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Beiblätter

zur Nassauischen Allgemeinen Leitung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

J£ L. Dienstag den L. April 18L8.

* Aus dem

Wanderbuche eines Handwerksburschen.

(Fortsetzung.)

IV. Die MeisteriN.

Köln ist eine lustige Stadt, ganz besonders aber auf Fast­nacht. Ein ganzes Jahr hatte ich dort gearbeitet, nun wollte ich in wenigen Tagen fortziehen aus den alten Mauern, da war es mir denn recht gelegen, dass just vor Thorschluß noch die tolle Fastnacht kam.In drei Tagen geht es auf dem geraden Wege zurück nach dem Westerwald, die Wanderschaft hat ein Ende und wenn ich einmal in unsern Bergen fest sitze als Meister, dann wird's nicht bald wieder einen so lustigen Tag geben wie eine kölnische Fastnacht," so dachte ich, als am .Morgen des großen Freudentags die Meisterin zu mir trat, ein wohlgenährtes, rothbäckiges ächt kölnisches Kind, festlich aufgeputzt. Um den Kopf aber hatte sie über die Haube alle­zeit ein weißes Tuch gebunden, denn sie litt stark am Kopf­gicht.

Die gute Frau hielt große Stücke auf mich und vertraute mir wohl manchmal ein Geheimniß an. Schien es doch, als ob sie auch heute so etwas auf der Seele habe.

Wie geht's mit dem Kopfgicht, Frau Meisterin?" fragte ich.

Da legte sie bedeutungsvoll den Finger an den Mund und sprach:Es wird bald ein Ende haben! O ich kann Euch nicht aussprechen, wie vergnügt ich bin, daß endlich ein Mittel gegen das heillose Uebel gefunden ist. Heute ist ein Tag ge­kommen, wo wir's anwenden können." Und darauf zog sie mich in die Ecke und flüsterte:Mein Mann ist hinausgegan- gen, den Karnevalsspuck anzusehen und alle die Andern ziehen gleichfalls auf den Straßen herum. Mein Mittel läßt sich nur ganz geheim anwenden ich brauche Sympathie!"

Nun, Frau Meisterin," sagte ich,und ich will meine Narrenkappe aufsetzen das ist auch Sympathie und mit ben Gecken durch die Gassen fahren. Ich wollt' Ihr wäret Eures Mittels so gewiß, wie ich meiner Narrenkappe."

Die Meisterin war eine herzensgute Frau, nur durfte man ihr nicht zu viel freie Haud in der Wirthschaft geben, denn sie hatte für ihren eifrigen guten Willen, wie wir sagen, nicht immer genug Grütze im Kopf.

Auf der Straße begegnete ich dem Meister, der nahm mich mit in's Bierhaus. Er wußte wohl, daß er einen recht­schaffenen Gesellen an mir gehabt hatte und trank mir gar freundlich zu und im Gespräch wurde er zuletzt so vertraulich, daß er sagte: ich will Euch eine Freude machen, Ihr sollt den Kölnischen Karneval recht gründlich gesehen haben, darum will ich Euch nachher einmal auf den Gürzenich führen. Geht jetzt mit mir nach Hause, ich muß noch ein Stück Geld zu mir stecken für alle Fälle und dann wollen wir's lustig treiben bis tief in die Nacht hinein.

Als wir wieder in des Meisters Haus kamen, begegnete mir die Meisterin auf der Flur.

Nun? Ist das Kopfgicht vergangen, Frau Meisterin?"

Noch nicht! Aber ich habe das Mittel gebraucht; es wird ganz gewiß helfen noch am heutigen Tag."

Das sprachen wir aber, während der Meister in die Stube gegangen war, um das Geld zu holen. Seh' ich doch noch leibhaftig das verblüffte Gesicht vor mir, mit welchem er aus der totube kam, ein Sâcklein in der Hand schüttelnd, und es klang, wie wenn lauter Steine darin wären!

Frau! ist das nicht unser Geldsäckchen? Das Geld ist fort das Säckchen ist mit Kieselsteinen gefüllt--"

Heiliger Gott!" rief die Meisterin, außer sich vor Schrecken, sprang herzu, riß dem Meister das Sâcklein aus der Hand ja, da rollten eben die Steine auf die Erde, lauter schöne glatte Rheinkiesel!

Die gute Frau dauerte mich herzlich, als sie mit gebro­chenen Worten ihrem Manne gestand, sie habe Sympathie als Mittel gegen ihr Kopfgicht gebraucht; eine Zigemrerin habe ihr das Mittel zugerichtet und den Zauber gesprochen; und zu dem Ende es hielt der Meisterin gar schwer, Dieses herauszubringcn habe daS Weib einen irdenen Topf gefor­dert, worin sie die Kräuter abkochen wolle; damit aber der Zauber während des KochenS über die Kräuter gesprochen