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sienburg seine meisten Besitzungen hat, in diesen Tagen wieder in Besitz nehmen. Die herzogliche Familie befindet sich hier.

Einen schönen Beweis von Vaterlandsliebe haben sämmt­liche junge Prinzen des Augustenburger Hauses gegeben, indem sie, trotz ihres hohen Grades in der Armee, doch nur als Unterlieutenants in das 2. Dragonerregi- ment eingetreten sind; ebenso Prinz Nicolaus von Glücksburg. Alle befinden sich bereits schon mit ihren Korps auf dem Marsch nach der Grenze.

Aus Kiel wird geschrieben: Ueberall bilden sich Frcl- korps. Das ganze Land ist in Waffen. Auch in unserer Stadt sieht es kriegerisch aus. Jeden Tag wird ererzirt; namentlich eine Frciwilligenkompagnie und eine neu gebildete Turnerabthei­lung üben sich sehr eifrig in den Waffen. In Rendsburg sind schon viele Freikorps angekommen. Wie wir erfahren, wird es im nördlichen Schleswig dringend gewünscht, daß dort eine schleswig-holsteinische Truppenabtheilung erscheine, um Konflikte der dortigen Parteien zu verhüten und die Betheiligung an unserer Sache möglich zu machen. Eben so dringend wird es aber auch gewünscht, daß den Nordschles­wigern eine Garantie für die Achtung ihrer nationalen Eigen­thümlichkeiten gegeben werde. Sie wolle, daß ihnen die däni­sche Kirchen-, Schul-, Verwaltungs- und Gerichts­sprache gesichert werde. Wenn sie nur diese Gewähr bekom­men, so wollen sie lieber dem übrigen Schleswig, als Däne­mark folgen. &

Hannoverscberseits sind alle unbeschäftigten Ewer und Schuten von hier nach Harburg requirirt worden, um als Schleppkähne zum sofortigen Uebersetzen der hannoverischen Truppen und des nöthigen Kriegsmaterials verwendet zu werden.

Ein anderer Bericht aus Schleswig-Holstein sagt: Der Enthusiasmus für unsere heilige Sache ist ungeheuer, er ist nur dem der Jahre 1813 und 1815 zu vergleichen. Frei- schaaren vom Süden, aus Holstein und anderen Ländern ziehen fortwährend in Rendsburg ein, welche Festung augenblicklich von Truppen fast ganz entblößt ist, so daß die ganze Besatzung aus Bürgern besteht, die eine gleiche Kampflust beseelt, wie Solda­ten und Freischärler. Die Dänen sollen bereits Ha­dersleben, die nördlichste Stadt Schleswigs, besetzt haben. So Gott will, werden unsere Wehrmänner sie bald wieder über die Königsau zurücktreiben.

Die Hamb. Börsenhalle schreibt: Was die Hülfe Rußlands betrifft, auf welche, nach der Meinung Einiger, Dänemark sich Rechnung machen soll, so ist es ziemlich klar, daß die neuesten Ereignisse, welche die Herrschaft Rußlands we­nigstens in Polen, wenn auch vorläüfig vielleicht noch nicht i n Finnland und in den deutschen Ostseeprovinzen, ernsthaft bedrohen, demselben schwerlich erlauben werden, eine Diversion zu Gunsten Dänemarks zu machen.

Deutschland.

L Ausdem Rheingau, 2. April. Während bisher unser Rheingau sich der neu errungenen Freiheit in Besonnenheit und Ruhe erfreute, haben leider m den letzten Tagen zu Rüdesheim beklagenswerthe Unruhen stattgefunden. Die Dampfschleppbote waren dem Schiffsvolke in Rüdesheim, Caub und andern Orten des Rheingaues schon längst ein Dorn im Auge; sie schmälern allerdings einer Menge Menschen ihren Erwerb, und mußten daher, wie jede neue Erfindung im Maschinenwesen, ihre Feinde finden. Aufgehetzt von einigen Unruhestiftern, deren es in dieser bewegten Zeit überall nur zu viele gibt, ließen sich die Rüdes­heimer Schiffer zu den unsinnigsten Drohungen und Planen Hinreißen. Aeußerungen, wie sie nur der äußersten Rohheit eigen sind, ließen sich da vernehmen: Zerstörung aller Dampfschiffe, aller Eisenbahnen, aller Maschinen (!), sofortige Verjagung der nicht eingebornen Gewerbtreibenden und dergleichen. In der letzten Freitagssitzung des Rüdesheimer Sicherheits-Komite's, welches seine Sitzungen unter großem Zudrang von Menschen öffentlich hält, ging der Sturm los. Das ganze dortige Schiffs­volk, worunter mancher Betrunkene, hatte sich eingefunden, und verlangte die sofortige Arretirung eines in Geisenheim vor Anker liegenden Dampfschleppschiffes, so wie überhaupt die sofortige Einstellung der Fahrten aller Schleppschiffe; würde diesem Ver­langen nicht augenblicklich Genüge geleistet, so drohte man, das erste Dampfschleppboot, welches am Binger Loch sich dem nassauischen Ufer nähern würde, zu beschießen und auf jede mögliche Art zu zerstören. Es braucht nicht bemerkt zu werden, . daß das Komite auf diese unsinnigen Zumuthungen nicht ein­gehen konnte; es beschränkte sich daher darauf, zu belehren und von Gewaltthaten abzumahnen. Aber da half kein Zureden! Wie rasend tobte die Menge, unaufhörliches wildes Geschrei übertönte die Stimmen der Komite-Mitglieder. Auf dem Platze

