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Die letzte Schneehütte.

Skizze aus dem hohen Norden von Otto Clingen.

Vier Tage dauerte der Marsch die Küste entlang im Flockentreiben und peitschenden Eiswind. Manchmal stand die Natur still, der Orkan hielt den Atem an, das Halbdunkel der Polarnacht verfärbte sich grün und blau, Funken tanzten vom Westen nieder, Sternenzacken und phosphoreszierende Kristalle...

Am fünften Tag ließ der Sturm nach, die Menschen rissen allen Pelz von den Gesichtern und sprachen das erste Wort. Leise wimmerten die Hunde. Da gebot Umanak dem Stamme Halt. Der Aelteste rief Sörö an seinen Schlitten und ver­langte die letzte Schneehütte. Sörö zögerte und schwieg, deu­tete gen Osten, doch Umanak zerrte an den Geschirren der Hunde und stemmte sich. Nichts lag ihm mehr am Ziel der Wanderung. So fügte sich der Junge, sammelte alle im Kreis, dem Alten, wie es Brauch der Jahrtausende war, das weiße Totenhaus zu bauen. Stumm und versunken kauerte Umanak auf den Fellen, der Orkan hatte seinen Körper aus­gelaugt. Manchmal klopfte sein Herz zum Zerspringen, gleich wurde es schwach wie der Flügelschlag der abfallenden Möve hinter der schützenden Gletscherwand.

Der Greis fühlte sein Ende, so wie ledes Jahr den An­fang, das warme Rauschen lange vor dem Frühling an der Küste. Die Wanderungen hatte er nicht gezählt, die Seehunde und Stürme, die er bezwungen. Umanak beobachtete auf den Fellen vor seinem Schlitten, wie sich der Schnee türmte und wölbte, wie die Gehorsamen harte Tafeln schnitten, ineinander fügten, abkanteten und übereinander stießen. Laut wimmerten die Hunde. Da trat Sörö heran, berührte mit seiner Stirn die Brust des Ahnen. Langsam erhob sich Umanak, bald stand er fest auf den Beinen, aufrecht schritt er zur Hütte.

Gesang kam aus den Kehlen der Männer, zuerst dumpf wie das Grollen der Eisschollen im Meer, dann anschwellend wie das Brechen der Gletscher im Hochsommer, polternd vom Festeis der Küste. Ganz dünn, wie das Sausen des Nordlichts klagten die Frauen: die Kinder hielten sich an,den Fellbeinen der Mütter fest, blinzelten zu Umanak. Der stand vor dem Eingang des weißen Hauses und pfiff seinen Hunden. Die stürmten heran, als brause der graue Blizzard neu in ihrem Rücken, jaulten und winselten, sprangen ihrem Herrn an der Hals. Der umarmte die Tiere einzeln und koste sie, ließ sich Nase und Augen lecken, Stirn und das Kinn. Bald kamen auf einen Wink die Kinder, von den Müttern vorwärts ge­schubst, sich sträubend. Auf leisen Fellsohlen, wie tapsige, pinge Füchse krochen sie Umanak zwischen den Beinen hoch. "Der hob sie auf den Arm, ein jedes, noch einmal stark, hielt sie ger Osten. Zerlegen- kicherten die Söhne und Töchter des Stam­mes, strampelten, rieben die Nasen an Umanaks Nase, glitten herab in den Schnee.

Die Mannel hatten sich um ihres Aeltesten Habe ver­sammelt, die Frauen. Drei Schlitten mit Fellen und Fallen, mit Köchern, Messern und Walroßzähnen, mit Kajaks uni Flinten. Schlitten mit Tran und Geweihen von Renntieren, mit Bälgen der Eiderenten und Lummen, mit weicher Speise aus dem Süden: Mehl und Buchweizen. Mit Feuer, gefangen in den roten Köpfchen winziger Hölzchen, mit Arzneien aus den geheimnisvollen Küchen der Zivilisierten. Umanak gebot die Männer und Frauen des Stammes zu sich, ganz nahe, berührte alle, Stirn an Stirn, und teilte. Die Hunde aber bekam Sörö allein, zottige Tiere, klug und stark wie die bellenden Löwen des Nordmeeres.

