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4- Wiesbaden, 5. April. Unsere Stadt, welche noch nicht an Wahlbewegungen gewöhnt ist, war heute in großer Aufregung, indem sich eine republikanische Partei fast über Nacht gebildet hatte und heute Morgen mit einer Wahlliste hervortrat. Dies hatte zur Folge, daß die freisinnig-monarchische Partei sich gleichfalls sofort zusammentbat und dreißig Männer in Vorschlag brachte, welche sich an die Spitze der Wahlorganisation stellen sollen. Nach einer einleitenden Versammlung vor dem Kursaal, wurden die Wahlzettel heute Nachmittag in der evangelischen Stadtkirche abgegeben, dort unter Siegel gelegt und sollen nun von dem Stadtvorstande öffentlich erbrochen werden.

Dieser Anlaß hat unsere Parteien rasch ausgebildet; was gestern noch hin - und herschwankte, das wird sich nun in feste Gruppen sondern, und ein großer Schritt zur weiteren Förde­rung des konstitutionellen Lebens ist damit gethan.

88 Kastell, 5. April. So eben erfahren wir, daß die Schienen der Taunusbahn zwischen hier und Hochheim von hiesigen Lohnkutschern ausgerissen werden. Dieselben wollen der Eisenbahn die Bedingung aufzwingen, nur dreimal des Tages zu fahren und die letzte Fahrt auf 6 Uhr Abends zu verlegen.

Frankfurt, 4. April. (Frftr. 33 Nachstehendes sind die Namen der in den permanenten Ausschuß zur Vorbereitung der Einberufung des deutschen Parlaments gewählten 50 Mit­glieder, die auch sogleich zur Vorbereitung im Kaisersaale zu­sammentraten, so wie auch die Namen der erwählten Supple­anten (Ergäuzungsmänner):

Wiesner (Oesterreich); Jtzstein (Baden); R. Blum (Sach­sen); Jakobi (Königsberg); Kolb (Rheinbayern); Abegg (Breslau); Soiron (Baden); Simon (Breslau); Schott (Würtemberg); Murschel (Würtemberg); Raveaur (Rhein- preußen); Spatz (Rheinbayern); Eisenmann (Bayern); Schlei­den (Schleswig); Mathy (Baden); Gülich (Schleswig-Holst.); Freudenthal (Hannover); Gr. Bissingen (Oestcrr.); Stadmann (Rheinpr.); Vencden (Rheinpr.); Schnelle (Mecklenburg); Siemens (Hannover); Jürgens (Braunschweig); Zachariä (Hannover); Wippermann (Kassel); Lehne (Rheinhessen); Biedermann (Sachsen); Rüder (Oldenburg); Hergenhahn (Nas­sau); Buhl (Baden); Nonne (Hildburghausen); Kierulf(Meck­lenburg); Heckscher (Hamburg); Cetto (Nheinpreußen); Duck­witz (Bremen); Behn (Lübeck); Schwarzenberg (Kassel); Brunck (Rheinhessen); Mappes (Frankfurt); Pagenstecher (Preußen); Wilbelini (Preußen); Briegleb (Coburg); Blachwre (Kurhes- sen); v. Closen (Bayern);' Pauer (Bayern); Reh (Darm­stadt); Mack (Würtemberg); Meyer (Preußen); Wedemeyer (Preußen); Kanzler Wächter (Würtemberg).

