Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Serlag Fried- ri ch Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- kl a u , Fulda. Königstr. 42, Fernsprecher 2989.

Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal *Iulöarr Kreisblatt

Schristleitung und Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Fernsprecher Nr. 2989

Berantw. für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda. Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pfennig. Bei Wieder­holung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt. D.A." XII. 35. 750. - Zur Zeit ist Preis­liste Nummer 4 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 20 13. Jahrgang

Fulda, Freitag, 24. Januar 1936

Einzelverkaufspreis 10 Pf.

Litwinows Attacke gegen Uruguay

Aber er kann die weltbolschewiftischen Ziele der Sowjets nicht ans Welt schaffen.

Der V ö l k e r b u n d s r a t ist doch nicht um die Er­örterung des diplomarischen Streites zwischen dem süd­amerikanischen Staat Uruguay und der Sowjet­republik herumgekommen. Der Sowjetvertreter Lit- wino w, der ja fast klingt es wie eine Ironie den Ankläger gegen Uruguay spielte, wollte durchaus seine Rede, die er vorbereitet hatte und in der er natürlich mit Scitenhieben gegen die sogenannten faschistischen Staaten nicht sparte, vom Stapel lassen. Der Völkerbundsrat war entgegenkommend genug, Herrn Litwinow seine Propa- gandarede zuzugestchen. Ob ihm die Sowjetpropaganda gerade glücklich gelungen ist, ist allerdings noch eine Frage.

Moskau hat seine Anklage gegen Uruguay auf Artikel 12 der Völkerbundssatzung aufgebaut und erklärt, die Regierung von Uruguay hätte die Pflicht gehabt, vor Abbruch der diplomatischen Beziehungen ein Schlichtungs­verfahren einzuleiten. Im übrigen glaubte der Sowjet- vertreter am besten zu operieren, wenn er Uruguay ein wenig lächerlich machte. Er erklärte nämlich, daß der Ab­bruch der diplomatischen Beziehungen nicht erfolgt wäre, wenn Sowjetrußland sich bereit erklärt hätte, eine größere Menge uruguayischen Käse abzunehmen. Sowjetrußland l-abe es gar nicht nötig, kommunistische Propaganda in Uruguay zu treiben, denn wie in anderen südamerika- nischen Staaten seien Revolutionen dort an der Tages­ordnung. Der Sowjetgesandte in Montevideo habe, so sagte Herr Litwinow, natürlich auch kein Geld etwa zur Propagierung des bolschewistischen Gedankens bekommen, sondern die 35 000 Dollars, die er in den letzren zwei Jahren bezogen habe, seien für die Geschäfte der Gesandt- sLaft verwendet worden. Immerhin eine ganz schöne Summe, bei der vielleicht auch noch für andere Zwecke etwas übriggeblieben ist. Bei der Gelegenheit erklärte Litwinow wieder einmal, daß die sogenannte bolsche- wistlsche Propaganda nur ein Vorurteil faschistischer Staaten sei, und er fragte den Völkerbundsrat, ob er diese Spekulationen gewisser Staaten gegen Sowjetrußland mitmachen wolle.

Er versucht also immer wieder, dem Völkerbundsrat die bolschewistische Idee und die Weltrevolution als eins der harmlosesten Dinge auf der Welt darzustellen und sie den Ratsmitgliedern nach und nach schmackhaft zu machen.

Herrn Litwinows große Werberede setzte wohl nicht voraus, daß der Vertreter Uruguays ihm in sehr deutlicher Form erwidern würde. Und es scheint fast, als haben die Ausführungen des uruguayischen Vertreters ihren Eindruck in Völkerbundsratkreisen nicht verfehlt. Der Vertreter Uruguays wies nämlich klipp und klar nach, daß durch die S o w j e t g e s a n d t s ch a f t e n und -bot sch asten in fremden Staaten bolschewistische Propaganda getrieben würde, und verwies dabei auf den Kominternkonareß in

Appell der ältesten SA.-Männer Deutschlands vor dem Führer.

Berlin, 24. Zan. (Funkmeldung.) Am 30. Januar findet im Lustgarten zu Berlin ein Appell der ältesten SA.- Männer Deutschlands vor dem Führer statt. An diesem Appell nehmen 2 5 008 SA. -Männer teil. Am Abend desselben Tages erfolgt eine Wiederholung des Fackelzuges der SA. vom 3 0. Zanuar 1933 vor dem Führer an der Reichskanzlei. Bei dem Appell im Lust­garten werden der Führer, der Stabschef und Reichsmini­ster Dr. Goebbels sprechen.

Moskau, wo ganz offen die Parole zum Weitertragen der bolschewistischen Weltrevolution ansgegeben wurde. Uruguay habe die diplomatischen Beziehungen abbrechen Müssen a n s G r ü n d e n des i n n e r e n S ch ntzes und um einem Bürgerkrieg vorzubeugen.

