Nr. 15 — 13. Jahrgang
Fuldaer Anzeiger ’ Samstag, 18. Januar 1936
Stadl und Land
Wetter ausfiditen für morgen;
Wetterbericht des Neichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt am Main.
Kälteres Wetter mit noch einzelnen Schauern (Schneefälle).
Am Wochenende:
Närrische Mobilmachung auf der ganzen Linie
„No, loah erscht emoa de Foaeset verbei sei . . ."
OLympia.
1. K o r. 9, 2 4 : „Wisset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber einer er= hingt das Kleinod? Lauset nun also, daß ihr es ergreifet!"
Das Jahr der Olympischen Spiele ist angebrochen. Ans aller Welt zieht es die Kämpfer und Zuschauer nach Deutschland. Die alten griechischen Spiele tauchen in der Erinnerung aus. Wir wissen von ihnen nicht bloß aus den griechischen Quellen des Altertums. Auch im Neuen Testament begegnen sie uns. Paulus, der Kämpfer, hat sie gesehen, zwar nicht in Olympia, aber in Korinth. Und man merkt ihm an, mit welcher Bewunderung und Freude er es gesehen hat: den Ernst der Selbstzucht, der die Kämpfer lange vorher ihre Leiber unterwarfen, sowie den gesammelten Einsatz aller Kräfte und die Zielstrebigkeit beim Wettkampf selbst. Sein Christentum war feine weiche, weltfremde Sache!
Ihm werden die Wettkämpfer zu Vorbildern für einen anderen Wettstreit. Zu dem ruft er seine Freunde auf. In diesem edelsten Kampf geht es nicht um einen welkenden, vergänglichen Kranz. In ihm genügt es aber anch nicht, bloß Zuschauer zu sein oder nur mit halbem Erust so mitzulaufen. Sondern das soll und muß aller wahren Christen heiliges Anliegen sein, es einander zuvorzutun mit gesammelter Kraft, in nie nachlassender Anspannung dein ewigen Ziel und Siegespreis entgegen. Und in diesem Kampf gehört er jedem, der so mit Ernst läuft. Nicht die größere Kraft, sondern der heilige Wille und die Treue entscheiden hier.
Welch frische, ernste Mannhaftigkeit spricht aus den Worten des großen, unermüdlichen Kämpfers. Und welch ernste Mahnung sind sie für uns. Christenleben ist immer Kamps, wenn es echt ist. Kampf zuerst gegen sich selbst und gegen die Mächte des Bösen in einem selbst, die immer wieder znm Nachlassen locken oder zum Abweichen; Wettkampf mit den andern im unablässigen Ringen um das Ziel, in Gott es einander zuvorzutun.
Geschieht das, dann ergibt sich noch eins daraus, nämlich dies: die Olympischen Spiele einten einst die ;ereigenen Stämme Griechenlands für die Dauer der Spiele. Waren sie vorbei, war anch die Einheit vorbei. Die Olympischen Spiele heute bringen die Völker zueinander aber der Hader der Welt bleibt. Der heilige Kampf des Glaubens und der Wettkampf der Liebe int Geiste Jesu Christi hat, wo er ernst gekämpft wurde, Menschen und Völker einander immer näher gebracht, und er kann und wird diesen Segenspreis immer bringen. Laßt uns mit allem Ernst in diesem Kamps vorandrängen und danach streben, daß wir das Kleinod ergreifen!
Der Fuldaer Winter kommt erst! Inzwischen hat die Physikalisch-Technische Reichsanstalt die merkwürdige Entdeckung gemacht, daß sich unsere Erde schneller dreht — und der Mensch in jedem Jahre eine Sekunde weniger zu leben hat. Schon im Juni 1934 stellte die Wissenschaft eine Verkürzung der Tageslänge um eine viertausendstel Sekunde fest! Na, ja — wenn schon! Uns macht die Sekunde nicht viel aus und die Forscher freuen sich über ihre Wissenschaft, die ihrer Gründlichkeit alle Ehre macht.
