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Unsere politischen Clubbs sind schon der Art legalisirt, daß mehrere Minister den abgesandten Adreßdeputationen ver­sprochen haben, dieselben in Person besuchen zu wollen.

Die Blätter melden bereits von einzelnen Reaktions- V er suchen, welche in der Provinz auftauchen. Zu Wanzen­berg hat der Landrath v. Kotze einen förmlichen Protest gegen dieGewaltherrschaft" der Berliner zirkuliren lassen, in welchem namentlich die Verlegung des Landtages von Berlin weg gefor­dert wird. In den benachbarten Kreisen ist bereits ein großer Theil des Landvolks und der Landwehr durch die Vorspiegelung: Des Königs Majestät sey gefangen und solle gestürzt werden" vollständig fanatisirt und hat daher auch die schwarz-gold-rotben Farben verspottet und bei den Kontroll-Versammlungen den mit solcher Ko­karde Erschienenen diese abgerissen.

Posen. (Köln.Z.) Hier herrscht gegenwärtig ein Zustand, welcher der Anarchie nicht unähnlich ist. Leider läßt sich der alte Haß zwischen Polen und Deutschen so leicht nicht zur Ruhe bringen; Deutsche und Juden sind an vielen Orten schon der Gegenstand der Verfolgung geworden. An­dererseits beginnen die Deutschen bei dem Gedanken zu er­schrecken, daß sie von dem neubelebten deutschen Vaterlande gerissen werden könnten: es find ihrer beiläufig 500,000 unter den 1,100,000 Einwohnern der Provinz, und zwar bilden sie in vielen Kreisen die sehr überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung.

Von der Saar, 27. März. (Tr. Ztg.) OfficicUe Nachrichten von dem Heranrücken deutscher Arbeiter aus Frankreich an die preußische Gränze, die seit gestern eingelaufen sind, wirken beunruhigend und haben bereits zur Folge gehabt, daß die Landwehr des Kreises Saarbrücken auf­geboten, auch die Garnison Saarbrücken um eine Escadron Husaren aus Sarlouis verstärkt worden ist. Dem Gerüchte zufolge soll ein gegen 10,000 (!) Mann starker Trupp aus Frankreich vertriebener Deutschen, verstärkt durch viele aus dem Kreise Saarbrücken zur Revanche vertriebene franz. Ar­beiter seine Direktion über Saarbrücken und den Hunsrücken, nach dem Rheine nehmen, um die Republikanisirung Deutsch­lands im Sinne der Pariser Propaganda auszuführen. Was an diesem Gerüchte Wahres ist, wissen wir nicht.

Rendsburg, 29. März. (Rendâb. Tagbl.) Das Va­terland ruft seine Söhne zum Streit. Schon hören wir die erhebendsten Beispiele großherziger Vaterlandsliebe erzählen. Männer aus den angesehensten Familien des Landes haben sich in die Reihen der gemeinen Soldaten gemischt; die Land­schaft Eiderstedt hat der Regierung 200 Pferde als Geschenk angeboten; von allen Seiten kommen Ladungen von Lebens­mitteln und Fourage. Niemand kann, Niemand wird unthätig seyn .wollen im Dienste deS Landes in dieser unvergleichlich schönen Zeit, welche in unserer und des ganzen Deutichlands Geschichte einen Wendepunkt bilden wird für Jahrhunderte. -- Das Freischaren-Wcscn ist jetzt vollständig organisirt. Bereits ist das erste Freicorps von 250 Mann organisirt und wird morgen ins Feld rücken. Stündlich kommen neue Freiwillige an, so daß dem ersten bald ein zweites folgen wird. Zum Chef der sämmtlichen Freicorps ist der Advocat Koch, welcher bereits in den deutschen Freiheitskriegen erprobt. ist, dem Vernehmen nach designirt. Jetzt ist jeder waffentüchtige und vaterlandsliebende Mann als Kämpfer willkommen. Gestern ging ein Courier der preußischen Regierung hier durch, um der dänischen Regierung die entschiedene Erklärung zu über­bringen, daß her erste Schritt, den ein dänisches Corps aus schlcswig'schen Boden setzen würde, von Preußen als Kriegserklärung angesehen wer­den würde.

Frankreich

Paris, 29. März. (Deutsche Ztg.) Rouen ist in diesem Augenblicke in schrecklicher Lage. Ein junger deutscher Arzt kommt soeben dorther und erzählt, daß die Arbeiter den Bürgern in aller Form den Krieg erklärt haben. Nachdem sie trotz der energischsten Protestationen des Kommissärs und der Municipalität Bicètre gestürmt und dft dortigen Gefangenen befreit hatten, forderten sie von den Fabrikherren Geld und drohten, die Stadt in Brand zu stecke». Daß sie im Stande sind, Wort zu halten, beweisen die Dörfer und Flecken in der Umgebung von Rouen, wo man bereits seit 14 Tagen plündert. Erst dieser Tage zerstörte man u. A. die Besitzungen des Hrn. Henry Barbet in Maromme, und in Jsneauville hat man ein wahrhaftes Plünderungssystem organisirt. Restaurants und Schenk- wirthe müssen den Banden augenblicklich das Haus räumen, und wo sich Polizeisoldaten blicken lassen, werde» sie verhaftet und