Herr Litwinow fühlte sich scheinbar erhaben über die von dem Vertreter Uruguays vorgebrachten Beweise, nnd er glaubte ihnen nicht besser begegnen zn können, als daß er überlegen lächelte. Ob diese Taktik gerade die richtige war, läßt sich bezweifeln; denn

offensichtlich haben die Ausführungen des Vertreters von Uruguay auf die Abgesandten anderer Staaten, namentlich Rumäniens und der Türkei, die mit Sowjctrusrland in enger Beziehung stehen, ihren Ein­druck nicht verfehlt.

Im übrigen mußte sich Herr Litwinow noch eine scharfe Abfuhr durch den italienischen Vertreter Aloisi ge­fallen lassen, der gegen die offene Anspielung Litwinows Lins Italien gebührend antwortete und erklärte, daß Italien nicht daran denke, etwa ue^ccft durch Verbreitung irgendwelcher Vorurteile und f scher Behauptungen gegen den Bolschewismus zu kämpfen; es kämpfe offen

gegen die bolschewistische Idee, und es brauche auch keine besonderen Vorurteile gegen Sowjetrustland, um etwa sein Unternehmen gegen Abessinien zu rechtfertigen.

*

Wütende Ausfälle des Sowjetdelegierten?-

Der Rat des Völkerbundes hat dann am Donners­tagnachmittag in der üblichen Form den Streit zwischen der Sowjetregierung und Uruguay vertagt. Die stundenlange Debatte, die während des ganzen Nach­mittags im Völkerbundsrat geführt wurde. War sicher »ein Erfolg für Litwinow. Er hat nicht das von ihm für sofort gewünschte Urteil erreicht. Man hat einen Aus­schuß eingesetzt, der dem Rat Bericht erstatten soll. Dem Ausschuß gehören außer seinem Vorsitzenden, dem rumänischen Außenminister T i t n l e s c u , noch der dä­nische Außenminister M u n ch und der Spanier M a - d a r i a g a an.

Litwinow eröffnete die Debatte am Nachmittag mit einer sehr impulsiven Rede, bei der er fortgesetzt mit der Faust auf den Ratstisch schlug. Er verlangte von dem Vertreter Uruguays Beweise für die Behauptung, daß die Sowjetregierung Propaganda durch ihre Bot­schafter und Gesandten im Auslande treibe. Litwinow ging natürlich darüber hinweg, daß diese Beweise vor den Annen der aanren Welt in den Erklärungen und

Viertägige Aufbahrung König Georgs in der WestmUrsteraLtei. Das Volk erweist dem Herrscher die letzte Ehre.

Der tote König Georg V. von England ist nun in die Hauptstadt des britischen Imperiums heim- gekehrt und in der W e st m i u st c r Abbey, der bekannten gotischen anglikanischen Kathedrale von London, in der englische Könige und berühmte Briten ihre letzte Ruhe­stätte gefunden haben, und wo sich das Grabmal des Un­bekannten Soldaten befindet, aufgebahrt worden. Auf dem mit Purpur bedeckten Katafalk liegen die S t a a t s k l e i u o d i e u , darunter auch die b e - rühmte K a i s c r st a a t s k r o u c mit ihren

3 0 0 0 Diamantc n. Hier wird Könia Gcora V. vier

Aufbahrung Georgs V. in der Maria-Magdalenen- Kirche in Sandringham.

Vor der Überführung des toten Königs nach London wurde der Sarg in der kleinen Kirche in Sandringham, wo Georg V. starb, aufgebahrt. Angestellte. Förster und Jagdhüter hielten die Totenwache. (Scherl Bilderdienst.)

Tage aufgebahrt liegen, und das britische Volk wird vier Tage lang von morgens bis abends 10 Uhr die Möglich­keit haben, an dem Sarg vorbssizuzichen und dem ver­storbenen König die letzte Ehre zu erweisen.

Der Zug, der die Leiche des Königs von Sandringham nach der englischen Hauptstadt überführte, traf am Donnerstagnachmitlag auf dem Kings-Croß-Bahnhof in London ein. Von hier aus nahm der Trauerzug seinen Weg zur Westminsterhall. Auf Wunsch des Königs trug diese Tranerprozession keinen staatlichen Charakter. Nur am Bahnhof nahmen Abordnungen der drei Waffen ihren toten Herrscher in Empfang. Die Straßen waren durch 7000 Mann Polizei abgesperrt. Nach der Ankunft

Beschlüssen der letzten Tagung der Komintern vörliegën. Er sprach allerdings mit keinem Worte davon,

daß der Vertreter Uruguays in aller Form bereits bewiesen hatte, daß die von Moskau nach Süd- amerika entsandten Vertreter gleichzeitig Agenten der kommunistischen weltrevolutionären Bewegung sind.

