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Zulöaer Anzeiger

Ericherni leben Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried- rich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Rotalionsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach'H Hauptschristleiter Friedrich Ehren­klau. Fulda. Königstr. 42, Fernsprecher 2989.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulüa- und Haunetal Fuldaer Kreisblatt

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Nr. 18 13. Jahrgang

Fulda, Mittwoch, 22. Januar 1936

Einzelverkaufspreis 10 Pf.

Feierliche Proklamation Eduards VIII.

Vereidigung des Kronrats, des englischen Kabinetts und des Parlaments ans den neuen König.

Jm Alter von 41 Jahren hat der englische Thron­folger, der Prinz von Wales, als Eduard VIII., den Thron des britischen Weltreiches bestiegen. Am Dienstag­nachmiltag fand im englischen kronrat die feierliche Proklamation des neuen Königs statt. Dieser Kronrat wurde mit großer Feierlichkeit und in aller über­lieferten Pracht abgehalten. Nicht nur über dreihundert Kronräte, sondern auch der Lordmayor, der Oberbürger­meister von London, beteiligten sich an der Feier. Das eigentliche Staatsgetriebe wurde durch den Tod des Königs Georg in keiner Weise unterbrochen. Das Kabinett Baldwin setzt feine Amtstätigkeit fort und wurde auf den neuen König vereidigt. Ebenfalls legten die Mitglieder des englischen Parla­ment s am Dienstagabend den Eid auf Eduard VIII. ab. Ministerpräsident Baldwin sprach am Dienstagabend über den englischen Rundfunk zum englischen Volk.

Nach einem alten englischen Gesetz muß die Prokla­mation des neuen Königs sobald wie möglich nach den« Tode eines Herrschers vorgenommen werden. In dem Kronrat im St.-James-Palaft, am Dienstagnachmitlag, verlas der Kabinettssekretär Sir Maurice Hankey die Königsproklamation, »vorauf sie vom Kronrat unter­zeichnet wurde. Der Kronrat leistete dann dem neuen König Eduard VI II. den U n t e r t a n c n e i d. Nach altem Brauch hält der neue König darauf eine Rede, die in der London Gazette" veröffentlicht und im Kronrat auf .Gewahrt werden muß.

Eduard VIII. ist seit 1 7 6 Jahren der erste unv erwählte König, der den englischen Thron be­steigt. Sollte er unverheiratet und ohne unmittelbare Thronerben bleiben nur ein Sohn des Königs darf den Titel eines Prinzen von Wales tragen, so wäre der nächste Thronanwärter der Herzog von Vork, und nach ihm seine Tochter Elisabeth.

Die AusruMg Eduards VlD.

Der neue König Eduard VIII. wurde am Dienstag nach alter Überlieferung von den Stufen der KöniglichenBörsein London öffentlich zum König ausgerufen. Die königlichen Herolde sprachen dabei den historischen Satz aus:D e r K ö n i g i st t o t. E s l e b e d e r K ö n i g !" Die Börse blieb am Dienstag geschlossen.

Der neue König ordnete eine halbjährige große und danach eine halbjährige kleine Hoftrauer an. Der Erzbischof von Canterbury hielt in der Kirche von S a n d r i n g h a m einen ersten Trauergottesdienst ab, dem mehrere Mitglieder der könig­lichen Familie beiwohnten.

Der neue englische König, Eduard VIII., flog zu­sammen mit seinem Bruder, dem Herzog von York, von Sandringham nach London. Am nachmittag fand im Sankt-James-Palast eine Sitzung des Kronrats statt, in der die Formalität der Königsproklamation be- schlossen wurde. Eduard VIII. gab in der althergebrachten Form eine T h r o n e r k l ä r u n g ab und sprach die übliche Eidesformel:Im Angesicht Gottes bekenne ich ernstlich und feierlich, daß ich ein treugläubiger Protestant bin und daß ich die Gesetzesbestimmungen über die vrote- stantische Nachfolge aus den Thron meiner Vorfahren streng initehalten und nach besten Kräften schützen und wahren werde."

