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Herolde künden

»5 VIII.

Drei Hurras auf den neuen König. Feierliche Proklamation Verlesung in Londons Strotzen.

nber der englischen H a u p t st a d t schien strah­lende Sonne, als die Thronbesteigung des neuen Herrschers des britischen Weltreiches, Eduard VIII., öffentlich in den Straßen Londons ver -

e t wurde. Das Volk begrüßte freudig die Prokla- üh des neuen Königs, die gleichzeitig in ganz oßbritannien und in allen Städten e Dominien und der Kronkolonien er- ' die.

In London bildeten 10000 Mann Garde Valier längs des Straßenzuges vom St. James-Palast er Trafalgar Square durch den Strand in die City hin- 4, den der Zug der Herolde nahm. Zehntausende säum­ten die Straßen, Hunderttausende die Plätze, wo die Er­nennung des Prinzen von Wales zum König Eduard Vin. verkündet wurde.-

Im Hofe des St. James-Palastes hatten die Abteilungen der Gold Stream Guarde und der Leibgarde ein Viereck gebildet in dessen Mitte ein Offi­zier mit einer Abteilung Gardeunteroffiziere die um­florte königliche Standarte hält. Auf dem Dach des Palastes waren Tribünen errichtet, von denen die Mit­glieder des Geheimen Kronrats in ihren blaugoldenen Uniformen der Feierlichkeit beiwohnten. In den Palast­fenstern sah man Mitglieder der königlichen Familie, die beiden kleinen Prinzessinnen, zahlreiche Würdenträger des Hofes, des geistigen und politischen Lebens Englands, und vor allem die obersten Befehlshaber der drei Waffen.

Punkt drei Uhr erschienen auf dem scharlachrot aus­geschlagenen Balkon des Palastes einer der dreiWappen­könige" mit dem Adelsmarschall von England und zwölf Mitgliedern des Kollegiums der Herolde in ihren scharlachroten und schwarzen Gewändern. Gleichzeitig ertönte ein Fanfarenstotz.

Der erste Wappenkönig verlas die Proklamation, an die sich die Nationalhymne anschloß, gespielt von den vereinigten Kapellen der Garde. Gleich­zeitig dröhnten im Hydepark die 41 Salutschüsse, in die sich der ferne Schall der 62 Kanonenschläge vom Tower in London mischte. Jetzt forderte der Adelsmarschall die Menge auf, ein dreifaches Hurra auf den neuen Sönig auszubringen, der sich in diesem Augen­blick am Fenster zeigte. Das Hurra fand einen brausen­den Widerhall in den umliegenden Straßen und Plätzen.

Um 10.15 Uhr setzte sich der Zug der Herolde in Be­wegung. Er bestand aus fünf Landauern, in denen die Herolde, die Wappenkönige und die anderen Inhaber der mittelalterlichen Wappenämter Platz genommen hatten, und wurde von einer Schwadron Gardekavallerie begleitet. Der Zug hielt in Charing Croß, wo der zweite Wappen­könig die Proklamation verlas. Fünf Minuten darauf auch hört ein Hurra auf den neuen König, die National­hymne, Fanfarenstöße. Dann bewegte sich der Zug weiter nach Temple Bar, dem Eintrittstor in die City, und dort erfolgte eine mittelalterliche Zeremonie, die die Vorrechte der City von London dokumentiert.

Über die Straße war eine seidene Schnur gewisser- maßen als Barriere gespannt. Hinter ihr standen der Lord-Mayor mit seinen Sheriffs und Schulzen und den Vertretern der Londoner City.

Die vier Stadttrompeter bliesen ein Signal, der Zug hielt, und der Pusuivant, der Träger eines mittelalter­lichen Hofamtes, schritt dem CitNmarschall entgegen:Wer kommt da?" fragte der Marschall, und der Pusuivant ant-

Die Schloßkapelle von Windsor, wo am Dienstag nächster Woche König Georg V. neben den Gräbern seines Vaters und seiner Mutter zur letzten Ruhe gebettet wird. (Weltbild.)

London im Zeichen des Thronwechsels.

