schließen, daß sie mit der Organisation des gesammten (höheren) Schulwesens alle oder auch nur größtentheils einverstanden wären.
§§ Frankfurt, 1. April. Die Abgeordneten aus Nassau hatten sich mit vielen anderen Landsleuten im Weedenbusch versammelt, dessen äußere Facaden mit blauen und orangefarbenen Lampen beleuchtet waren.
Major Frensdorff sprach: Die Umgebung des Herzogs set- schlecht gewesen, sic habe das Land verrathen, aber der Herzog sey gut und edel, worauf ein dreimaliges jubelndes Hoch auf den Herzog folgte.
Ein nassauischer Student sprach gegen die Republik, welche den Bolkswünschen in Nassau, Oesterreich und Norddcutschland schnurstracks zuwiverlaufe, in kräftigen Ausdrücken unter fortwährendem bejahendem Zuruf.
Nach dem Schluß der Versammlung in der Paulskirche tritt Hergenhahn von allen Seiten mit Lebehoch begrüßt ein und spricht:
„Meine Herrn! Wir haben heute einen großen Schritt werter gethan zur deutschen Einigung und dürfen von der Zukunft das Beste hoffen!"
Später trat Hergenhahn nochmals auf, verkündete die Resultate der Versammlung, und daß man sie hauptsächlich dem Minister von Gagern aus Darmstadt verdanke (der sich mit Stedtmann, v. Gagern aus Wiesbaden u. A, auch eingefunden hatte), er, Hcrgcnhahn, werde ebenfalls unermüdlich fortfahren zur Erkämpfung der Einigkeit, Freiheit und Ordnung.
Der Redner schloß mit einem Hoch auf Gagern. Gagern dankt und sagt: „M. H.! Ich habe schon oft auf der Bresche gestanden und werde noch oft darauf stehen, aber für Nichts lieber als für die höchsten Güter des Volkes, wie sie mein Freund Hergenhagen eben bezeichnet hat."
0 Frankfurt, 1. April, Abends 10Uhr. Soeben kehren wir heim aus den festlich illuminirten Straßen und können nur in flüchtigen Zügen den großartigen Eindruck schildern, den die alte Kaiserstadt auf uns macht. Es herrscht die schönste Ordnung; überall spricht sich die ungeteilteste Freude über die bisher gewonnenen Ergebnisse deutscher Einheit offen aus. Wo ein Gagern und andere Vertreter echt deutscher Gesinnung sich blicken lassen, ertönt aus tausend Kehlen begeistertes Hoch. Alle Parteien, weß politischen Bekenntnisses sie sonst seyen, scheinen davon durchdrungen, daß der rechte Keim kräftigen Ausblühens der Nation zu voller Selbstständigkeit und Sicherheit nach Außen nur in Einheit und Ordnung gelegen sey. Züge von Turnern und Studenten, bunt untermischt mit Leuten verschiedener Tracht und Alters, durchziehen zum Theil mit vaterländischem Sang die Straßen und haben selbst mit ihren schmalen Reihen Mühe, durch die dicht gedrängten ruhig sich fortwälzenden Wogen der Menge sich hindurchzuwinde». Einzelne Freudenschüsse unterbrechen das dumpfe Gesumme. Die Pracht der Illumination ist mit beispiellosem Aufwand hergestellt, wie man es von der alten Reichsstadt wohl erwarten durfte. Besonders zeichnen sich die öffentlichen Gebäude durch brillante Beleuchtung aus; aber auch bei sehr vielen Privaten entwickelt sich staunenswerther Luxus, Originalität der architektonischen und harmonischen Anordnung; hier sieht man sinnvolle Sprüche auf Transparenten und aufgerichteten Ehrenpforten, Altären und Denktafeln; dort prangen die Namen der Männer, auf welche die Nation ihr Vertrauen gesetzt hat; und mancher treffliche und patriotische Volkswitz in Bild und Wort erfreut das deutsche Herz.
Da sieht man den deutschen Michel, wie er den alten Bund speist, dabei die Karte von Deutschland als Serviette untergebreitet hat, darüber befindet sich als Wand-Dekoration von Michels Speisezimmer der Umriß von England, als „beliebter Sommeraufenthalt für Fürsten", sowie von Sibirien als „Ort fester und dauernder Anstellung." Dort liest man die Inschrift:
„O Metternich, wie wär' es schön,
Müßt Du jetzt hier spazieren gehn!N
Die Osterrieih'iche Druckerei zeigt als Transparent einen moderigen Grabhügel mit Kreuz, woraus die Zensur als Inhaberin dieser Stätte etwa in folgender Art bezeichnet ist: Hier ruht Frau Zensur, gewesene Streicher, geb. 19. Sept. 1817, gest. 4. März 1818. Ein Schuster hat seinem Fenster die Aufschrift gegeben:
„Ich lasse meinen Gott stets walten,
Much thue Schuh und sticke auch die alten."
