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Nr. 10 13. Jahrgang

Fuldaer Anzeiger

Montag, 13. Januar 1936.

SlacU und Land

Werterausßditen füi morgen;

Wetterbericht des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt am Main.

Voraussichtlich Besserung des Wetters, etwas kälter.

Deutsche Arbeitsfront.

Arbeitsopfer-Versorgung.

Die Ausgabe der Fettkarten erfolgt Montag und Diens­tag in der Zeit von 912 und 1517 Uhr, Petersberger Straße 1214.

Restloses Abholen ist Pflicht.

Der Ortsgruppenwalter: i. A.: Kessel.

Arbeitstagung der Reichsbetriebsgemeinschaft

Handwerk.

Am Freitag, den 10. Januar, fanden sich die DAF.- Walter der Reichsbetriebsgemeinschaft Handwerk und die Obermeister mit den Jnnungsbeiräten der Kreise Hersfeld, Hünfeld und Fulda im Evangelischen Vereinshaus zu einer Arbeitstagung ein. Nachdem Kreisbetriebsgemeinschafts- walter Pg. Bever die gut besuchte Versammlung eröffnet hatte, sprachen die Pgg. Dr. P e n s e und Dr. Noe (Berlin) über aktuelle Fragen des Handwerks und die Aufgaben der Reichsbetriebsgemeinschaft Handwerk in der Deutschen Arbeitsfront. Auch Kreiswalter Pg. W i l l - Hardt nahm zu einigen grundsätzlichen Ausführungen Stellung und richtete an die Versammlung den Appell zu positiver Mitarbeit. Ms in den Spätnachmittag setzten sich Aussprache und Besprechung der Handwerks- wie Arbeits­gesetzgebung fort. Der Zweck der Veranstaltung, in Zu­kunft eine gute Zusammenarbeit und Ausrichtung im Sinne der gestellten Aufgaben zu gewährleisten, dürfte voll er­reicht worden sein. Die Tagung wurde beendet mit dem Treuebekenntnis zum Führer.

Entschuldung des Hausbesitzes.

Fragen der Hypothekenablösung.

Durch das von der Reichsregierung kurz vor Weih­nachten gesetzlich durchgeführte Moratorium wird der Kün- digungsschutz um drei Jahre verlängert, und zwar bis zum 31. Dezember 1938 für die Kündigungshypotheken und bis zum 1. Juli 1939 für die Festhypotheken. Für die Aufwer- tungshypotheken verbleibt es bei der bisherigen Regelung. Diese haben bis zum 31. Dezember 1936 einen gewißen Schutz. Gleichzeitig aber beabsichtigt die gesetzgeberische Maßnahme der Reichsregierung eine Auftauung der ein­gefrorenen Milliarden in der Form, daß die festen Hypo­theken nach Möglichkeit in Tilgungshypotheken umgewan­delt werden. Diese Tatsache ist von außerordentlicher Be­deutung, da sie die Voraussetzung für eine allmähliche Ent­schuldung des Hausbesitzes bildet. Insbesondere soll von der Umwandlung der Festhypotheken in Tilgungshypo- theken Gebrauch gemacht werden, nachdem es gelungen ist, die immer noch bestehenden überhöhten Zinssätze auf einen angemessenen Fuß herabzusetzen. Dieses Ziel ist bekannt- M ^ich, namentlich im Hinblick auf die Privathypotheken, noch * längst nicht erreicht. Die Hypothekenschuldner sollen übri­gens die Gelegenheit des Moratoriums dazu benutzen, um innerhalb desselben ihre Hypothekenverhältnisse neu zu ordnen. Bei etwa auftauchenden Schwierigkeiten wird den Schuldnern empfohlen, sich an die zuständigen Organisa­tionen der Grundeigentümer, also an die örtlichen Haus­und Grundbesitzervereine, zu wenden, die selbstverständlich mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Jugendturner feierten Weihnachten.

Zum zehnten Male war es der Jugendabteilung der Turngemeinde 1848 e. V. Fulda am Sonntag vergönnt, ihre eigene Weihnachtsfeier zu begehen. Der Jugendfllhrer Gustav Schulz konnte nicht nur zahlreiche Eltern der Bugendturner beiderlei Geschlechts, sondern auch den Turn- suhrer des Stammvereins Studienrat Schnädter und zahlrerche Vorstandsmitglieder und Ehrenmitglieder be­grüßen. Herzlichst dankte er den Vorturnerinnen und Vor­turnern für ihre Unterstützung in den Turnstunden. Die E^r war umrahmt von recht beifällig aufgenommenen Musikstücken der Vereinskapelle, von zahlreichen Gedicht- ^Erägen durch Knaben und Mädchen und einem Theater­stück, das großen Beifall fand. Auch die Vorführungen einer Barren-Riege bewiesen sehr gute Schulung.

