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Zeitgemäße Betrachtungen.

Nachdruck verboten.

Vorwärts mit frohem Mut!

Seitdem die Freiheitsglocken klangen im schwerge­prüften Saargebiet. ist nun bereits ein Jahr vergangen, wie doch so schnell die Zeit entflieht! Gesegnet war des Jahres Walten, wir konnten dankbar Rückschau hal­ten, ein Festtag bleibt uns immerdar: der dreizehnte des Januar.--

Für immer ist zurückgegliedert in's Mutterland das Land der Saar, was wir dem Gegner oft erwidert: Deutsch ist di e Saar", bleibt ewig wahr, nun werden wird in künft'gen Tagen statt Saarlouis S a a r- lautern sagen, vor aller Welt sei offenbart, deutsch ist die Saar nach Nam' und Art!--

Die Treue ist der Kräfte Bronnen, was sie beginnt, das wird auch gut, so hat die Woche gut begonnen, und vorwärts geht's mit frohem Mut, nur unbestimmt war dieser Tage die sogenanntes Wetterlage, da selbst der Monat Januar so regnerisch und stürmisch war.

Dies hat viel Unheil angerichiet, nun droht auch noch die Wasserflut, auch sie verheert oft und vernichtet, denn gar zu viel tut niemals gut; doch hoffentlich wird's anders jetzt, schon hat der Schneefall eingesetzt, und das ist schließlich auch das Beste für die Olympia-Win- tergäste.--

In Garmisch-Partenkirchen findet schon der Empfang der Gäste statt, die Sorge um das Wetter schwindet, weil wieder es gefroren hat, auch kam als Helferin im Bunde Frau Holle noch zur rechten Stunde, sie machte das Versäumte gut, nun geht's zum Ziel mit frohem Mut.--

Stets steckt der Mensch sich Höh're Ziele und bricht aufs neue den Rekord, er treibt mit Eifer Sport und Spiele und schreitet immer weiter fort, und immer schneller, immer schneller laufen Motore und Pro­peller schon steht bereit zu neuer Tat der jüngste Heinckel-Apparat.--

Im Fluge eilt man schnell von hinnen. das Fliegen ist ja nicht mehr schwer, heut' heißt die Losung: Zeit ge­winnen, und die gewinnt man immer mehr, man kann jetzt sicher und gediegen schnell von Berlin nach Danzig fliegen, ein Stündchen Fahrzeit und nicht mehr schon ist man da! F r « n z H e i s e l e r.

Rah und Fern.

Motorsrachischiss abgetrieben und am Brückenpfeiler zerschellt. Das Hochwasser auf der Mosel verursachte ein schweres Schisfsunglück. Ein auf der O b e r m o f e l auf französischem Gebier vor Anker liegendes 400 Tonnen großes Motorfrachtschiff wurde infolge der heftigen Strö­mung losgerissen und abgetrieben. Das unbeladene und unbemannte Schiff prallte gegen einen Brückenpfeiler der Renniger Brücke und zerschellte.

Ein Mord, um die Zeche zu bezahlen. Nachts wurde in der Körnerstraße in Gelsenkirchen ein 22jähriger Mann tot aufgefunden. Der Tote, ein gewisser Koslowski, hatte eine schwere Kopfverletzung und war ausgeraubt. Der Kriminalpolizei ist es gelungen, den Täter, einen 18jährigen Kluth aus Wattenscheid, zu ermitteln. Kluth, der kein Geld hatte, um in einer Gastwirtschaft in der Nähe des Hauplbahnhofes seine Zeche von 1,70 Mark zu zahlen, sah, daß Koslowski im Besitz eines größeren Geldbetrages war. Als Koslowski die Wirtschaft verließ, versetzte ihm Kluth einen Messerstich und raubte ihn aus. Außer einen Betrag von elf Mark fiel ihm noch die Uhr des Er­mordeten in die Hände.

