Vereidigung des SA -Feldjägerkorps.
Am 65. Jahrestag der Grundsteinlegung des Reiches durch General Göring im Berliner Lustgarten.
Am 65. Jahrestag der Grundsteinlegung des Deut- jchen Reiches in Versailles — sämtliche Gebäude des Reiches, des Staates, der Stadt Berlin und der Körper- schasten des öffentlichen Rechtes hatten das Hakenkreuzbanner gesetzt — fand im Berliner Lustgarten die Vereidigung von über 500 S A. - F e l d j ä g e r n durch den preußischen Ministerpräsidenten General Göring statt. Fast das gesamte Offizierkorps und vierzehn Ehrenvundcrtschaften der Schutzpolizei sowie zahlreiche Ehrengäste und Tausende von Zuschauern nahmen an der Feier teil.
Punkt 11 Uhr erschollen über den weiten Platz Kom- mandoS. Die angetretene Schutzpolizeimannschaft präsentierte den Karabiner, während der preußische Ministerpräsident, General der Flieger Göring, in Begleitung des Befehlshabers der deutschen Polizei, Daluege, eintraf. Der Berliner Polizeipräsident gab die Meldung der angetretenen Truppe, woraus der Ministerpräsident unter den Klängen des Präsentiermarsches die Fronten abschritt.
Dann ergriff der Berliner Polizeipräsident Graf H e l l d o r f das Wort. Nach einem Hinweis auf den denkwürdigen Tag der Grundsteinlegung für das Deutsche Reich in Versailles im Jahre 1871 betonte er, daß
am 30. Januar 1933 dem deutschen Volke durch den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler dieses neue Reich vollendet erstanden
sei. An diesem Tage sei Adolf Hitler als Vollstrecker des Willens der Gesallenen des Weltkrieges und der Freiheitshelden des Dritten Reiches in die Öffentlichkeit getreten. Durch den heute abzulegenden Eid trete das SA.-Feldjägerkorps in ein persönliches TreueverhÄtnis zum Reichskanzler.
Scharfe Angriffe aus die Politik Lavals.
Radikalsozialistische Minister treten aus der Regierung Laval aus.
Der Radikalsoziali st ischeVollzugsaus- schuß hat Sonntag nachmittag den ehemaligen Ministerpräsidenten Daladier zum Parteivorsitzenden gewählt, da Herriot sich weigerte, eine etwaige Wahl anzunehmen. Auf Antrag Daladiers wurde Herriot sodann einstimmig zum Ehrenvorsitzenden erklärt.
Der dem linken Flügel der radikalsozialistischen Kammerfraktion angehörende Abgeordnete Jean Zay erstattete anschließend Bericht über die allgemeine Politik der Partei. Es sei notwendig, daß Einstimmigkeit über die politische Auffassung der Partei erzielt werde. Zay behandelte sodann die Gründe, die Herriot dazu veranlaßt hätten, aus der Regierung auszu treten, und wies in diesem Zusammenhang auch auf den Ent-- schluß der übrigen radikalfozialistischen Minister hin, die beschlossen hätten, Herriot zu folgen. Der Redner forderte den Vollzugsausschuß aus, Kenntnis von dieser Stellungnahme der radikalsozialistischen Minister zu nehmen und sie zu billigen.
Auf außenpolitischem Gebiet habe der Fraklionsvor- sitzende Delbos in der Kammer die Ansichten der Partei vertreten. Die Abstimmung habe im übrigen gezeigt, daß die große Mehrheit der radikalsozialistischen Fraktion gegen die Politik Lavals eingestellt sei. Wenn trotzdem einige für die Regierung gestimmt hatten, so nur deshalb, weil der Haushalt und die Frage der Kampfbünde noch nicht verabschiedet gewesen seien.
Nach dem Abgeordneten Zay ergriff ein Mitglied des Vollzugsausschusses das Wort, um in scharfer Form d i e A u ß c n p o l i t i k L a v a l s zu kritisieren. Laval
General Görings Ansprache.
Hierauf erscholl der Befehl „Zur Vereidigung stillgestanden!" Von je einer Hundertschaft der Feldjäger trat ein Feldjäger aus dem Mannschaftsstand hervor und legte zwei Finger der rechten Hand auf den Degen eines Polizeioffiziers. Dann sprachen sie langsam die Eidesformel nach.
