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Zulöaer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried­rich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Notationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren­klau. Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Julöaer Kreisbla«

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Verantw. für den Inhalt: Bernd Heim. Fulda. Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pfennig. Bei Wieder­holung wird Nachlatz nach Preisliste gewährt. D.A." XII. 35. 750. - Zur Zeit ist Preis­liste Nummer 4 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 19 13. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 23. Januar 1936

Einzelverkaufspreis 10 Pf.

Danzig verteidigt sich

gegen die Angriffe im Völkerbundsrat.Seltsamer Völkerbundsfeldzug gegen die Freie Stadt. Hat der Rat nichts Wichtigeres zu tun?

Man sollte meinen, daß der Völkerbundsrat l n Genf allerlei Sorgen und allerlei zu besprechen hat. Der italienisch-abessinische Konflikt ist seit der letzten Sitzung weder beigelegt noch gemildert wor­den. Die kommunistische Verschwörung in Uru­guay , die ja bekanntlich weit mehr ist als ein Ereignis fern von Genf, sondern die vielmehr ein Beweis für die bolschewistischen Wühlereien in aller Welt ist, hätten den Völkerbundsrat ebenfalls interessieren müssen. Er hatte sich vielleicht auch mit der Llsperre gegen Italien be­fassen können, um die ja das Geranne nun schon seit Monaten geht, aber was tut man in Genf? Man be­handelt die Danziger Frage.

So ganz aus heiterem Himmel hat man sie heran­geholt und macht sie nun zu einem ganz außerordent­lich wichtigen Fall, der gar keinen Aufschub verträgt und der scheinbar nach Genfer Auffassung höchst gefährlich für das europäische Gleichgewicht ist. Die Genfer Taktil bat uns ia noch nie überraschen können. Wir sind allerlei gewöhnt, aber was jebt da geschieht, das ist doch eine her artig unglaubliche Verdrehung der Tat­sachen, daß wir von vornherein ganz entschieden da­gegen Front machen müssen.

Es sieht fast so aus, als hätte sich der Völkerbunds­rat den Bericht des Danziger Bölkerbundskommissars Lester eigeils dazu bestellt, um ein Thema für seine Ratssitzung zu haben.

Nennen wir doch die Sache beim richtigen Namen. Die Danziger Frage ist für den Völkerbundsrat nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver, man traut sich nicht an die Erörterung des italienisch-abessinischen Streites, weil man ihm ratlos gegenübersteht. Man wagt cs nicht, von der Olsperre zu reden, weil man Angst vor dem eigenen Mut hat, man traut sich nicht an den Fall Uruguay so unvermittelt heran, weil man den mächtigen Sowjet- vertreter in Genf, Herrn Litwinow, nicht verschnupfen will. So sieht die Sache aus. Und daher die ungeheure Aufbauschung der Danziger Frage,

Der Völkerbundsrat hat selbst die Trauersitzung für den verstorbenen englischen König so schnell wie möglich erledigt, um an die Danziger Frage heranzukommen. Ein seltsames Gebaren! Seltsam nm so mehr, als der britische Außenminister Eden den Fall Danzig für so dringlich hält, daß er nicht einmal nach England zurück­kehrt, wo er sicherlich besser am Platz wäre als in Gens. Statt dessen

spielt Eden den Ankläger gegen Danzig und hielt vor dem Völkerbundsrat eine Rede, die wahr­lich nicht dazu angetan ist, Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Auch wenn er von eineraußerordentlich ernsten Lage in Danzig" sprach, so kann er uns nicht von der Richtigkeit seiner Ansicht überzeugen. Mag er dem Danziger Völkerbundskommissar sein unbegrenztes Ver­trauen aussprechen, wir behalten uns unsere eigene Auf­fassung über die Arbeit des Herrn Lester in Danzig vor. Selbst Herr Eden mußte zugeben, daß der vorliegende Fall nicht das Verhältnis zwischen Polen und Danzig be­trifft. Dafür wäre allenfalls der Völkerbundsrat zu­ständig gewesen. Aber von