Zwei Raubüberfälle erfolgten an einem Tage in Dortmund. Einmal drang ein maskierter Mann in eine Wirtschaft auf dem Hellweg ein und forderte mit vor­gehaltener Pistole den Wirt auf, die Kasse herauszugeben. Als der Überfallene sich zur Wehr setzte, gab der Räuber

vier Schüsse ab. Er traf den Wirk nicht, versetzte ihm daraus aber einen Schlag aus den Kopf und flüchtete. Ge­raubt wurde nichts Einige Stunden später betrat der gleiche Räuber eine andere Wirtschaft, und zwar ebenfalls mit erhobener Pistole. Der Wirt und einige Gäste flüchte­ten in das Gesellschaftszimmer unb bewarfen den Räuber mit Stühlen. Dieser gab mehrere Schüsse auf die An­wesenden ab, ohne jedoch lemand zu treffen. Der Täter raubte aus der Kasse etwa 50 Mark und entkam unerkannt.

Das sechzehnte Kind. In W i t t l o b e bei Verden wurde dem Arbeiter Fritz Huxoll das sechzehnte Kind ge­boren. Dreizehn Kinder befinden sich am Leben und wachsen in bester Gesundheit heran.

Steinlawinen auf der Brennerstraßc. Zwischen W a i d- b r u d und K lauf e n auf der Brennerstraße ging eine große Steinlawine nieder. Die Straße wurde durch etwa 1000 Kubikmeter Erdreich und Felstrümmer vollständig verschüttet. Nachdem die Erdmassen mit größter Beschleu­nigung beseitigt worden waren, um die wichtige Verkehrs­ader wieder frei zu machen, verschüttete ein zweiter Erd­rutsch die Straße erneut.

Drei Kindcrlcichcn in der Sandgrube In einer Sand­grube eines Ortes bei Lodz (Polens fand ein Schuldiener» âls er Sand holen wollte, die Leichen von drei achtjährigen Jungen, die feit September vorigen Jahres vermißt werden. Die Polizei bemüht sich, festzustellen, ob es sich um einen Unglücksfall der drei oder um einen Racheakt gegen die Eltern handelt.

Was bringt der Rundfunk?

Reichssender Frankfurt.

Frantfurt: Sonntag. II). Januar

6.00: Hamburg: Hafenkonzerl. 8.00: Zeit, Wasserstand, Wetter- und Schneebericht. 8.05: Stuttgart: Gymnastik. 8.25: Sendepause. 8.45: Orgel-Choräle. 9.00: Katholische Morgenfeier. 9.45:Der Angriff" Aufsätze aus d. Kampf­zeit. Von Reichsminister Dr. Jos. Goebbels. 10.00: Bres­lau: Morgenfeier der HI. 10.30: Kassel: Chorgesang. 11.15: Hans Schwarz spricht über die Aufgaben des Dra­matikers in unserer Zeit. 11 30: Das Schicksal der deutschen Reichskleinodien. Funkfolge.

12 .00: Berlin: Musik am Mittag. 14.00: Kinderfunk: Kinder spielen Rundfunk! 14.45: Aus Winkeln und Gassen. 15.00: Deutsche Scholle.

16 .00: Köln: Nette Sachen aus Köln. 18.00: Koblenz: Ern­stes und Heiteres aus dem Jungvolk. 18.30: Hoch klingt das Lied vom braven Mann. (Joachim Christian Nettel­beck.! Hörspiel von W. A. Lehner-Sander.

19.15: Unterhaltungskonzert. 19.45: Sportbericht. 20.00: Titisee: Bahn frei eine vergnügte musikalische Rodel­partie 21.00: München: Meisterkonzert. Siegmund von Hausegger dirigiert eigene Werke. 22.00: Zeit, Nachrich­ten. 22.15: Wetter, Nachr., Sport, Schneebericht. 22.25: Sportspiegel des Sonntags. 22.45: München: Tanzfunk. 24.00: Das NS -Sinfonieorchester München spielt.

Frauksurt: Montag, 20. Januar

6.00: Choral, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause 7.00: Nachr 8.00: Zeit, Wasserstand, Wet­ter, Schneeberichte. 8.10: Stuttgart: Gymnastik. 8.30: Sendepause. 10.15: Königsberg: Schulfunk: Mümmel Hop- velmanns Abenteuer! 10.45: Sendepause. 11.00: Haus­frau hör zu! 11.15: Meldg. 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst.

12.00: Hannover: Schloßkonzert. Dazw. 13.00: Zeit, Nachr., Wetter- und Schneebericht. 14.00: Zeit, Nachr., Wetter. 14.10: Vom Deutschlandsender: Allerlei von zwei bis drei. 15.00: Wirtschaftsbericht 15.15: Kinderfunk: Jetzt basteln wir. 15.45: Freiburg: Kammermusik.