Nun trat Ministerpräsident General G ö r i n g an das Mikrophon und gedachte des Tages, an dem er vor etwa drei Jahren zum erstenmal zur Preußischen Schutzpolizei sprach. Eine schwere und einzigartige Aufgabe lag damals vor uns. Das Instrument der Polizei war durch die früheren Machthaber volksfremd gestaltet worden.
Heute steht die Polizei mitten im Volk, treu zum Führer.
Ministerpräsident Göring sprach dann über die Entwicklung des Feldsägerkorps. Das Feldjägerkorps wurde nicht g gründet als persönliche Leibwache, sondern weil es notwendig war, die alten Kämpfer der SA. und ber, SS. her .nzuziehen und ihnen verantwortungsvolle Aufgaben zu ^eben. Sie haben Schulter an Schulter mit den ändere Kameraden der Schutzpolizei Ruhe und Sicherheit geschaffen. Es gilt jetzt, die Organisation zu- sammenzuschweißen, darum wird das Feldjägerkorps in das Korps der Schutzpolizei hinübergeleitet, das ein Korps der Kameradschaft und treuer Pflichterfüllung ist. „Seid gute Kameraden, seid treue Soldaten des Führers, seid tapfere Söhne eures Volkes! Ich danke euch für eure bisherige Treue imb spreche euch meine Anerkennung a .s für euren bisher geleisteten Dienst!" so schloß der Mini'' er- präsident seine Ansprache. Ein Vorbeimarsch oer einzelnen Formationen folgte.
habe den Völkerbundspakt verleugnet, der • Frankreichs Sicherheit garantiere. Laval habe außerdem die Bande gelöst, die Frankreich an England knüpften und an seine mitteleuropäischen Freunde. Der Redner warf dem Ministerpräsidenten außerdem vor, den französisch-russischen Pakt noch nicht ratifiziert zu haben. Herriot habe nicht gewollt, daß dieser Zustand noch länger andauere, und den Mut, den er mit dem Austritt aus der Regierung beweise, könne man nur anerkennen. Der Redner brachte sodann einen Entschließungsentwurf ein, wonach
kein Parteimitglied sich in Zukunft der Politik Lavals anschließen dürfe
und der S t i m m z w a n g in diesem Punkte unbedingt durchgeführt werden müsse.
Im Laufe des Vormittags hatten sich die V o r - sitzendenundGeneralfekretäredereinzel- nenLandesausschüsse der Partei versammelt und eine Entschließung angenommen, in der sie den Austritt sämtlicher radikalsozialistischsn Minister aus der Regierung begrüßen.
Eden nach Genf abgereist.
Der englische Außenminister Eden ist am Sonntag mit der Eisenbahn von London nach Genf abgereift, wo er an den Sitzungen des Völkerbundsrates zum erstenmal in seiner Eigenschaft als Leiter des englischen Auswärtigen Amtes teilnehmen wird. In seiner Begleitung befindet sich der parlamentarische Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, LordCranbourne. Da die Genfer Tagesordnung 25 verschiedene Punkte umfaßt, ist die Dauer seines Aufenthalts in Genf noch ungewiß.
Gedenkfeier für GeneralseldmarfHall von Haeseler.
Das kleine Dörfchen Harnekop in der Mark hatte am Sonntag einen großen Tag. Es feierte den hundertsten Geburtstag des Generalfeldmarschalls Gottlieb Graf von Haeseler. Aus diesem Anlaß waren Vertreter der Wehrmacht, des Kyffhäuserbundes und des Haeseler-Vundes von nah und fern gekommen.
Die Gedenkfeier fand in der kleinen Dorfkirche in Harnekop statt, in der der Generalfeldmarschall beerdigt liegt. Divisionspfarrer Streck e n bach , der früher die VII. Division seelsorgerisch betreute, hielt die Gedenkpredigt. Eine große Zahl von Kränzen wurde an der Gruft des Toten niedergelegt. Die Gedenkfeier schloß mit einem kameradschaftlichen Beisammensein in dem schlichten Schlosse in Harnekop, das der Generalfeldmarschall bewohnt hatte.
Was bringt der Rundfunk?
Reichssender Frankfurt.
KraEurt: Dienstag. 21. Januar
6.00; Choral, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Köln: Frühkonzert. In der Pause 7.00: Nachr. 8.00: Zeit, Wasser- stand. Wetter- und Schneeberichte. 8.10: Stuttgart: Gymnastik. 8.30: Sendepause. 9.30: Nur Freiburg: 1. Sechs Lieder von Philippine Schick, Werk 27. — 2. Ludwig van Beethoven 10.15: Königsberg: Schulfunk: Stürme um Marienburg. Schicksal einer Ritterschaft. 10.45: Sendepause. 11.00: Nur Freiburg: Nachr 11.15: Meldungen. 11.30: Bauerniunk. 11.45: Sozialdienst.
