Nassauische
Allgcmcmc Zeitung.
^U S. Mittwoch den 3. April 1848*
Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erschein^ täglich. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 2 fL, wozu bei auswärtigen Postämtern noch der Postaufschlag kommt. — Inserate werden die gehaltene Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
en. Uebersicht, ohl in der ceb ine alb ser orr cht ilig eit, len leb
ii Die neuen Deputirtenwahlen.
en, --
^ Die nächsten Tage werden uns zu wichtigen Geschäften rufen, zu Geschäften, durch deren gewissenhafte Erledigung wir en- viel beitragen können, zu dem Wohle des Herzogthums .ls, und des ganzen Vaterlandes. Wir werden die Abgeordneten .nb zu unserem Landtage und die zu wählen haben, die gemeinsam mit den Vertretern anderer Staaten über die Neugestaltung des deutschen Staatenbundes zu tagen berufen sind. Es kommt dabei viel auf uns, auf die größere oder geringere Treue an, mit der wir unseres Berufes als Wähler- warten, darauf kommt es an, daß wir nicht blos die Einsicht und die Gabe zu reden in die Wagschale legen, sondern ganz ola besonders die Charaktere ins Auge fassen.
ist-" " Frankreich hatte in den letzten 15 Jahren in seiner Kam- he« iner Talente in großer Anzahl, es hatte Redner, die stundenlang ud- die Aufmerksamkeit zu fesseln wußten, aber jene Versammlung in . wohlbegabter, ja geistreicher Männer, sie war durch und durch zu verdorben. Durch das Beftechungssystem der Regierung war es nk- dahin gekommen, daß man sich nicht scheute, der Kammer ins or- Angesicht cs auszusprcchen, sie sey eine erkaufte und jederzeit en. käufliche. — Diese Greuel haben wir nicht zu fürchten, der Deutsche ng, ist von jeher weniger selbstsüchtig und weniger eitel gewesen. Aber en- wir haben vor zwei Gefahren uns zu hüten. Die eine liegt 54 darin, daß wir vielleicht zu großes Gewicht legen auf die Gabe lld- der Rede. Diese ist in einer Versammlung von Deputaten
von großer Bedeutung, aber sie hat bei nicht ganz zuverlässigen und lauteren Charakteren viel Bedenkliches, sie kann ebensowohl ti^ ein Mittel dazu werden, daß der wahre Gesichtspunkt verrückt »4 und ein Beschluß gefaßt werde, der den wahren Interessen des te» Vaterlandes nachtheilig ist. Wir sprechen es offen aus, es liegt -i- die Gefahr nahe, daß wir eine Advokatenkammer in den ah Räumen des Ständesaales versammelt sehen. Hüten wir uns davor, sehen wir daraus, daß alle Interessen des Landes ihre 5, Vertreter finden, daß wir nicht unvorbereitet uns finden lassen und von dem Augenblick überrascht werden. Oder sollten wir keine Kaufleute, keine Fabrikanten, keine G uts besitz er haben, die das volle Vertrauen des Landes verdienen?
Die andere Gefahr ist die, daß Leute sich eindrängen wer- „ den, deren politische Ansicht nicht geeignet ist, dem Lande zu der so nöthigen Beruhigung im Innern zu verhelfen. Es gibt
Die neuen Deputirtenwahlen.
Der Krieg in Schleswig-Holstein eröffnet.
Dentschlanv. Aus dem Rheingau (Unruhen in Rüdesheim. Die Schleppschiffe. Die Rechtsfrage bei der Besitzergreifung des Johannisbergs). — Vom RHein (Freiheit für Alle). — Frankfurt (Feier des 3. April). — Karlsruhe (Pferdeausfuhrverbot). — Bonn (Unruhen in Westfalen). — Berlin (Die Minister an den König). — Wien (Das Heer auf den Kriegsfuß gesetzt Erzherzog Johann an den Bundestag. Bedenkliche Lage Oesterreichs). Aus Tyrol (Die Alpen als Grenze des freien Italiens).