Von kü stlerisch ausgeführteu Transparenten müssen der am Pariser Hof (Deutschlands Jugend steht auf) und die begeistert anfblickende Germania in der vor dem Platz der Hauptwache nach dem Theater hinführenden Straße besonders genannt werden. Außerdem zeichneten sich die Freimaurerloge, die Umgebung der Göthestatue, der römische Kaiser, das Privat
haus Rothschilds (Barbarossa erwacht) und dessen Nachbarhaus (Germania und ihre Söhne) besonders aus. Am großartigsten war von öffentlichen Plätzen der Römerplatz auszestattet. Der Römer selbst, auf's Vollständigste bis in die treppenlinigen Giebel illuminirt, trug einen riesenhaften deutschen Reichsadler, der Brunnen prangte in vollem Lichtglanz, die Nicolai-Kirche war nach dem Platz hin mit einem eigens in gothisch-adäquatem Styl errichteten Zlluminationsportal versehen, und dazu kam noch die Beleuchtung der (eisernen) Thurmspitze in eigenthümlich großartiger Weise. Man hatte in verschiedener Höhe Pech- pfannen angebracht; und das düstere Aufflackern der ticfrothen rußigen Flamme in das gestirnte Firmament bildete einen seltsam erhabenen Gegensatz gegen die zahllosen munteren Lichtpunkte der unteren Regionen. Eine ähnliche, aber doch nicht ganz gleichkommende Wirkung hatte man an der Paulskirche und anderwärts dadurch hervorzubringen gewußt, daß man die Fensterlöcher der Thurmspitzen und andere Oeffnungen der sogenannten Laterne mit rothem Tuch überzogen und von Innen erleuchtet hatte.
Heidelberg, 30. März. (Deutsche Ztg.) Heute fand hier eine Bürgerversammlung Statt, in welcher Männer verschiedener politischer Meinungen sich einmüthig dahin aussprachen, daß man jede brutale Gewalt, jeden politischen Terrorismus mit aller Energie fern halten müsse. Einstimmig wurde die Ueberzeugung ausgesprochen, jede Störung der innern Ruhe, jeder Angriff und jede bewaffnete Einmischung von Außen müsse ebenso entschieden abgewehrt werden, wie jeder Besuch, die friedlichen Berathungen der Frankfurter Versammlung zu hemmen. Zu dem Ende beschloß man, die Bürgerwehr schleunigst zu organi- firen, zu rüsten und zu üben, damit man gegen jede Gefahr gesichert sei. Es war eine wohlthuende Wahrnehmung, zu sehen, daß Männer verschiedener Ansichten in diesem Augenblick die Verhandlung darüber, ob Republik oder konstitutionelle Monarchie, vertagten und einträchtig zusammenstanden, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten; es lag darin wieder ein Beweis, baß die gute Sache der gesetzlichen Freiheit in ungeheurer Mehrheit vertreten ist, wenn ihre Anhänger sich'nüb^entschlkeßen, sich zusammenzufinden. Ueber die Vorfälle der sonntägigen Versamm- lung sprach sich die einstimmige Entrüstung aus.' —
Halle, 29. März. (D. A. Z.) Die hiesigen Buchhändler haben einstimmig beschlossen, alle Pamphlete und fliegenden Blätter, die einen bisherigen Charakter an sich tragen und zur Anarchie aufreizen, unnotirt zurück zu schicken oder, falls sie anonym eingesendet sind, zu vernichten, um ihrerseits alles zu vermeiden, was die Aufregung vermehren könnte. Es scheint ihnen dieß eine Pflicht zu seyn, die jedem Besonnenen, jedem sein Vaterland wahrhaft liebenden Deutschen obliege.
Berlin, 29. März. (Köln. Ztg.) Der König hat die Wiederaufhebung des Debits-Verbotes der „Weser-Zeitung" und der „Bremer Zeitung" genehmigt.
Die „Vossische Zeitung" enthält folgende „Ergebene Frage": Sind vielleicht die Kugeln der Soldaten vom 18. und' 19. März so gegossen und geschossen, daß nur berliner Gesellen das Glück der Acquisition derselben genossen haben, oder aber sind die guten berliner Bürger der glorreichen Tage so nahe an die Schußlinie gegangen, daß die Kugeln aus schuldigem Respect sich in bescheidener Ferne gehalten haben? Wenigstens haben die Gesellen die Todtenliste ausgefüllt, ohne die Meister zu Rathe gezogen zu haben, was dem ganzen Krawall die höbe i Bedeutung nimmt. Schievelbein, den 28. März 1848. B—cd. H—r,
Berlin, 30. März. So eben, Nachmittags 4 Uhr, ist das 24. Linien-Jnfanterie-Negiment, von dem lebhaftesten Hur- rah der zahlreich versammelten Einwohner begrüßt, mit klingendem Spiele hier einmarschirt und hat die ihm angewiesene Kaserne bezogen.
Einige Herrn aus Riga und vom Landadel Kurlands sind hier eingetroffen, um vorläufig zu ermitteln, in wie fern die russischen Ostsee-Provinzen auf den Beistand Preußens und Deutschlands rechnen könnten; die Sendung einer ossi- ziellen Deputation von dort ist als bevorstehend angekündigt.
Berlin, 29. März. (Weser-Ztg.) Neben vielen andern ergriffenen Maßregeln für das Proletariat ist nun auch die Einrichtung getroffen worden , daß die Metze Kartoffeln hier nicht höher als 1 Sgr. verkauft werden darf. Dieses Ziel erlangt man einfach dadurch, daß man an den Thoren den Bauern miltheilt: sie müßten entweder ihren Kar- tvffelvorrath für angegebenen Preis ablassen, oder umkehren, von wo sie gekommen.