haben, wie es heute aussieht. Die schwarz-roth-goldenen Banner und Fähnlein ohne Zahl wogen über alle Straßen hin, Gewinde von grünen Fichtenzweigen schmücken jede Häuserfronte; es muß ein ganzer Wald ausgehauen worden seyn, um diese Gewinde herzustellen sammt den vielen Bäumen, die überall aufgepflanzt sind. An den Thoren, dem Sachsenhäuser Brückenkopf, den Eingängen der großen Eschenheimergasse :e. errichtet man stattliche Ehrenpforten. Die Vorderseiten der öffentlichen Gebäude, welche eine architektonische Bedeutung haben, der Römer, die Nikolaikirche, das Portal des Domes, die Brunnen re. find mit Gerüsten umgeben behufs der Illumination. Von der Spitze des Domthurmes weht eine mächtige Flagge.. Auch die Men düstern Säulen am Portale des Bundestagopalastes haben sich mit grünen Ranken belebt, die ärmsten Häuschen versäumten nicht, sich zu schmücken, nur bei dem Palaste der russischen Gesandtschaft sieht man keine Spuren von Festesschmuck. Die Versammlung wird am Freitag im Kaiscrsaale des Römers mit der Vorberathung beginnen; von dort werden die Versammelten um 10 Uhr unter dem Geläute aller Glocken und Kanonensalven nach der Paulskirche zur Hauptverhandlung ziehen. Samstags Morgens um 8 Uhr ist Fortsetzung der Berathung. Die Beleuchtung, ein großer Fackelzug mit Sängerchören nach der Wohnung des Präsidenten, die Aufführung von schiller's Tell re. wird zum würdigen äußern schmuck dieser Tage.
Gießen, 27. März. (Köln. Ztg.) Heute ist die Nachricht hier eingetroffen , daß der Aufruhr in dem Landrathsbezirke Lauterbach, und zwar in der Stadt Lauterbach selbst, vorgestern Morgens in einer schreckenerregenden Weise zum Ausbruche gekommen ist. Die Bewohner der Stadt verhielten sich ganz passiv, als die Gemeinden des Gerichts-Bezirkes Engelrod heranzogen und bald nach ihrer Vereinigung zu Thätlichkeiten schritten, nachdem ihnen die Nachricht war überbracht worden, daß die Patrimonial-Gerichtsherrschaft, die Freiherren v. Riedesel, nicht nachgeben, sondern an ihren angeblichen Rechten und Freiheiten festhalten wolle. Auf diese Nachricht hin begann das große 3er5 uu. ^^»»i«^, uj «ut uvnytn wuncujuyiac ^uiyci. störungswerk, welches sich auf das Burgschloß, zwei aiidLre Lrsttui— Aufgebot liegt die Vertheidigung der Grenzen ob herrschaftliche Wohnungen und das Archiv erstreckte und von 2mp‘tl’ wn ht? ^pmUnno« >-^ a-i.-..^„ ^«»s .>,«->>,.-, Men diesen Gebäuden wenig mehr übrig ließ, als uaekkeILände.