12.00: Dresden: Mittagskonzert. Dazw. 13.00: Zeit, Nachr., Wetter- und Schneebericht. 14.10: Vom Deutschlandsender: Allerlei von zwei bis drei. 15.00: Wirtschaftsbericht. — 15.15: Das deutsche Lied. 'Wachsw-.edergabe.)
16.00: Konzert. Aus Darmstadts großer Zeit. Musik um den jungen Goethe). 17.00: Kassel: Musik für zwei Klaviere, von Bruno Stürmer. 17.30: Ein Großbetrieb sucht geeignete Mitarbeiter 18.00: München: Musik zum Feierabend.
19.45: Tagesspiegel. 19.55: Meldungen. 20.00: Zeit, Nachrichten. 20.10: Die Landstreicher. Operette von C. M. Ziehrer. 22.00: Zeit, Nachr. 22.15: Nachr., Schnee- und Wetterberichte. 22.25: Das gerettete Dorf. Von dem Mut und der Schönheit einer oberhessischen Bäuerin. 22.45: Hamburg: Unterhaltungs- und Volksmusik. 24.00: Stuttgart: Nachtmusik.
Drntschlandsender.
Deulschlauosenocr: Dienstag. 21. Januar
6.00; Guten Morgen, lieber Hörer! Glockenspiel, Tagesspruch, Choral. Wetter 6.10: Berlin: Gymnastik 6.30: ^Fröhliche Morgenmusik - Dazw.: 7.00: Nachr 8.30: Sendepause 9.00: Sperrzeit 10.00: Sendepause 10.15: Königsberg: Stürme um Marienburg Schicksal einer Ritterschaft 10.45: Fröhlicher Kindergarten 11.15: Seewetterbericht 11.30: Gretel Schulz: Wie ich Siedlerfrau wurde 11.40: H Bartmann: Weizen unterm Schnee. — Anschl.: Wetter
12.00: Saarbrücken: Musik zum Mittag - Dazw.: 12.55: Zeitzeichen 13.00: Glückwünsche 13.45: Nachr 14.00: Allerlei — von zwei bis drei! 15.00: Wetter, Börie. Programm 15.15: Deutsche Frauen jenseits der Grenze. 15.40: Von neuen Büchern.
16.00: Musik am Nachmittag. Dar Unterhaltungsorchester der Deutschlandsenders spielt. — In der Pause 16.o0: „Dankbarkeit" Lustige Geschichten von Joh. Peter Hebel 17.50: Walter Niemann spielt eigene Kompositionen, Aer Orchideengarten. Zehn Impressionen für Klavier, Werk <6 18.20: E Jaenicke: Politische Zeitungsschau 18.40: Zwischenvrogramm. ,
19.00: München: Musik zum Feierabend. 19.50: München: Die olympischen Winterdisziplinen und ihre Wertung. 20.00: Kernsvruch anschl.: Wetter und Kurznachr 20,10: Wir bitten zum Tanz. Es spielen die Kapellen Robert Gaden und Georg Freundorfer 22.00: Wetter-, Tagesund Svortnachr.: anschl.: Deutschlandecho. 22.30: Eine kleine Nachtmusik 22.45: Seewetterbericht. 23.00: Adalbert Lutter wi-tt :um Tanz
Die Scheinstellung.
Heitere Soldatengeschichte von Ernst Dörr.
Unsere M.G.-Kompanie bezog eine sorgsam ausgewählte Stellung, in der uns die Schützenkompanien unseres Bataillons, unterstützt von eigenen l.M.G.'s und einigen schweren unserer Kompanie angreifen sollten. Der Gegner befand sich noch in einer Entfernung von gut 2000 Metern. Wir hatten also Zeit, uns ohne Hast auf den Angriff vorzubereiten. Unser I. M. G. lar am weitesten links in der Verteidigungsstellung, es sollte später gegebenenfalls Stellungswechsel vornehmen und den Angreifer von der Flanke fassen. Für die Verteidiger bestand der Befehl, den Gegner so nahe wie möglich herankommen zu lassen, um ihn dann stoßartig mit den Garben der M.G.'s ein= zudecken und zu vernichten. Wir fünf von unserer Gewehrbedienung hatten vorher stundenlang am Gerät scharf exerziert; jetzt wurden wir von den andern fünf Kameraden unserer Gewehrbedienung abgelöst und bildeten Reservebedienung. Während des Gefechts hatten wir für Munitionsnachschub und Kühlwasserersatz zu sorgen, im Bedarfsfälle die am Gewehr arbeitende Mannschaft abzulösen und uns im übrigen mit dem Gewehr 98 zu verteidigen, soweit einzelne Schützen solche mit- führten.
