Diese Modifikation wird unterstützt. Venedey sagte, der alte Bundestag sey freilich eine Leiche, aber die Ausnahmsbeschlüsse mcht minder, dafür sey der Beweis, — daß er, ein durch jene Beschlüsse Geächteter, frei der Lersammlung anwohnen könne.
Nach längerer Diskussion wird der Basserman n'sche Antrag mit Stimmenmehrheit angenommen. Da traten Hecker, Struve :c. auf und verließen mit einigen Vierzig die Kirche. Eine Stimme von den Gallerien rief, das seyen Ver- räther, die eben fortgegangen; man wiest den Mann als Störer der parlamentarischen Ordnung sogleich hinaus.
Allgemein bedauerte man, daß jene Mitglieder das Haus verlassen haben, und machte nachdrücklich geltend, daß dieß kein parlamentarischer Brauch sei, wenn die Minderheit begehre, daß die Mehrheit ihrem Willen sich fügen solle.
Es wird den Fortgegangeneil schwer, ja unmöglich seyn, wiederzukommen. Dieß ist tief zu beklagen.
Man beschloß aber, damit jene Mitglieder sich noch eines Bessern besinnen könnten, die Wahlen d.ö in Permanenz erklärten Fünfziger-Ausschusses bis auf Morgen früh 8 Uhr zu verschieben, da die ganze Versammlung mit Recht wünscht, daß alle Parteischattirungen in demselben vertreten seyen.
3 Frankfurt, 2. April. Für den Fall, daß es zu einer letzten Erklärung kommen würde, hatte die Minorität der Versammlung folgende Verwahrung aufgesetzt, welche jedoch dadurch, daß ein Theil derselben, Hecker, Struve re. im entscheidenden Augenblicke die Versammlung verlassen haben, ihren ursprünglichen Zweck verloren hat. Sic lautet:
„Die unterzeichneten Mitglieder der Versammlung deutscher Volks-Repräsentanten zu Frankfurt haben in deren Ursprünge und in der Art, wie sie verwirklicht worden ist, ein selbständiges Auftreten der Volkssouveränität erkannt, und haben nur in der Ueberzeugung mitgewirkt, daß darin der Keim eines neuen Staatslebens zu finden sey.
Das Programm der Siebnerkommission hat sie schon aufgeklärt, daß sich der Bundestag zu Frankfurt dieser Volksrepräsentation bemächtige.
Sie trauten der Versammlung zu, daß sie ihren eigenen Charakter zu würdigen wissen und jedes Einmischen eines vom deutschen Volke mit Verachtung zurückgewiesenen Instituts entschieden ablehnen werde.
Demungeachtet hat der Gagern'sche Antrag den Charakter der Versammlung aus einer Volksrepräsentation in einen von dem seitherigen Fürstenbundestage genehmigten uud mit ihm verbundenen Beirath geändert, und der zu wählende Ausschuß ist nur ein Collegium, das der Wirksamkeit des ehemaligen Bundestages in der öffentlichen Meinung des deutschen Volkes neuen Eingang verschaffen soll.
Wir haben versucht, diesen unglücklichen Schritt dadurch zu mildern, daß wir durch den von Blum und Anderen gestellten Antrag ein Glaubensbekenntniß des Bundestags zu vermitteln suchten, wodurch dessen fortwährender Wirksamkeit und dem volksthümlichen Ansehen des Ausschusses einiges Vertrauen erzeugt werden sollte.
Auch dieser Antrag hat die Zustimmung der Mehrheit der Versammlung nicht" erhalten: Wir können es daher mit unserer Verantwortlichkeit gegen das Volk welches allein wir vertreten, nicht mehr vereinbar finden, mit dieser Versammlung in ihrer heutigen Richtung zu wirken, erklären vielmehr aufs Entschiedenste, daß wir uns gegen die Wahl und kräftige Wirksamkeit eines Ausjchusses verwahren, welcher seinen Charakter ändert, und aus Volksrepräsentanten zu Fürstenräthen herabgestiegen ist. Wir verwahren die Rechte des deutschen Volkes gegen die Handlungen dieser Versammlung und gegen alle ihre Folgen."
Frankfurt a. M., 2. April 1848.
Folgen die Unterschriften.
-ff- Frankfurt, 2. April. Als ein Zeichen der Stimmung, die in einem großen Ländergebiete des Vaterlandes herrscht, das bei der hiesigen Versammlung nur sehr schwach vertreten ist, mögen folgende Stellen aus einer Proklamation gelten, die ein Oesterreicher an die Männer in der Paulskirche gerichtet hat:
--„Die Stunde kam; und wir erwachten mit einem Rufe durch alle österreichischen Gauen, und der Ruf klang: Freiheit! Vaterland! Fürst!
Erlaubt mir, liebe Brüder, Euch diesen Ruf in unserm Sinne zu erläutern.
Wir riefen zuerst Freiheit! denn sie steht hoch über allem, die edelste, schönste, ewig junge Tochter des Himmels, der Goldsaum unseres Lebens — nur Freiheit ist Leben — frei müssen wir sein und bleiben, so lange noch ein deutsches Herz
auf Erden schlägt. — Frei in Wort und Schrift, frei in jeder Regung, frei von der Sohle bis ins Hirn — wehe dem, der je an dies Palladium rührt!