Frankreich. Paris (Die äußere Politik der provisorischen Regierung).
Nachschrift. Frankfurt (Der alte Bundestag aufgelöst. Die Verhandlungen in der Paulskirche). — Wiesbaden (Eisenmann, Jordan und Venedey).
Leute, die glaubendes sey an der Zeit die Gesetzlosigkeit und Willkür noch zu steigern, alle Bande der Ordnung noch mehr zu lockern und aufzulösen. Sie mögen dabei von' der Ueberzeugung geleitet werden, es seyen noch durchgreifendere Veränderungen nöthig, das politische Seyn der Nation bedürfe noch schärferer Mittel um ganz zu genesen, aber wir wollen das nicht, wir halten jeden Versuch der Art für ein verfassungswidriges Beginnen, wir fordern alles Ernstes dazu auf, nur auf dem Boden des Gesetzes stehen zu bkeiben und dort festen Fuß zu faßen.
Was haben wir demnach zu thun? Erstens dahin zu arbeiten, daß auf solche Männer schon bei den Urwahlen der Blick gelenkt werde, die in ibrer Gesinnung Bürgschaft geben, daß sie für das Wohl des Vaterlandes stehen werden; zweitens aber zu bedenken, daß wir für die Nationalvertretung und für unsre Deputirtenkammer Männer bedürfen. Dorthin haben wir die abzuordnen, deren politischer Blick schon geschärft ist zur Auffassen größerer verwickelterer Verhältnisse, die durch ihre Kenntnisse und Studien geeignet sind, auch in einem größeren Kreise ihre Ansichten zu begründen und geltend zu machen. Für unsre Deputirtenkammer aber müssen wir ganz besonders Leute suchen, die die Verhältnisse des Landes, die Gemeinden mit ihren Bedürfnissen kennen und hier aufzubauen verstehen an den Fundamenten, auf denen unsre Verfassung ruhen soll.
Der Krieg in Schleswig-Holstein eröffnet.
Mit einem um 12 Uhr Mittags am 30. März in Altona angekommenen Ertrazuge, welcher Couriere, nach Hannover und Berlin bestimmt, von Rendsburg mitgebracht hat, ist die Nachricht eingetroffen, daß eine dänische Vorhut von 1500 Mann, bestehend aus jütjchen Dragonern und Nyborger Jägern gestern Mittag in Hadersleben, wo sich noch keine schlesw. Besatzung befand, eingerückt ist. In Apenrade soll, einem Gerüchte zufolge, bereits gestern Abend Capitain von Michelsen mit dem Studenten- und Turner-Korps und dem 4. und 5. Jäger - Korps eingetroffen seyn. Die erste Brigade, bestehend aus dem 1. Dragonerregiment, dem 14. und 16. Infanterie-Bataillon mit 2 Sechspfündern sind wahrscheinlich noch um einen Tagemarsch zurück.
Somit ist der easus belli (die Thatsache des Kriegs) da, und ein Schreiben der prov. Regierung mit diesen Nachrichten ist bereits nach Berlin, ein anderes nach Hanno- v e r unterwegs. Eine Einquartirungs-Kommission für die übernachtenden und eine Verpflegungs-Kommission für die bloß durchziehenden Truppen ist bereits von den Behörden in Altona ernannt worden.
Der erste Kampf wird wohl unweit Alsen statt- finden, wo die Dänen gelandet sind. So viele Fahrzeuge als es bedarf, um unsere Truppen dahin überzusetzen, werden wir wohl besitzen. Es heißt, daß Scheel sich in Begleitung der dänischen Truppen nach Sonderburg begeben hat. Heute ist wieder ein Bataillon regulärer Truppen "mit" sechs Feldstücken ausgerückt.
Eine neuere Nachricht der Weserzeitung sagt: Die Insel Alsen, zum Herzogthume Schleswig gehörig, hat ft$- ür Dänemark erklärt, wahrscheinlich aus Besorgniß, von den Dänen überfallen zu werden Die Schleswig Hol- teiner dürften die Insel, auf welcher der Herzog von Angn«