adler in goldenem Felde Wappen und Banner des deutschen Volkes, und erhielt dieses Banner wahrscheinlich nur rein zu­fällig oder zur größeren Zierde einen rothen Wimpel (Zagel) als Zusatz, woraus sich also unsere Farben Roth-Schwarz- Gold (Gelb) ergeben.

So oder, was eben so richtig, Roth-Gold-Schwarz müssen die Farben horizontal gestreift von oben auf einander folgen. Setzt man Roth in die Mitte , so trennt diese Farbe die eigentliche Urfarbe, und ist das Panier vertikal gestreift, so gibt cs die belgische Flagge. Im fünfzehnten Jahrhundert war die Ehre, nächst dem Marschall, dem Kurfürsten von Sachsen, Fähnrich des Reiches zu seyn , Gegenstand vieler Streitigkeiten unter den Reichsgliedern, und es wird uns be­richtet, daß bei dem Entsätze der von Karl dem Kühnen 1475 hart belagerten Stadt Neuß durch das Reichsheer, der Kur­fürst von Sachsen das Reichspanier trug. Als er es einmal dem Hauptmann der Stadt Nürnberg habe übergeben wollen, i sey sowohl der Hauptmann der Straßburger, als auch ein Herr von Urburg (Urenberg), welcher die Kölner befehligte, i herangesprungen , und habe letzterer die Fahne ergriffen, sie jedoch an den Straßburger abgeben müssen. Ein Fürstenrath mußte den Streit erledigen. Ebenfalls hinsichtlich des Tra­gens der St. Gcorgenfahne scheint unter den Deutschen ein edler Streit gewaltet zu haben. Es heißt nämlich in der Kriegsordnung der deutschen Landsknechte vom Jahre 1535, Kap. 4, Art. 7:Schwaben und Franken haben die Freiheit, wenn ein römischer Kaiser des Reichs Fanen im feldt fliegen laßt und sankt Jorgenfanen uffricht, das sy denselben sankt i Jorgen als Rennfanen mit inen und sunst kainer Nation be- ; setzen, auch mit Hauptleuten und Fendrichen verwalten. Es : sein auch beide genannten Landt des Hauptmanns und Fen- drichs dergestalt vor vil Jahren verglichen, daß sy ain tag umb den andern mit dem Hauptmann und Fendrich abwechseln." Der Artikel 8 gesteht im Falle eines Türkenzuges den Steier­

märkern dieses Recht zu, und der Artikel 11 bezeichnet dieses als einen alten deutschen Kriegsgebrauch, den jeder Oberst wissen müsse.

Die Reichsfahne erschien nur noch unter Karl V. ehren­voll und siegreich im Felde; in den Reformations-Wirren, na­mentlich im dreißigjährigen Kriege ging mit der Treue gegen Kaiser und Reich auch die Anhänglichkeit an ihre Symbole unter, und die Farben des Reichs erblaßten in dem Maße, je kecker die Hausfarben der Landesherren im Felde erschienen. Nach dem gänzlichen Sturze des Reiches wurde der deutsche Doppeladler das Wappen des Kaiserthums Oesterreich, und hatte derselbe schon seit Peter dem Großen einen mächtigen Rivalen an dem russischen Doppeladler erhalten, welcher auch noch dadurch, daß er das alte deutsche St. Georgenschild (für Litthauen) auf der Brust trägt, Ansprüche auf die Erbschaft Otto's des Großen zu machen scheint.

Mit dem von vielen edlen Männern in den Befreiungs­kriegen glühend ausgesprochenen Wunsche nach Einheit hob sich in Deutschland auch die Begeisterung für alles, was an das Reich erinnerte. Die Burschenschaft von Jena wird es wohl zuerst gewesen seyn, welche im Jahre 1817 die Farben in der (unhistorischen). Folge Schwarz-Roth-Gold als Zeichen gleicher deutscher Gesinnung aller deutschen Stämme wieder annahm, und Tausende von Studenten haben seitdem dieses Band in heimlicher, stolzer Freude auf der Brust getragen.

Vielleicht ließe sich noch der ermitteln, welcher damals die alten Reichsfarben aus dem Staube der Vergessenheit her­vorsuchte, und der Einsender wird sich dann freuen, hiemit einen Anstoß zu genaueren historischen Untersuchungen gegeben zu haben. (Köln. Z.)

Ä Der Verkehr zur See in seinem Cinstuffe aus geistige Bildung.

(Fortsetzung.)

Zeigen schon die Phönizier, was das mittelländische Meer- für den Verkehr und somit für die Zivilisation werden konnte, so ist dieses doch erst durch die Griechen und Römer, die beiden Hauptvölker des Alterthums, zu seiner vollen Geltung gelangt, eine Geltung, die Anlaß gegeben hat, eine ganze Zeit die thalassische oder die Zeit des Mittelmeeres zu nennen, im Gegensatze sowohl zu der orientalischen, in welcher der Einfluß der Flüsse überwog, als auch der neueren, die von dem Uebergewicht des Ozeans die ozeanische ge­nannt worden ist.

Um zuerst von den Griechen zu reden, so soll hier die Be­deutung des Mittelmeeres für griechische und Menschenbildung überhaupt nicht im Einzelnen entwickelt, sondern nur die her­vorstechenden Beziehungen der Griechen zum Meere im Allge­meinen berührt werden. Ihre vielfach durch Meereseinschnitte