; Nassauische
Allgemeine Zeitung.
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JK 7. Freitag den 7. April 1848.
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e Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 2 fl., ,t wozu bei auswärtigen Postämtern noch der Postaufschlag kommt. — Inserate werden die gespaltene Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. , Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Den Wiesbadener Republikanern.
Einige Vorzüge der französischen Republik.
Deutschland. Wiesbaden (Wahlbcwegung. Die Forderungen des
Volkes). — Kastel (Die Schienen der Taunnsbahn aufgeriffen). —
Frankfurt (Die fünfzig Männer des Vorparlamentes). — Koblenz
(Dampfschleppschiffe von Weißenthurm heschoffen). — Cleve (Die deutsche Nationalkokarde in Holland). — Von der preußischen
Gränze (Preußische Politik vor dem 18. März). — Berlin (Der
Kaiser von Rußland soll Polen freigeben). — Wien (Beunruhigende Ge-
-ru^te aus Ungarn. „Gute konstitutionelle Minister"). — Botzen (Die Zitadelle von Mailand übergeben; Mantua und Verona noch in Händen der Oesterreicher). — Rendsburg (Die schleswig-holstein'schcu Truppen an die Gränze). — Schleswig (Der Einmarsch der Dänen. Dr. Marcus festgenommân. Seeräuberei der Dänen).
Polen (Der Galgen auf das Zeitungslesen. Scharfe Instrumente verboten).
Rußland. Petersburg (Manifest des Kaisers).
Sprechsaal für Stadt und Land.
* Den Wiesbadener Republikanern
Wenn der^Deutsche nach Nordamerika auswandert, wird er mit Einem Schlage ein Republikaner. Er findet sich schnell in diese neue Verfassungsform, fühlt sich wohl dabei. Also sind unsere Brüder reif für die Republik, — warum sollten wir daheim nicht auch reif für dieselbe seyn ?
Ich will Euch sagen, warum den Nordamerikanern die re- publikanifche Verfassung so gut anschlägt. Weil sie allesammt Kaufleute sind, fast rein materielle Menschen, mit Aufopferung und Entsagung stets das Ziel des Erwerbs verfolgend, darum einseitig, abschließend, schroff, spartanisch. Der Deutsche in Amerika nimmt rasch dieselben Eigenschaften an: so wird er reif zum Republikaner.
In Deutschland ist es anders. Wir haben ein ungeheuer vielgestaltiges Leben: unser reiches, buntbewegtes Volks- thum ist nicht herb, nicht ehern, nicht einseitig genug für die Republik. Wir sind nicht reif für die Republik, weil wir vielleicht — schon über dieselbe hinausgeschritten sind!
Nur in den Büchern ist die Republik die einfachste Regie- rungsform; im wirklichen Leben nicht. Denn in der Republik herrschen vielköpfige Parteien, diese gehen freilich unmit-j telbar aus dem Volke hervor, aber noch immer haben sie slch auch rasch dem Volke entfremdet Wir sehen das) retzt in Frankreich, wir haben es überall in der Geschichte ge-i sehen. Parteien sind^ar gestrenge Herren; denn jede Partei will den alleinseligmachenden politischen Glauben besitzen) Die republikanischen Parteien regieren gegenwärtig in Frankreich keineswegs einfach; sie haben vielmehr bis jetzt so zusammengesetzt regiert, daß ihnen vas Regieren nachgerade unmöglich wird. Sie regieren auch nicht wohlfeil; denn die Steuern in Frankreich wachsen entsetzlich. Sie haben auch den Aufschwung von Handel und Gewerbe noch nicht mehren tonnen, denn niemals hat derselbe in Frankreich elender Harnie- ergelegen als dermalen. Um statt aller anderen Steuern eine verhaltnißmäßige Vermögens- und Einkommensteuer einzuführen, raucht man keine Republik; man kann das auch in einer freien
Monarchie. Man kann auch in einer freien Monarchie die Stempel aufheben, die Adelsvorrechte, Preß- und Glaubenszwang ; man kann auch in einer Monarchie die Gemeinden unabhängig machen, dem Nothstände abhelfen, das Mißverhältniß zwischen Arbeit und Kapital ausgleichen, Gewerbe und Ackerbau heben.
Aber was man in einer freien Monarchie nicht kann, ist dies: Man kann nicht statt eines in seiner Macht wohlbegränz- ten, mit verantwortlichen Ministern umgebenen Fürsten, ein ganzes Dutzend unabhängiger Parteiherrscher souverän machen, und Das kann man — in einer Republik. Wenn es in der Monarchie recht schlecht geht, dann erhält man Einen Tyrannen; geht es aber in der Republik schlecht, dann erhält man deren mindestens ein ganzes Dutzend.
In einer demokratischen, in einer vollkommen freien Monarchie ist der Fürst dazu da, daß er das Volk beständig wach erhält, beständig eifersüchtig auf seine Rechte, man hat es schon oft erlebt, daß in den Republiken das Volk eingeschlafen ist, und dann kam die Gewaltherrschaft und schnitt dem schlafenden Simson das lange Gelock ab, und als er erwachte, war er ein ohnmächtiger Mann geworden. Wir wollen die Monarchie, damit das Volk Tag und Nacht auf der Schildwache stehe, ohne Unterlaß eifersüchtig auf seine Rechte.
Das Volk soll souverän seyn: dies ist unser vorderster Grundsatz ; aber damit nicht die Einzelnen im Namen der Volkssouveränität sich eine Willkürherrschaft anmaßen, sagen wir: der Fürst soll uns das lebendige Sinnbild der Bolks- suveränität werden, der Thron soll niemals ledig bleiben, damit sich nicht Hunderte die Köpfe zerschlagen, weil — sie Alle Hundert zugleich auf demselben sitzen wollen. '
In Belgien besteht eine freie, eine wahrhaft demokratische Monarchie. Als französische Sendlinge im März hinüberkamen, um dort für die Republik Bekehrungen zu machen, rief ihnen das belgische Volk zu: „Wir wollen gar keine Republik, wir fühlen uns freier bei nuferem Königthum , als wir's jemals in einer Republik werden können!"
So muß es auch bei uns werden. Wenn Alles in Erfüllung gegangen ist, woran wir jetzt so standhaft arbeiten, dann muß es jedem Nassauer so um's Herz seyn, daß er ausrust: „Wir brauchen gar keine Republik mehr, wir fühlen uns freier bei unserem Herzog!"
Dabin zu wirken, muß das Endziel der freisinnig monarchischen Partei seyn. Es gilt hier, eine weltgeschichtliche Aufgabe zu lösen!
Wer ein Staatsmann seyn will, der muß ein praktischer Mann seyn. Wir haben alle Grundbedingungen zu einer ganz freien Monarchie, wir haben sie in den Händen, wir brauchen sie nur festzuhalten, auszubeuten; aber da droben in blauer Luft schwebt noch etwas viel feineres, da droben schwebt die Republik — ei, — wer einen Spatz gefangen hat und hält ihn fest in der Hand, den nenne ich einen Staatsmann; wer aber einen Spaß gefangen hat und macht die Hand auf, um sechs andere Spatzen zu fangen, die da droben auf dem Dache sitzen, den nenne ich einen — Idealisten.'
Vor kurzem erzählte ich einem bedeutenden auswärtigen Staatsmann von den Volksversammlungen in Wiesbaden, und wie dort die Bürger so klug und praktisch seyen, und vor Allem von Dem verhandelten, was zuerst Noth thue, vom Wahlgesetz, von der Gemeindeordnung und anderen praktischen Dingen. Da sagte jener Staatsmann, wenn Dem so sey, oann