Die Proklamierung des englischen Thronfol­gers als König Edu­ard VIII. begann mit der traditionellen Thronerklärung und Eidesleistung des neuen Herrschers tm St. Ja­mes-Palast in Anwesen­heit der Mitglieder des Kronrates. Unser Bild zeigt den Marsch der Garde mit trauer­umflorter Fahne zum St. James-Palast.

(Scherl Bilderdienst.)

wortete:Die Wappenoffiziere Seiner Majestät, die Ein­tritt in die City begehren, um die Thronbesteigung Seiner Majestät zu verkünden." Daraufhin wurde die Prokla­mation dem Lord-Mayor übergeben, der sie überprüfte und darauf seine Genehmigung zum Betreten der City erteilte und die Seidenschnur durchschneiden ließ. Jetzt verlas der zweite Wappenkönig die Proklamation. Dann bewegte sich der Zug, während die Truppen die Waffen präsentierten, weiter. Auf dem Platz zwischen der Börse und der Bank von England empfing den Zug abermals ein viermaliges Trompetensignal, und der dritte Wappen­träger verliest dort die Proklamation.

Feierliche Überführung König Georgs V. nach London

König Eduard VIII. ist am Mittwoch von London wieder nach Sandringham zurückgekehrt, um mit der Königinmutter Mary zusammen am Donnerstag den Sarg König Georgs V. auf dem vier Kilometer langen Weg zwischen St.-Mary-Magdalenen-Kirche in Sand­ringham zum Bahnhof des Dorfes zu begleiten.

Der verstorbene König war in der Dorfkirche von Sandrinaham aufgebahrt worden, wo ein Gottesdienst

Die gegenseitige Hilfeleistung.

Großbritannien, Frankreich, Türkei, Griechenland, Jugoslawien in einer Front.

Bericht Edens an die Sanktionskonferenz.

Genf, 23. Januar. Der englische Außenminister Eden yat in einem Schreiben an den Präsidenten der Sank- tionskonferenz das Ergebnis des Meinungsaustausches der englischen Regierung mit Frankreich, Jugoslawien, Griechenland und der Türkei mitgeteilt. Die britische Re­gierung habe festzustellen gewünscht, ob im Falle besonde­rer Maßnahmen militärischer Art durch Italien gegen Großbritannien die französische, die griechische, die tür­kische und die jugoslawische Regierung bereit und in der Lage sein würden, im Bedarfsfalle bei einem Wider­stande gegen solche Maßnahmen mitzuwirken. Die bri­tische Regierung habe beschlossen, in erster Linie die fran­zösische Regierung zu befragen. Zwischen den beiden Regierungen sei ein Einverständnis erzielt worden.

Es sei jedoch erwünscht, eine weitere Angelegenheit zu klären, nämlich das Ziel und die Einzelheiten der Be­sprechungen. Die Tatsache, daß diese Besprechungen zwischen den französischen und den britischen Stäben stattgefunden haben, hat in gewissen Kreisen zu der Behauptung geführt, daß die Besprechungen sich nicht nur auf die Lage im Mittelmeer, sondern auch auf die Nordostgrenze Frankreichs bezogen haben. Die Regierung Seiner Majestät wünscht diese Gelegenheit zu ergreifen, um zu erklären, daß jede derartige Behauptung un­richtig ist.

Die Besprechungen zwischen den beiden Stäben, die statt­gefunden haben, beschränkten sich durchaus auf eine ge­meinsame Aktion für den Fall, daß aus der Anwendung von Sanktionen im gegenwärtigen Konflikt Feindselig­keiten im Mittelmeer entstehen sollten. Sie habe sich nie­mals auf irgendeinen anderen Fall bezogen.