Für die Astronomen und Geodäten bedeutet diese Entdeckung mindestens soviel — wie der Zwanzigmarkschein, der dieser Tage einem Fuldaer von seinem Schneider übergeben wurde — der Schein hatte sich ins Rockfutter verkrochen und kam beim Wenden wieder zum Vorschein.
Uebrigens: Wenden! Der Dichter singt mit den ersten Schneeglöckchen: „Nun muß sich alles, alles wenden!" Wir lieben im allgemeinen die „Wendepunkte" in unserem Leben. Die F a st n a ch t s z e i t ist beispielsweise so ein Wendepunkt. Wer ausgeliehene Kapitalien in dieser Zeit einzuziehen hat, kann da leicht zu hören bekommen: „No, loaß erscht emoa de Foaeset verbei sei' — dann mache m'r alles in de Reih . . ."
Ein Wendepunkt ist in diesen Tagen auch im Leben vieler Borstentiere, die das Schlachtgewicht erreicht haben, eingetreten. Wer da glaubt, die Schlachtfeste seien im Kreise Fulda ausgestorben, der irrt sich gewaltig. Und wer auf dem Lande eine Base oder einen Vetter hat, dem kann es geschehen, daß er sogar zum „S t i ch b r a t e n" oder zur „M etz el suppe" eingeladen wird, womit wieder der alte Spruch seine Bestätigung findet „In diesen Zeiten netter fährt — Wen auf dem Land ein Vetter nährt!" Der Schüttelreim ist zwar nicht ganz rein, aber dafür ist er in einer Zeit entstanden, in der es uns tatsächlich nicht zum besten ging. Es gibt also heute wieder Metzelsuppen, bei denen es urgemütlich zugeht, wenn nicht gerade die Schwiegermutter mit Brachialgewalt ihr Deputat an der Metzelsuppe und dem, was dazu gehört, verlangt. Es kann sogar heute noch vorkommen, daß dem letzten scheidenden Metzelsuppengast der Gastgeber resigniert Abschied winkt: „Gute Nacht Säu'che, mach's goot!" —
Mit dem letzten Gast ist auch das letzte Stück vom Säu- chen verschwunden. Wer eine Mark dran rücken will, kann sich auch an bestimmten Abenden in bestimmten Wirtschaften der Stadt an einer Metzelsuppe oder an einem ,,K n o ch e n e s s e n" gütlich tun. Meist sind die Portionen so groß, daß andern Tags noch die „Oerze", die mitgenommenen Reste, für eine vollständige Mahlzeit ausreichen! Wer keine Sau schlachten kann in dieser Vorfastnachtzeit — dem langt's bestimmt wenigstens zu den berühmten Fuldaer Kreppeln — aber sonderbar ist es, daß die Bäckermeister
vereinzelt das gute Fuldaer Wort „Krabbel" scheuen und darauf hinweisen, daß in ihrem Betrieb gefüllte und ungefüllte „Krapfen" hergestellt werden. Fragt einen echten Fuldaer Jungen, ob er weiß, was ein Krapfen ist — er steht vor einem unlösbaren Rätsel und wird bestenfalls, sich so etwas wie einen Fisch darunter vorstellen. Kräbbel dagegen kennt der kleinstste Hosenmatz. Als weitere Spezialität der „Saison" kennt man um diese Zeit die guten alten Waffeln, die genau in der Form und Zusammensetzung, wie sie vor tausend Jahren üblich waren, zubereitet werden.
Daß es nun stark auf die „Foäset" zugeht, ist auch in sonstiger Hinsicht zu merken. Tas Rätselraten um den „P r i n ze n" hat begonnen (es darf natürlich nichts hier verraten werden — es wäre direkt ein Verrat an der Karnevalsache) umso größer wird am kommenden Samstag die Freude sein, daß das Narrenszepter in keine unwürdigen Hände gegeben ist! Wer nun „Kostümsorgen" haben sollte, der mache einen Spaziergang ourch die Fuldaer Geschäftsstraßen. Wo gestern noch Weihnachtsstimmung in den Schaufenstern herrschte, glänzt und gleißt heute der bunte Maskenflitter; die nötigen Entwürfe werden gratis mitgeliefert, im übrigen kann die Phantasie reichlich sich austoben und ausleben für das Maskenfest im Jahre 2000.