vor dem Rathhause hatte der Tumult ebenfalls eine große Menschenmenge versammelt; da erscholl der Ruf:Feuer," und die Wuth der Masse war aufs Höchste gestiegen. Erst nachdem man sich überzeugt hatte, daß es nirgends brenne, und nachdem das Komite zur Beschwichtigung der Menge ein Mitglied nach Wiesbaden zu schicken versprach, um den dortigen Behörden die Anträge der Rüdesheimer Schiffer mündlich milzutheilen, hatten sich die Gemüther wieder so weit beruhigt, daß man, ohne den sofortigen Ausbruch der rohen Gewalt befürchten zu müssen, die Sitzung schließen konnte. Gleichwohl begaben sich des Nachts einige Schiffer nach Geisenheim, überfielen das dort vor Anker liegende Schleppboot, und wichen nicht eher, bis der Kapitän desselben sein Ehrenwort gegeben hatte, nicht vor heute Morgen 8 Uhr abfahren zu wollen. Dieser Unfug veranlaßte eine Anzahl gut gesinnter Bürger von Rüdesheim, Winkel und Oestrich, nach Geisenheim in der verflossenen Nacht zu ziehen, um jenem Schiffe ihren Schutz angedeihen zu lassen. In der That kamen auch mehrere Rüdesheimer Schiffer mit feindlichen Absichten wieder, deren Vorhaben jedoch sofort von jenen vereitelt wurde; mit Mühe entgingen sie einer wohlverdienten körperlichen Züchtigung. Die Geisenheimer veranlaßten mit Recht, daß das Schleppboot, welches für mehrere Hunderttausende Werth geladen hatte, noch in derselben Nacht abfuhr; jedoch nicht rheinabwärts, wohin es bestimmt war, sondern nach Mainz. In Folge dieser Erceffx herrscht gegenwärtig in Rüdcsheiin eine sehr große Aufregung; man fürchtet, die Schiffer, deren böswillige Absichten vereitelt worden sind, würden nunmehr ihre Rache ân hiesigen Bürgern, welche mit ihnen nicht gemeinschaftliche Sache machen, insbe­sondere an den Komite-Mitgliedern, ausüben. Die Bürgerwache ist daher verstärkt worden, und die Geisenheimer haben das dankenswcrthe Anerbieten ihrer Unterstützung zur Aufrechthaltullg der Ordnung gestellt.

5 Aus dem Rheingau, 2. April. Endlich ist denn der Johannisberg wirklich besetzt worden; es geschah am ersten April! Das Amt Rüdesheim mit Zuziehung der Sicher- Heitskomites von Rüdesheim, Johannisberg und Winkel hat gestern die Siegel an die Säle, die Zimmer und an den Keller des Schlosses gelegt; aus dem Dache die deutsche Reichsfahne und die nassauische Fahne aufgepflanzt und das Metternich'sche Wappen mit einer nassauischen Flagge überdeckt; zehn Mann von der Johannisberger Bürgerwache halten das Schloß Tag und Nacht besetzt. Wozu diese Anstalten? fragen wir. Gescha­hen sie, um die Besitzung eines verhaßten Mannes vor Zerstö­rung zu schützen? Dann haben wir nichts dagegen zu erinnern; allein dann durfte man das Wappen des Besitzers nicht hinter das Embleme eines Andern verstecken*; geschahen sie aber, wie es in dem letzten desfallsigen Regierungsreskripte an das Amt Rüdesheim wörtlich heißt,um die Ansprüche des nassauischen Staates an das Gut Johannisberg zu sichern", so sind wir der Meinung, daß man nicht mit der Erekution, sondern erst mit der Geltendmachung dieser seit 33 Jahren nie ver­nommenen, jedenfalls sehr zweifelhaften Ansprüche den Anfang hätte machen sollen. Metternich ist gefallen, seine Gewalt hat ein Ende; das ist ein Glück für Deutschland, für Europa; aber sich jetzt an seinem Eigenthum oder doch seinem Besitzthum, an dem Erbe seiner Kinder, erholen zu wollen, scheint uns wahrlich keine Heldenthat.

) Frankfurt, 3. April. Eine Feier des 3. April, als des Jahrestages, wo 60 deutsche Jünglinge das sogenannte Frankfurter Attentat" gewagt(1833), wird heute dahier begangen werden.

Karlsruhe, 29. März. (Allg. Ztg.) Die Ausfuhr von Pferden über die Zollvereinsgränze des Großherzogthums ohne Rücksicht auf die Herkunft und Bestimmung der Pferde ist vom 1. April d. I. an verboten.

+ Bonn, 31. März. In Westfalen sind bedenkliche Bauernunruhen ausgebrochen. Auf dem Gute Heyde bei Hamm wurde der gewesene Minister, Hr. v. Bodelschwingh, förmlich gefangen gehalten und der dortige Landrath v. Vincke vertrieben. Von Paderborn meldet man Aehnliches. Die strengkatholische Bevölkerung, dort wie hier in den Rheinlanden, war nie dem Preußenthume sonderlich hold, der alte Groll lebt wieder auf, doch vermengt er auf der andern Seite wieder in naiver Weise seine kirchlichen und StammeSintereffen mit der eingeimpften preußischenNationalität," wie's die Berliner nennen. So hörte ich einen Bauern auf den König schelten und fragte ihn, was ihn als Preußen dazu veranlassen könne.Unser König ist kein Preuße," erwiderte mir der streng katholische Bauer,er ist ja lutherisch."

* War aber dieß nicht vielleicht daS einzige sichere Mittel, um im Augenblicke die Zerstörer abznhaltcn? Die Red.