Die Antworten, die die drei Regierungen Griechenlands, der Türkei und Jugoslawiens im Benehmen miteinander erteilten, ließen keinen Zweifel über ihre Bereitschaft, alle Verpflichtungen, die sich für sie aus der Satzung ergeben, getreu zu erfüllen. Die französische Regierung sei von den drei Regierungen über diesen Meinungsaus­tausch unterrichtet worden, ebenso die italienische _ Re­gierung von der französischen über die Tatsache, daß die Besprechungen zwischen den französischen und den britischen Stäben stattgefunden hätten. Ferner sei die italienische Regierung von den Zusicherungen unterrichtet worden, die die türkische, die griechische und die jugoslawische Regierung der britischen erteilt hätten. Der türkischen, jugoslawischen und griechischen Regierung seien auf ihren Wunsch die gleichen Zusicherungen gemacht worden.

Andegrenzle Arbeitsgemeinschaft

Gleichzeitig mit der englischen Denkschrift wird ein Schreiben des französischen Vertreters Leger an den Prä­sidenten der Sanktionskonferenz veröffentlicht, worin auf die englische Denkschrift Bezug genommen und erklärt wird:

Was die Rolle und die Haltung der französischen Re­gierung betrifft, so hat die französische Delegation der englischen Darlegung der Tatsachen nichts hinzuzufügen. Die sehr genauen Angaben der britischen Denkschrift sind geeignet, die Mitglieder des Achtzehnerausschusses voll­ständig über die Auffassung aufzuklären, die die britische und die französische Regierung über die Tragweite und den etwaigen Anwendungsbereich der Verpflichtung zu gegenseitiger Unterstützung haben- Der Meinungsaustausch hat übrigens in nichts den Anwendungsbereich der ge­meinsamen Verpflichtungen überschritten, die die Mitglie­der des Völkerbundes öffentlich übernommen haben. 3n»

stattsand, an dem außer der Königin und dem Herzog und der Herzogin von Kent, die Prinzessin Royal und ihr Ge mahl Earl of Harewood teilnahmen. Förster und A n - gestellte des Haushaltes von Sandringham über­nahmen dann die Ehrenwache am Sarge.

Gegen Mitternacht erschien die Königin noch einmal in der Kirche, winkte die Totenwache hinaus und ver­weilte zehn Minuten an der Bahre. Bei der feierlichen Überführung des toten Königs nach London in die West minsterhall in London bildeten von der Dorfkirche zur Bahnstation Polizisten Spalier.

Die königliche Familie und Mitglieder des Hofes schritten hinter dem Sarg, ferner die Angestellten und Diener des Königs mid die Dorfbewohner des Ortes.

Auch das w e i ß e L i e b l i n g s p o n y des Königs, von dem er noch kurz vor seinem Tode sprach und das er noch vor einer Woche geritten hatte, begleitete seinen toten Herrn. Der Sarg, der aus den Eichen des Gutes Sand­ringham gefertigt worden ist, wurde in einen mit roter Seide ausgeschlagenen Eisenbahnbahnwagen gestellt. Eine Kompanie des Royal-Norfolk-Territorial-Regiments be­gleitete den Sarg, während Gardeg^enadiere die Sarg­träger waren. Die Lokomotive dec? Trauerzuges war durch ein rotesG" gekennzeichnet. Nach der Ankunft in London wurde der tote König in feierlicher Zeremonie zur Westminsterabtei gebracht, wo er vom Erzbischof von Canierb urv erwartet wurde. ,

Die deutsche Trauerabordnung für London

In persönlicher Vertretung des Führers u n d Reichskanzlers und als Vertreter der Rcichs-

regierung wird sich als Führer der deutschen T r a u e r d e l e g a t i o n zu den Beisetzungsfeierlichkeiten für den verewigten König Georg V. von England der Reichsminister des Auswärtigen F r e i h e r r v o n N e u - rath nach London begeben.

Der Delegation ist ferner angeschlossen Seine König­liche Hoheit der Herzog von Coburg. Als Ver­treter der deutschen Wehrmacht gehören ihr an General der Infanterie von R u n d st e d t, Admiral Albrecht, General der Flieger Kaustisch. Der deutsche Bot­schafter in London, von Hoesch, wird ebenfalls Mit­glied der deutschen Abordnung sein.

