Der Reitergenera!
Friedrichs des Großen
Vor 150 Jahren, am 27. Januar 1786, sieben Monate vor dem Ableben feines hochverehrten Königs, starb im Hause Kochstraße 61/62 der Reichshauptstadt, das heute in seiner früheren Bauart nicht mehr besteht, Friedrichs des Großen berühmt gewordener Reitergeneral Hans Joachim v Zielen, — der „alte Zielen", wie er noch heute im Bolksmunde fortlebt. Bereits vor dem Siebenjährigen Krieg hat Zieten sich als kühner, unerschrockener Reiter einen Ramen gemacht. Als verwegenster von allen Ritten aber ist der „Zietenritt" im zweiten schlesischen Kriege in die Geschichte eingegangen. Am Abend des 19. Mai 1745 machte sich Zielen in der Gegend von Patschkau nach dem zwölf Meilen entfernten Jägerndorf auf, das er am Nachmittage des 20 Mai erreichte. Geraden Weges auf das Ziel zu, oft querfeldein, legte Zielen die Strecke zurück. Die Oesterreicher, die zwischen Jägerndorf und Neustadt lagen, hatten nämlich die Verbindung zum Markgrafen Karl von Brandenburg-Schwedt und seinen neuntausend Mann abgeschnitten Ungeachtet der Hindernisse, die sich aus den Gelände- verhältnissen ergaben und ungeachtet der Gefahren unternahm es Zieten, die Verbindung mit dem Markgrafen herzustellen. Unter Einbuße von 26 Mann und unter Erbeutung von 70 Gefangenen kam Zieten am Ziel an und lieferte den Brief des Königs ab, der des Markgrafen Berufung zur Teilnahme an der Schlacht von Hohenfriedberg enthielt. Dem im Jahre zuvor entstandenen geflügelten Wort „Zieten aus dem Busch" hatte der unerschrockene Reiter ein neues Ruhmesblatt der Volkstümlichkeit hinzugefügt.
In der Schlacht von Hohenfriedberg am 4. Juni 1745, die Friedrich den Großen über die Oesterreicher siegreich sah befand sich Zieten mit seinen zehn Schwadronen zunächst in Reserve, rückte dann aber mit der Kürassierbrigade Kyau vor. »Seconde merveilleusement la valeur brillante de Kyau«, wie der König sich ausdrückte.
Friedrich d. Große und der 85jährige Zielen im Parolesaal des Schlosses 1784
»Setz' Er sich, alter Vater! Setz Er sich, sonst geh ich fort, denn ich will Ihm durchaus nicht zur Last fallen« Röchling (M)
Was noch zu tun übrig blieb, Zielens Namen für alle Zeiten unvergeßlich zu machen, das erfüllte der Siebenjährige Krieg (1756—63) Der Alte Fritz stand hier bekanntlich im Bunde mit England gegen Oesterreich (Maria Theresia), Frankreich (Ludwig XV.), Spanien, bis 1762 gegen Rußland (Elisabeth), Sachsen-Polen und Reichsheer. Trotz der schmerzlichen Enttäuschung der Schlacht bei Kolin (18. Juni 1757), wo Friedrich der Große von Daun geschlagen wurde, blieb ein Tröst-
liches:
Hans Joachim von Zielen
von Zieten war nach dem Fehl!
schlag der Rest des Heeres gerettet worden. In der Schlacht bei Leuthen (5. Dezember 1757) war es Zielen, der die Kampfhandlungen mit einem forschen Reiterangriff einleitete. Bald glückte es ihm dann auch, seinen alten Gegner Nadasdy aus dem Felde zu schlagen. Dem fliehenden Feind heftete sich Zieten an die Fersen und erreichte eine bessere Auswertung des Sieges.