Suppleanten: Hecker (Baden) ; Leue (Nheinpreußen); Schaffrath (Sachsen); Vogt (Gießen); Joseph (Sachsen); Jucho (Frankfurt); Tafel (Würtemberg); Ernst Leisler (Nassau); Schweikart (Würtemberg); Zitz (Rheinhessen); Runge (Meck lenburg) ; Struve (Baden); Aßmasin (Braunschweig); Graf

Reichenbach (Schlesien); v. Sybel (Marburg); Wesendonk (Nheinpreußen); Rödinger (Würtemberg); Jul. Meyer (Osna­brück) ; Hoff (Mannheim); Brentano (Baden); Strecker (Nainz)g Rießer (Hamburg); Eisenstuck (Sachsen): d'Ester (Köln) ; Wurm (Hamburg) ; Hepp (Rheinpreußen) ; Riedl (Baiern); Wigard (Dresden); Detering (Hannover); Plange (Preußen); Ronge (Preußen) ; v. Diemar (Würtemberg); Hildebrand (Marburg) ; Peter (Baden); Bürgers (Köln); Schlöffel (Breslau) ; Pelz (Rhesnprcußen); Junghanns 11 (Baden) ; Titus (Bayern); Fürst (Posen); Wuttke (Leipzig); Depener (Dessau); Nohl (Preußen); Haustein (Sachsen); Wiedemann (Bayern) ; Schmitz (Preußen) ; Prell (Bayern); Christmann (Rheinbayern); Mohr (Rheinhessen).

Frankfurt, 4. April. (Fkft. I.). Der von der Frank­furter Versammlung gewählte Fünfziger-Ausschuß ist sogleich nach Verkündigung der Wahl zusammengetreten. Zum Vorstand wurde Soiron aus Baden, zum ersten Stellvertreter Robert Blum aus Sachsen, zum zweiten Stellvertreter Abegg aus Preußen, zu Schriftführer!! wurden Heinrich Simon aus Preußen, Venedey aus Preußen und Briegleb ans Koburg er­nannt. Der Vorstand und der zweite Stellvertreter traten sofort mit dem Vorsitzenden der Bundesversammlung, Grafen Colloredo, in persönliche Verbindung und erhielten von dem­selben die Erklärung, daß die Beschlüsse der Versammlung in Beziehung auf die Anordnung der Wahlen der könstituirenden Ver,ammiung und wegen des Ausscheidens derjenigen Bundes- »agsgesandten, welche das Vertrauen des Volkes nicht besitzen, vhne^ allen Verzug durch die Bundestagsgesandten an die zu- p^'1 Regierungen abgegangen seyen ; ferner daß er sofort

Botzen, 30. März. (A. Ztg.) Die uns heute zugekom- mene Venezianer Ztg. rneldet die Uebergabe der Zitadelle von Mailand an die dortige provisorische Regierung. Mangel an Munition habe den Feldmarschall Radetzky zu diesem Schritt gezwungen. Der Aufstand im lombardisch-venezianischen König­reich war so vollständig organisirt, daß die Leiter desselben sogar über die aus Deutschland kommenden Reisenden schon in voraus unterrichtet wurden. Nur Mantua und Verona sind noch in Händen der Oesterreicher. Eine Abtheilung des Regiments Ferdinand Este nahm in Neumarkt Reißaus und zog durch das Fleimser Thal ohne Unordnungen zu veranlassen.

Rcnd sb ur g, 31. März. (Tagedl.) Gestern Nachmittag ist biè' Vorhut unserer Armee, gebildet durch das^5. Jägertörps, wel­chem bekanntlich die Studenten und Kieler Turner ^beigmrgt find, . u.............,..- , ....... ...p v> |V|v» in Apeiirade unter ungeheurem Jubel aller Einwohner ein«

® n Beschluß der Bundesversammlung über die Art und Weise, gerückt. Bevor das Korps, unter den Befehlen des Majors

in welcher dieselbe geschäftlich mit dem Fünfziger-Ausschuß zu verhandeln habe, beantragen und alsbald mittheilen werde.

Namens des Fünfziger-Ausschusses: Soiron. Briegleb.

