Alle Staatsoberhäupter der Nationen der Welt, so wird aus London schließlich berichtet, übermittelten nach London ihre Beileidsbezeugungen. In der f r a n * zösischen Öffentlichkeit hat der Tod König Georgs V. herzlichste Anteilnahme hervorgerufen Dem neuen König Eduard VIII. widmet die Pariser Presse freundlich gehaltene Betrachtungen. Die für Dienstag vorgesehene Sitzung des Bölke rbundsrat« wurde mit Rücksicht auf den Tod des Königs von England abgesagt. Am Nachmittag veranstaltete der Rat eine Tranerknnd- qebuug.
Am Schluß der Trauersitzung des Völkerbundsrates, in deren Verlauf fast alle Staatsmänner das Wort zu Nachrufen auf den verstorbenen König ergriffen, sprach der englische Außenminister E d c n, um dem Rat für seine Anteilnahme zu danken. Er erklärte it. a., für jeden von den vielen Millionen seiner Untertanen in der Welt bedeute der Tod des Königs das Gefühl eines schweren Verlustes, für diejenigen, deren stolze Pflicht es gewesen ist, ihm zu dienen, ein tiefer Schmerz. „Wir leben in einer Zeit des Sturmes und Dranges. Wir schreiten mühsam im losen Sand. Aber für uns hat es in meinem Lande einen sicheren Fels gegeben: die Per» sönlichkeit unseres Königs. In zahlreichen Wirrnissen dieser Jahre war er das Sinnbild alles dessen, was wir achten, das lebendige Beispiel der Eigenschaften, nach denen wir als Engländer streben. Wir fühlen, daß wir in ihm nicht nur den Herrscher, sondern den Vater seines Volkes verloren haben."
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König Georg V. in die Maria-Magdalenen-Kapelle von Sandrjngham überführt. — Trauergottesdienst am Sarg.
London, 22. Jan. (Funkmeldung.) Die sterbliche Hülle König Georgs wurde Dienstag abend vom Schloß Sandringham nach der naheliegenden Maria-Magdalenen- Kapelle übergeführt. Trotz eines schweren Hagelsturmes hatte es sich die Königin nicht versagt, den Sarg gemeinsam mit dem Herzog und der Herzogin von Kent und der königlichen Prinzessin zu begleiten. Neben dem Eichensarg, der auf einer Geschützlafette ruhte, schritten 8 Gardegrenadiere. An der Spitze des Trauerzuges marschierte der Pfeifermajor des Königs, der auf einem schottischen Dudelsack schwermütige Lieblingsweisen des verstorbenen Monarchen spielte.
Nachdem dann der Sarg vor dem Altar der Kapelle niedergesetzt worden war, begann der Trauergottesdienst im Schein flackender Kerzen. Knieend hörten die Königin und die übrigen Mitglieder der königlichen Familie die Worte des Geistlichen.
Kurz vor Mitternacht, in der Sterbestunde des Königs, kehrte die Königin nochmals zur Kapelle zurück, um allein am Sarge zu beten. Während der Nacht hielten Förster und ^---dhiiter des Königes in ihren grünen Uniformen die Totenwache.
Am heutigen Mittwoch wird die Leiche des Königs zur Aufbahrung in der Wesiminfterabtei nach London übergeführt.
Vor der Einsargung am Dienstagmorgen war vom König eine Totenmaske abgenommen worden.
Wenn am kommenden Dienstag die feierliche Beisetzung des Königs in der Schloßkapelle von Windsor stattfinden wird, werden seine sterblichen Ueberreste neben den Gräbern seines Vaters, König Eduard VII. und seiner Mutter, Königin Alexandra, zur Ruhe gebettet werden.
In dem Trauerzug werden die Vertreter der Regierungen aller Länder gehen, unter ihnen voraussichtlich die regierenden Könige von Dänemark, Norwegen und Bulgarien. Die allgemeine Landestrauer für den verstorbenen König beginnt am heutigen Mittwoch.
Botschaften des neuen englischen Königs an Heer, Flotte und Luftstreitkräste.
