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und setzen uns in Verkehr mit draußen. Das Local des öster- reichischen Geniewesens wurde von unsern Tapfern mit dem Dajonnet genommen. In drei Tagen haben sie schon gelernt, sich wie Veteranen zu schlagen. Draußen haben.50 Mann aus Melegnano durch einen Hinterhalt ein Bataillon Jäger über­rumpelt, welches, in der Meinung, daß es einem zahlreichen Corps gcgcnüberstche, über Hals und Kopf die Flucht ergriff, Todte und Verwundete zurücklassend. Dem Feinde fehlt es an Lebens­mitteln; man hat die Offiziere mit einem Stück schwarzes Brod in der Hand gesehen. Von außen ziehen zahlreiche Schaaren von allen Seiten unserer Stadt zu Hülfe; man sieht darunter Uniformen schweizerischer und piemontesischer Plänkler, welche ihren den Ticino überschreitenden Corps vorausgeeilt. Der Feind verlangt von uns einen Waffenstillstand, offenbar um sich sam­meln und zurückziehen zu können, aber es ist zu spät. Die Post- straßen sind mit gefällten Bäumen gesperrt. Sein Rückzug wird bereits sehr schwierig. Muth! Nähert euch von jeder Seite den Bastionen! reicht den euch entgegenkommenden Freunden die Hand! diese Nacht muß die Stadt auf allen Leiten entsetzt wer­den. Tapfre Bürger! Europa wird von Euch reden. Die drei« ßigfährige Schmach ist abgewaschen. Der Triumph Italiens ist unzweifelhaft. Es lebe Italien! es lcbePins IX! Cattaneo. Tcrzaghi. Cernuschi. Clerici. Nachschrift. In diesem Augen­blick ist das Amtslocale des Geniewesens erstürmt. 160 italie­nische Lvldaten und drei Offiziere sind gefangen. Die Lvldaten fraternisiren mit uns. Mailand, 21. März."Bürger! Muthige Männer haben die Mauern der Stadt überstiegen und uns Nach­richten vom Land und vor den Thoren geschriebene Briefe über­bracht. Pavia ist aufgestanden und hat den Feind in das Kastell eingeschlossen. In Bergamo hat sich die Besatzung mit dem Ge­neral, einem Sohne des Vicekönigs, ergeben. Sie leben hoch, unsere Brüder von Pavia und von Bergamo! Alle Gemeinden an den Straßen von Gallarate und Bnsto Arsizio bis Mailand haben sich in Waffen erhoben, die Truppen entwaffnet, sechs Kanonen genommen, die Abbrechung der Brücke von Boffalora verhindert.^ Es leben unsere Brüder vom Lande! Umarmen wir uns alle in einer Umarmung! Danken wir Gott und rufen: es lebe Italien! es lebe Pius IX! Die provisorische Regie­rung: Casati. Giulini. Greppi. Beretta." Ein Erlaß vom 22. Mär; ermahnt zur Ausdauer im Kampfe, da es nur noch einen letzten Angriff abzuschlagen gelte. Am 23. erschien Fol­gendes:Bürger! der Marschall Radetzky, der eure Stadt in Asche zu verwandeln geschworen, hat euch nicht länger wider­stehen können. Ihr ohne Waffen habt ein Heer geschlagen, das eines alten Rufs kriegerischer Erfahrung und militärischer Manns­zucht genoß. Die österreichische Regierung ist für immer aus Eurer prachtvollen Stadt verschwunden. Aber wir müssen ener­gisch vorwärts streben zu einem vollständigen Sieg, der Befreiung auch des übrigen Italiens, ohne welche es für euch keine Unab­

hängigkeit gibt. Ihr habt die Waffen mit allzuviel Ruhm ge­handhabt, als daß ihr nicht lebhaft wünschen solltet, sie nicht so bald wieder abzulegen."Mailand, 2). März. Wunder des Muths und der Milde haben unsern höchst blutigen Kamps aus­gezeichnet. Bürger! entehren wir sic nicht, und wenn wir uns milde bezeigt inmitten des Feuers und des Bluts, so seyen wir es auch inmitten der Freude über unsern Sieg. Bleiben wir, wie wir's gewesen sind, ohne Makel und ohne Furcht. Achtung vor dem Leben der Gefangenen ! Gabrio Casati, Präsident :c." Ein anderes Ausschreiben besagt, daß die Brod- und Flcischprcise nicht erhöht werden dürfen; das Vaterland werde die Bäcker und Metzger entschädigen.Italien frei; es lebe Pius IX. Italienisches Heer. Mailand, 23. März. Die fünf Tage sind vollendet, und bereits hat Mailand keinen einzigen Feind mehr in seinem Schooß. Von allen Seiten eilen die Kämpfer aus andern Gemeinden eifrig herbei. Es ist nothwendig , sie zu sammeln und in Legionen zu ordnen."

Die erste Legion soll das Heer der Gränze,das Heer der Alpen" genannt werden, die zweitedie Vertheidiger der Stadt" (Bürgerwache). Das Heer der Alpen soll so rasch als möglichden Gipfel der Alpen und die künftige Gränze der von Gottes Finger vom Beginn der Zeiten an für Italien bezeichneten Gränze" zu erreichen suchen. Dann heißt es weiter:Büraer! hie Stunde ist-uicht fern, mn^Jtalien wieder sein a l t e s P r i in a t unter d e n g e b i l d e t e n N a t i o n e n einnehmen wird!"

So allgewaltig ist der Ratio nalgeist, der National- stolz an allen Enden Europas erwacht!

Miszelle.

t Das in Deutschland jetzt allgemein gewordene Tragen der Farben Schwarz, Roth, Gold hat die Frage hervorgerufen, ob diese Farben auch die rechten sehen. Namentlich konnte man sich nicht darüber ver­ständigen, wie wohl das Roth hinzugekommen; das deutsche oder römische Reichspannier und darauf muß n>o f^b iprnitfgvgrrn gen werben - hèt-aber dte drei Farben schon gehabt. Die Hauptfarbe Schwarz war die des Reichsadlers, das Gelb (Gold) diente als Hintergrund oder erschien auch in den beiden Kreisen um die Köpfe deS Doppeladlers, und roth waren Zunge und Füße desselben. Als Hauptfarbe müßte nun wohl Schwarz die Mitte einnehmen.

Theater zu Wiesbaden.

Samstag den 1. April: Dornen und Lorbeer. Drama in 2 Akten von W. Friedrich. Hierauf: Neu einstudirt: Der Pole und sein KlNo. Liederspiel iu 1 Akt von A. Lortzing.

Sonntag den 2. April: Tell. Oper in 4 Auszügen. Musik von Rossini.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.