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O Vom Rhe:n, 2. April. Ob die Preßfreiheit wirklich schon besteht? Ich sage Nein! Früher standen die freisinnigen Schriftsteller unter Zensur, und die Polizei zen- sirte. Das hat gottlob aufgehört. Aber wage es setzt doch ein­mal Einer an gar vielen Orten, wo der Terrorismus der Parteien herrscht, diesen Parteien entgegenzuschreiben! Man wird ihm drohen, ihn einschüchtern, man wird ihm in letzter Instanz die Fenster cinwerfen. Das ist auch Zensur und zwar eine sehr scharfe. Bei uns in Nassau herrscht ein solcher Terro­rismus nicht, wohl aber in manchem andern deutschen Land. Die Freiheit muß eine Freiheit für Alle seyn; das kann man nicht ost genug wiederholen.

Die Pariser Zeitungen haben sich im Gegensatz hiezu in diesen Tagen auch freisinnig gezeigt. Nachdem mehrere Volks­hausen das Redaktionslokal derPresse" hatten zerstören wollen, schlugen die republikanischen Zeitungen des anderen Tages Pro­klamationen an, worin sie das Volk ermahnten, es möge beden­ken, daß die Republik eine unbeschränkte Freiheit der Presse verkündigt habe.

Und gleicher Weise sollte man's mit der Religionsfreiheit halten, mit der Redefreiheit, kurz mit aller Freiheit. Die Bauern im schwäbischen Oberland glaubten, die Preßfreiheit sey die Befreiung von demPresser", wie man dort in amtlicher Sprache den Schuldenerekutor nennt, und trieben die Gerichts­vollzieher aus. Dieses naive Verständniß der Preßfreiheit ist um kein Haar breit besser, als die Auffassung Jener, welche meinen, alle Freiheit könne nur ihrer Parier gelten, für die andere verstehe sich Zwang und Censur von selber.

Berlin, 31. März. DieAllgemeine Preußische Zeitung" berichtet: Einverstanden mit den in dem Berichte vom heutigen Tage ausgesprochenen Ansichten und Vorschlägen, werde Ich von jetzt an die in Verfassungs-Angelegenheiten an Mich gelan­genden Anträge an das Staats-Ministerium verweisen und er­mächtige dasselbe, die Bittsteller auf solche Anträge mit Bescheid zu versehen.

Potsdam, 30. März 1848.

(gez.) Friedrich Wilhelm. An das Staats-Ministerium.

Vorstehende Allerhöchste Ordre ist auf Grund des folgenden, vom Staats-Ministerium erstatteten Berichtes erlassen worden:

Ew. König!. Majestät haben durch die Proklamation vom 21. März dem Volke den Willen zu erkennen gegeben, eine wahre konstitutionelle Ver­fassung mit Verantwortlichkeit der Minister einzufuhren, unv damit frei und groß eS ausgesprochen, daß, wie Ew. Maj. seit dcm Antritte Allerhochstihrer Regierung lediglich von dem Wunsche geleitet waren, das Woht des Volkes zu begründen und zu erhöhen, wie dazu die aUmählige Entwickelung der ständischen Verfassung zu freieren Staatsformen als der richttge Weg von Ew. Majestät erkannt wurde, auch nunmehr derselbe Wunsch Ew. Maj. beseele, hingegen die Ueberzeugung gewonnen sei, daß zu dessen Ersiiliung der bisherige Weg verlassen und an die Umgestaltung der Verfassung mit Muth und Kraft die Hand angelegt werden müsse. Ew. König!. Maj., fest entschlossen, mit der dem ganzen Volke bekannten Treue und Standhaftigkeit der gewonnenen Ueberzeugung entsprechend zu handeln, haben uns mit der Vorbereitung der nothwentigen Maßregeln beauftragt, und wir glauben den Absichten Ew. Maj. zu begegnen, indem wir uns sofort für alle unsere Maßnahmen der künftigen Volksvertretung verantwortlich und den dieserhalb zu erlassenden Gesetzen unterworfen erklären. Wir sehen eS als unsere erste Pflicht an, die Folgen des Rathes , deu wir ertheilen werden, allein auf unsere Häupter zu laden, damit Ew. Maj. über das wogende Treiben des Augenblicks erhoben, in unantastbarer Ruhe die Entschließungen fassen können.

Unverweilt werden wir die Ehre haben, Ew. Majestät die zunächst erforderlichen Vorschläge rücksichtlich der Landesverfassung vorzulegen, und wenn inzwischen weiterhin, wie seither in reichem Maße geschehen, unmittelbare, die Verfassung betreffende Anträge schriftlich oder mit der Bitte um persönliches Gehör eingehen, so stellen wir Ew. König!. Majestät gehorsamst anheim, für jetzt uns zu ermächtigen, die Ansuchenden mit Vor­bescheid zu versehen, damit auf uns diejenigen Gefühle sich richten, welche entstehen können, wenn den Anträgen nicht oder nicht unmittelbar willfahrt werden kann.

Berlin, 30. März 1848.

(gez.) Camphausen. Gr. von Schwerin, von AuerSwald. Bornemann, von Arnim. Hansemann, von Reyher.

An Sc. Majestät den König."