Tann sprach Umanak. Es war ein Singen noch einmal aus des alten Eskimo Brust, die Antwort der Götter auf die Klage der Menschen: Umanak stirbt nicht, er zieht wie die weißen Bären mit euch! Umanak geht in die Hütte zu den Ahnen und wacht. Kämpft, ihr Männer, und mehret den Wohlstand des Stammes! Umanak wandert im warmen Rauschen der Küste, im kalten Toben des Nordens. Wenn der Schnee die Augen kratzt, die Luft zum Atmen in den Ein­geweiden reißt, dann zieht Umanak mit euch!

Der Alte verstummte. Die Männer, Frauen und Kinder wichen zurück. Nur noch die Hunde blieben. Sörö pfiff, doch seine Tiere kamen nicht: Umanaks Hunde! Sie jaulten wie nur eine Stimme, sechs zottige Bestien, groß und stark, als ihr Herr in sein Grab schritt, schwankend und gebückt, lick

Durch die schmale Oeffnnug zwängte, allein nun, ohne Nah- rurw, ohne Felle und Kajaks, ohne Schlitten, Mester und Fallen, Flinten und Bälge der Lummen. Da heulten die Hunde!

Es war wie das Klingen des Eises unter den Füßen der Kreatur, schrill wie ein Pcitschenschlag von den Sternen herab, ganz lang gezogen, ohne Ende, ein Heulen, wie das Pfeifen Der Meteore durch den weiten Raum. Das Jaulen griff den Männern ans Mark, den Frauen und Kindern. Da sah Sörö, nie sich Umanaks Hand noch einmal aus der Oeffnung schob. Nichts mehr hören und sehen wollte der Einsame! Langsam !chritt der neue Führer des Stammes mitten durch die klagen- Den Tiere, heran an das Grab, drückte die letzte weiße Tafel in den Eingang.

Die Hunde verstummten, neigten die Köpfe, kamen heran und berochen die Stelle, zuckten und stießen mit der Schnauze nach Umanak. Wandten sich um, preschten zu ihrem neuen Herrn, leckten ihm den Hals und die Augen, das Gesicht. Mischten sich erregt unter die anderen Tiere, die drüben vor Den Schlitten stumm auf den Hinterbeinen gesessen, die ganze Zeit nur leise winselnd.

Keine Klage kam mehr, aus keinem Munde, als die Kara­wane aufbrach zur letzten Anstrennung, das Ziel herbei zu zwingen, und niemand wandte sich um. Denn mit Sörös Fischern und Jägern durch die Polarnachr zog Umanak im Knirschen des Schnees unter den Schlittenkufen.

Der Richter von Cagliari.

Geschichte eines italischen Schicksals.

Von Erich Kunter.

... Da waren die stolzen, reichen und mächtigen Familien Der Delcorte und Berrante auf Sardinien. Sie hätten glück­lich und in Frieden leben können, wenn sie sich nicht gegen- leitig seit Jahrhunderten ihrer besten männlichen Mitglieder beraubt hätten. Die Blutrache zehrte an ihrem Mark. Sie war heilig! Wehe dem unseligen Mannessproß, der sich ihrer gebieterischen und unerbittlichen Pflicht entzog.

Aber das heiße Blut der Insulaner entbrannte ebenso lehr in Liebe wie im Haß. Schicksal auch, daß Francesco Delcorte und die schöne Beatrice Berrante sich in den Banden ihrer Liebesleidenschaft verstrickt hatten. Heimlich versprachen sie sich einander; und als Beatrice Leben unter ihrem Herzen spürte, beschlossen die Liebenden, zu fliehen.

Um diese Zeit tötete Antonio, Beatrices Bruder, im Amt Der Vendetta den Bruder ihres Geliebten. Schon am anderen Tage traf der Dolch Francescos den flüchtigen Antonio mitten ins Herz...

Francesco floh in die Berge. Es blieb ihm nur übrig, zu werden, was schon so viele aus der Gesellschaft Aus- zestoßene vor ihm geworden waren: Anführer einer Räuber­bande.

Beatrice schwieg um ihrer Familie und ihres Kindes willen und nannte den Namen des Vaters nicht. Gehorsam ihren Eltern, heiratete sie etliche Jahre später Louis Frisco, einen ungeliebten alternden Mann, der dem Knaben seinen Namen gab und ihr die Ehre wieder.

Der Knabe Cesare Frisco wuchs zum Jüngling heran und war sehr ehrgeizig. Er besuchte die Hochschule, wandte sich der Rechtspflege zu und wurde, in jungen Jahren schon, nach mehreren Beförderungen oberster Richter in Cagliari, der Hauptstadt seiner Heimat. Das Ziel seines Ehrgeizes war, Präsident des Gerichtshofes zu werden: das Ziel seiner leiden­schaftlichen Liebe, die Hand Lätitias, Tochter des eben am­tierenden Präsidenten, zu erhalten.