Im Königreich Flieden fühlt man sich stark genug, eine eigene „Foäset" aufzuziehen „Mir monn's d'n Fölsche scho' zeich' . . .!" Bravo! Die Fuldaer werden nun kaum dazu kommen, den Fliedener Fastnachtszug bewundern zu können, da immerhin Stadt und Kreis eine eigene närrische Mobilmachung proklamiert haben, der unbedingt Folge geleistet werden muß! Es sollen sich aber trotz der Fliedner großartigen Veranstaltungen — schon eine Reihe Fliedner Untertanen für die Fuldaer Fastnacht entschieden haben. . Wenn das nur keine diplomatischen Verwicklungen nach sich zieht!!
In der Zwischenzeit stehen noch allerlei sportliche Ereignisse bevor. Die „starken Männer" ringen im Stadtsaal zugunsten des WHW. Unsere Borussen haben morgen einen entscheidenden Kampf gegen Hanau zu bestehen. Auch der große Schaufenster-Wettbewerb im kommenden Monat ist sozusagen ein „sportliches Ereignis". Und schließlich haben am 20. Januar nach altem Fuldaer Brauch die Wald- und Forstarbeiter einen guten Tag, denn mit „Fabian und Sebastian fängt der Saft an in die Bäume zu gähn!" Kein Baum wurde nach diesem Tag mehr gefällt, der Sebastianstag ist wie ein erster leiser Gruß des kommenden Frühlings. Grund genug, sich darüber zu freuen. Die erste Macht des Winters — von der wir in diesem Jahre nicht viel gespürt haben — (unberufen!) — ist nach dem hundertjährigen Kalender gebrochen. — A. M.
tâ aöer nachhaltigLüsten!
Im Winter steht das Bestreben, die Zimmer gut: ; ’t Mist e n , in ständigem Widerspruch mit dem Wunsche, die Wohnräume nicht zu stark auszukühlen. Darum muß die Lüftung kurz dauern, aber nachhaltig sein. Ganz besonders schlimni ist es, wenn ein Zimmer von dem nn= angenehmen kalten Tabakrauch angefüllt ist. Dieser Tabak-
setzt sich an Wänden, Möbeln und Vorhängen fest, und es dauert oft stundenlang, ehe er durch ständig geöff- nete Fenster vertrieben wird. Dadurch wird aber die Wohnung tüchtig abgekühlt.
Es gibt einen einfachen Trick, den üblen Duft zu vertreiben, ohne die Zimmer anszukühlen. Man stelle vor hem Schlafengehen in das raucherfüllte Zimmer eine Schüssel mit Masse r. Am nächsten Morgen wird von dem Rauch nicht mehr viel zu spüren sein; denn das Wasser hat die angenehme Eigenschaft, die sich niederschlagenden Dämpfe anzuziehen.
Ein weiteres Mittel besteht darin, daß man während der Anwesenheit der tabakrauchenden Gesellschaft in dem Ofen ein kleines, lebendiges Feue r unterhält, das als ein vorzüglicher Ventilator und Rauchverzehrer wirkt; die Luft in dem Zimmer bleibt unter diesen Umständen stets völlig rein und frisch.
Den Sonntagsdienst der Dentisten
am 19. Januar versieht Dentist August Walter, Kanalstr. 2.
Union-Theater:
„E i n Walzer u m d e n S t e f a n s t u r m".
Ein liebenswürdiger, heiterer gilm, mit teilweise operettenhaften Einschlag, fein in der Inszenierung wie in der Gesamtaufmachung, mit einer Reihe guter und bester Charakter-Darsteller besetzt, Spielort in dem schönen Wien, alles das klingt zusammen und findet beim Publikum recht beifällige Aufnahme. Es ist sehr schwer, zu sagen, wer von den Hauptdarstellern die beste Spielleistung gibt. Olga Tschechowa als Gräfin Polanska ist eine entzückende junge Witwe, sie besticht durch ihr unaufdringliches, dabei flottes und beherrschtes Spiel. Gust el Huber, die Adoptivtochter der Gräfin, ist voller Drollerie, ohne aber Gefühlsbetontheit und Wärme vermissen zu lassen. Aeußerst sympathisch — als Dr. Harting, zur Zeit Taxi-Chauffeur —
Ww6 /&m^M <&mw?