Wien. Ein leitender Artikel der Wiener Zeitung die in sehr energischer Weise die verliehene Preßfreiheit benützt klagt über die Schmach, daß Oesterreich ohne Ersatz ein Land aufgeben müsse, das es mit seinen reichsten Provinzen den belgischen und seinem edelsten Blute erkauft habe. In Ungarn tverden, fügt die Wiener Zeitung bei, republikanische Tendenzen laut, und die letzten Beschlüsse des Reichstags durchwühlen alle nationalen, socialen und ökonomischen Verhältnisse des Landes. In Galizien sey durch eine Art Volköausstand die Robot mit «nem Male abgeschafft worden, somit eine finanzielle Nevolu-

'^'geführt, deren Folgen gefahrdrohend werden könnten.

v?^âH/n Provinzen des Kaiserstaats zeigen sich die un- " "Eichen Krisen des plötzlichen Uebergangö vom starren Be- oormundungssystem zur vollen Freiheit. Die ganze Monarchie

stehe auf dem Spiele, wenn das Ministerium nicht kühn und entschlossen vorschreite.

Wien, 29. März. Gestern wurde im Ministerrath be­schlossen: das ganze kaiserliche Heer in sämmtlichen Län­dern mit Einschluß aller ersten Landwehrbataillone der 35 deutschen Infanterieregimenter auf den Kriegsfuß zu stel­len, und die disponiblen Truppen so schnell als möglich nach Italien abzusenden.

Erzherzog Johann ist zum Bundestag nach Frankfurt a. M. bestimmt. (?) Ist dies nicht der Mann auf den Deutschland seine Blicke richten darf? In Bezug auf Erzherzog Albrecht kann ich Ihnen mittheilen, daß er mir persönlich in Gegenwart von vielen Zeugen feierlichst auf kai­serliches Ehrenwort erklärte, nicht den Befehl zum Schießen gegeben zu haben!

Der Allg. Ztg. wird aus Tyrol geschrieben: Wir zweifeln nicht, daß die Italiener, die ohnedieß in Südtyrvl viele Sym­pathien haben, versuchen werden, durch die Seitenthäler herein­zubrechen, die Etsch zu gewinnen und die Kommunikation auf der italienischen Hauptstraße zu unterbrechen. Ihr laut ausge­sprochener Zweck geht dahin, den Grenzpfahl des einigen und freien Italiens auf der Höhe des Brenners aufzu­stecken! Was wird dazu der deutsche Bund sagen. Wird er ruhig zusehen, daß ihm alle militärisch wichti­gen Punkte in den Alpen entrissen werden? Wir Tyroler werden uns gegen jede Zerstückelung unsres Landes nach Kräften wehren, aber wir bedürfen materieller und moralischer Unterstützung.

Frankreich.

21 Paris, 31. März. Es scheint mir, daß man in Deutsch­land keine richtigen Begriffe habe von dem politischen Stand­punkte, welchen die provisorische Regierung einnimmt und von ihrer Gesinnung rücksichtlich Deutschlands. Man glaubt bei Ihnen, die Regierung »volle sich befestigen und kräftigen durch das System der Propaganda, und alle jene Plane, welche durch aufgeregte Köpfe oder deutsche Abenteurer ausgeheckt werden mögen, seyen ins Geheim eingegeben und unterstützt von der Regierung. Dieß verhält sich keineswegs also. Ich weiß aus sehr sicherer Quelle von Seiten eines Mannes, der wohl eingeweiht ist in das, was bei der provisorischen Regie­rung sich ereignet, daß dieselbe, weit entfernt von alle Dem, fest entschlossen ist, sich vor jeden» Schritte zu hüten, der Deutsch­land beleidigen könnte. Jin Gegentheil würde die pro­visorische Regierung für den Fall eines Krieges gegen Rußland sogar bereit sein, die Streitkräfte Deutschlands zu unterstützen.

Die Ereignisse, welche sich mit Blitzesschnelligkeit in Deutsch­land folgen und mit so großer Ausdauer ausgebeutet werden, erwecken die höchste Theilnahme der Franzosen und jeder neue Triumph wird mit verdoppeltem Beifall begrüßt.

Außerdem glaube ich mich nicht zu täuschen, wenn ich Ihnen sage, daß sich die ganze Kraft und Aufmerksamkeit der provisori­schen Regierung im Augenblick auf Italien gerichtet hält.

Ungarn.

Preßburg, 23. März. (Fr. I.) Der Reichstag hat die Judenemanzipation ausgesprochen und deren praktische Durch­führung dein ungarischen Ministerium und dem nächsten Landtag in Pesth anheimgegeben. Einige einleitende Maßregeln sind bereits getroffen, so namentlich die Gestattung von CivLi­ehen zwischen Juden und Christen.

Schweiz.

Bern, 28. März. (Fr. I.) In der Sitzung vom 27. d. hat die Bundesrevisionskommission mit Einstimmigkeit die Einführung der Geschwornengerichte für die Beurtheilung von politischen Vergehen beschlossen. Der große Rath zu Frei­burg beschloß heute mit großer Mehrheit die Einziehung aller Klostergüter.

Nachschrift.

88 Frankfurt, 3. April. Der alte Bundestag hat sich aufgelöst, die Reinigung desselben, welche gestern noch den Streit in der Versammlung in der Paulskirche hervorrief, ist nunmehr vollbracht. Aus moralischer Nöthigung hat die Bundesverfamm- luna sich selber gereinigt. Alle früheren Mitglieder sind ausge­treten , nur die seit dein vorigen Monat neu hinzugekommenen,