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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^N 4. Dienstag den 4L April Z 848.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletrntnchni Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationöpreis ist in Wiesbaden 2 st., wozu bei auswärtigen Postämtern noch der Postaufschlag kommt. Inserate werden die gespaltene Pelitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden .in der L. Schellender g' schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Der zweite Tag der Frankfurter Versammlung.

Deutschland. Von der Lahn (Die Volksversammlungen, die Lehrer und die Gemeinden). Frankfu r t (Versammlung der Nassauer. Die Festlichkeiten), Heidelberg (Bürgerversammlung. Protest). Halle (Die Buchhändler). Berlin (Anfrage der Gesellen in der Voss. Ztg. Das Debitverbot der Bremer Blätter aufgehoben. Maßregeln für das Proletariat. Politische Klubbs. Reaktionsversuche). Von der Saar (Arbeiter Einfall). Rendsburg (Rüstungen. Die preu­ßische Erklärung).

Frankreich Paris (Arbeiterunruhen in Rouen. Die Natnralisirung der Fremden. Verfallene Wechsel. Kundgebung gegen diePrepe").

Großbritannien. London (Der Friede der Vereinigten Staaten mit Meriko ratifizirt).

Nachschrift. Frankfurt (Männer der republikanischen Partei verlas­sen die Versammlung. Eine Erklärung. Protestation eines Oesterreichers). Wiesbaden (Adresse).

* Der zweite Tag der Frankfurter Versammlung.

In die kurze Notiz, welche wir gestern Abend als Nach­schrift unmittelbar vor Schließung unseres Blattes über die Re­sultate des zweiten Frankfurter Tages mittheilten, hat sich die irrthümlicheAngabe eingeschlichen, daß Hundert aus der Mitte der Versammlung permanent bleiben sollten bis zum 4. Mai: es muß heißen: Fünfzig.

sMFür die Wahl der konstituirenden Versammlung ist der direkte Wahlmodus ungeordnet worden, die Wahl des Par­laments wird aber wie es auch in jener Notiz heißt, eine indirekte seyn, da die konstituirende Versammlung gleichsam eine Wahlmännerkörperschaft darstellt.

Ueber den Verlauf der gestrigen Verhandlungen gibt fol­gende Korrespondenz das Genauere:

-fj-F ra n kfurt, 1. April. Die Verhandlungen wurden heute Mittag um 2 Uhr wieder aufgenommen.

Präs. Mittermaier: Es soll über die Zeit, binnen welcher die konstituirende Nationalversammlung zusammenberufen werden soll, diskutirt werden. Ich halte dafür, daß ein Zeit­raum von 4 Wochen von heute oder Montag an gerechnet, das Passendste ist. Ein Abgeordneter trat auf, um zu begründen, daß ein Ausschuß von fünfzehn oder mehr Mitgliedern ernannt werden müsse, um die Einberufung rc. zu betreiben; mehrere Redner dagegen sprechen für die Permanenzerklärung der Ver­sammlung statt eines solchen Ausschusses. Welcker ergriss das Wort für einen starken Ausschuß mit Anlehnung an die Vun- desbehörde: man müsse die letzte Form der Einheit Deutschlands nicht zerstören. Nur durch den Bundestag könnten die Beschlüsse der Versammlung sich Erfolg und Eingang bei vielen und grade den mächtigsten Staaten versprechen. Welcker wurde oft stürmisch unterbrochen. Hecker verlangte Permanenzerklärung dieser Versammlung. Anlehnen an den Bundestag errege das Mißtrauen der Nation auch für die besten Beschlüsse. Ordnung thueMoth; überall sey Schwäche und Machtlosigkeit der Negierungen. Viele Redner für die Permanenz folgten, darunter auch von Jtzstein, mtt einem modifizirten Antrag.