Im weiteren Verlauf der Feier erhielten die Vortur­nerinnen ihre Versetzungen in andere Abteilungen, vom Bugendführer Schulz erhielten die besten Jugendturner Belohnungen und einige Vorturner besondere Auszeich­nungen. Zum Schluffe hielt Turnführer Schnädter eine kurze Ansprache, in der er den Eltern herzlich dankte, daß sie ihre Kinder der Jugend-abteilung der Turngemeinde zur Betreuung überweisen. Dank zollte er auch all denen, die rn stiller Arbeit an der Ertüchtigung der Jugend gewirkt haben, sowie dem Jugendführer Schulz für die Ausführung stines schweren Amtes. Mit dem gemeinsamen Gesang des D eutschland- und des Horst-Wessel-Liedes klang die Feier

Eltern, achtet auf Eure Kinder!

. Vor einigen Tagen ereignete sich in der Leipziger Straße ein Verkehrsunfall, dem beinahe ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen wäre. Ein seinen Spielkameraden nach­laufender siebenjähriger Junge sprang in seinem Spiel- eiser plötzlich vom Bürgersteig auf den Fahrdamm und kam hierbei in die Fahrbahn eines Lastkraftwagens. Der Entschlossenheit des Fahrers ist es zu verdanken, daß der Bunge nicht überfahren, sondern nur zu Boden geschleudert wurde. Er kam mit dem Schrecken davon.

Vorstehender Fall gibt Veranlassung, erneut darauf hin­zuweisen, daß Kinder nicht genug auf die Gefahren des heutigen Verkehrs aufmerksam gemacht werden können.

Wvl6 4wM LAOn?

Montag, 13. Januar: Union-Theater: Die lustigen Weiber. Europa-Lichtsptete: Eine Seefahrt die ist lustig.

Dienstag, 14. Januar: Union-Theater : Liebesträume.

Mti^x^&Mjpt^ Ciirs iZtzyfghr^ &w ist luftig.

Nun endlich Schnee!

Der feit Wochen gerade im Hinblick auf die kommen­den Olympischen Winterspiele sehnlichst erwartete Schnee ist in Bayern über Nacht in derart reichem Maße ge­fallen, daß verschiedentlich größere Verkehrsstörun­gen eintraten. Auch in München selbst, wo es den ganzen Sonntag über bis in die späten Abendstunden schneite, kam es vor allem im Straßenbetrieb zu unliebsamen Ver­zögerungen. Auch außerhalb Münchens werden größere Verkehrsstörungen gemeldet, unter denen hauptsächlich die Reichsbahn infolge verwehter Signale oder eingeschnei­ter Weichen zu leiden hatte. Trotzdem traten mit Aus­nahme der Strecke MünchenPasing, wo verschiedene Personenzüge aus dem Verkehr genommen werden muß­ten, nirgends größere Verspätungen als bis zu einer halben Stunde ein. In der Umgebung Münchens beträgt die Schneehöhe zur Zeit im Tal 10 bis 20 Zentimeter und auf den Höhen 30 bis 75 Zentimeter. Die Temperaturen bewegen sich um 0 Grad. Für die nächsten Tage ist F r o st in Aussicht gestellt.

Für den Wintersport ist dieser Wetterumschwung be­sonders erfreulich. Die schon abgesagten Eiskunst­laufmeisterschaften wurden nach Verlegung von Oberstdorf nach Garmisch-Partenkirchen in An­griff genommen. Auch die deutsche Eishockey-National­mannschaft hat mit dem Training im Olympia-Kunsteis­stadion begonnen. Schließlich werden die Deutschen Skimeisterschaften, deren Durchführung ebenfalls in Frage gestellt war, nun doch in Oberstdorf ab Donnerstag ausgetragen.

Folgenschwerer Verkehrsunfall.

