Söldner Anzeiger
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Nr. 17 — 13. Jahrgang
Fulda, Dienstag, 21. Januar 1936
Einzelverkaufspreis 10 Pf.
König Georg V. von England f.
Tiefe Trauer im ganzen britischen Reich. — Eduard VIII. wird am heutigen Dienstag nach alter Ueberlieferung von den Stufen der königlichen Börse in London öffentlich zum König ausgerufen werden.
Die ernsten Befürchtungen um das Leben König Georg V. von England, dessen Zustand sich im Laufe des gestrigen Tags durch zunehmende Schwäche verschlimmerte, haben sich leider erfüllt: König Georg ist in der vergangenen Nacht seinem schweren Leiden erlegen.
Die amtliche Todesnachricht.
London, 20. Jan. (Funkmeldung.) Die amtliche Mitteilung über den Tod des Königs lautet: Der König starb friedlich um 11.15 Uhr nachmittags in
Gegenwart Ihrer Majestät der Königin, des Prinzen von Wales, des Herzogs von Aork, der Königin- Prinzessin und des Herzogs und der Herzogin von Kent.
gez. Frederic Williams Stanley Hewett Dawson of Penn.
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Die amtliche Nachricht vom Tode des Königs von England wurde nach 1 Uhr früh mitteleuropäischer Zeit um Tor des königlichen Palastes in London angeschlagen. Hunderte von Menschen hatten sich vor dem Palast versammelt. Als die Todesnachricht eintraf, verharrten die Menschen in tiefem Schweigen und entblößten die Häupter. Einige Frauen knieten nieder und verrichteten ein Gebet. Au dem Schlosse wurde die Flagge des Hauses Windsor auf Halbmast gesetzt.
Um ^2 Uhr begannen die Glocken vom Turm der Londoner Guild Hall zu läuten. Auch in den übrigen Stadtteilen wurde die Todesnachricht mit Windeseile bekannt, da viele Menschen auf den Straßen und Plätzen gewartet hatten. Die meisten Gasthäuser und anderen öffentlichen Lokale hatten bereits um Mitternacht ihre Betriebe geschlossen, als es sicher war, daß der König nicht mehr lange am Leben bleiben konnte.
Im englischen Rundfunk wurden schon in den letzten Abendstunden sämtliche üblichen Sendungen eingestellt. Alle Viertelstunde wurde eine Verlautbarung über das Befinden des König verlesen. In der Zwischenzeit hörte man nur das Schlagen der Uhr vom Westminster-Parlament.
An die englische Flotte und die Armee ist eine Trauerbotschaft ergangen. Sämtliche britischen Schiffe, die sich aus hoher See oder in den Häfen befinden, sowie die Flottenstützpunkte Englands und der überseeischen Gebiete werden am heutigen Dienstagmittag 70 Schuß Trauersalut abfeuern.
In ganz England hat der Tod des Herrschers t i e f st e T r a u e r ausgelöst. Als die Nachricht bekannt wurde, wurden in vielen Slädten und Dörfern die Glocken geläutet. In London selbst hörte man beinahe zwei Stunden lang den Ton einer Totenglocke der Westminsterabtei. In Liverpool und anderen großen Städten hatten sich viele Menschen auf den Straßen angesammelt, obwohl ein heftiger Regen ntedergiug. Ueberall verbreitete sich die^Trauer- botschaft wie ein Lauffeuer. Manche Frauen sollen, wie berichtet wird, aufoffenerStraßeinTränenaus- gebrochen sein. Tanzveranstaltungen und Theatervorstellungen waren an den meisten Orten schon vorher abgebrochen worden, als an dem bevorstehenden Tode des Königs nichts mehr zu zweifeln war. Am heutigen Dienstag bleiben alle Theater und Lichtspielhäuser in ganz England geschlossen.
Mit großer Feierlichkeit und in einer überlieferten Pracht wird heute der Kronrat abgehalten, in dem Eduard VIII. zum neuen König von England erklärt werden wird. Nicht nur über hundert Kronräte, sondern auch der Lordmayor der City von London beteiligen sich an der Feier.
Das eigentliche Staatsgetriebe wird durch den Tod des Königs Georg in keiner Weise unterbrochen. Das gegenwärtige Kabinett setzt seine Amtstätigkeit fort und wird lediglich auf den neuen König vereidigt. Die Parlamentsmitglieder werden heute abend den Eid auf Eduard VIII. abzulegen haben.