Besondere Gelegenheit, sich Hervorhutun, bot sich Zielen in der Schlacht bei Liegnitz (15. August 1760), wo er zum ersten Male einen ganzen Flügel kommandierte. Trotzdem der König einer dreifachen feindlichen Uebermacht gegenüberstand, schlug der Kampf zuungunsten der Oesterreicher aus. Das war zum wesentlichen Zieten mitzuverdanken, der mit 17 Bataillonen und 48 Schwadronen die Pfaffendorfer Höhen besetzte und seine Stellung zu behaupten vermochte. In Anerkennung seines Erfolges
wurde Zieten vom König auf dem Schlachtfelde zum General ernannt. Kurze Zeit darauf war Sachsen von Daun besetzt worden. Auf den Süptitzer Weinbergen westlich von Torgau hatte Daun eine besonders feste Stellung bezogen. Der König beschloß den Angriff von zwei Seiten. Während Friedrich der Große selber einen Teil der Truppen gegen die Nordfront führte, war Zieten der Angriff der Südfront aufgetragen. Schon bald aber gab es
eine ungeheure Enttäuschung: das vereinbarte Miteingreifen Zielens, der an der Spitze von 24 Bataillonen, 51 Schwadronen und 90 Geschützen stand, blieb zur verabredeten Zeit aus. Die Folge war, daß des Königs Angriff scheiterte. Schon sah man das Schicksal der Schlacht
als so gut wie besiegelt an. Da — in später Abendstunde, nachdem man längst die Hoffnung auf eine Wende aufgegeben hatte, erstürmte Zielen die Höhen. Das Unwahrscheinlichste hatte sich plötzlich mit einem Schlage verwirklicht: aus der Niederlage war ein Sieg geworden Me sich später herausstellte, war Zielen am Vormittag beim Wege durch den Wald südlich von Süptitz aufgehalten und bald darauf in - einen Feuerkamps verwickelt worden. Noch anderes Unvorhergesehenes kam hinzu. Dennoch hat Zielen — wenn auch buchstäblich in letzter Stunde — zum großen Mirakel des Tages verhalfen: der Grundgedanke des Schlachtenplanes kam doch noch zur Durchführung, zwei Angriffe wirkten zusammen und der Widerstand des Gegners konnte endlich gebrochen wer-
Denkmal
den. So war Zielen abermals zum Retter für Preußens Waffen geworden. Allerdings hatte man bei dieser Schlacht mehr als ein Drittel des Heeres als Verlust zu beklagen.
Zielen, der Schöpfer der preußischen leichten Reiterei, war zweifelsohne der gefeiertste General jener Tage. Zeitweiligen Verleumdungen zum Trotz, ist das Verhältnis zu seinem König bis zuletzt ein recht herzliches geblieben und Friedrich hat ihm immer wieder von neuem Beweise seiner besonderen Gunst gegeben.
Der Alte Fritz kannte den wortkargen Husarenvater durch und durch. Er wußte sehr wohl auch von seinen Launen, die immerhin nur zu dem Menschen, aber nicht zu dem Kriegsmann Zielen gehörten und mit seiner Tüchtigkeit im Felde nichts zu tun hatten. Immer wenn Friedenszeit war, begann Zielen zu grübeln und sich mit allerhand Grillen zu beschäftigen. „In der
Garnison taugt Zieten den Teufe! nicht und seinetwegen kann ich keinen Krieg anfangen", soll eines Tages der König ärgerlich gesagt haben, weil sich wieder mal Zielens alte Empfindlichkeit und Eifersucht gemeldet hatte, dem das Tempo der Beförderung bisweilen immer noch nicht rasch genug ging. Manche Günstlinge des Königs konnte Zieten nicht recht aus» stehen. Auch die Dragoner und Kürassiere, die seiner Ansicht nach zu schnell avancierten, wurden von seiner alten Eifersucht getroffen. So kam es, daß Zielen das Leben sich selber unnötig erschwerte und daß die
löhrich (M) auf dem Schlachtfelde von Kunersdorf
dienstlich.en Aufgaben der Friedenszeil in mancher Beziehung nicht immer nach seinen Wünschen waren.