Von den Freiherren v. Riedesel war keiner in Lauterbach anwesend, aber ihre Familien waren dort und hatten gerade noch so viel Zeit, sich etwaigen Mißhandlungen durch die Flucht zu
len und daß freiwillige Franzosen sich diesem Freischaarenruae- anschließen, so wird die Sache ernühafter. Aus Herweg H s eigenem Munde habe ich von der Tribüne herunter die officielle Versicherung gehört, die provisorische Regierung habe diesem Unternehmen ihre Unterstützung zugesagt. Die guten Deutschen glaubten dabei an eine Unterstützung von Waffen, Geld rc. Durch Privatmittheilung eines Regierungsmitgliedes erfuhr ich jedoch, es sey damit nur gemeint, daß die Regierung ihnen kein Hinderniß in den Weg legen wolle. In diesen letzten paar Tagen liest man an allen Straßenecken Anschläge, von Herwegh unterzeichnet, an die mobile Nationalgarde, an Einheimische und Fremde: man möge ihnen, den Deutschen, die siegreichen französischen Waffen leihen, sie wollten hinziehen damit nach Deutschland, um dort die Freiheit, die Republik zu erobern. Es lebe die Brüderschaft der Nationen! Es lebe die Universalrepublik! Welches das Resultat dieser Anschläge gewesen, kann ich nicht sagen, ich fürchte aber ein nur zu günstiges. Die Franzosen — selbst die Clnbisten der „Demokratie pacisique" — sind begeistert für die Hochherzigkeit eines Unternehmens, welches nur zu sehr einem Friedensbruchc ähnlich sieht. Heute, heißt es, ziehe eine zweite Abtheilung und morgen werde Herwegh selbst mit abziehen. Die Communistenvereine, welche etwa in Baden bestehen, sind ohne Zweifel schon benachrichtigt.
Sollte sich dieser Zug wirklich zu Fuß nach Straßburg und nicht, wie der heutige Constitutionuel berichtet, mit der Eisenbahn über Belgien in Marsch gesetzt haben, so hoffe ich, werden diese Zeilen noch früh genug in Ihre Hände kommen.
O Karlsruhe, 28. März. In der heutigen Kammersitzung wurde der Gesetzentwurf über die Bürgerwehr, wie ihn die Commission, abweichend vom Negierungsentwurf, gefaßt hatte, diskutirt und angenommen. Diesem zufolge soll unsre Bürgerwehr aus drei Aufgeboten bestehen: 1) alle Nichrverhei- ratheten oder kinderlosen Wittwer vom 21. bis 30. Jahre; 2) alle Nichtverheiratheten oder kinderlosen Wittwer vom 30. bis
55. Lebensjahre; 3) alle übrigen waffenfähige Bürger. Dem
das
zweite soll die Operationen des stehenden Heeres innerhalb des Landes unterstützen, das dritte wird nur zuM_Dieustc in der Gemeinde verwendet. In derselben Sitzung brachten Hecker und Kapp das Gerücht zur Sprache, der König von Preußen habe mit dem Kaiser von Rußland ein Schutz- und Trutzbünd- niß geschlossen. Beide Abgeordnete wollen durch Briefe von der deutschen Nordostgrenze diese Nachricht bestätigt haben. Was unwahrscheinlich klingt, nimmt man im Augenblicke am liebsten für das Wahre an, und insofern hat dieses Gerücht sofort eine ungeheuere Aufregung hervorgerufen.
Die Stimmung ist hier im Ganzen düsterer und gedrückter als in den nördlicheren deutschen Staaten, wo mehr der helle Jubel über das bereits Errungene zu herrschen scheint, und freilich kann unsere leicht bedrohte Grenzlage zu bangen Besorgnissen berechtigen. In Folge der angedrohten Arbeitercinfälle ' werdenHnr Nachtzeit bereits einige Jvche der Knielinger Rbein- brücke abgefahren. Ueberall rüstet sich das Volk, es fehlt jedoch noch sehr an Gewehren, allein obgleich die republikanischen Ideen in den letzten Tagen hier zu Land keinen geringen Fortschritt
entziehen.
Heidelberg, 28. März. (Deutsch. Ztg.) Es kommt uns folgender Aufruf zu: Aufruf. — Schleswig-Holstein hat sich von fremder Oberherrschaft unabhängig erklärt. Es steht in den Waffen, seine deutsche Nationalität mit seinem Blute zu behaupten. Die deutsche Nation hat die Sache zu der ihrigen erstatt: sie wird das Wort zur That werden lassen. — In Heidelberg hat sich ein Freikorps gebildet, um mit den deutschen Brüdern in Schleswig-Holstein die gemeinsame Sache mit Leib und Leben zu verfechten, und fordert alle deutschen Männer, die gleicher Gesinnung sind, auf, ihm zu folgem-
Heidelberg, 29. März. Die „Deutsche Zeitung" theilt folgenden Brief mit, der, an einen badischeu Abgeordneten gerichtet, eine anschauliche Darstellung des Beginnens der deutschen Flüchtlinge in Paris gibt: Meine Absicht ist es, Ihnen eine Bewegung mitzutheilen, die sich von hier aus für, resp, gegen Deutschlands Befreiung vorbereitet. Die deutschen Zeitungen, soweit sie mir zu Gesicht gekommen sind, haben davon noch keine Nachricht gebracht, daher setze ich voraus, daß sie auch Ihnen unbekannt sey.