In der Petersberger Straße ereignete sich am Samstag nachmittag ein folgenschwerer Verkehrsunfall. Als der Führer eines in der Richtung Petersberg fahrenden Perso­nenkraftwagen an der Steigung hinter der Eisenbahnunter­führung einen vor ihm fahrenden Personenkraftwagen überholen wollte, kam aus der entgegengesetzten Richtung ein Radfahrer in sehr schnellem Tempo die abschüssige Straße herunter. Infolge des übermäßigen Tempos hatte er anscheinend die Gewalt über sein Fahrzeug verloren, so daß er nicht weit genug nach rechts auswich und auf den linken Kotflügel des Kraftwagens auffuhr. Bei dem Sturz vom Rade zog sich der Radfahrer einen Schädel- und einen Kieferbruch zu, die feine Ueberführung in das Landes­krankenhaus erforderlich machten. Lebensgefahr soll bei ihm nicht bestehen.

Das Ideal des deutschen Volkes ist die Arbeit, sein Wille die Leistung und seine Sehnsucht der Friede.

Jungarbeiter, hast Du Dich schon zur Teilnahme am 3. Reichs berufswettkampf der deutschen Jugend vom 2. bis 15. Februar 1936 angemeldet? Anmeldungen nehmen alle Kreis- und Ortsjugendwaltungen der DAF. entgegen.

Gefährlicher Unfug.

In der Buttlarstraße wurde in der vorigen Woche durch Schuljungens und Jugendliche wiederholt dadurch Unfug verübt, daß sie in Blechbüchsen Karbid füllten, darauf Wasser gossen und dann die Büchsen verschlossen. Durch die sich entwickelnden Gase wurden die Büchsen zur Explosion gebracht. Bei einer Explosion wurde ein 11jähriger betei­ligter Junge verletzt. Die Täter wurden ermittelt. Sie sehen ihrer Bestrafung entgegen.

Mütterberatungsstelle der NSV.-Fulda.

Morgen, Dienstagabend findet unser Nähabend statt.

Wem gehört das Fahrrad?

Vor einigen Wochen ist in einem Hofe der Lindenstraße ein älteres Herrenfahrrad MarkeWanderer-Continental mit erkennbarer Fabriknummer aufgefunden worden. Eigentumsansprüche wolle man bei der hiesigen Kriminal­polizei geltend machen.

Wegen Bettelns festgenommen.

Am gestrigen Sonntagnachmittag wurde der auf Wan­derschaft befindliche 24jährige Paul Kursawe aus Sorgau i. Schles. von einem Polizeibeamten dabei betroffen, wie er von Haus zu Haus ging und bettelte. Er wurde dem Amtsgericht zugeführt.

Schotten, 12. Jan. (M a u l w u r f s p l a ge i m Vo­gelsberg.) Wie aus der Kreisgemeinde Ober-Seemen gemeldet wird, haben sich dort im letzten Jahr die an und für sich ja sehr nützlichen Maulwürfe so stark vermehrt, daß sich die Gemeindeverwaltung zu energischen Bekümpfungs-

Hessen, Sachsen, Franken.

Vortrag in der Landesbibliothek.

Am Samstag sprach in der ReiheAbende der Landes­bibliothek" und zugleich für die hiesige Ortsgruppe des Uni­versitätsbundes Marburg Prof. Dr. E. Stengel- Mar- burg über das gerade bei der Frage der staatlichen Neu­gliederung wichtige stammeskundliche ThemaHessen, Sachsen, Franken". Auf Grund seiner langjährigen Forschungsarbeit vermochte Prof. Stengel zahlreiche wert­volle Einzeltatsachen und bedeutungsvolle Zusammenhänge aufzuzeigen, wobei vor allem die zähe Ausdauer des Hes­senstammes allen Strömungen fremder Einflüsse gegenüber in die Erscheinung trat.

Ausgehend von der nun einmal bestehenden Tatsache, daß Deutschland in der Vielheit seiner Stämme besteht, wies der Redner darauf hin, daß man bei der Neugliede­rung alle örtlichen Interessen ausschalten, vielmehr die Kerne alter Stammesart herausarbeiten müsse. Der Stamm der Chatten oder Hessen, der seinen Hauptsitz auf der Altenburg bei Gudensberg hatte, wird schon von Taci- tus wegen seiner Tapferkeit, Kriegskunst und Disziplin gerühmt. Wie er ein Festungssystem auf den Höhen des Taunus gegen die Römer hatte, so standen auch die Rhön­burgen schon vor Christi Geburt gegen die Hermunduren unter chattischem Einfluß. Die chattische Ausdehnung machte nach Süden Halt auf dem Landrücken des Distelrasen, wo­bei es jedoch Durchbrüche bei Hanau und Miltenberg gab mit Vorstößen bis ins Alpenvorland. Mit der Gründung des Bistums Würzburg setzte dann fränkische Kolonisation nach Mpden ein, wa^. jOcch düÄ Swae® Lind Mxâ ins

München im tiefen Schnee. Regen im Allgäu.