Verletzung der Danziger Verfassung durch die Regierung

zu sprechen, bedarf doch wohl noch weiterer Beweise, Nach Herrn Edens Meinung hat der Völkerbundsrat im Augen­blick keine andere Möglichkeit, als sich selbst mit der Frage des verfassungsmäßigen Lebens in der Freien Stadt Danzig zu befassen, da nach seiner Meinung die Durch führung der Verfassung durch die nationalsozialistische Regierung in Danzig nicht gesichert sei Dem Danziger Senat warf er vor, daß er eine Atmosphäre der Feind seligkeit gegen den Völkerbundsrat geschaffen habe. Daß sich der französische Vertreter der Auffassung Edens anschloß, bedarf keiner besonderen Unterstreichung. Auch er sprach von der ernsten Lage und von den sogenannten Pflichten, deren Beachtung der Völkerbundsrat vom Danziger Senat verlangen müsse. Der spanische Vertreter M a d a r i a g a schlug in dieselbe Kerbe wie sein fran­zösischer Vorredner; nur der dänische Außenminister M u n ch sah die Danziger Frage etwas besonnener und nüchterner an. Er sprach die Überzeugung aus, daß der Danziger Senatspräsideut Greiser Erklärungen abgeben werde, von denen man die Durchführung der notwendigen Maßnahmen erwarten könne.

Unter allgemeiner Spannung nahm dann der polnische Außenminister Beck das Wort. Er gestand zwar dem Völkerbund zu, daß er mit dein Schutz der Danziger Ver­fassung betraut sei, stellte aber mit besonderer Freude fest, daß sich

das Verhältnis Danzrgs zu Polen sehr befriedigend entwickelt habe. Wie der Senatspräsideut Greiser hier seinen guten Willen gezeigt hätte, so hoffe er von ihm auch den guten Willen in anderen Fragen Er gab der Meinung Ausdruck, daß man dem Danziger Senat eine gewisse Bewegungsfreiheit geben müsse, und daß nicht alle Beschwerden von gleich großer Bedeutung seien.

Der Sowjetvertreter Litwinow ließ sich die Ge­legenheit natürlich nicht entgehen, um die Stimmung gegen das nationalsozialistische Danzig noch weiter zu verschärfen. Er forderte unbedingtes Eingreifen des Völkerbundsrates, um, wie er sagte, die Danziger Ver­fassung zu schützen.

Der Danziger Senatspräsident Greiser dankte dem Rat dafür, daß er sich so angelegentlich der Danziger Fragen annehme. Er versicherte als Präsident des Dan­ziger Senates, daß der Senat niemals die Absicht habe, etwa die Einrichtung des Völkerbundskommissariates an­zugreifen. Alle derartigen Behauptungen seien abwegig

Danzig sei bereit, die Empfehlungen des Völker­bundes durchzuführen; aber es seien Schwierigkeiten dadurch entstanden, daß die Juristen in Danzig ande­rer Auffassung seien als die Juristen des Völker­bundsrates.

Von den sechs Empfehlungen, die der Rat im September gegeben habe, seien vier durchgeführt worden, zwei an sich

VeGerre vertagt. - Kein Kredit für den Negus

Die Zeit, die bis zur Abfassung des Berichtes durch Eden vergeht, benutzt man in Genf zu Verhandlun­gen des S a n k t i o n s a u s s ch u s s e s , bei denen die O l s p e r r e gegen Italien vorläufig auf unbestimmte Zeit vertagt worden ist. Die kurze Sitzung des Aus­schusses brachte nur den Beschluß, daß der bisherige Aus­schuß, der die Durchführung der Sanktionen beobachtet, weiterhin tätig bleiben soll, und daß ein neuer Aus­schuß eingesetzt werden soll aus Vertretern der ölerpor­tierenden Länder und derjenigen Länder, durch die Öl nach Italien hindurchgeführt wird. Er soll die technische Seite der Durchführung der Olsperre prüfen. Die Arbei­ten dieses Ausschusses beginnen erst in der nächsten Woche. Vorläufig ist aber eine große Mehrheit im Sank­tionsausschutz für Vertagung der ganzen Frage. Nur T i t u l e s e u , der rumänische Außenminister, verlangte noch einmal die Feststellung, daß man grundsätzlich an dem Plan der Olsperre gegen Italien festgehalten habe.