Koblenz, 3. April. (K. Z.) Bei Weißenthurm ist heute auf das DampfbootNiedcrhein", welches mit mehreren Anhängen eben hier einläuft, von einer Masse Menschen bei der Vorbeifahrt geschossen worden. In dem Radkasten fand man eine Kugel, eine zweite zerstörte den Kompaß, eine dritte drang durch die Schiffswand in ein Zimmer. Die Mannschaft sicherte sich hin­ter den Radkasten; der Steuermann wurde von einigen Matro­sen durch Eisentafeln geschützt. Der Ort Weißenthurm ist meist von Pferdebesitzern und Wirthen bewohnt, deren Existenz durch die Schlepp-Dampfschifffahrt gelitten hat; indessen entschuldigt dieses keineswegs ein mörderisches Attentat gegen Personen und Eigenthum. Die hiesige Staatsbehörde ist sofort eingeschritten. In Neuwied haben sich zwei Schlepp-Dampfschiffe vor Anker gelegt, weil sie es nicht wagen, an Weißenthurm vorbeizufahren bevor ihnen Schutz zugesichert ist.

Cleve, 30. März. (Düsseld. Z) Nach einem soeben hier eingehenden Schreiben aus Nymwegen erlaubt sich die dor­tige Polizeibehörde bei Ankunft der Dampfboote von den Mützen und Hüten der Ankommenden die deutsche Nationalko­karde abz »reißen. Dieses sonderbare Verfahren ist in jeder Hinsicht unbegreiflich und zu wünschen, daß dieserhalb von Amts- wegen bei den holländischen Ministern Reklamationen erfolgten.

Von der preußischen Grenze, 30. März. (W. Z.). Als in den letzten Wochen der Fürst von Bückeburg ebenfalls Bewegungen in seinem Ländchen befürchtete, sandte er den Erb­prinzen nach Berlin, um für diesen Fall Instruktionen einzu­holen. Mit der entschiedensten Weisung des Königs von Preußen:Kein Haar breit nachzugeben," kehrte der­selbe von Berlin zurück. Mitlerwcile waren aber bereits die billigen Wünsche der Bückeburger vom Fürsten gewährt worden. Erst, nachdem Oesterreich, Preußen und Hannover dem Willen des Volks nachgegeben, hat sich der Erbprinz über die in seiner Abwesenheit gemachten Konzessionen beruhigt!

Berlin, 2. April. (D. A. Z.) Soeben, Mittags 1 Uhr, ist auf der Schloßwache die. Mittheilung gemacht worden mir der Bitte, diese Nachricht so viel als möglich zu verbreiten, daß der Kaiser von R.ußlaud Polen freigibt. Der Herzog von Leuchtenburg soll König von Polen werden.

Wien, 30. März. (A. Z.). So eben verbreiten sich hier die beunruhigendsten Nachrichten über den Zustand der Dinge und die Stimmung in Preßburg. Ungarn verlangt augenblick­liche Bewilligung von zwei Punkten innerhalb zwei mal vicrundzwanzig Stunden; augenblickliche Entfernung des Erz. Herzogs Ludwrg von Hofe und von allen Staatsgeschästen; augenblickliche Entfernung aller Männer, welche noch nach dem alten System riechen. Die Aufregung in Preßburg ist unge­heuer, vielfach wird vorgeschlagen in Massen bewaffnet nach Wien zu ziehen, um den Forderungen Nachdruck zu geben.

Wien, 29. März. (Allg. Ztg.)Hier oben sind gute konstitutionelle Minister zu erfragen" lautete der Inhalt eines am Hausthore des politisch-juridischen Lesever- eines am 15. März angehesteten Papieres. Mißdeutung fürch­tend, beseitigten es schnell Mitglieder des Vereines. Unb siehe, gestern verkündete uns die Wiener Zeitung die Berufung des Direktors des juridisch-politischen Lesevereins zum Ministerium des öffentlichen Unterrichtes. Freiherr v. Sommaruga, bisher zweiter Präsident des Appellationsgerichtes, übernahm das Port- feuille mit herzlicher Zustimmung der Freunde eines entschiedenen besonnenen Fortschrittes.