Das ergibt sich aus den Mitgliederverzeichnissen verschie­dener führender Organisationen der Komintern. Lit­winow, der mehrmals hintereinander sprach, wandte sich schließlich an dasWeltgewissen" in pathetischen Tönen immer mit dem Rufe:Beweise! Beweise!"

Der Angeklagte fordert ein Urteil gegen den Kläger.

Der Vertreter Uruguays antwortete sehr ruhig und nüchtern. Es handele sich für Uruguay um das legitime Recht der Selbstverteidigung gegen den Ver­such eines bolschewistischen Bürgerkrieges. Seine Regie­rung werde bei dieser Einstellung bleiben und habe hin­reichende Beweise für die hetzerische Tätigkeit der Sowjet­gesandten in der Hand. Der Vertreter Uruguays fand Unterstützung bei den Delegierten Argentiniens, der daraus hinwies, daß seine Regierung keinerlei diplo- malische Beziehungen zu Sowjetrußland unterhalte und auch nicht aufzunehmen gedenke. Trotzdem wurde der Beschluß auf Einsetzung des Ausschusses gefaßt.

Vorher sprach Litwinow zum viertenmal, und zwar nur um ein paar Worte gegen Deutschland anbrin­gen zu können. Erverlange.so erklärte er. von dem Ausschuß nicht nur den Versuch der Versöhnung, sondern ein Urteil. Das Beispiel, daß der Rat ein Urteil fällen könne, sei dadurch gegeben, daß der Rat seinerzeit seine Entschließung gegen Deutschland nach der Verkündung der deutschen Wehrfreiheit gefaßt habe.

wurde der Sarg des Königs durch einen Offizier und zehn Mann der Königlichen Leibkompanie auf die

Lafette gehoben,

die seinerzeit schon Königin Victoria und König Eduard VII. zur letzten Ruhestätte gefahren hat. Voran ritt eine Abordnung berittener Polizei. Tie Lafette wurde flankiert von Garkwoffizieren. Dann folgte der König mit seinen Brüdern, die Königin und die Prin­zessinnen in ihren Wagen. König Eduard VUl hatte darauf bestanden, zu Fuß hinter dem Sarg herzuschreiten. Ter Trauerzug nahm seinen Weg durch die Hauptstraßen Londons nach Westminster, wo Truppen, die königlichen Herolde, die Vertreter der Obersten Hofämter sowie die Abordnungen der Geistlichkeit und die Abgeordneten beider Häuser des Parlaments ihn erwarteten. Der Erz - b i s ch o f v o n Canterbury empfing den Sarg an der Schwelle der Kathedrale. Dann erfolgte die

feierliche Aufbahrung,

an die sich ein vom Erzbischof zelebrierter Gottesdienst anschloß. Während dieser Zeil läuteten die Glocken. Gleich­zeitig wurde am Victoriaturm des Parlaments der Union Jack her nnterge holt und die Königliche Standarte an seiner Stelle auf Halbmast gesetzt.

Am Dienstag erfolgt die Überführung des toten Königs nach Windsor und seine Beisetzung in der St. -Georgs-Kapelle in Form eines feierlichen Staatsbegräbnisses. Der Beisetzungstag wird zum Trauertag für das ganze Land erklärt. Die Schulen bleiben geschlossen, ebenso die Geschäfte. In den Fabriken herrscht Arbeitsruhe. Am Dienstagabend wird König Eduard VIII. seine ersteRedeim R u n d f u n k halten, die über das ganze britische Empire verbreitet werden wird. Für Mittwoch ist das Ende der all­gemeinen Landestrauer angesetzt.

Kaisersalut von 101 Schliffen in Delhi.

Die Proklamiern« g des neue n Königs erfolgte in allen Teilen des britischen Empires. Besonders eindrucksvoll gestaltete sich die Feier in der indischen Hauptstadt Delhi, wo die Proklamation in Gegen­wart des Bizekönigs und vor einem Aufgebot zahlreicher Truppen verlesen wurde. Im Anschluß daran wurde von dem alten Fort des Schahs Johann der K a i s e r s a l u t von 101 Schüssen ausgelöst. Ähnliche Kund­gebungen fanden in den verschiedenen Landesteilen In­diens statt, ebenso in Australien, Kanada und Südamerika.

Danktelegramm König Eduards viii. an den Führer.

Seine Majestät König Ed n a r d VIII. von Eng­land hat die Beileidskundgebung des Führers und Reichs­kanzlers zum Ableben des Königs Georg V. mit fol­gendem Danktelegramm beantwortet:Die Königin, meine Mutter, vereinigt sich mit mir in auf­richtiger Danksagung, Herr Reichskanzler, für Ihre freundlichen Beileidsbezeugungen und die Ver­sicherung des Mitgefühls der deutschen Reichsregierung und des deutschen Volkes an dem schweren Leid, das durch den Tod des Königs, meines geliebten und ver­ehrten Vaters, über uns und die britischen Völker ge­kommen ist. Edward R.I."