Sonnabend, 18. Januar:
Union-Theater: Ein Walzer um den Stefansturm.
Europa-Lichtspiele: Viktoria.
Neues Theater: Der Gefangene des Königs.
Stttdtsaal: 20 Uhr: Gaumeisterschaft im Gewichtheben.
Sonntag, 19. Januar:
Union-Theater: Ein Walzer um den Stefansturm.
Europa-Lichtspiele: Viktoria.
Neues Theater: Der Gefangene des Königs.
Johannisau: 14 Uhr: Borussia — Hanau 93.
Stadtsaal: 15.30 Uhr: Kunst- und Werbeturnen.
Stadtsaal: 20.15 Uhr: Konzert der NS.-Kulturgememdc.
Gericht in Fulda.
Auswirkungen der neuen Strafprozeßordnung.
Erhöhte Urteile in der Berufungsinstanz vor der großen Strafkammer Hanau.
In der gestrigen Verhandlung der Großen Strafkammer Hanau in Fulda kamen erstmalig für Fulda die neuen Bestimmungen vom September des vorigen Jahres zur Strafprozeßord- ordnung in Anwendung, nach denen in der Berufungsinstanz das Urteil von Seiten des Gerichts dann auch erhöht werden kann, wenn in der ersten Instanz eine Verurteilung erfolgte.
l^ Jahre Zuchthaus wegen Bigamie.
Wegen Vergehens gegen den § 171 St. G. B. hatte sich der aus der Haft vorgeführte Elektromonteur M. aus Waldenburg zu verantworten, welcher zur Zeit wegen anderer Delikte eine 2jährige Gefängnisstrafe absitzt. Im Laufe der Beweisaufnahme konnte erwiesen werden, daß der Angeklagte sich der Bigamie im vollem Umfange schuldig gemacht hat. Nachdem seine erste Ehe rechtsgültig geschieden war. ging der Angeklagte eine zweite Ehe ein. Diese zweite Ehe bestand noch, als er eine dritte Ehe einging, welche standesamtlich vollzogen wurde. Seiner dritten Frau ebenso wie dem Standesbeamten verheimlichte der Angeklagte, daß
erspielt sich W o l f - A l b ach - R e t t y sehr schnell die Sympathie des Publikums. Und dann Leo S l e z a k, gewissermaßen als „Mädchen für Alles"! Er ist wieder ganz groß in seiner Darstellung, besonders als Radio-Imitator einfach unübertrefflich. Auch Paul Heidemann als Privatsekretär ist eine Type voller Originalität und gefällt gut. — Das Prädikat ausgezeichnet verdient der gezeigte Kulturfilm „Jenseits des Aequators" mit seinen wunderbaren Landschaftsaufnahmen Brasiliens. Die wiederum sehr interessante Ufa-Wochenschau fügt sich gut in das Ganze ein. -r.
Neues Theater:
„Der Gefangene des König s".