London, 22. Jan. (Funkmeldung.) König Eduard hat am Dienstag Botschaften an das englische Heer, die Flotte und die Luftstreitkräste gerichtet. In der Botschaft an das Heer erklärte der König u. a.:
Ich blicke auf meinen Dienest als junger Offizier im Weltkriege als eine der wertvollsten Erfahrungen zurück. Er gewährte mir die Gelegenheit und die Vorrechte der Kameradschaft mit den Soldaten aus dem vereinigten Königreich, den Dominien, Indien und den Kolonien. Ich lernte die wichtigen Charaktereigenschaften, durch die die Soldaten in der schwersten Krise unserer Geschichte geeinigt wurden, verstehen und schätzen: Die gleiche glühende Ergebenheit gegenüber der Krone, den gleichen guten Mut und die gleiche Ausdauer im Unglück so wie die gleiche Entschlossenheit, die Ueberlieferungen der Ritterlichkeit und des Mutes aufrecht zu erhalten."
In der Botschaft an die Flotte heißt es, daß der König die Leistungsfähigkeit und das Wohlergehen der britischen Flotte als eine Angelegenheit von höchster Bedeutung betrachte.
Aus dem Leben Georgs V.
Fünf Könige mit dem Namen Georg herrschten über Großbritannien und Irland: die vier ersten in der Zeit von 1714 bis 1830, der jetzt verstorbene Georg seit dem Mai 1910. Deutschland war die Wiege des ersten Georgs. Hannoveraner von Geburt, hatte er in Hannover als Kurfürst regiert, bis er auf Grund gewisser Erbfolgeakte zum König von Großbritannien ausgerufen wurde.
Georg V., der 1865 geboren wurde, war ursprünglich nicht für den Thron bestimmt gewesen, denn er war nicht der älteste, sondern der zweite Sohn Eduards. Mit seinem älteren Bruder, dem Herzog Albert Viktor von Clarence, der der Thronfolger war, trat er als Junge von zwölf Jahren als Kadett in die britische Marine ein, und ein „Mariner" ist er fein ganzes Leben lang geblieben: Ruderregatten, Jachtfahrten, Segelpartien waren seine Lieblingsbeschäftigung, und daß er der gewaltigen englischen Kriegsmarine weit größeres Interesse zuwandte als dem britischen Landheere, das ja allerdings vor dem Weltkriege sozusagen nur in der Idee bestand, ist bekannt. Mit seinem Bruder besuchte Prinz Georg, nachdem er eine dreijährige Weltreise hinter sich hatte, im Jahre 1886 als Studio die Universität Heidelberg, die damals ihr 500- jähriges Jubiläum feierte. Aus dem behaglichen Leben des zweitgeborenen Prinzen wurde der prinzliche Marine- Commander ganz plötzlich herausgerissen, um für die vielerlei Pflichten eines Beherrschers von Großbritannien .und Irland geschult und vorbereitet zu werden: der Herzog von Clarence war 1892 gestorben, und Georg wurde mit dem Titel „Herzog vcn York" englischer Thronerbe. Im Juli 1893 heiratete er die frühere Verlobte seines verstorbenen Bruders, die Prinzessin Viktoria Mary von Teck. Nachdem er bei der Thronbesteigung seines Vaters den Titel eines Herzogs von Cornwall erhalten hatte, trat er mit seiner Frau eine Reise zum Besuch der britischen Kolonien in Australien, Südafrika und Nordamerika an und wurde nach seiner Rückkehr zum Prinzen von Wales ernannt; das ist, wie man weiß, der Titel, der dem jeweiligen englischen Thronfolger zusteht.
Unter zwölffacher Mordanklage.
Beginn des Seefeld-Prozesses vor dem Schwurgericht Schwerin. — Die geheimnisvollen Mecklenburger Knabenmorde.
Vor dem Schwurgericht beim Landgericht Schwerin (Mecklenburg) begann jetzt der Prozeß gegen den 65 Jahre alten Adolf S e e f e l d aus Potsdam, der sich unter der schweren Anklage des Mordes in zwölf Fällen und des fortgesetzten Sittlichkcitsverbrechcns an Kindern zu verantworten hat.