16.15: Freiburg: Unterhaltungskonzert. 17.30: HJ.-Funk. Von Hausgeistern in alten Bauernhäusern. 18.00: Stutt­gart: Fröhlicher Alltag. Ein buntes Vesverkonzert.

19.45: Tagesspiegel. 19.55: Wetter, Wirtschaftsmeldungen, Programmänderungen, Zeit. 20.00: Zeit, Nachr. 20.10: Breslau: Der blaue Montag. Musikalischer Stafettenlauf. 22.00: Zeit, Nachr. 22.10: Nachr., Wetter-, Schnee- und Sportbericht 22.20: Freiburg: Allerlei Schwarzwälder Volksmusik. 23.00: Breslau: Musik zur Guten Nacht. 24.00: Nachtkonzert. 1. Joseph Haydn. 2. Ludwig van Beeth-ma-

Deutschlandsendcr.

DeUtschlandsenver: Sonntag, 19. Januar

6.00: Hamburg: Hafenkonzert. 8.00: Der Bauer spricht der Bauer hört. 9.00: Sountagmorgeu ohne Sorgen. Als Einlage: Besuch bei Fröhlichs. 10.00: Wir wollen sein ein starkes, ein einiges Reich! Morgenfeier mit dem Reichs-Arbeitsdienst. 10.45: Fantasien auf der Wur­litzer Orgel. 11.00: Winter. Ein Gedichtkreis von Rich. Drews 11.15: Seewetterbericht. 11.30: Die Don-Kosaken singen (Aufn.).

12.00: Augsburg: Mittagskonzert. 12.55: Zeitzeichen. 13.00: Glückwünsche. 13.10: München: Mittagskonzert. 14.00: Kinderfunkspiel: Ein Geldstück wandert. 14.30: Musikalische Unterhaltung. 15.20: Scheherazade. Sinfo­nische Suite von Nikolai Rimsky-Korsakoff. lAufn.).

16.00: Musik am Nachmittag. Emil Roosz spielt. In der Pause 16.50: Die gest u Schlachtschüsseln. Eine Spitz- bubcngeschichte von Paul Ernst. 17.30: Wilhelm Brink- meyers Abenteuer Geschickten aus Rudolf Huchs gleich­namigem Roman 18.00: Melodie und Rhythmus. Otto Dobrindt und Robert Gaden spielen

19.40: Deutschland-Sportecko 20.00: Köln: Bunt ist die Welt der Over 22.10: Wetter-, Tages- und Sportnachr 22.30: Eine kleine Nachtmusik. Batzlieder. 22.45: See- wetterberickt Ri 00- Robert Maden spielt zum Tanz

Deutschlandfcnver: Montag, 20. Januar

6.00: Guten Morgen, lieber Hörer! Glockenspiel, Tages- spruch. Choral: Wetter 6.10: Berlin: Gymnastik 6.30: Fröhliche Morgenmusik - Dazw.. 7.00: Nachr 8.30: Sendepause 9.00: Sperrzeit 9.40: Sendepause 10.15: Grundschulsunk: Winterlieder 10 45: Sendepause 11.15: Seewetterbericht 11.30: Was kann im neuen Jahr besser gemacht werden? Ratschläge für die Gartenarbeit 11.40: Haushalten mit Eiweitz! Winterlicke Futtersorgen im Milch viehstall Ansckl.: Wetter

12.00: München: Musik zum Mittag. - Dazw.: 12.55: Zeitzeichen 13.00: Glückwünsche 13.45: Nachr 14.00: Allerlei - von zwei bis drei! 15.00: Wetter, Börse, Programm 15.15: Wir gehen im Sommer auf Grotzfahrt nach Norwegen 15.35: Der Berliner Binnenhafen Pimpfe besuchen ihn

16.00: Musik am Nachmittag Barnabas von Geczy spielt. In der Pause 17.00: Besuch in der Fachschule für Film­theaterbesitzer 18.00: Singt mit - HI. singt vor! 18.25: Geheimrat Sauerbruch spricht über die Bekämpfung deS Brustdrüsenkrebses 18.45: Svortfunk.