Gleichzeitig ist eine Entschließung veröffentlicht, die der Völkerbundsrat morgen annehmen soll, und die sich mit der Möglichkeit von Ausgleichsverhandlungen zwischen Italien und Abessinien beschäftigt. Diese Ent­schließung stellt fest, daß

der Dreizehnerausschuß überhaupt nichts erreicht hat. Ausgehend von der geradezu sensationellen Be­hauptung, daß der Krieg in Abessinien weitergehe, lehnt der Ausschuß die von Abessinien verlangte finanzielle Unterstützung ab mit der Begründung, daß eine inter­nationale Vereinbarung über eine solche Maßnahme noch nicht in Kraft getreten sei. Der Ausschuß lehnt weiter die Entsendung einer Untersuchungskommission ab und erklärt schließlich ganz offen, daß eine Gelegenheit für Ausgleichsverhandlungen sich nicht ergeben habe.

Mussolini beglückwünscht General Graziani.

Im neuesten italienischen Heeresbericht Nr. 103 meldet Marschall Badoglio, daß am Morgen des 20. Januar

Reichs- und Gauleitertagung in München.

München, 23. Januar. Die Nationalsozialistische Partei- korrespondenz meldet:

In München fand am Mittwoch unter dem Vorsitz des Stellvertreters des Führers und in Anwesenheit sämt­licher Reichsleiter, GauFiter und Amtsleiter der Rcichs- leitung die erste Gauleitertagung des vierten Jahres der nationalsozialistischen Revolution statt. Der Vormittag stand im Zeichen einer umfangreichen und ins einzelne gehenden Aussprache über eine Reihe aktueller innen­politischer Tagesfragen. Vor dem Eintritt in die Beratun­gen gedachte der Stellvertreter des Führers in bewegten Worten des im letzten Jahr verstorbenen Gauleiters Haupt­mann Loeper.

Von den eiüzelneu Punkten der Tagesordnung, in deren Mittelpunkt vor' allem wirtschaftliche Fragen standen, fanden die mit der deutschen Ernährnngslage zusammen­hängenden Fragen besonderes Interesse. Es kam zum Aus­druck, daß die entstandenen, vorübergehenden Verknappun­gen ihren wesentlichen Grund in der durch den national­sozialistischen Aufbau hervorgerufenen Verbesserung der Lebenshaltung von Millionen von Familien gehabt haben und daß das Verständnis und die innere Haltung des deutschen Volkes in diesen Fragen Vorbild ich gewesen seien.

Des weiteren wurden in eingehenden und fruchtbaren Erörterungen Anregungen für die weitere Fortführung dcr Arbeitsschlacht sowie Einzelfragen der Betreuung des deut­schen Handwerks und Händels besprochen. _ _

bedeutungslose Empfehlungen seien aber nicht aus- geführt worden, weil sie dem Danziger Rechtsempfinden ins Gesicht schlagen würden. Zudem habe das von der politischen Leitung völlig unabhängige Danziger Oberste Gericht sich auf den Standpunkt gestellt, daß diese zwei Empfehlungen auch nicht durchgeführt zu werden brau­chen, weil die bereits bestehenden Gesetze in Ordnung seien. Und

der Völkerbundsrat könne sich schlecht einfach über die Ansicht des höchsten Danziger Gerichtshofes hinweg­setzen.

Zwölf Jahre lang habe Danzig das Pulverfaß Europas gebildet, und dazu hätten in erster Linie die Par­teien beigetragen, die sich heute beschwerdeführend an den Rat gewandt hätten. Das nationalsozialistische Danzig habe aber der Welt ein Beispiel gegeben, wie man auch unter den schwierigsten Verhältnissen zu einem Frieden kommen könne, und somit habe Danzig dem Völkerbünde durchaus gedient. Wenn man an Stelle des Rechtes jetzt etwa den Machtspruch setze, dann schaffe man die Gefahr neuer Verwirrungen.