Nicht fern war er der Erfüllung seiner Wünsche, da hemmte das Schicksal die Verwirklichung seiner hochfliegenden Pläne.

Jahrzehnte hatte Francesco Delcorte in den Bergen ge­haust; endlich fingen ihn seine Häscher. Cesare Frisco, der Richter von Cagliari, führte den Prozeß gegen ihn und fällte Das Todesurteil.

" Am^Täge nach her Urteilsverkündung bekam Cesare Be­such von seiner Mutter. Sie war ganz in Schwarz gehüllt, obwohl die Zeit der Trauer um ihren verstorbenen Äemahl schon lange Jahre zurücklag. Gramgequält und müde klang ihre Stimme, als sie sagte:Weißt du, wen du gestern zum Tode verurteilt hast, Cesare? Deinen Vater." Und sie offen­barte ihm das Geheimnis seiner Geburt.

Einen harten Kampf focht Cesare in sich aus.Ick werde tun, was Sie von mir erwarten", versprach er der Mutter endlich.

Lange Stunden verbrachte der Richter von Cagliari an diesem Abend in bitterer Einsamkeit mit sich und der Ab­fassung eines Gnadengesuchs.

Am andern Tag begab er sich mit dem Schriftstück zur» Gerichtspräsidenten, ihn um seine Befürwortung zu bitten

Der würdige Greis las es und ließ dann lange und ernst seinen Blick auf dem Mann vor sich ruhen.Und was Werder Sie dann beginnen?" fragte er mit bedeutsamer Betonung

»Ich weiß", erwiderte Cesare fest und mit übermensch­licher Beherrschung,daß ich mich mit diesem Schritt selbst verbanne. Als Sohn eines Räubers kann ich weder Richter bleiben noch die Tochter des Gerichtspräsidenten zur Braut be­gehren."

Der Präsident gab die Befürwortung des Gesuchs. Daraus reichte er dem rungen Mann, der sein Eidam hätte werden sollen, die Hand. Es war ein Abschied voller Freundschaft uni Hochachtung unter Männern.

Und dann kam die dramatische Begegnung zwischen Batet und Sohn im Kerker. Cesare umarmte den Alten im zer­lumpten Gewand und küßte ihn.

Francesco Delcorte nahm Kenntnis vom Text des Gnadengesuchs.Sie müssen Ihre Unterschrift geben, Vater!* forderte Cesare ihn auf und packte das Schreibzeug aus,sonst ist das Dokument nicht rechtswirksam."

Nein", sagte der Gefangene und riß, ehe Cesare es hin­dern konnte, das Papier mitten durch.Ein Räuber­hauptmann ist nicht der Vater des Richters von Cagliari. Wage es nicht, deine und deiner Familie Ehre mit meinem Namen zu beschmutzen'"

Alles Zureden nutzte nichts. Der Alte blieb bei feinet Weigerung, sich als Vater Cesares zu bekennen und bestätigt# damit sich selber das Todesurteil. ---

Und was wurde aus Cesare? Das Erlebnis hatte ihn allzusehr erschüttert. Er verlor jeden Halt, verließ die «Stabt und fristete irgendwo in Italien ein kümmerliches Dasein Bei _ seiner Neigung zur Malerei nahm er gelegentlich der Pinsel zur Hand. Das wurde ihm Zeitvertreib und schließlich auch Broterwerb. Bald mußte er selbst aber etwas enttäusch! erkennen, daß es sich bei ihm um ein sehr mittelmäßiges Talent handelte, daß er Gemälde von der Art schuf, wie sie zu Dutzenden auf dem Markt feilaeboten werden. Nur eines seiner Bilder bewies die Meisterschaft eines großen Künstlers ... zeigte vor schwach angedeuteter Berglandschaft einer starken, kühnblickenden Mann ... es war das Bildnis seines Vaters, des Räuberhauvtmanns. Viele wollten es kaufen. Es hätte den armen Künstler zum reichen Manne gemacht, hätte er sich von ihm, seinem einzigen großen Werk, zu trennen vermocht. Der Richter von Cagliari aber gab das Bild des Räubers niemals her.

Eine falsche Verbindung rettet das Leben.