Wie aus London gemeldet wird, werden folgende Perfönlichkeiten als Vertreter der auswärtigen Dynastien und fremden Mächte an den Beisetzungsfeierlichkeiten teilnehmen: Die Könige von Belgien, Däne­mark und Rumänien, das norwegische Königspaar mit dem Kronprinzen, ^der Kronprinz Paul von Griechenland, Prinzregent von Südslawien und Prinz Felix von Luxemburg. Man rechnet mit der Mög­lichkeit, daß auch der i t a l i e n i s ch e König in London eintreffen wird. Der Feldmarschall von Mannerheim wird Finnland vertreten. Die Könige werden auf der Überfahrt vom Kontinent nach Großbritannien von einer Torpedobootsflottille als Ehrengeleit eskortiert werden.

,_____ __________ ... folgedessen kann si einerlei Mißverständnis in der Weltmeinung darüber ergeben.

3n der Denkschrift des englischen Außenministers an die Sanktionskonferenz wird'die französische Denkschrift vom 18. Dezember über die Pflicht der gegenseitigen Hilfe­leistung in folgender Form wiedergegeben.

Die französische Regierung legt die Verpflichtung der Völkerbundsmitglieder zugunsten derjenigen, die bei An­wendung des Artikels 16 Angriffen des paktbrüchigen Staates ausgesetzt sind, dahin aus, daß sie eine un­begrenzte Arbeitsgemeinschaft hinsichtlich des Beistandes zu Lande, zur See und in der Luft bedeutet. Die britische Regierung gibt der französischen Regierung die Zusiche­rung, daß sie gegenüber Italien die Initiative zu keiner Maßnahme ergreifen werde, die nicht mit den vom Völker­bund in vollem Einvernehmen mit Frankreich getrof­fenen oder zu treffenden Maßnahmen im Einklang stün­den. Großbritannien ist im Falle eines etwaigen Angriffs Italiens gegen Großbritannien wegen dessen Mitarbeit an der im Einvernehmen mit Frankreich betriebenen in­ternationalen Aktion die Unterstützung Frankreichs im voraus zugesichert, und zwar im Rahmen der Auslegung, die die Regierungen der beiden Länder in gegenseitiger Uebereinstimmung der Verpflichtung aus Artikel 16 des Paktes geben.

Rallen protestiert

Note gegen Englands Vorgehen angekündigt.

Genf, 23. Januar. Die italienische Regierung hat, wie in Genf verlautet, bereits in den verschiedenen Haupt­städten gegen das englische Vorgehen zur Sicherung der Hilfeleistung Einspruch erhoben und hat eine entsprechende Note an den Völkerbundsrat angekündigt. Die Organi­sierung der militärischen Hilfeleistung auf Grund der Völkerbundsverpflichtungen sei Angelegenheit des Völ­kerbundsrates, die englische Regierung aber habe durch die Entsendung von Kriegsschiffen ins Mittelmeer den Entscheidungen des Rates in unzulässiger Weise vor­gegriffen.

Auch Ägyptens Regierung zurückgetreten.

Das ägyptische Kabinett Nessim Pascha ist z u r ü ck g e t r e 1 e n , um einem Kabinett der Ein­heitsfront Platz zu machen. Wie verlautet, hatte der Führer der Wafdpartei, R a h a s P a s ch a , eine längere Unterredung mit König Fuad unter vier Augen. Der König erteilte Nahas Pascha 'ben Auftrag zur Bildung eines Kabinetts der nationalen Einheitsfront. Nahas Pascha hat sich seine Zusage Vorbehalten.

Der plötzliche Kabinettswechsel ist auf den englischen Wunsch zurückzuführen, sofort mit einem Koalitions­kabinett in Verhandlungen über den englisch-ägyp- tischen Vertrag treten zu können, insbesondere über die beiden für England wichtigsten Punkte der militä­rischen Vereinbarungen und der Sudanfrage.

60 AatwnalfozWken

in Österreich verhaftet.

In dem österreichischen Ort E g g e u b e r g bei Graz wurden, wie das Deutsche Nachrichtenbüro meldet, am Dienstag 60 Ratio nalsozial isten verhaftet. Diese Verhaftungen sollen im Zusammenhang mit der letzten Flugblattaktion stehen.