Der Film handelt von dem unfreiwilligen „Goldmacher" Böttger, der das Porzellan erfunden haben soll. Das Spiel hat also historische Hintergründe, wobei allerdings von der „Historie" nicht viel übrig geblieben. Dafür stellt der kleine Paul Kemp einen Böttger auf die Füße, der ganz in einer gewissen treuherzigen Komik aufgeht. Es ist die Kempsche Mischung von Verlegenheit und Dreistigkeit, die dem seligen Böttger jedoch nicht sehr zu Gesicht steht. Der Dresdener Hof tut sich in seiner ganzen barocken Pracht auf, Schlösser und Parks sind in ihrer Pracht eine wahre Augenfreude. Kavaliers, Hofleute und Soldaten bewegen sich graziös um den wuchtigen König August (den Starken) — Michael Bohnen verkörpert diesen starken Mann und Herrscher. Und wenn im übrigen eine ganze Komiker- Garnitur: Adele Sandrock, die Hildebrand, Odemar, Junkermann und andere mehr auftreten, dann kommt bestimmt eine heitere Sache zustande. Es wird,denn auch herzlich gelacht, und man freut sich mit dem guten Böttger, daß er in letzter Sekunde noch vor dem Galgen gerettet wird durch die Erfindung des „weißen Goldes". — Jm Beiprogramm eine fesselnde Reise mit der „Emden" nach den Siidsee-Jnseln. Eine neue, aktuelle Wochenschau vervollständigt das reichhaltige Programm. -u-
er noch in zweiter Ehe verheiratet war. Nachdem seine zweite Frau sehr bald nach der Eheschließung ein Kind zur Welt gebracht, ließ er sie im Stich und zog es vor, sich heimlich davonzumachen. Aus all diesen Tatsachen gewann das Gericht sehr eindeutig die Ansicht, daß der Angeklagte alle Ehen nur eingegangen ist, um sich die Frauen gefügig zu machen und ohne die Absicht, durch Arbeit und Mittel» die Existenz dieser Frauen sicherzustellen. Für seine gemeine Handlungsweise erhielt der Angeklagte unter Versagung mildernder Umstände — sein Vorstrafenregister umfaßt 17 Strafen — eine Eesamtzuchthausstrafe von IM Jahren. In seiner Urteilsbegründung bezeichnete der Vorsitzende der großen Strafkammer Hanau, Landgerichtsrat Dr. F r ä b , den Angeklagten als ein lästiges Mitglied der Volksgemeinschaft im neuen Deutschland.
Schwunghafter Handel trotz Arbeitslosenunterstützung.
Der erwerbslose Kaufmann K. B. aus Fulda war vom Schöffengericht Fulda wegen Untreue und Betrug zu einer Gefängnisstrafe von 4 Monaten verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Berufung eingelegt, die vor der großen Strafkammer aus Hanau zu einer weit höheren Strafe führte. Im Laufe der Beweisaufnahme konnte derselbe Tatbestand festgestellt werden, wie in der Haupt- verhandlung. Der Angeklagte hatte auf der einen Seite vom Arbeitsamt regelmäßig Unterstützung bezogen, auf der anderen Seite betrieb er einen lebhaften Vertrieb von Kaffee und anderen Lebensmitteln. Auf diese Weise hat der Angklagte erheblich das Volkswohl geschädigt. Seine Verteidigung bestand bezeichnender Weise nur darin, daß er versuchte, die teilweise unter Eid gemachten Aussagen der Zeugen in schamhafter Weise in Abrede zu stellen. In voller Anwendung der neuen Bestimmungen der Strafprozeßordnung (siehe oben) erhöhte die große Strafkammer das Urteil der Vorinstanz, welches auf 4 Monate lautete, auf 6 Monate.
Ein fühlbarer Denkzettel.
Der Name des Angeklagten D. hat auf dem Amtsgericht in Fulda nicht den besten Ruf. Vom Einzelrichter über das Schöffengericht kam dieser Prozeß, der neben den übelsten Familiengeschichten die Beleidigung eines Fuldaer Rechtsanwalts zur Grundlage hat, jetzt vor die große Strafkammer. Alle guten Ratschläge und Belehrungen des Vorsitzenden konnten den Angeklagten nicht dazu bringen, die gegen das auf einen Monat lautende Urteil des Schöffengerichts eingelegte Berufung zurückzuziehen. So mußte erneut in die Beweisaufnahme eingetreten werden, die klar und deutlich wieder die in schamloser Weise gegen den Fuldaer Rechtsanwalt erhobene Beleidigung ergab. Der Angeklagte, welcher in sturer Weise bis an èen Schluß der Beweisaufnahme glaubte, seine Familiengeschichten zum Gegenstand der Verhandlung machen zu können, sah zu spät ein, daß seine Berufung das Dümmste war, was er tun konnte. Die Antwort des Gerichts auf die Beleidigungen und Quertreibereien des Angeklagten bestand darin, daß das Urteil des Schöffengerichts um 2 Monate erhöht wurde und auf 3 Monate lautete. Der Oberstaatsanwalt hatte sogar 6 Monate beantragt.