Auf eine nicht alltägliche Weise entging kürzlich der Kas- ierer eines großen Hotels zu Chicago dem sicheren Tode. Er tand, an nichts Böses denkend, an seinem gewohnten Arbeits- Dlatz in der Eingangshalle, als sich plötzlich zwei Gewehrlauft auf die Brust des Erschrockenen richteten. Die bekannte Auf­forderungHände hoch!" erklang, dann erhielt der Kassierer von seinen beiden maskierten Feinden die Aufforderung, so­fort den Kassenbestand auszuliefern. Die Halle war völlig leer, Hilfe also nicht zu erwarten, und so entschloß sich der Kassierer, der Drohung nachzugeben. Schon schickte er sich an, das Geld zusammenzusuchen, als plötzlich die Fernsprech­klingel ertönte. Das genügte, die Verbrecher in schleunigste Flucht zu jagen. Der Kassierer dankte dem so rechtzeitig er­folgenden Anruf, mußte allerdings dann feststellen, daß es sich um eine falsche Verbindung gehandelt hatte!

Robby, der Kapitän, liegt krank an der Gicht. An seiner Stelle führt John Höffner, ein junger Deutscher, seine rechte Hand, das Kommando, assistiert von zwei Matrosen, O'Burry und Flagahan.

Die Autos halten, dicht an der Mole, dort stehen sie bereit, und in kurzer Zeit sind die 33 Kisten über den schmalen Laufsteg aufs Schiff und unter Deck ge­bracht.

Hull hat mit dem braungebrannten deutschen See­mann, einem Abenteurer vom reinsten Wasser, einen Blick getauscht, als die letzte Kiste verschwunden ist.

Hull und der Versicherungsfachmann gehen an Bord.

Der Dampfer wird von den Tauen freigemacht, und dann geht's mit Volldampf auf das Meer hinaus.

Sie haben jetzt eine interessante Fahrt vor sich!" sagt Hull zu Mr. Uxkull, dem Versicherungsinspektor.

Der macht eine abwehrende Bewegung.

Im Vertrauen, Sir! Mache mir herzlich wenig draus! War schon dreimal drüben, und immer mit so kleinen Kähnen. Ja, wenn's mal ein Ozeanriese ge­wesen wäre, auf dem man sich ein paar Wochen amü­sieren kann. So sitzt man auf dem kleinen Kahn mindestens drei Wochen fest. Selbst wenn er durch den Panamakanal fährt."

Das gebe ich zu, aber schließlich kann man jeder Sache etwas abgewinnen, alles hat seine Reize."

Der Inspektor nickte und seufzte auf.

Des, Mr. Hull . . . wenn man ein glückliches Tem­perament hat."

Warum haben Sie es nicht?"

Wahrscheinlich aus demselben Grunde, aus dem Sie es scheinbar auch nicht haben."

O, das täuscht!" entgegnete Hull ruhig.Ich bin eine ernste Natur, das besagt aber nicht, daß ich ganz verlernt habe, mich der vielen kleinen Dinge zu freuen. Ich kann dem Spiele eines Vogels stundenlang zu­sehen!"

Das können Sie, Mr. Sgull?" Grenzenlos verblüfft hörte es der Inspektor und schüttelt den Kopf.Und dabei nannte Sie letzthin einer die fleischgewordene Rechenmai chine!"

Ich bin ein guter Rechner, dazu hat mich das Leben gemacht, lieber Inspektor . . . vielleicht ein zu guter Rechner, aber in mir ist immer noch ein Gebiet, wo man keine Zahl kennt."

Während sich die beiden unterhalten, zieht dieKa­trine" mit einer mächtigen Rauchfahne ihren Wog durch die Flut. Das Meer ist ruhig und die Nacht dunkel, der Mond ist von Wolken verhüllt.

Unten im Bauch des Schiffes aber sind zwei Ma­trosen fieberhaft beschäftigt, 33 Kisten mit Gold gegen 33 Kisten mit Blei zu vertauschen.

Sie haben nur eine halbe Stunde Zeit, und die 30 Minuten müssen sie ausnützen. Mit unheimlicher Prä­zision vollzieht sich die Arbeit. Eine Goldkiste wandert in den Kielraum, eine Bleikiste kommt nach oben.

Endlich ist die letzte Kiste ausgetauscht.

Die beiden Matrosen atmen auf.