19.00: Wir besuchen denWintergarten", Berlin. (Ausn.) . 19.45: Deutschlandecho 20.00: Kernsvruch: anschl.: Wet­ter und Kurznachr 20.10: Aus der Heimat des Füh­rers Hörbilder von Joh Mahr. 21.10: Breslau: Der blaue Montag. Musikalischer Stafettenlauf. 22.00: Wer ter-, Tages- und Svortnach.r.: anschl.: Deutschlandecho 22.30: Eduard Erdmann spielt Beethoven und Schubert (Aufn.). 22.45: Seewetterbericht 23.00: Ilja Livschakoff spielt zum To-'.

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Bücher Zeitschriften.

Die Wunder des Schnees.

Wie die Spiegelbilder eines Kaleidoskops muten Schnee­flocken an, die bei jedem Schneefall durch die Luft wirbeln. Man muß sie nur in herrlichen Bildern zu sehen bekommen, wie sie uns die ZeitschriftNatur und Volk" im Januarheft oorftMü. (Probenummer durch die Senckenbergische Naturforschende Gesell­schaft, Frankfurt a. M.). Es ist eine Auswahl aus 1500 photo­graphischen Aufnahmen. Der Beschauer dieser Kristallformen gewinnt die Ueberzeugung, daß alle kunstgewerblichen Institute in unseren Schneeflocken eine Fülle von Vorlagen für Kunst- gegenstände jeder Art finden, die zur Herstellung der gefälligsten Muster und Ornamente Verwendung finden könnten. Wenn man tausend solcher Kristalle unter der Vergrötzerung betrachtet, findet man nicht zwei völlig gleiche. Die Natur ist voller Wunder und es liegt nur am Menschen, wenn er sie nicht aus­nutzt.

Der Oedschmied.

Skizze von Oskar Franz Schardt -Nürnberg.

Im künischen Gebirge, wo die Grenze mit Zick und Zack wie ein wild gewordener Teufel hin und herspringl, haust in einer Waldfalte, über die wettergraue Granitstufen unwirsch und verrostet Hereinschauen, der Oedschmied. Gehört er hinüber, wo die Böhmwälder unterm Joch gehen, gehört er herüber? Er weiß es kaum, denn die paar Pfennige Steuern, Die man etwan noch aus dem alten Schmiedhaus wegtragen könnte, sind längst gestundet.

Der Fuhrmann, der das Eisen bringt, weiß seine Zeit. Es sind allemal zwei Monate um, wenn er in der Morgen­frühe, weil es weit herein ist, die Rosse antreibt, damit er rasch wieder fort kommt. Bald geht es in Tschechenkronen, bald in deutschem Geld, weiß keiner, wie sie es gerade aushandeln.

Die Oedschmiede waren immer nur einer vom Vater aus den Sohn. Wenn die Lehre aus war, starb der Vater, und der Sohn fraß sich durch. Von einem geht die Sage zum andern, und der Teufel weiß allein, wie der erste Oedschmied daher kam. Von den Frauen weiß man nicht viel, als daß sie da­gewesen sein müssen. In der finsteren Talklunse gedeihen keine Blumen, nur Granitolöcke, Sturzwasser, Sauergras und ein Haberschlag. Dicht stehen die Tannen wie Finsterlinge und krallen mit den Wurzeln die losen Blöcke in den Berg, daß sie schier zerbrechen.

Nacht ist es, und der Himmel ruht sich nach einem heißen Tage aus, schickt das Wetterleuchten aus einem Berggrund in den andern, daß die Sterne einen Herzschlag lange auslöschen in der Helle. Ausgeleerte Wolken fahren schwarz zuhauf durch die Bergköpfe, greifen mit hundert Armen auf die Wipfel hinunter, kraulen die nächtlichen Riesen. Der Oedschmied schläft schwer. Im Niemandsland hockt er, im Traum jenseits der Berge und schimpft über das teure Eisen.

Draußen klopft es. einmal, zweimal, dreimal. Der Oed­schmied fährt vom Lager. Es ist, wie wenn einer mit Eisen an die schwere Tür haute. Der Oedschmied fährt in die Hosen und denkt: Was mir bei Tag nicht kam, maq in der Nacht frommen. Der Esse und dem Oedschmied ist es eins. Wer das Eisen braucht, mag's verantworten.