Unerwartet gab unser Zugführer einen neuen Befehl. Er ließ unser Gewehr sofort eine gut getarnte Flankenstellung beziehen, von wo aus es Verwirrung in die Reihen der Angreifer bringen sollte. Ein guter Gedanke.
Wir Reserveschützen überlegten, ob luir unserm Gewehr sofort folgen oder noch warten sollten, um nicht durch die fortwährende Bewegung dem Feinde die neue Stellung des M.G.'s zu verraten. Wir warteten also.
Allmählich konnte man mit bloßem Auge die sich langsam vorarbeitenden Schützenketten des Gegners _ erkennen. Seine Maschinengewehre hätten uns jetzt schon wirksam stören können, wenn auch nicht mit sicher liegenden Garben, denn unsere Stellung kannte er noch nicht genau. Er tat aber nichts Derartiges, anscheinend wollte er uns erst beschießen, nachdem wir durch Befeuern seiner Schützenketten unsere Stellungen verraten hatten.
Wir fünf waren ein bißchen zusammengerückt und warteten die Dinge ab. Die Stellung des Anschlußgewehrs rechts von uns konnten wir gut erkennen, unser eigenes nicht mehr, DaS lag gut 150 Meter entfernt von uns zwischen Ginsterbüschen und flachen Hügeln. Eigentlick hätten wir nun folgen müssen, aber es lag sich noch so gut in der schönen Sonne, deren Strahlen recht warm über unsere vorher beim Exerzieren naß geworbenen Rücken strichen ...
W'e es gekommen war, weiß niemand recht. Zuerst hatten wir den heranrückenden Gegner gespannt beobachtet. Bis aus einmal unser Dicker ein eintöniges Sägegerausch von sich gab. So etioaS steckt an. Noch einmal dämmerte in unserm Hirn wohl ^ âdaââU â mâu au târm M.ÜU Aber
was Hals bas uns nutben Kriegern gegen die Allgewalt des Schlafes? Inzwischen war der Herr Major zusammen mit unserm Häuptling prüfend vor der Stellung entlanggegangen. Mar hatte unser weit herausgezogenes M.G. bemerkt, dann auch unser Häuflein Reserveschützen (glücklicherweise nicht derer Tätiakeit), und der Herr Major hatte befriedigt mit dem Kops genickt und etwas in sein Notizbuch geschrieben.
Plötzlich erwachen wir von einem wüsten Geschieße. Di« M.G.'s unserer Stellung hämmern, was die Schlösser hergeben. Der Gegner ist auf 500 Meter heran. Nur unser M.G. schweigt noch. Anscheinend soll es erst später mit Feuern einsetzen. Aber gerade, weil es noch nickt in das Gefecht eingriff, dürfen wir uns jetzt nicht dorthin vegeben. Auf diese Entfernung wird jede Seitwärtsbewegung vom Gegner erkannt Also einen Rahmen Platzpatronen ins Schloß und die einzelnen Schützen des Gegners aufs Korn genommen!
Ein paar Minuten später setzt auch unser M.G. ein. Der Gegner stutzt und versucht seitlich auszuweichen, ohne daß er dem Flankenfeuer entkommt...
Kurze Zeit später wurde das Gefecht auf Befehl des Bataillonskommandeurs abgebrochen. Die Kompanien sammel- ren sich und traten an, um die Kritik anzühören. Der Blick, mit dem uns unser nun auch eingetroffener Gewehrführer empfing, ließ uns fünf nicht Wohler werden.