O'Burry sieht seinen Kameraden Flagayan an und sagt, tief Atem holend:So . . . das wäre geschafft! Was meinst du, Patrik . . . was in den Kisten ist?"

Flagahan winkt ab.

Maul halten, Tom! kann uns gleich sein, was in den Kisten ist . . . verteufelt gleich. Die Geschichte hat uns jedem . . . 5000 Dollar und eine Jahresrente von 1000 Dollar einqebracht. Das ist viel Geld . . . und leicht verdient! Wollen unsern Kopf nicht beschwe­ren! Das Geld haben wir schon! Erledigt! Mag's sein, was es will ... eins weiß ich ... wenn hier einer geschröpft wird ... dann ist's die Morisson-Bank, und die kann's vertragen!"

Flagahan grinst über das ganze Gesicht.

Er schlägt dem Kameraden auf die Schulter. .,Tom ... morgen sind wir in Frisko! Der Whisky soll dort nicht schlechter und teurer sein als hier."

Dann gehen sie langsam an Deck.

Flagahan wechselt einen Blick mit John Höffner, dem Kapitän. Der versteht den Blick und atmet auf. Alles erledigt!

Er sagt zu dem Inspektor:Na, Inspektor . . . «S wird alles vorübergehen und weiter gut klappen . . . es hat ja bis jetzt alles geklappt. Alles ist in schönster Ordnung."

Bei den letzten Worten sieht er Hull an und Hull nickt. Er hat verstanden. Hull ist ganz ruhig, auch als jetzt der DampferJack Londmr", der aus dem Dunkel auftaucht, erreicht ist.

Aber jeder Nerv an ihm ist gespannt

Noch eine Gefahr besteht. Die Kisten werden an Bord gezogen. Wie . . . wenn jetzt der Versicherungs- Inspektor die Kisten nachwiegen läßt? Da merkt er, daß hier was nicht in Ordnung ist, und der ganze Plan kann auffliegen.

Aber der Inspektor tut es nicht.

Er selbst geht hinunter in den Laderaum, in dem die Kisten untergebracht werden, bittet Hull, daß er die Herausgabe beaufsichtige und gibt auch dem Kapitän

Sheerwood von demJack London" einen Aufsichts- Posten an der Reling.

Kiste um Kiste wird emporgewunden und unter Deck geschleppt. Die Matrosen schwitzen und stöhnen. Die Kisten sind nicht groß . . . aber oho . . . hübsche Lasten.

Als die letzte Kiste an Bord ist, da steigt auch Hull an Bord und wird von Sheerwood sehr herzlich-derb gegrüßt.

Gemeinsam begeben sie sich hinunter in den Lade­raum. Der Versicherungsinspektor vergleicht die Zahl der Kisten, dann unterschreibt er den Uebernahmeschein, und alles ist in Ordnung.

Plötzlich sagt der Inspektor überlegend: Nachwiegen?"

Hull muß sich zusammenreißen, daß er ruhig bleibt. Jetzt tritt die gefürchtete Schwierigkeit ein. Kein Ton, keine Miene darf ihn verraten.

Der Inspektor sieht Hull an, der sein übliches starres Gesicht zeigt.

Halten Sie es für nötig, Mr. Hull?""

Hull lächelt.Ja ... wenn Sie sich bemühen wollen! Ich kann mir ja nicht denken, daß sich das Gewicht un­terwegs verflüchtigt hat."

Der Kapitän lacht schallend auf, als wenn Hull einen guten Witz gemacht hat.

Herrschaften!" meint er.Wird gut sein, wenn wir schleunigst mit'n büschen Volldampf von der Küste weg­gehen."

Der Inspektor streckt Hull die Hand entgegen.

Allrigth, es wäre unnötig! Der Name Hull genügt mir!"

Hull nimmt aufatmend die Hand und drückt sie.

*

Hull steht an Bord derKatrine" und sieht denJack London" langsam im Dunkel verschwinden.

Eine Hand legt sich auf seine Schulter.

Geschafft, Hull!"

James Hull wendet sich um und sieht John Höffner ins Gesicht.

Ja, Johann! Dreizehn Millionen an Gold sind es nahezu die im Schiffsraum liegen."

Und wenn sie drüben in Peking ihre .Kisten auf­machen ... ? Die Gesichter möchte ich sehen, wenn sie feststellen, daß die Kisten Blei enthalten."

James Hull sieht lange auf den Freund.

®u hältst mich für einen Dieb?" fragt er.

(Fortsetzung folgt.)