Ueber die kurze Treppe gehl der Schmied hinunter, daß sie zittert, hat den Scymiedhammer in der Rechten wie ein Spiel­zeug. Mag der draußen wissen, daß der Oedschmied keinen fürchtet, auch wenn's der Teufel wäre.

Unter der Schmiedbrücke steht ein Reiter. Hal einen langen Mantel um, wie sie ihn hierzulande nicht tragen. Ein hochbeiniges Rotz mit langem, ungestilltem Schweif und un­geschorener Mähne hält daneben. Ist es ein Falber oder ein Bleß, ein Brauner oder ein Scheck? Man kann es nicht sehen.

Der Reiter murmelt etwas. Das kann heißen:Beschlag mir den Gaul!" oderGib mir Quartier!" Es wird der Gaul sein, denkt der Oedschmied und prüft den Huf. Der rechte Vorderhuf hat kein Eisen. Das sieht er. Der Oedschmied ist

langsam. Der Reiter jagt kurz und dumpf:Mach rasch, Oed­schmied! Ich habe keine Zeit."

Der Oedschmied kramt in den Kohlen drinnen in der Schmiede. Der Reiter jagt:Mach rasch, Oedschmied! Die Esse hat schon Glut." Der Schmied weiß, daß es nicht wahr ist, denn er hat sie gelöscht. Er tritt den Bala wie einer, der auf einen Scherz eingeht und schon springen die Funken aus der Esse in den Fang hinauf. Der Oedschmied stutzt:Das Eisen braucht seine Zeit zum Warmwerden." Er hält das Eisen hinein. Der Reiter schreit:Mach hurtig! Es glüht!" Der Schmied zieht das Eisen glühend heraus und fängt zu hämmern an. Der Reiter schreit:Keinen Zimperlingshuf! Der Gaul braucht ein Eisen!" Dem Oedschmied sträubt sich der Zorn. Aber das ganze schwere Eisen geht unter seine: Hand her, als brauchte es ihn gar nicht, und ein dunkel glühend Hufeisen liegt da, klobig, schwer.

Schreit der Reiter:Bist ein Mordskerl! Kommst ar Deinen Platz, Schmied! Halt die Hand her!" Es klirrt in bis Hand. Es liegt schweres, rundes Geld auf der Schwiele. Sein Lebtag hat das der Schmied noch nicht gehabt. Trifft ihn eir Blick. Das andere Auge deckt schier der Hut, ganz tief uni voll. Weiß der Oedschmied nicht, wie er's halten mutz. Frag: sanfter:Was treibt Dich in die Nacht?"

Schon sitzt der Reiter oben:Blut treibt mich, Schmied deutsches Blut. Im Westen wird's fließen, dort im Westen Hab keine Zeit."

Hört der Schmied nicht recht.Wo fließt's?" schreit er Der Reiter fegt auf dem weißen Steingeklepper der Straße Da steht ein Pferdsfuß wie ein Fichtenstamm im Grund und der andere hinter seiner Schmiede und droben der Roßleil wie eine fahlfinstere Wolke, und ganz hoch über den Wipfel: sitzt der Reiter, als wollt' er rufen:Nach Westen!" Eim Lanzenspitze, ein Wolkentrnmm deutet nach Westen. Dei Sturm huiuhul und karpatscht den Hangwald: Nach Westen nach Westen ...

Der Oedschmied bleibt unrastig. In ihm braust etwas In ihm drängt etwas, zerrt, zieht. Das Wasser rauscht falsch das in das Triebrad geht. Die Wipfel haben im Zwielich einen schwarzgiftigen Drachenkamm. Ist schon ein Geschäft an der Straße lauern, daß einer kommt und etwas braucht Dann bringen sie's ihm in die Einöde: Krieg ist im Westen

Draußen suchen sie ihn in den Listen, finden, daß er ein Deutscher ist. Aber der Oedschmied ist schon unterwegs 51 ihnen. Irgend etwas treibt ihn, das ihn keiner gelehrt hat Das mutz drin sein und will heraus. Lang ist's her, daß bei Oedschmied Soldat hat werden wollen. Nun richten sie ihn ab. Nach Westen geht es, nach Westen. Und wie der Oedschmied über den Rhein nach Frankreich fährt, sieht er nach dem zer­rissenen Gewölk und jucht ihn da droben, dem er das Rof beschlng. Es sind nur Wolken und Sturm. Der Oedschmied kämpft von Graben zu Graben, durch Dreck und Sappen uni vergißt die Oedschmiede.