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Treueschwur des Britischen Parlaments

London, 22. Januar. Die beiden Häuser des Parla­ments traten am Dienstag um 18 Ahr zusammen, um dem neuen König Treue und Ergebenheit zu schwören. Als erster leistete der Sprecher des Unterhauses den Treueid. Ihm folgten der Ministerpräsident, der Schatz- kanzler und der Innenminister. Die Eidesformel des Sprechers lautete:Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen, daß ich Seiner Majestät, König Eduard, seinen Erben und Nachfolgern dem Gesetz entsprechend die Treue halten werde, so wahr mir Gott helfe." In ähnlicher Form voll­zog sich der feierliche Akt der Eidesleistung im Oberhaus, wo die Urkunde zunächst vom Lordkanzler und hierauf vom Lordsiegelbewahrer und dem Führer des Oberhauses unterzeichnet wurde. Die Eidesleistung wird wahrscheinlich noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Anschließend werden sowohl dâs Unterhaus als auch das Oberhaus vom König persönliche Botschaften entgegennehmen, die vom Lordkanzler im Oberhaus und vom Sprecher im Unterhaus verlesen werden. Beide Häuser werden als­dann Beileids- und Glückwunschentschließungen annehmen. Das Testament des Königs Georg wird, wie auch in früheren Fällen, nicht veröffentlicht werden, da es außer­halb jeder Gerichtsbarkeit liegt und nur den Mitgliedern des Königshauses beiannt tff.

Der neue König.

Tagelang haben die Menschenmassen schweigend bor den Toren des Schlosses Sandringham geharrt, über den Wartenden stand die Hymne des Britischen Empires God save the king!". Der Tod jedoch ist über das Ban­gen eines großen Polkes hinweggegangen. In der Mitternachtsstunde hat er King George in sein Reich ge­leitet. Der Union Jack ist in der ganzen Welt, wo das englische Banner weht, auf Halbmast gesunken.

Der König ist tot! Das britische Imperium trauert an der Bahre seines Königs, der sich einen Ehrenplatz in den dankbaren Herzen seines Polkes erworben hat als das Vorbild eines konstitutionellen Monarchen. Der Heimgegangene Herrscher hatte als ein wahrhaft demo­kratisches Staatsoberhaupt englischer Prägung durch seine korrekte und liebenswürdige Haltung mehr für die Ein­heit des Reiches getan, als man gemeinhin annimmt, wenn man die verfassungsrechtliche Stellung des eng­lischen Königs und das komplizierte Gefüge des Empires betrachtet.

Nun ist die Nachfolgean den hohen und mächtigen Prinzen Eduard, Albert,Christian,George,Andrew,Patrick, David" gefallen, der proklamiert istals unser eigener ge­setzmäßiger und rechtmäßiger Oberlord Eduard VIII., durch Gottes Gnade König von Großbritannien, Irland und den britischen Dominions über See, Verteidiger des Glaubens, Kaiser von Indien".

Die Welt kennt den bisherigen Prinzen von Wales gewöhnlich nur als den Mittelpunkt gelegentlicher Sen­sationsnachrichten. Als einen Menschen, der das Gesicht der Mode bestimmt, als einen schneidigen, Setter. der in zahlreichen Rennen im Kampf um Silberpokale mitwirkte, als einen europäischen Thronfolger, der immer noch nicht heiratet. Wer ist aber dieser Mensch, der sich immer wieder im Mittelpunkt von Salongesprächen sah? Der neue König steht heute im 4 1. Lebensjahr (geb. 23. Juni 1894). Er hat die typische Ausbildung des Engländers der großen Gesellschaft erhalten. Nach der Kadetten- schuluna studierte er in Orford. jener Universität, die den englischen Menschentypus prägt, der später in seiner Führungsstellung das Gesicht des Weltreiches formt. Der neue König war der Boy nach englischem Geschmack: hübsch, blond, blauäugig, frisch und natürlich, sportlich und ohne Pose, Diese sehr englische Haltung, verbunden mit einer bestrickenden Liebenswürdigkeit, hat ihm die Sympathien Englands eingebracht. In seinem Wesen spiegelt sich eher der Großvater Eduard VII. wieder als der Vater. Das Spielerische, Unbekümmerte seiner Jugend, das oft Bedenken und Kopfschütteln der Nation erregte erinnert sei nur an die Anfrage des Unter­hauses, als der Prinz von Wales 1924 bei einem Rennen ernstlich stürzte, ist einem Arbeitseifer und einer ern­sten Reife gewichen. Wenn bei Eduard VII. das demo­kratische Element fehlte, was ihm seine Untertanen schwer verdachten, so hat der Enkel wie schon Georg V. sich die Zuneigung und Anhänglichkeit des englischen Polkes er­rungen durch die menschliche Wärme, mit der er dem Schicksal der unteren Schichten gegenübertritt. So scheut er sich nicht in die Elendsquartiere der englischen Industrie­städte zu gehen, und er läßt sich nicht durch die Slum- Häuserführen", sondern will sich mit ganzem Ernst der Lösung der sozialen Frage widmen. Gerade dieser Zug seines Wesens hat wesentlich zu der Volkstümlich­keit des neuen Königs beigetragen.