in Unthâtigkeit gesetzt. Gestern hatte die Emeute vorzüglich aus dem Quai und in den benachbarten Straßen ihren Sitz; Biele, dst aus Bicâtre befreit worden waren, stiegen auf das aufge­rissene Steinpflaster und schrieen, man solle Geld unter die Massen vertheilen, sonst würden sie es selbst suchen gehen. Ein entlaufener Handlungsdiener Namens Lalliä führt die Meuterer an und theilt Gelb unter sie aus, das ihm, wie man sagt, aus höherer, aber desto unreinerer Quelle zufließt. So oft der Re­gierungskommissär Deschamp die Haufen zur Ruhe ermahnt, schreit man ihm Vive la Rcpublique! auch wohl, wie aus Jrone: Vive Deschamp! entgegen, aber sobald er den Platz verlassen hat, heult und pfeift man ihm nach und bittet, er möge den Tanz doch nur beginnen lassen. Aus die Garde mobile kann Rouen in dieser schrecklichen Lage nicht rechnen, weil sie zum größeren Theile aus unzufriedenen Employes der Fabriken und Läden besteht, die sich an ihren Herren rächen zu wollen scheinen.

Paris, 30. März. Durch Dekret der provisorischen Regierung ist der Justizminister provisorisch ermächtigt wor­den , allen Ausländern die Naturalisierung zu bewilligen, welche es begehren und beweisen, daß sie mindestens fünf Jahre in Frankreich gewohnt haben, und welche zur Unter­stützung ihres Begehrens ein Zeugniß des Maire von Paris over des Polizeipräfekten für das Seinedepartement oder der Regierungskommissäre für die andern Departements beibringen, welches besagt: daß sie in jeder Beziehung der Zulassung zum Genusse der französischen Bürgerrechte würdig sind. Wegen der zu bezahlenden Gebühren bleibt es bei den bestehenden Verordnungen.

DiePresse" berichtet: Heute Abend gegen 8 Uhr bela­gerten 300 bis 400 durch heimtückische Vorspiegelungen irregelei­tete Personen die Redaktions-Bureaur derPresse" unter dem Ruse:Nieder mit^ der Presse!" Hr. Girardin ließ ihnen die Thüren öffnen und sie auffordern, aus ihrer Mitte eine gewisse Anzahl von Abgeordneten zu wählen, welche zu ihm kommen möchten, um ihm den Beweggrund dieser Kundgebung zu er­klären. Der Vorschlag ward sofort angenommen und es ent­spann sich eine Erörterung, welche zwei Stunden dauerte. Die Abgeordneten verließen Hrn. Girardin vollkommen überzeugt von der Redlichkeit seiner Absichten, die ihm den Ausdruck seines Gedankens vorschreiben. Kaum hatten sie die Redaktions-Bureaur derPresse" verlassen, als eine zahlreiche Deputation der repu­blikanischen Zentral-Gesellschaft herbeicilte, welche das bis zu ihr gelangte Gerücht herbeigezogen hatte, daß die Freiheit der Presse in der Person Girardin's bedroht sey. Hr. Girardin sprach der Gesellschaft seinen Dank aus. Die Freiheit der Presse konnte in dieser ersten Prüfung untergeben; sie ist siegreich daraus hervorgegangen und alle wahren Republikaner, gleich­viel ob von gestern oder von morgen, werden sich dazu Glück wünschen.

Großbritannien.

London, 29. März. Der Erpreß" enthält Nach­stehendes:Lo eben kommt uns folgende Nachricht mit dem Ocean" zu:Boston, 11. März. Aus dem Süden (New- york) erhalten wir durch den elektrischen Telegraphen die Mit­theilung, daß seit dem Abgänge des Dämpfers die Nachricht von der Ratification des Fricdensvertrages mit Me­xiko durch den Senat eingegangen. Nur sünszehn Stimmen votirten gegen die Ratifikation.

Stachschrift

-4- Frankfurt, 2. April. Die heutige Versammlung hat zu einem beklagenswerthen Resultat geführt die Führer der äußersten Linken sind weggegangen.

Beim Beginn der Sitzung wurde folgender Antrag gestellt:

Die Unterzeichneten beantragen: Bevor die Bundesversamm­lung die Angelegenheit der Begründung einer konstituirenden Ver­sammlung in die Hand nehmen kann, muß sich dieselbe von den verfassungswidrigen Ausnahme-Beschlüssen lossagen und die Män­ner ans iorem Schooße entfernen, die zur Hervorrusung dersel­ben mitgewirkt haben."

Rob. Blum. Dr. Zitz. G. Strecker. Dr. Jacobi.

Vogt. v. Behr. Ad. Dupre, v. Jtzstei».

Dr. Leisler jun. Dr. Leisler sen.

Bassermann trat hiergegen auf und bat, man möge doch die einzige Vertretung der deutschen Einheit, welche M dieser bewegten Zeit noch bestehe, nicht zerstören. Eine Reinl- gung des Bundestages stehe in naher Aussicht. Er schlägt daher vor, stattBevor die Bundesversammlung rc." zu setzen:Nach­dem die Bundesversammlung die Angelegenheit der Begründung einer fonftituim ben Versammlung in die Hand genommen lmt *