Bei La Bassè, wo man keinen Graben bauen kann, weil der Grundjchlamm hochgeht, stürmt der Oedschmied mitten in de. Nacht, wie es befohlen ist. Dreckfontänen, Flammen­werfer. Svrenawucht von unten... Ein Trumm trifft den

Oedschmied dumpf âns Hirn, daß er hinfällt, in einen Ab­grund hinunter. Einen Fetzen blauen Himmel sieht er mitten in der Nacht. Wolken kommen, viele Wolken und da sieht er den Reiter, und der Mantel weht, und irgendwie glüht aus dem Kopfschatten das Auge heraus. Nach Westen zeigt er. Den Oedschmied packt es wie ein Wirbel.Hinauf da", denkt er,hinauf da!" Er fühlt einen Brocken dumpf an seinen Schädel prallen. Da kommt der Reiter im Hui herunter, und der Oedschmied will sich hinaufschwingen auf das Noß, das er beschlagen hat. Der Reiter lacht. Der Oedschmied sieht es genau. So lacht kein Irdischer, so über die Maßen weg von der Erde.Noch nicht, Oedschmied, noch nicht! Unten mußt Du vorwärts! Jetzt! Gleich!" schreit der Reiter.

Der Oedschmied ruckt auf, gibt sich einen Neißer, lallt: Jetzt gleich!" schreit der Oedschmied, ruckt sich auf, faßt das Gewehr, faßt ein Bündel Handgranaten, drängt vor, haut durch Dreck und Feuer, steht, schreit, brüllt. Neben ihm kommt es, die Kameraden, die andern, grau und blutüberronnen wie er, immer mehr, immer mehr. Es schwillt... Der Durchbruch nach Westen!--

Es ist doch vertan!" brummt der alte Oedschmied daheim im Grund.Das Heer ist hin. Das Volk ist nicht viel wert. Der Feind lacht..." Früher war es ihm gleich. Jetzt brennt das da drinnen und ist wund.

Abend ist's, Dämmerung und Waldschlucht sind eins. Die Oedschmiede ertrinkt schier im Dunkel. Draußen hastet einer vorbei, blutig geschlagen und übel zugefetzt. Schreit ihn der Schmied an, was los ist. Der Nünstige hastet mit der Wider­rede vorbei:Das haben sie mir getan, weil ich ein Deutscher bin." Der Schmied will rufen, daß er ihn verbinden will. Aber den andern hat der Weg und das Dunkel schon ver­schlungen. Der Schmied sinnt. Drunten, das weiß er, denken sie and.ers, pfeifen auf Deutschland, die Narren, und keiner ist, der ihnen das sagt, daß sie Verräter sind, daß Blut stärker ist als wir und der Firlefanz, den wir uns denken.

Unruhig ist der Himmel. Wolken gehen zuhauf und wild, als triebe ein Himmelspflug die Dunstschollen um. Der Schmied sieht hinein ins Treiben. Da formt es sich, sinkt hinten auf die Fichten herab und wird Roß und Reiter unb steht vor der Schmiede einen Herzschlag lang steht vor dem Oedschmied. Unb der Reiter weist mit dem Speer hinunter ins Tal, schreit den Schmied an:Jetzt! Oedschmied, jetzt!" Und ist im Hui fort, ehe sich's einer denkt.

Der Oedschmied hat sich von der Bank aufgehoben, tut den Schurz nicht mehr herunter, macht die Schmiede nicht zu. Der Oedschmied geht gereckt und stark talab ins Dunkel ...

Den Oedschmied haben sie brunten um Deutschland er­schlagen. Das Wasserrad der Oedschmiede ist aus der Achse gemorscht, und durch das Dach sieht der Himmel mit Sonne, Mond und Sternen. Wenn die Wolken rastlos wandern, die Wasser drängend murmeln und der Sturm durch die Wald­wipfel wühlt, Hingt und hämmert es in der Oedschmiede hell und laut durch die Nacht. Und die Wipfel, die Wasser, der Sturm, die Wolkenreiter und der Schmied rufen:Jetzt!... Jetzt!... Und immer!"