Trauer um Georg V.

Beisetzung am kommenden Dienstag.

Die Flagge der Admiralität, die nur beim Tode des regierenden Herrschers niedergeht, flatterte auf halbmast und der B i g T o m, die große Glocke der St. Pauls- Kathedrale, die nur beim Tode eines Königs läutet, ließ von 8 bis 10 Uhr ihre tiefe Stimme ertönen. Die Bei­setzung wird am kommenden Dienstag in der Schloß­kapelle von Windsor erfolgen im Beisein zahl­reicher ausländischer Fürstlichkeiten und Diplomaten. Deutschland wird, wie die englischen Zeitungen zn mel­den wissen, durch Außenminister von R e u r a t h ver­treten werden, außerdem erivarfet man unter Umständen auch General Göring.

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Der Herzog von Coburg im St. James-Palast

London, 22. Januar. Der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha wurde Dienstag nachmtttag von seiner Ma­jestät dem König Eduard VIII. im St. James-Palast emp­fangen, um dem König persönlich und zugleich der Köni­ginmutter und der königlichen Familie das tiefempfun­dene Beileid des Führers und Reichskanzlers zum Ab- leban König Georgs V. curszüsyreHen.

König Eduard VIII. von Großbritannien.

(Scherl Bilderdienst.)

Im Weltkrieg hat der bisherige Thronfolger in ver­schiedenen Truppenteilen Dienst getan. Nur ernste Por- Haltungen haben ihn gehindert, in den vordersten Gräben bei der kämpfenden Truppe zu bleiben. Aus Flanderns Schlachtfeldern ist er 1915 nur mit knapper Not dem ^.ode entgangen, als sein Kraftwagen von einer Granate ge­troffen wurde. Weil der junge König den Kampf um die Not der Völker im großen Kriege tennengelernt hat, scheint er berufen, das V e r st ä n d i g u n g s w e r k der Frontkämpfer zu fördern. Dürfen wir es als ent gutes Vorzeichen nehmen, daß eine der letzten Handlungen des Schutzherrn der British Legion als Thronfolger der Dank an die deutsche Frontkämpferdelegation auf ihr an­teilnehmendes Telegramm war?

^er neue König hat ein schweres Amt übernommen; sein diplomatisches Geschick, das ihm nachgerühmt wird, wird ihm helfen, das Erbe des Paters zum Besten seines Reiches recht zu verwalten. Auf langen Reisen durch die Dominions und Kolonien hat derGesandte des -Im­periums" sich weitgehende Kenntnisse erworben. An die Spitze des Weltreiches gestellt, wird Eduard VIII. es al» seine vordringliche Aufgabe ansehen, seinem Reiche und der Welt den Frieden zu erhalten. Er darf zur dieses Anliegen des Verständnisses und der Unterstützung unserer Nation und ihrer Staatsführung gewiß sein.

ZelleldsSezeugungen aus aller Welt.

Trauerkundgebung des Völkerbundsrats

Die Nachricht vom Tode des englischen Königs wurde sofort nach allen Weltteilen gefunkt und unzählige Beileidstelegramme sind bereits in der englischen Hauptstadt eingetroffen. Ter König von Italien hat sofort nach Erhalten der Nachricht Beileidstelegramme an die Mitglieder der englischen Königsfamilie und an die Königin Maud von Norwegen, die Schwester des ver­storbenen Königs, gesandt. In Rom wurde eine Zier- zebntägige Hoftrauer angeordnet. Die italienische Preye widmet dem verstorbenen Herrscher herzlich empfundene Nachrufe. Auch der amerikanische Staatspräsident Roosevelt hat seine herzliche Anteilnahme in Tele­grammen an den englischen Thronfolger und an die Königinwitwe zum Ausdruck gebracht In der amerikani­schen'Presse wird der Tod Königs Georg tief betrauert. Ebenso haben das japanische K a i s e r p a a r, as Parlament und die Stadl Tokio Beileidsbezeugungen nach London gesandt. In Tokio wurde eine dreiwöchige Hoftrauer angeordnet. In der gesamten japanischen Presse kommt die Anteilnahme an dem Tod des ehemals gèn Perbüüdeien Ann Ausdruck.