Als Zielen starb und der Berliner Haushalt aufgelöst wurde, machte der
König der Witwe einen Betrag von zehntausend Talern zum Geschenk, um ihr über Verlegenheiten hinwegzuhelfen.
besondere
Fr. L
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Zietenhusar
Zeichnungen C. W Kießlich M
Was ist Zeit?
Was ist Zeit? Das Lexikon sagt: „Zeit ist der Begriff des Nacheinanderseins." Die Zeit ist aber noch viel mehr. Die Zeit ist das Seltenste unserer Tage, denn die Meisten haben heute — überhaupt keine Zeit. Warum? Weil sie sich nicht Zeit nehmen. Aber gerade davor besitzt die Mehrzahl der Menschen eine entsetzliche Scheu, so, als beginge man einen Diebstahl. Dabei gehört die Zeit, genau wie die Luft, die wir einatmen, zu den wenigen Annehmlichkeiten dieses Lebens, die man in unbeschränkten Mengen nehmen darf, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.
Leider hat dieser Vorzug der Zeit auch wieder seinen Nachteil Da nichtkrimineller Diebstahl anscheinend so süß ist wie die
Schadenfreude, wird uns von fremden Menschen nichts mehr und nichts häufiger gestohlen als unsere kostbare Zeit.
Warum ist die Zeit so kostbar? Weil sie Geld ist. Freilich wird sie von keinem Menschen in Zahlung genommen. Für eine halbe Stunde Zeit gibt niemand ein viertel Pfund Nudeln oder eine Dose Schuhwichse Das Einzige, was wir mit der Zeit bezahlt haben, sind die Reinfälle des Lebens, die uns schlauer machten.
Es ist Regel, daß die Menschen an der Zeit sterben, nur die Uhrmacher — leben davon. In einer Welt ohne Zeit müßten die Uhrmacher bis in alle Ewigkeit stempeln gehen. Weil die Menschen wissen, daß sie an der Zeit einmal sterben, klam
mern sie sich an die Zeit wie ein Schiffbrüchiger an ein Lattenstück. Das hindert sie aber nicht, die Zeit zu verschwenden. Sie kennen wohl Schiller nicht, der gesagt hat: „Du konntest deine Weisen fragen, was man von der Minute ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeit zurück."
Von den nichtsymbolischen Wunden abgesehen, die vom Arzt zu behandeln sind, heilt die Zeit alle Wunden. Ohne Iod, ohne Salbenverbände und ohne keimfreien Mull. Zeit ist ein wundersames Pflästerchen für wunde Herzen der verschiedensten Art. Manchmal währt die Ausheilung länger, manchmal gehts schneller Sie hilft aber fast regelmäßig, wenn man die Geduld nicht verliert. Das hat vor einigen Jahrzehnten schon der Schriftführer eines süddeutschen Eeflügelzüchtervereins eingesehen, von dem im Vereinstagebuch der
denkwürdige und bilderreiche Satz veröffentlicht worden ist: „Der Zahn der Zeit wird auch übe- diese Wunde Gras wachsen lassen." Dem Zahn der Seit, der an allem herumnagt und soviel Unheil in der Welt stiftet, sind die Dentisten spinnefeind, weil sie an diesen Zahn nicht herankommen. Und gerade hier wäre ein Geschäft von wirklichem Großformat Karies und Wurzelhautentzündung an allen Ecken und Enden.
„Kommt Zeit, kommt Rat", behauptet eine alte Volksweisheit. Es gibt auch Ausnahmen von dieser alten Weisheit. Mancher ist grau geworden darüber, der auf der Lauer lag nach dem guten Rat. Deshalb soll man sich nicht auf die faule Haut legen und auf die gebratenen Tauben warten, sondern man soll mithelfen, um dem guten Rat den Weg zu uns zu ebnen.