Die hiesigen deutschen Arbeiter , von der Chimäre einer Universalrepublik fanatisirt, wollen ihren deutschen Brüdern mit den Waffen in der Hand die deutsche Republik erkämpfen helfen. Gestern um 11 Uhr ist eine Compagnie, bestehend aus 200 Deutschen, welchen sich 300 Franzosen angeschloffen haben sollen, nach Straßburg abmarschirt. Ich habe die Entstehung dieses Planes so ziemlich mit angesehen, ohne ihn für so wichtig zu halten, als er mir heute erscheint. Die Seele dieser Bewegung scheint der ehemalige Redakteur der Brüsseler deutschen Zeitung von Bornstedt zu sein, ein Mann, den ich von Niemand, weder von Freund noch von Feind, mit Achtung habe nennen hören, er ist aber gewandt, schlau und rührig. — Herwegh, welcher glaubt, daß jetzt seine Zeit gekommen sey, haben sie zum Präsidenten ihres „demokratischen Vereins" gemacht, ohne Zweifel seines Namens wegen; seine Befähigung zu dieser Stellung ist gering. Ich muß wenigstens gestehen, daß ich noch nie eine Versammlung mit solcher Ungeschicklichkeit und Rohheit habe leiten sehen, wie von ihm. Die deutsche Legion zählt 600, höchstens 800 Mann, nicht mehr, ungeübt, ohne Geld, ohne Kleidung , ohne Waffen. Wenn es sich aber bestätigt, daß die Po-
gemacht zu haben scheinen, so würde eine Emigrantenschaar, welche in irgend feindseliger Absicht herüberkäme, doch überall eines schlimmen Empfanges sich zu gewärtigen haben.
München, 27. März. (A. Z.) Wie ich höre, hat Oesterreich ans des Königs von Preußen Proklamation vom 21. März, seine frühere Einstimmung zu dem Kongreß in Potsdam (statt Dresden) zurückgenommen. Es erkennt nunmehr, worauf Bayern st e t s h i n g e a r b e i t c t, nur Frankfurt als den legalen Berathungöort über die Revision des Bundes an. Die dießfällme Zirkularnote Oesterreichs mißbilligt, gleich der bayerischen an alle Höfe ergangenen, einseitiges Voranschreiten.
Wien, 25. März. (A. Z.) Aus Triest angekommene Reisende brachten die aus Venedig durch ein Dampfboot nach Triest gelangte Nachricht, daß in Venedig die Republik prokla- mirt und eine provisorische Regierung ernannt worden sey. Die weiteren Details der Nachricht aus Venedig lauten dahin, daß das Militär sich aus Venedig zurückgezogen habe und daß kein Blut geflossen sey. Als an der Spitze der provisorischen Regierung in Venedig stehend nennt diese Nachricht To mm ase o und Manin, nach anderen auch den Grafen Corr er. Direkte Nachrichten erhielt man nicht. Der Umstand, daß auch heute die Mailänder Post fehlt, trägt mcht wenig dazu bei, die Gemüther noch mehr zu beunruhigen.
Berlin, 27. März. (Köln. Ztg.) Bei der allgemeinen Bürgerbewaffnung hatte sich auch hier eine polnische Legion ge- gebildet. Diese hat heute ihre Dienste eingestellt, da sie zunachjt
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