Die Freundschaft, mit der sich das englische Volk seinem verstorbenen Herrscher verbunden fühlte, kommt in den Blättern in warm empfundenen Nachrufen zum Ausdruck.
Ministerpräsident Baldwin spricht heute 21.30 Uhr englischer Zeit über den Rundfunk zum englischen Volk.
Die Aufbahrung der sterblichen Ueberreste Königs Georgs. — Trauer im ganzen britischen Reich.
London, 21. Jan. (Funkmeldung.) Die Einzelheiten für das Staatsbegräbnis König Georgs werden voraussichtlich heute bekanntgegeben. Die sterblichen Ueberreste des Königs werden zunächst nach der kleinen Kirche St. Maria Magdalena bei Schloß Sandringham und von dort nach London übergeführt werden, wo sie wahrschein-
Schloß Sandringham, in dem der König von England, betreut von den besten britischen Ärzten, gestern abend gestorben ist. Hier in Sandringham fand auch der Kronrat statt, der die Einsetzung eines Staatsrats während der Dauer der Krankheit des Königs beschloß.
(Scherl Bilderdienst.)
lich^in der Westminsterabtei feierlich aufgebahrt werden.
In der St. Pauls-Kathedrale findet heute mittag ein großer Trauergottesdien st statt. Zum Zeichen der Trauer wird heute früh die große Glocke der St. Pauls- Kathedrale geläutet.
Wie aus Ottawa gemeldet wird, hat auch i n K a n a d a die Nachricht vom Tode König Georgs tiefe Trauer ausgelöst. Als das Hinscheiden des Königs am Montagabend kanadischer Zeit bekannt wurde, wurden alle Kirchenglocken im ganzen Lande geläutet.
Die Nachricht wurde rwch in der Nacht zum Dienstag von London aus nach allen Teilen des britischen Weltreiches durch Funk übermittelt.
Thronfolger Eduard Albert, Prinz of Wales.
(Scherl Bilderdienst — M.)
Erste Begrüßung des neuen Königs.
London, 21. Jan. (Funkmeldung.) In der tiefen Trauer um den verstorbenen König vergißt England nicht, seinen neuen Herrscher in Vertrauen zu begrüßen. Neben dem Bild König Georgs werden in den Zeitungen Bilder des neuen Königs veröffentlicht. Sie tragen die Aufschrift: „Es lebe König Eduard V11L!“ Die Blätter machen kein Hehl aus der allgemeinen Beliebtheit deren sich Eduard VIII., als er noch Prinz von Wales war, bei allen Engländern erfreute. Sie bringen zum Ausdruck, daß er einen neuen Typ eines Thronfolgers darstelle und daß er sich durch seine Einfachheit, seinen kameradschaftlichen Geist, sein sportliches Wesen und nicht zuletzt durch seine eingehende Beschäftigung mit den sozialen Fragen schon als Thronfolger eine große Volkstümlichkeit erworben hat. Die Blätter erinnern daran, daß man ihm die Titel „Prinz der Sportleute" und Botschafter des Empire zulegte.
Das Beileid Deutschlands.
Berlin, 21. Jan. (Funkmeldung.) Im persönlichen Auftrage des Führers und Reichskanzlers stattete heute vormittag der Staatssekretär und Chef der Präsidialkanzlei dem hiesigen, königlich-britischen Botschafter einen Beileidsbesuch ab. Ebenso besuchte der Reichsminister des Auswärtigen heute vormittag den britischen Botschafter, um ihm das Beileid der Retchsregierung auszusprechen. Auch der Chef des Protokolls, Gesandter Bülow-Schwante sprach bei dem königlichen Botschafter vor, um das Beileid des Auswärtigen Amtes zum Ausdruck zu bringen. I
Der als Verwandter des englischen Königshauses in London weilende Herzog von Koburg hat der Königin- Witwe und dem König Eduard VIII. die Anteilnahme des Führers und Reichskanzlers persönlich übermittelt.
Unterbrechung der Londoner Flottenkonferenz.
London, 21. Jan. (Funkmeldung.) Wegen des Todes König Georgs wird die Londoner Flottenkonferenz bis auf weiteres uttterb-rochen.