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nungen, Fetzen vonKinderanzügen und Lappen allerlei Art kamen zum Vorscheine, und Jeder bemächtigte sich irgend eines Brockens. Da schüttete man die zweite Ladung auf den Hof, der Wind erhob sich, und Tausende von Papierfetzen flogen in der Luft umher und dann in den Koth des Bodens. Ich griff nach den ersten, besten Blättern, es war ein Brief der Königin von Portugal und ein Schreiben Jerome's, des Ex­königs von Westfalen. (Köln. Z.) Georg Weerth.

L Der Verkehr zur See in feinem Ginfluffe auf geistige Bildung

(Fortsetzung.)

Wenn die Erscheinungen der Natur überhaupt zur Ent­wickelung der Menschen beitragen, so muß diese um so schneller erfolgen, je mannigfaltiger die Erscheinungen sind und je grö­ßer die zum Vorschein kommenden Gegensätze. So wirken die Flüsse schon an und für sich durch ihren Gegensatz zum Lande auf die geistige Entwickelung, mehr aber noch, wenn sie durch Uebertreten den Menschen zu Eindämmungen, Anlegung von Kanälen u. s. w. veranlassen. Dennoch sind die Bewohner- Asiens und insbesondere der Flußgegenden, obgleich früh zu einem gewissen Grade der Kultur gelangt, nachher stehen ge­blieben; sie haben sich nicht zu Herrn der sie umgebenden Na­tur gemacht; sie besitzen ihr Land nicht, sondern werden von diesem besessen. Von einem Streben über die Heimath hinaus, um mit andern Völkern in Verbindung zu treten, finden sich daher nur wenige Spuren; sie fanden im Lande ihr volles Genüge und finden es noch, und wenn sie auch dem Laufe der Flüsse bis zum Ozean folgten; so blieben sie da bewundernd und verstummend stehen und wagten es nicht, sich ihm anzu­vertrauen. Ihre Bildung ist daher auch nur eine einheimische geblieben, und sie haben erst von Europa aus den Anstoß zum Fortschritte theils erhalten, theils erwarten sie ihn noch. Selbst die Chinesen, die doch mit einer bedeutenden Linie ihres Landes den großen Ocean unmittelbar berühren, sind nur ein sich blos am Lande haltendes Volk, und zwar so sehr, daß sie sogar die Flüsse gleichsam in Festland um­wandeln, da es dort schwimmende Fruchtfelder, ja ganze schwimmende Dörfer gibt. Allerdings ist das Meer an den chinesischen Küsten untief und wegen der Strömungen wenig zur Schifffahrt geeignet oder einladend, aber sie hatten auch kein Bedürfniß, sich ins Meer zu wagen, da ihnen das feste Land durch seine Fruchtbarkeit genug zur Sicherung ihres Daseyns bietet. Die Produktion an Reis z. B. ist so ungeheuer, daß sie die Grundlage alles Handels in China bildet. Der Tribut an den Kaiser besteht in Reis, die ganze Armee, alle Beamten erhalten ihre Bezahlung zur Hälfte in Reis.Darum ist hier," sagt C. Ritter,der Grund

und Boden zu einem Werthe gestiegen und der Mensch zu ei­ner Kulturmaschine, zu einem Sklaven seiner Erdscholle gewor­den, wie sonst nirgend in der Welt." Außer den Küstenfahrten und einigem Verkehr mit Indien treiben die Chinesen noch jetzt wenigen Seehandel, und diesen überdieß noch mit fremden, auswärts erbauten Schiffen. Ebenso unwichtig ist der Ozean für die Bewohner Indiens und des ganzen südlichen Asiens und zwar aus ähnlichen Gründen. Von dem unwirthbaren' Eismeere kann ohnehin nicht die Rede sein, da es jetzt noch fast nur von Wallfischfängern besucht wird.

Knüpft sich daher schon im Orient alle höhere geistige Bildung an das Wasser, an die Flüsse, so gehört sie doch, wie diese selbst, nur einer einzelnen bestimmten Gegend an; sie ist eine einseitige, partikuläre. Wohl strömen die Flüsse dem Meere zu, als wollten sie dem Menschen den Weg dahin weisen; dieser natürliche Fingerzeig ist aber im Orient nicht beobachtet worden. Und dennoch scheint erst das Meer bestimmt, ganze Völker aus ihrer Absonderung herauszubringen. Allein wie alle natürliche Entwickelung nur eine allmälige ist, so auch hier. Zwischen den Flüssen und dem offenen Meere bedurfte es für den Menschen noch eines Mittelgliedes. Nach tzen Flüssen werden zuerst die Binnenmeere Vereinigungspunkte und somit Kulturmittel für die Menschheit. Sie verdienen daher eine vorläufige Betrachtung. Unter den Binnenmeeren steht nun in dieser Beziehung das Mittelmeer oben an. Nack diesem scheint der große Fluß der Kultur hinzudrängen, um später durch und über dasselbe hinaus sich zu der ganzen Menschheit zu verbreiten. Es bildet nicht allein geographisch, sondern auch historisch das Mittelglied zwischen Orient und Occident, zwischen alter und neuer Zeit; die Kultur seiner Küstenbewoh­ner ist sowohl der Endpunkt der orientalischen, als der An­fangspunkt der occidentalischen, das ist europäischen. Verweilen wir daher bei dem Mittelmeere etwas länger.

Gewaltig ist die Kraft des Meeres." sagtThukydides, und er meint damit das Mittelmeer, die Thalassa, welches Wort die Griechen im Gegensatze zum Ozean brauchten, den sie als den erdumströmenden, wie alle Völker des Alterthums, mehr vom Hörensagen als durch eigene Anschauung kannten. Wohl aber konnte Thukydides so sagen, denn das Mittelmeer hatte zu seiner Zeit schon die Bedeutung, ein völkerver­bindendes, nicht mehr ein völkertrennendes zu sein; es war schon ein Mittel für die zivilisirten Nationen, ihre Kultur nach allen Küsten dieses Meeres zu tragen. Aber auch nur allmälig kam es zu dieser Bedeutung. Die ältesten Völker des Orients, die am Mittelmeere wohnten und zu höherer Kultur gelangten, sind die Israeliten, Aegyptier und Phönizier. Wie haben sie das Meer benutzt?

(Fortsetzung folgt.)

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellen herrschen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.