von Land und Renten wollen nicht mehr widerhalten; statt der Banden der Diplomatie wird der freie und natürliche Verband des Volksthumes jetzt sein ausschließliches Recht erhalten.
4- Som Neckar, 29. März. Die allgemeine und sehr gerechte Entrüstung über die Proklamation des Königs von Preußen hat sich überall Luft gemacht. Wenn die Volksmassen einmal zu reden anfangen, dann reden sie Fraktur. Aber sollen sich da auch die Völker entzweien, wo ein König den allgemeinen Grimm aufreizt und ohne allen politischen Takt in bewegter Zeit gebandelt hat? Ist es denn diese Proklamation wèrth^ daß sich ein gefährlicher Bruch zwischen ganzen Gauen Deutschlands um ihretwillen vorbereitet? Vielleicht lassen doch diese Adressen einen tiefen Stachel — auch im preußischen V o lke zurück. Mir däucht, es hätte Eine Adresse gegeben, beredter noch als alle die, welche nach Berlin gesandt worden sind — das allgemeine Schweigen, — das allgemeine Jgnoriren des vordringlichen Rufes. Das wirkt am tiefsten, wenn Einer glaubt, mit seinem Wort die Begeisterung Aller entfacht zu haben, und Alle — schweigen. Um des ersten Objekts willen ist es freilich gleichgültig, ob die Antwort auf die eine oder die andere Art gefallen wäre, aber die Lage des deutschen Volkes macht einen Unterschied. Die Macht und Herrlichkeit deutscher Nation kann versinken in dem Augenblicke, wo sie eben am glänzendsten auftauchen wollte — durch innere Zwietracht. Und dazu sollte so ein taktloser Aufruf einen, wenn auch nur kleinen, Anstoß gegeben haben?
Eine in Heidelberg eingelaufene Erklärung der Darmstädter Bürger legt Protest ein „gegen die ganze Leitung der Heidelberger Versammlung, gegen die Parteilichkeit und den Terrorismus der Führer und die unwürdigen Manipulationen, welche bei der Abstimmung entschieden hätten."
Berlin, 28. März. Der König will laut amtlicher Nachricht ein neues Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten bilden.
Die Köln. Ztg. theilt die den rheinischen Städten auf ihre Petition gegebene Antwort mit. Es heißt darin unter anderem: „Der in der Adresse ausgedrückte Mangel an Vertrauen zu einigen Mitgliedern des Ministeriums veranlaßt Mich zu folgender Eröffnung. Ze bestimmter Mein Entschluß, je fester Meine Ueberzeugung von der unerläßlichen Nothwendigkeit ist, Mich nur mit Räthen zu umgeben, welche, vor der Volksvertretung verantwortlich, das volle Vertrauen derselben genießen, desto mehr liegt es Mir ob, auch hierüber die Stimme der gesetzlichen Organe entscheiden zu lassen, welche in kürzester Frist zunächst noch auf dem Vereinigten Landtag, sodann aber unverkennbar durch die neu zu bildende Volksvertretung zu vernehmen seyn wird.
Nach einer Erklärung der Allg. Preuß. Ztg. hat Camphausen die ihm «»getragene Stelle als Geheimer Staatsminister nicht angenommen, ob Hansemann in's Ministerium treten wird, soll noch nicht entschieden seyn, da er die Annahme eines höheren Verwaltungspoftens an spezielle Bedingungen geknüpft hat, über deren Genehmigung man noch nichts weiß.
Wien, 26. März. (Allgem. Ztg.) Den allgemeinen Wünschen der Universität entsprechend, ist heute von Sr. Majestät dem Kaiser durch den Minister des Innern, Frhrn. v. Pillersdorf, die Concession der Lehr- und Lernsreiheit gewährt worden, welche Verfügung schon mit dem kommenden Studienhalbjahr ins Leben treten wird. Der Jubel darüber von Seite der auf dem Stephansplatze und im Universilätsgebäude als Nationalgarde unter Waffen versammelten Studenten war außerordentlich. Erzherzog Johann hat die Erledigung eines Theils der Staatsgeschäfte im Namen des Monarchen, an der Stelle des Erzherzogs Ludwig übernommen.
* Endlich hat in Wien auch dem „Oesterreichischen Beobachter" seine Stunde geschlagen. Eigentlich hätte man ihn als das offiziellste aller offiziellen Blätter, welches so tief im gestickten und gesteiften Uniformskragen stack, daß man nie merken konnte, ob es eigentlich auch einen Kopf habe, sortbestehen lassen sollen - der Kuriosität halber. An die Stelle dieses denkwürdigen Blattes tritt eine „Oesterreichische Zeitung", redigirt von E. v. Schwarzer, dem bisherigen Hauptredakteur der Journale des österreichischen Lloyd, einem höchst tüchtigen Manne von gründlichen Einsichten,^ namentlich in handelspolitischen Dingen, der bei dem Unternehmen der indische» Ueberlandpost so rastlos thätig war.