Naveaur und Leu von Köln sprachen für die Permanenz der ganzen Versammlung; die Vertreter des Volkes dürften in Zeiten der Anarchie und Gesetzlosigkeit ihre Stelle nicht ver-

Jhnen wurde erwidert, die Versammlung sei keine gesetzlich zusammenberufene, viele Abgeordnete hätten kein Mandat, sie seyen nur auf Einladung anderer Mitglieder gekommen, und ein großer Theil Deutschlands sey gar nicht vertreten, es werde und müsse dadurch Zwiespalt entstehen, man müsse die beste­henden Behörden, welche die Einheit Deutschlands repräsentirten, kräftigen, daß sie das verlorene Vertrauen wiedergewännen.

Venedey: Das Volk muß vertreten werden, d. h. das ganze, nicht ein Theil. Die Versammlung möge sich nicht auf den Weg drängen lassen, den Frankreich betreten. Der Weg, den Hecker vorgeschlagen, sey ein verkehrter, wenn derselbe auch das Beste des Vaterlandes wolle.

Der Präsident beantragt Abstimmung über die Frage: Soll das Nationalparlament vier Wochen nach künf­tigem Montag zusammentreten?"

Die Versammlung bejahte die Frage einstimmig. Der per­manente Ausschuß wurde mit ungeheurer Stimmenmehrheit an­genommen.

Minister v Gagern spricht mit der größten Entschiedenheit für Aufrechterhaltung der durch Männer des Volkes verstärkten Bundesbehörde. Viele Glieder der gegenwärtigen Versammlung seyen gar nicht befugt, wenn auch im Stande, eine National- vertretung darzustellen. Er wünscht, daß fünfzig ernannt werden möchten, um in Gemeinschaft mit der Vundeobchörde das Wohl des Vaterlandes zu wahren. Auf die Frage des Präsidenten sprach die überwiegende Mehrheit sich für den Schluß der Ver­handlung aus. Struve trägt auf namentliche Abstimmung an, welche die Verwerfung Les Antrags mit 368 gegen 143 Stimmen ergab. Der Gagern'sche Antrag wurde mit überwie­gender Mehrheit angenommen.

Deutschland.

cf Von der Lahn, 2. April. Von dem neuen Rechte der freien Vereinigung wird auch bei uns wielfach Gebrauch ge­macht, indem theils allgemeine Volksversammlungen zur Be­sprechung gemeinsamer Interessen schon bestehen oder sich bilden, theils die Glieder eines einzelnen Standes wegen ihrer eigenen Angelegenheiten zu besonderen Berathungen zusaminentreten. Letztere haben namentlich zwischen den Elementarlehrern der ein­zelnen Aemter schon stattgefunden, und noch im Laufe dieses Monats werden sämmtliche Elementarlehrer des Landes oder doch Deputationen derselben sich in Limburg versammeln. Dabei ist es erfreulich ipib gewiß ein günstiges Zeugniß für die Bil­dung des ganzen Standes, daß dem Vernehmen nach Wesen und Bedeutung des Elementarschulwescns, nicht aber, was man wohl erwarten und kaum tadeln dürfte, die äußere gedrückte Stellung des Lehrers in den Vordergrund der Berathung treten soll. Wohl müssen und werden auch die äußeren Verhältnisse dessel­ben zur Sprache kommen, um so eher, als diese durch Einfüh­rung einer freien Gemeindeverfassiing sicher eine Umgestaltung erfahren. Daß die Gemeinden für die Zukunft wohl die selbst­ständige Verwaltung ihres Vermögens erhalten werden, hat bei vielen Lehrern wieder den Wunsch rege gemacht, als Staats­diener angestellt und betrachtet zu werden.' Vor der Hand wäre aber wohl die freie Gemeindeordnung abzuwarten, mit welcher, dem Vernehmen nach, die neue Ständeversammlung sich gleich nach ihrem Zusaminentreten beschäftigen wird. Die Lehrer der höheren Schulen haben bis jetzt ihre Wünsche noch nicht laut werden lassen; man wurde aber irren, wollte man daraus