Der Herr Major begann mit der Besprechung. Er tadelte zunächst die Angreifer, die nicht genügend Umsicht und Geschicklichkeit gezeigt hätten. Dagegen sei das Instellunggehen uni das ganze gefechtsmäßige Verhalten der Verteidiger, also unserer M.G.-Kompanie, tadellos gewesen. Einen Umstand, der im Ernstfalle dem Angreifer eine völlige Niederlage bereitet hätte, müsse er besonders erwähnen. Das l.M.G. auf oem linken Flügel der Verteidigungsstellung sei herausgezogen und seitlich zum Flankenbeschuß dès Gegners bereit gestellt worden, ein Umstand, der dem Angreifer deshalb entgangen sein mochte, weil die alte M.G.-Stelümg mit Hilfe der Reserveschützen in eine Scheinstellung umgewandelt worden sei. Diese Scheinstellung habe der Gegner für die wirkliche gehalten, er sei also in sein Verderben gegangen. Im Ernstfälle wäre keiner der Angreifer lebend oder unverletzt davongekommen ...
Der Zugführer sah etwas verblüfft unsern Unteroffizier an. Dieser, nicht weniger erstaunt, zuckte mit den Schultern, aber fein Gesicht hellte sich ruckhaft auf. Und am Schluß der Ansprache flitzte unser kleiner Zugführer zu uns heran, klopfte uns die Schultern und sagte strahlend: „Habt Ihr gut gemacht, Jungs!"
Nun — wo alles lobt, kann Karl allein nicht Haffen! Wir blähten unsere Heldenbrust und ließen uns vom ganzen Bataillon bestaunen.
Wie es sich wirklich zutrug, weiß außer uns fünfen wahrscheinlich niemand., Doch ich wünschte, unsere Vorgesetzten, besonders der Herr Major, erführen auf diese Weise, daß wir das damalige Gefecht „im Schlafe" gewannen.
Der Dichter des Dschungels ^.
Zum Tode Rudyard Kiplings.
Der bekannte englische Schriftsteller und Dichter Rudyard Kipling ist in der Nacht zum Sonnabend im Alter von 70 Jahren im Middlesserkrankenhaus in London gestorben.
Kipling war ein geistiger und schriftstellerischer Vorkämpfer des britischen Jmperiumsgedankens. Seine glühende Vaterlandsliebe steigerte sich bei ihm manchmal bis zu einem Chauvinismus, der ihm das Verständnis für die ähnlich geartete Lebensauffassung des deutschen Volkes nahm und ihn zu heftigen Ausfällen gegen Deutschland Hinriß. Trotzdem muß das Werk Kiplings, der einer der am meisten gelesenen Schriftsteller der angelsächsischen Welt war, auch von der deutschen Kritik als unvergängliches Besitztum der Weltliteratur anerkannt werden. Seine Kunst, die ihm int Jahre 1907 den Nobelpreis für Literatur verschaffte, kam in seinen Kurzgeschichten und Tierfabeln, in seinen Romanen und Reisebeschreibungen, von denen in Deutschland vor allem die beiden Dichungel bücher bekannt geworden sind, meisterhaft zum Ausdruck.
150 Heiratsanträge durch den Rundfunk.
Muß man nicht Fräulein Chiyono Sugita beneiden? Man darf es schon deshalb, weil sie einen eigenen Rundfunk- ienber besitzt, einen von den hundert privaten, die insgesamt in Japan zugelassen sind. Sie hat ihn von ihrem Bruder geerbt, und sie macht natürlich ausgiebigen Gebrauch davon. Sie unterhält sich mit den Vereinigten Staaten, mit Australien, China, Sowjetrußland, den Philippinen, und cs kann eigentlich gar nicht wunder nehmen, daß Fräulein Sugita eine entsprechende Anzahl von Verehrern besitzt. Von den gingen Männern, die da um den Großen Ozean herum am Sender sitzen, haben sich nicht weniger als 150 zu einem formvollendeten Heiratsantrag aufgeschwungen. Auffallend ist dabei, daß diese 150 Liebenden alle so ziemlich genau die- ielben Eigenschaften besitzen. Jedenfalls behaupten sie sämtlich, hübsch, reich und sechs Fuß hoch zu sein. Die angenehme Unterhaltung währt nun schon an die zwei Jahre. Allgemach scheint die Japanerin des Spieles überdrüssig zu werden. Aber als sie vor kurzem ihren 150 Anbetern mitteilte, sie wolle sich verheiraten, um dem zärtlichen Geflüster ein Ende zu machen, Da erhob sich ein allgemeiner Sturm der Entrüstung, und es blieb alles beim alten. So setzt sich also die kleine Ostasiatin nach wie vor allabendlich von zehn Uhr bis Mitternacht an ihren Sender und übt „Liebe per Distanz", wie man sagt „Wer'l mag, de mag't, un werst nich mag, de mag't ja wol! nich mögen!" würde Fritz Reuter dazu bemerken.