Altona, 26. März. (Fr. O.-P. Ztg.) Heute erwarten wir hier 10,000 Mann Truppen aus Preußen; in den meisten Häusern sind die Räumlichkeiten für die Einquartirung eingerichtet. Die provtsorische Regierung in Rendsburg zeigt eben so viel Thätigkeit als die Bewohner des Landes Patriotismus und Dä
nenhaß. Die Bürgertruppen tragen eine blaue Blouse,^ einen weißen Filzhnt mit Kokarde. Unter der Blouse trägt jeder, was er will. Hier ist das Wort „königlich" überall vertilgt. Minister Scheel soll wahnsinnig geworden seyn, in Folge der vielen Anfeindungen, die er von allen Seiten zu erdulden hatte.
— Der Herzog von Augustenburg ist in Rendsburg angekommen. Vorläufig hat die provisorische Regierung verschiedene Befehle erlassen, Bürgerbewaffnung, Freiheit der Presse, Recht der Presse, Recht der öffentlichen Versammlungen u. s. w. betreffend.
Die provisorische Regierung von Schleswig-Holstein hat die vereinigten Stände der Herzogthümer auf den 3. April einberufen.
Ueber die Kriegsrüstungen wird der Weser-Ztg. aus Rendsburg geschrieben: „Wir dürfen uns nicht schon dem Siegesjubel hingeben, unsere Feinde find mächtiger, kampfge- rüsteter als wir und stehen in aufopfernder Begeisterung nicht hinter uns zurück. In Dänemark, wenigstens auf den Inseln, eilt alles zu den Waffen. Eine Macht von 20,000 Mann wird bald den Angriff beginnen, welcher wir nicht mehr, als die Hälfte dieser Zahl an waffengeübter Mannschaft entgegen- st.llen können. Ansehnliche Truppenabtheilungen rücken nach dem nördlichen Schleswig von Rendsburg aus vor."
Schweiz.
Die „Deutsche Ztg." schreibt: Aus Bern erhalten wir eine offne Erklärung vom 19. d. „der Deutschen in der Schweiz an das deutsche Volk", unterzeichnet von dem in öffentlicher Versammlung gewählten Konnte. Dieselbe spricht die Ueberzeugung aus, daß nur in baldigster Herstellung einer deutschen Republik die Freiheit, die Einheit und die Wohlfahrt Deutschlands nach Innen und nach Außen zu erreichen steht. Zu Erreichung dieser Ziele, heißt es am Schluß, „sind wir entschlossen, Gut und Blut unsererseits einzusetzen, und erklären uns feierlichst bereit, auf den ersten an uns ergehenden Ruf Alles zu verlassen und uns mit den-Waffen in der Hand zur Verfügung der Volksregierung zu stellen, welche es unternimmt, die veralteteren Monarchien zu zertrümmern und das Gebäude der Republik aufzurichten." Auch in Neubad bei Basel wurde eine Versammlung in ähnlichem Sinne gehalten, deren Aufruf (vom 26. März) ebenfalls die Republik für die beste Staatsform erklärt und für den Fall der Reaktion verspricht: daß Tausende von Deutschen in der Schweiz bereit seyen, „wohlgerüstet auf den ersten Ruf zu Hülfe zu eilen und den letzten entscheidenden Sieg mit zu erringen."
Frankreich.
Paris, 28. März. Ueber den Auszug der deutschen Arbeiter und das Gerücht als habe die provisorische Regierung denselben Hülfe und Unterstützung verheißen, spricht sich der ehrliche, ächt deutsch gesinnte I. Venedey in einem Briefe an Lamartine (nach der „Köln. Zeitung") unter Anderem folgendermaßen aus:
„Letzten Montag hat man in dem Club der Deutschen, meinen Landsleuten, die Anzeige gemacht, daß die „deutschen Demokraten von Paris" sich militärisch organisiren würden, daß ihre Führer über das nöthige Geld und die nöthigen Waffen gebieten können, und daß die provisorische Regierung der Republik ihnen jede Hülfe und Unterstützung leisten werde. Seit der Zeit machen die Anführer dieses Clubs in Paris eine Art Kollekte unter den Deutschen, deren Zweck ebenfalls diese militärische Organisation ist, und von Haus zu Haus trägt einer dieselbe Nachr cht, daß die provisorische Regierung das Unternehmen dieses Clubs fördern und unterstützen werde. Ich habe die feste Ueberzeugung, daß dies eine unwürdige Verleumdung gegen eine Regierung ist, die im Angesichte der ganzen Welt erklärt hat, „daß sie keine geheime und keine brandstifterische Propaganda gegen ihre Nachbarn machen werde." Indem ich Ihnen diese Verleumdungen anzeige, glaube ich um so mehr, der französischen Republik einen Dienst zu leisten, als ich überzeugt bin, daß ganz Deutschland, mit sehr seltener Ausnahme und ohne Unterschied der Parteien, heute ein republikanisches und kommunistisches „Koblenz" *) an seiner Gränze mit denselben Gefühlen betrachten würde, wie Frankreich ein monarchisches Koblenz in Deutschland. Die einzige Folge, die dasselbe haben könnte, würde das Wiedererwachen des Geistes des Mißtrauens seyn."
*} In Koblenz war bekanntlich während der neunziger Jahre ein Haupt- fammelpuukt der französischen royalistischen Emigranten, welche von dort aus ihre geheimen Unternehmungen gegen die Republik cinfâ- delten und betrieben.