:, -je Gsstalten der Gemälde wie verwundert auf die Duldenden n Oben die Bilder der Könige, unten das Lager des Proletariers, r gine seltsame Krankenstube! Krystallene Kandelaber, Spiegel a oom Fußboden bis zur Decke, Kronleuchter voll funkelnder s Steine, die Meisterwerke aller Malerschulen, Gold zu ihren s Häuptern und Purpur zu ihren Füßen — in einem so ge- r 'chmückten Raume lagen die Helden des 24. Februar.
Der großen Galerie folgte der Thronsaal. Seit ich diesen zesehen, glaube ich an die Vergänglichkeit alles Irdischen. So zerzaust und ausgekehrt wie diesen Thronsaal sah ich noch nie ;twas. Wenn sich zweihundert Erlanger Studenten in einer j kleinen Stube prügeln, so kann man mit dem Mobiliar des ; Wirthes nicht schlimmer umgehen, als der süße Pöbel mit den # Insignien und Attributen der französischen Dynastie verfuhr. ; Der getäfelte Boden von Kugeln durchfurcht, die Spiegel von , Kolben zerschlagen; die seidenen Tapeten bis zur Decke hinauf, t bis auf den letztenFetzen entfernt, und der Thronsesscl selbst — aber den verbrannte man ja an der Juli-Säule. Nur der Thronhimmel hängt noch mit seinen rosenrothen Troddeln wie zum Spott über der untergegangenen Herrlichkeit; es wundert mich, daß durch die zerschmetterten Fenster nicht schon einige Spatzen hereingeflogen sind und sich darunter angesiedelt haben. Auf der Leinwand, welche den Hintergrund der Tapeten bil- c dete, hat das Volk seine schönsten Stammverse zurückgelassen. ? „Vive la Hépublique ! A bas les Tyrans! Vive la Pologne! r Vive la Suisse! Vive la France républicainc ! Vive la liberté l des peubles !“ So schrieb man unter dem Jubel des Sieges j an die zerfetzten Wände. Wie man sagt, soll der Thronsaal - in seiner jetzigen Gestalt erhalten werden. Wozu? Ein herr- l kicher Wallfahrtsort!
- Hatte sich das Volk in der ersten Raserei der Freiheit zu ? einer vollständigen Demolirung des Thronsaales hinreißen lassen, l so verfuhr es in der Verwüstung des Salle des Maréchaux wirk- i lich mit einer planvollen Gewissenhaftigkeit. Der Marschall-Saal, i im Centrum der Tuilerieen liegend, läßt den Besucher nach : der einen Seite in den Garten, nach der andern auf die Mitte - des Caroussel-Platzes sehen. Oben, von einer Gallerie um- i geben, ist der Raum mit den Marmorbüsten der Marschälle der : alten Republik und des Kaiserreiches geschmückt. Unterhalb ; der Gallerie hangen die lebensgroßen Bilder der Generale der . Restauration und der Dynastie. Wie in allen übrigen Zim- • mern, so waren auch im Marschall-Saale die Spiegel, die i Kronleuchter und die Möbel theilweise zertrümmert. In merk- > -würdiger Weise verfuhr man indeß mit den Büsten und Bil- : dern der Generale. Die Helden der Republik und der Napo- t ironischen Zeit, welche mit ihren trotzigen Mienen gleichgültig , und verächtlich in den Raum hinunterstarrten, hatte man durch- t aus unversehrt gelassen. Die Bilder der neueren Zeit trugen : dagegen den Stempel des höchsten Volâunwillens. Die Por- - traits des Admirals Truguet, der Marschälle Grouchy und . Sebastiani, wie des Marquis Maison waren von Kugeln
durchbohrt und von Säbeln zerschnitten. Die Bilder des Marschalls Bugeaud und des alten Soult, als ob sie doppelten Hasses werth wären, hatte man gänzlich aus ihren Rahmen herausgerissen, und keine Spur war davon übrig geblieben. Unter dem Rahmen, aus dem früher der Marschall Soult blickte, las man außerdem noch die Worte: „Traitre â la Patric.“ So hatte das Volk in seinem Enthusiasmus doch noch immer seine mehr oder weniger schlimmen Feinde gut zu unterscheiden gewußt.
Eigentliche Kunstgegenstände hatte man rein verschont. Die prächtige bronzene Reiterstatue Heinrichs IV., die riesigen Krystall-Kandelaber der Gallerie und die Pendulen, welche überall den Rand der Gesimse schmückten und mit ihren goldenen Pendeln noch ruhig hin und her fuhren, waren unangetastet geblieben. Auf der Rückseite eines herrlichen Kupferstiches, den man aus einer der umherliegenden Bilder-Mappen gerissen hatte und der, an einer Ecke befestigt, von der Wand berab- hing, las man die Worte: „Les volcurs seront punis par la mort.“ Nachdem wir einen uns begleitenden Engländer, der sich alle Taschen voll Holz und Spiegelsplitter gesteckt, mit vieler Mühe bis in den Hof hinuntergebracht hatten, besuchten wir zum Schluffe noch die Zimmer der Herzogin von Orleans, dieser muthigen Frau, welche durch die Standhaftigkeit, mit der sie dem gefährlichsten Momente der Revolution zu trotzen wußte, den ehrenvollsten Platz in der gefallenen Königsfamilie einnimmt. Feig und betäubt flohen all die königlichen Herren. Die deutsche Prinzessin, die Gemahlin des todten Herzogs, hielt bis zur schrecklichsten Minute unerschrocken aus.
Die jugendlichen Zöglinge der Militärschule von St. Cyr trieben sich jetzt lachend und singend auf den Divans der geschiedenen Fürstin umher. Säbel, Gewehre und Patrontaschen lagen in Haufen auf den schimmernden Teppichen.
Es war endlich Zeit, daß wir uns entfernten.. Der alte Imbert, hin und her laufend, hatte während Unserer Wanderung Hunderte von Befehlen ausgetheilt. Alles im freundlichsten Tone, wie es einem Republikaner gebührt; — jedes seiner Worte begleitete er mit den lebendigsten Gesten.
Mit einigen Grüßen an seine in Brüssel zurück gebliebene Familie begleitete er uns bis in den Schloßhof, nw ich mit dem Wunsche von ihm Abschied nahm, daß sein Kopf noch lange auf seinem Rumpfe sitzen bleiben möge.--Schon im Begriffe, durch das Thor zu schreiten, fiel es mir erst ein, daß ich ganz vergessen hatte, mir irgend ein Andenken an unsere Wanderung mitzunehmen. Einige Arbeiter, die verschiedene Karren voll Schutt in den Hof schoben, erinnerten mich daran. „Die Diebe werden mit dem Tode bestraft," las ich noch oben in dem Salle des Maréchaux — — aber die Todesstrafe ist ja hinterher abgeschafft! — Ich gesellte mich daher zu einigen Nationalgardisten und fing sofort an, mit ihnen in dem Amte eines Chiffoniers zu wetteifern. Alte Hüte, vergoldete Rahmen, Stücke von zerschlagenen Spiegeln, Rech-