Ihr werdet sehen, liebe Brüder, wie der Thau der Freiheit bei uns alles befruchten wird; bald wird es grünen und blühen in Oesterreich, gar tüchtiges wird geschehen, und Ihr werdet Eure Freude haben an uns, Euren jungen Brüdern, wenn ihr das Alter nach den Tagen der Wiedergeburt zählt, an Euren altbewährten Brüdern, wenn ihr in die Geschichte blickt, und Alles in Allem zählt. — Unsre Zeitrechnnng aber beginnt erst vom 13, März 1848, und nun wird kein Tag mehr ungenützt verfließen,
Unser zweiter Ruf ist — Vaterland — nicht mehr aber allein das liebe, gute, herrliche Oesterreich, sondern das große, gewaltige, majestätische Deutschland, dem wir angehören mit Gut und Blut, wir sind Deutsche. Wir Oesterreicher machen nie viel Worte, doch gilt es, so mögt Ihr auf uns bauen, im Kriege wie im Frieden.
Und noch einen Ruf ließen wir ertönen, der Manchem mißliebig klingen wird, doch wir schämen uns des Rufes nicht, den uns die Liebe gelehrt: hoch unser F ü r st! Ja, liebe Brüder, dieser Ruf ist zwar der letzte in der Reihe, doch wir halten fest und lassen nicht von ihm. — Als in den letzten Tagen des Kampfes meine Wiener in den Straßen fochten wie die Löwen, da haben sie die Freiheit erfochten nicht allein für sich, sondern auch für ihren Fürsten; auch ihn haben wir frei gemacht; auch er ist nicht mehr geknechtet. Und kaum war er frei, so hat er redlich Alles das gethan, was ein Fürst zu thun hat. — Solch ein Oesterreicher, der zufällig nebenher auch Fürstensohn ist, wars, der schon vor Jahren rief: kein Oesterreich, kein Preußen, nur ein einiges Deutschland hoch! —
Ja, liebe Brüder, ohne Erröthen gesteh ich's, wir halten an unserm Kailer, kein Falsch wird sich'in seine Seele stehlen; sein Thron steht fest, er wird zu uns halten. Verflucht ser die Hand, die je an das gesalbte heilige Haupt rühren wollte; der Weg zu seinem Throne geht über Millionen Oesterreicher!
Drum, liebe Brüder, nehmet uns auf in Euren Bund, wie wir sind; wir sagen es lieber vornherein, um hinterher kein Mißverständniß zu haben; wir bieten Euch mit Inbrunst unsere Hand, doch darf die Eure nicht befleckt seyn vom Brüder- oder Fürstenblute, sonst bleiben wir lieber daheim in unsern stillen Bergen und führen unser freies Leben nach unserer Art, und werden nicht minder frei sein, ja freier als Andere, die unter der Diktatur der sogenannten Volksfreunde schmachten.
Liebe Brüder, Pas ist meine Meinung; bald, sehr bald werden unsere Vertreter unter Euch seyn, und Ihr werdet es von ihnen hören, daß ich wahr gesprochen. Wir halten an der heiligen Dreieinigkeit unsers politischen Glaubens:'
Freiheit, Vaterland, Fürst hoch!
Frankfurt, 1. April 1848.
Ein Wiener Bürger.
4 Wiesbaden, 2. April. Heute Abend wurde in einer Volksversammlung in den Vier Jahreszeiten folgende Adresse' an die in Frankfurt versammelten Volksmänner entworfen und mit zahlreichen Unterschriften bedeckt.
„Deutsche Männer! Wir sind mit der, der Wichtigkeit des hohen Gegenstandes angemessenen Aufmerksamkeit euren Verhandlungen gefolgt und erklären hiermit, um gewissen Bestrebungen den Vorwand, daß sie der Ausdruck der öffentlichen Meinung Deutschlands seyen, zu benehmen, was folgt:
Keine Herrschaft der Minderheit über die Mehrheit! Keine Anwendung irgend einer physischen Gewalt, oder der Gewalt der Einschüchterung auf dem Gebiete, auf dem nur geistige Waffen gelten dürwn!
Welche Verfassung für das ganze Deutschland zu gründen sey, das bleibe der konstituirenden Versammlung anheimgestellt. Ist es in den Sternen geschrieben, daß ganz Deutschland überall in seiner Gesammtheit wie in seinen einzelnen Theilen die republikanische Verfassung darzustellen habe, so werden sich seine Geschicke erfüllen.
Die Versuche aber, die konstitutionell-monarchischen Landesverfassungen in Deutschland, da wo sie noch bestehen, jetzt und sofort mit Gewalt aus dem Boden zu reißen, erklären wir hiermit für freventliche Bestrebungen, die nur den äußeren Feinden in die Hände zu arbeiten geeignet sind, und den Gang des Welt- geistes überstürzen wollen. Wiesbaden, den 2. April 1848."
(Folgen die Unterschriften.)
Zur Ueberbringung dieser Adresse wählte man eine eigene Deputation, welche morgen frühe damit abgehen wird.
Verantwortlicher Rebakteur: W. H. Riehl. — Druck uno Verlag der L. Sche llenberg'schen Hof-Buchhanblung in Wiesbaden.