Der rätselhafte Tod von zwölsKindern im Alter von vier bis zwölf Jahren während der letzten Jahre in den Gebieten Brandenburg-Grenzmark und Mecklenburg- Lübeck verursachte höchste Beunruhigung und Erregung in der gesamten Öffentlichkeit. Die toten Kinder wurden seinerzeit in Schonungen oder in Rohr- bzw. Kornfeldern aufgefunden. Auffallend war es, daß die Leichen sämtlich so dalagen, als hätten sich die Kinder zu friedlichem Schlu m m e r nierdergelegt Auch fehlte an den Leichen jedes Zeichen für eine äußere Gewaltanwendung. Die örtlichen zuständigen Behörden kamen deshalb zunächst zu der Annahme, daß die Kinder an einer Pilzvergiftung, durch Erfrieren oder durch Ermattung ums Leben gekommen waren. Bereits im Februar 1934 hatte jedoch der Oberstaatsanwalt Beusch in Schwerin darauf hingewiesen, daß die Knaben seiner Auffassung nach Opfer eines Sittlichkeitsverbrechens waren. Es gelang jedoch damals nickt, einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Fällen festzustellen.
Im Februar 1935 verschwanden nun in Schwerin die Schüler N c u m ann und Zimmer m a n n. Die Suche nach ihnen blieb zunächst vergeblich. Von der Staatsanwaltschaft Schwerin wurden daraus zuni Vergleich einige außerhalb des Gaues Mecklenburg-Lübeck zurückliegende Fälle des Verschwindens von Knaben herangezogen und bei der Prüfung des Materials ergab sich eine merkwürdige ü b erei n st i m m ung, die kaum auf Zufälligkeit beruhen konnte. Eine Sonder- k o m m i s s i o n wurde nunmehr gebildet, um das geheimnisvolle Kindersterben restlos aufzuklären.
Bei der Untersuchung der einzelnen Begleitumstände zeigten sich zur unheimlichen Überraschung mehrere Anhaltspunkte dafür, daß die Kinder von fremder Hand — wahrscheinlich mit einem schnellwirkenden Gift — getötet worden sein mußten
Ferner ergab sich aus der weiteren Verfolgung der Spuren, daß offenbar nur ein u n d d i e s e l b c Person als Täter in Frage kommen konnte. Aus der großen Entfernung der Fundstellen der Leichen voneinander zog man den Schluß, daß der Täter ein Mensch sein müsse, der ständig seinen Aufenthaltsort wechselte. Mit Hilfe von Spezialhunden wcn es dann der Kriminalpolizei gelungen, die Leichen der Schüler Neumann und Zimmermann in den Waldungen bei Schwerin aufzufinden.
Onkel Tick-Tack, der „^inöerfreunö".
Der Verdacht richtete sich schließlich auf den 65 Jahre alten Adolf S e e f e l d , der als Gelegenheitsarbeiter von Ort zu Ort zog und Aufträge für Reparaturen von Uhren sammelte. Am 3. April 1935 wurde er in Wut - zetz im Kreise Neuruppin verhaftet. Seefeld, der unter der Landbevölkerung der in Frage kommenden Gegend unter dem Spitznamen „Onkel Tick-Tack" oder „Onkel Ad i" besannt war, genoß überall den Ruf eines Kinderfreundes. Deshalb glaubte zunächst niemand an die Schuld des Angeklagten, der stets größte Frömmigkeit heuchelte, und sich durch seine Erzählungen über seine angeblichen hypnotischen Fähigkeiten einen gewissen Nimbus zu geben verstand.
Über 23 Jahre in Strafanstalten.
Bei Nachprüfung des Vorlebens des Angeklagten stellte es sich jedoch heraus, daß dieser von seinen letzten 40 Lebensjahren über 23 Jahre in Strafanstalten gesessen hat. Er ist schon zweimal wegen Sittlichkeitsverbrechens an Kindern vorbestraft und hat bereits in den Jahren 1893 bis 1930 in zehn Fällen unter dem Verdacht der Kindestötuna gestanden. Erst
Wissen oder Bildung?
Von der Hohlheit unseres Wissens zur Ganzheit wahrer Bildung.
Liberalistisch denkende Menschen schickten uns einst hinaus in die Welt mit einem umfangreichen, lehrplan- mäßig erlernten Wissen. Ihnen schien ein stets vorweisbares „Können" höchstes und einzigstes Bildungsideal, von dem sie glaubten, daß es allein genüge, für uns und unser Volk die notwendige Grundlage für die Lebensgestaltung zu bilden.