Am Schluß her Aussprache des Rates über Danzig wurde der englische Außenminister Eden als Bericht­erstatter für eine Entschließung eingesetzt, die der Völker­bundsrat am Freitag annehmen will.

Bei Herrn Eden liegt es nunmehr, ob die Danziger ' Frage eine besondere Schärfe in die Ratsverhandlungen bringen wird oder ob man es doch vorzieht, von befände ren Maßnahmen gegen Danzig Abstand zu nehmen.

Schwadronen der Genueser Dragoner und der Nostaer Ulanen, nachdem sie in einer glänzenden und sehr schnellen Kampfhandlung den lebhaften Widerstand des Feindes gebrochen hatten, den Ort N e g h e l l i, die Hauptstadt des Gallas-Borana-Gebiets, besetzt hätten. Neghelli sei von Dolo, der Ausgangsbasis der italienischen Truppen. 380 Kilometer entfernt. Der von General Graziani er­rungene Sieg am Ganale Doria habe damit auch das Land der Gallas Borano von der verhaßten abessinischen Herrschaft befreit. Die Führer der Boranas hätten sich unterworfen. Auch am OuebbiGestro ent­lang, wo die italienischen Kolonnen weiter vorgingen, hätten sich die Führer und Notabeln der Gal fa s Arussi zur Unterwerfung bereit erklärt. An der Eritrea- front sei im Tembienabschnitt eine Angrifsshand- iung im Gange.

Wie aus Rom gemeldet wird, bat Mussolini den Oberbefehlshaber der italienischen Somalifront, General Graziani, ein Glückwunschtelegramm gesandt, in dem er erklärt, daß der siegreiche Abschluß der Schlacht gegen den Ras Desta die Seele des italienischen Volkes mit Stolz erfülle

Nach Meldungen aus Addis Abeba sollen die abessinischen Nordtruppen wie die Südarmee des Ras Nafibu, die die Italiener in der Provinz Ogadcn bedroht, demnächst zum Angriff übergehen. Die Offensive des italienischen Generals Graziani in der Südostecke Abessiniens sei zum Stillstand gekommen. Die Kämpfe, die sich dort noch abspielen, seien nichts weiter als Gefechte zwischen der abeffinischen Nachhut und italie­nischen Porpostenabteilungen. Je näher die Italiener ans abessinische Hochland herankommen, desto stärker werde sich der abessinische Widerstand versteifen. Die er­weiterte Mobilmachung soll 300 000 Krieger auf die Beine bringen.

In der Tagung der Reichsleiter im Braunen Haus er­statteten die einzelnen Reichsicirer ausführlichen Bericht über die Lage und die Entwicklung ihres Tätigkeitsgebietes, wobei die erfreulichen Fortschritte der Parteiarbeit im abgelaufenen Jahr fcstgestel.'t, aber auch einzelne Schwie­rigkeiten, die hier und dort vorübergehend zu überwinden waren, einer offenen und aufmerksamen Prüfung unter­zogen wurden.

Es kam dabei insbesondere der Wille zum Ausdruck, die bewährte Energie und weltanschauliche Kraft der Par­tei in die Answärtsen ü icklnng auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet weiterhin aufs schärfste zum Einsatz zu brinaen.

General Ohmann 86 Zahre att.

Glückwunschtelegramm des Führers.

General L i tz m a n n, der siegreiche Heer­führer des Weltkrieges und greise Mitkämpfer des Füh­rers, beging am Mittwoch auf seinem Gut in Neu- gl o b s ö w (Markl in aller Stille seinen 86. Geburtstag.

Der Führer und Reichskanzler sandte folgenden Glückwunsch:Lieber Parteigenosse General Litzmann! Zu Ihrem heutigen 86. Geburtstage sende ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche in der innigen Hoffnung, daß Sie noch recht oft diesen Tag in jenem Dritten Reich feiern mögen, für das Sie als unser alter Parteigenosse mitgefämpft haben. Ihr herrlich ergebener Adolf Hitler."