Ein unbestimmtes Gefühl sträubte sich in unserem Inneren gegen diese Weltanschauung, die die Menschen danach einteilte, ob sie dank eines besser gefüllten Geldbeutels den Nachweis erbringen konnten, daß sie bestimmte Wissensgebiete vorschriftsmäßig auswendig gelernt hatten, Spargel, Austern usw. formgerecht zu essen verstanden und sonstige Äußerlichkeiten beherrschten oder ob ihnen das „Glück" diese Fähigkeiten versagt batte.
Dann kamen wir hinaus ins Leben, lernten jene „anderen" Menschen kennen, den Bauern hinter dem Pflug, den Arbeiter hinter dem Schraubstock und der Drehbank. Ganz anders, als man es uns beigebracht hatte, fanden wir sie. Freunde und Kameraden wurden sie uns. Die Augen öffneten sich uns für die Hohlheit und Halbheit einer Bildung, die an äußerlichen, anerzogenen Dingen sich den Maßstab ihres Urteils bildete und den inneren, angeborenen Werten des Menschen keine Beachtung schenkte. Und mehr und mehr erkannten wir die Schwächen dieses Denksystems, das Deutschland und die anderen bodenständigen Völker der Welt immer mehr vom richtigen Weg wegführte.
Mit Schrecken sahen wir, wieeinKunstbolschr- Wismus angebliche Kunstwerke hervorbrachte und verbreitete, wie man es fünfzig Jahre zuvor noch nicht für möglich gehalten haben würde. Immer deutlicher zeigte sich uns der Verfall des Theaters, das — vernachlässigt von den einen, verdorben von den anderen — zum Tummelplatz undeutscher Art geworden war. Kitscherscheinungen beherrschten das Filmwesen. Jazz und Niggersong machten sich im Rundfunk und Konzertsaal breit. Schnöder Materialismus überwucherte alle Größe im Städtebau. Die religiösen und sittlichen Grundlagen, die in jedem geordneten Staatswesen — gleichgültig in welcher äußeren Form — vorhanden sein müssen, wichen dem Götzendien st der Mammons- a n b e t u n a und vergessen war alle Größe deutscher
1926 war er nach Verbüßung von zehn Jahren Zuchthaus wegen Sittlichkeitverbrechens wieder aus freien Fuß gesetzt worden Danach hatte er ein ruheloses Wanderleben geführt. Die
Aufzeichnungen in einem Notizbuch Seefelds waren besonders belastend für den Angeklagten, der darin seine Aufenthaltsorte an den einzelnen Tagen ständig eingetragen hatte. Es konnte festgestellt werden, daß der Angeklagte sich immer zu der Zeit, in der Kinder verschwunden waren, in der unmittelbaren Nähe des spä leren Fundortes der Le i ch e n aufgehalten hatte.
„Ich habe niemand umgebracht!"
Zu Beginn der Schwurgerichtsverhandlung in Schwerin ermahnte der Vorsitzende den Angeklagten dringend, der Wahrheit die Ehre zu geben. „Wir lassen uns nicht zum besten halten", so erklärte der Vorsitzende mit erhobener Stimme. „Denken Sie daran, daß Gott vielleicht einem reuigen Sünder verzeihen kann." Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sick schuldig bekenne, erwidert S e e f e l d : „Das kommt gar nicht in Frage. I ch habe niemanden u m g e b r a ch t.
Die bei mir waren, leben alle noch."
Aus der weiteren Fragestellung ergibt sich, daß Seefeld zwar die ihm zur Last gelegten Siitlichkeitsver- brechen zugibt, jedoch die Morde abstreitet. Die Verhandlung gestaltet sich dann äußerst schwierig, da der Angeklagte auf die an ihn gestellten Fragen in dummdreister Weise oder überhaupt nicht antwortet. Immer wieder kehrt die Redewendung bei ihm wieder:
„Die Vergangenheit ist für mich tot, nur die Zukunft ist mein."
Es kommt zur Sprache, daß Seefeld in den 90er Jahren in Kiel seine spätere Frau kennenlernte. Aus dieser Ehe hat der Angeklagte einen Sohn, der im vergangenen Jahre wegen Sittlichkeitsverbrechens aus Grund der neuen gesetzlichen Bestimmungen unfruchtbar gemacht worden ist. Später ließ sich Seefeld, der auch noch in Beziehungen zu vielen anderen Frauen stand, von seiner Frau scheiden.
„Schwaches Gedächtnis" auf Befehl.
Jm weiteren Verlauf der Verhandlungen kommen eine Reihe von Mordtaten an Kindern zur Sprache, die sich um die Jahrhundertwende ereignet haben. Schon damals stand der Angeklagte im Verdacht, diese Kinder umgebracht zu haben, es ließen sich jedoch keine schlüssigen Beweise für diese Annahme erbringen. Mit seinem ständigen, verschlagenen Lächeln erwidert Seefeld auf Vorhalte in dieser Richtung stets mit der gleichen Redensart: „Das kommt für mich nicht in Frage!"
Dem Angeklagten, der häufig, wenn er nicht im Gefängnis oder Zuchthaus saß, auch in der Irrenanstalt untergebracht war, wurde dann eine aus dieser Zeit stammende Krankheitsgeschickte vorgehalten; der Arzt kam darin zu dem Ergebnis, daß Seefeld ein Simulant sei. Auch damals wurde schon bei Seefeld als charakteristisch festgestellt,- daß er immer dann, wenn -es sich iw-*._ harmlose Dinge handelte, ohne weiteres Zugeständnisse machte, dagegen
verließ ihn sofort das Erinnerungsvermögen, wenn die Sache unangenehm für ihn zu werden begann.
Seefeld will von allen diesen Dingen nichts mehr wissen, nur hin und wieder erkennt man, daß er wohl zu folgen weiß, und der Eindruck verstärkt sich, daß er sich nur verstellt. Bei Erörterung seines Aufenthalts in der Irrenanstalt im Jahre 1902 bemerkt der Vorsitzende: „Wenn wir damals schon das Sicherungsverwahrungs- gesetz gehabt hätten, wäre uns viel Unheil erspart ge blieben."
Die Verhandlung wurde auf Mittwoch vertagt.
Vergangenheit. Aus der Erkenntnis des Irrweges erwachte unser Widerstandswillen. Zielbewußt lenkten wir unsere Schritte zurück auf die Marfchstraße, die unserem Volk bestimmt ist.
Hinüber über den Stacheldrahtverhau des Standesdünkels und der Klassengegensätze reichten wir unseren Brüdern, denen dasselbe Ziel gesteckt ist, die Hand und wir danken es Gottes Fügung, daß er uns gerade zur rechten Zeit einen Führer schenkte, der uns den Weg wies zur rechten Bahn.
Neu gegeben wurde uns der Maß st ab echter und natürlicher Menschenwertung. Jene wertvollen deutschen Charaktereigenschaften, von denen schon in den alten Sagen und Liedern unseres Volkes gesungen ist — Ehre, Treue, Mannhaftigkeit, Einsatzbereitschaft, Lauterkeit, Willens- und Entschlußkraft, Verantwortungsfreudigkeit — diese unerlernbaren schönsten Tugenden des deutschen Menschen traten wieder an die erste Stelle unserer Auslesegrundsätze. Ausgeschaltet wurden alle Volksfremden und die charakterlosen Heuchler und Schmeichler, deren Dienste unserem Volk nie von Nutzen waren und sein können. An ihrer Statt nimmt heute wieder die charakterfeste Persönlichkeit die erste Stelle ein, die fest verwurzelt in deutscher Art eine wahre Stütze des Staates ist.
Wir verachten deshalb das Wissen nicht. Aber es ist n i ch t mehr der Götze, dem wir zu dienen verpflichtet sind, sondern ist Diener zu zielbewußtem Einsatz eines jeden Menschen, der es zu der Allgemeinheit Nutzen gebraucht. Erst dadurch, daß wir den Charakterwerten wieder zu der ihnen zukommenden Geltung verhalfen haben, ist uns die Gewißheit gegeben, daß aus dem Können auch eine wertvolle Leistung entsteht.
Ein grundlegender Wandel ist so in unserem Er- ziehungs- und Äusleseprinzip eingetreten. Aus der Hohlheit äußeren Wissens wurde die Ganzheit wahrer und echter Bildung.
Ausreiseverweigerung für Den memelländischen Vizepräsidenten.
Der Gouverneur des Memelgebiets Kurkauskas hat einer Meldung aus Memel zufolge dem Vizepräsidenten des Memelländischen Landtages die Ausreisegenehmigung ins Ausland verweigert.