München, 13. Jan. (Funkmeldung.) München hat am Sonntag einen gewaltigen Schneefall erlebt, der seit langen Jahren einer der größten Schneefälle eines einzelnen Tages überhaupt ist. Das tief im Schnee steckende München bot am Montag morgen ein phantastisches Bild.

In der Nacht war es mit Mühe gelungen, durch Schnee- pflüge die Fahrbahnen frei zu machen, dagegen ist die Räumung der Gehbahnen von den Schneemassen nur all­mählich möglich und an den Seiten der Gehbahnen türmen sich die Schneemassen zu wahren Bergen auf. Bös sieht es in den Anlagen aus. Viele Aeste liegen umher. Hier und dort sind große Bäume entwurzelt worden. Städtische Ar­beiter befreiten heute früh wenigstens die kleineren Bäume von der Schneelast.

Im Allgäu hat es dagegen den ganzen Sonntag über geregnet. Erst am Montag früh hat in Kempten Schnee­fall eingesetzt. Hingegen meldete Oberstdorf noch am Montag früh Regen bis zu 1200 Meter Höhe. Jmmenstadt meldete von Sonntag früh bis Montag früh Regen mit einer Niederschlagsmenge von 85,5 mm. Diese ungeheuren Regenmassen hatten ein gewaltiges Ansteigen der Iller zur Folge. Die Iller führt Hochwasser. Sie hatte Montag früh bereits einen Stand von 3,20 Meter erreicht. Dis Felder sind auf weite Strecken überflutet. In Kempten steht die Wasserwehr in Bereitschaft. In Füssen hat es am Sonntag zwar einen halben Meter Schnee gegeben, am Montag früh regnete es jedoch in Strömen. Der Lech ist um 1% Meter gestiegen.

maßnahmen entschließen mußte. Auf den meisten Wiesen sind vor lauter Maulwurfshaufen überhaupt keine Gras­flächen mehr zu sehen. Die Einwohnerschaft wurde aufge­fordert, die keinen Wühler zu fangen. Ein Kopfpreis von 10 Pfennigen wurde ausgesetzt.

Marburg, 11. Jan. (Das verlorene Glllcks- los.) Wie vor einigen Tagen gemeldet wurde, kam ein in einer hiesigen Losvertriebsstelle verkauftes Doppellos der Arbeitsbeschaffungs-Lotterie mit einem 100 000-Mark- Gewinn heraus. Tas Doppellos war von zwei verschiede­nen Leuten gekauft worden. Während der eine Käufer, ein 77jähriger Einwohner aus Burgholz bei Rauschenberg, be­reits seine Gewinnansprüche geltend machen konnte, sucht der Käufer der zweiten Loshälfte, ebenfalls ein Landwirt aus dem Kreise Marburg, verzweifelt nach dem wertvollen Schein, der ihm abhanden gekommen ist. Bereits mehrmals wühlte er seine Wohnung von oben bis unten hin durch und scheute sogar nicht die Mühe, den Inhalt seiner Abort- grube eimerweise herauszuholen, um dort eventuell sein GlUckslos zu finden bis jetzt ohne Erfolg.

Gießen, 12. Jan. (VonderGießenerUniversi- t.) Der planmäßige außerordentliche Professor für Mathematik an der Universität Gießen, Dr. Harald Gep­pert, wurde zum ordentlichen Professor ernannt.

Gießen, 12. Jan. (Todesopfer eines Auto­unfalls.) Wie berichtet, wurden in Hungen zwei Ar­beiter von einem Kraftwagen überfahren. Einer von ihnen erlitt dabei schwere Verletzungen und mußte in das Kreis­krankenhaus Hungen und später in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Hier ist der Verletzte in der Nacht zum Sonntag an den Folgen des Unfalls gestorben. Es handelt sich bei dem tödlich Verunglückten um den Maurer Fink aus Inheiden.

Gießen, 12. Jan. (Neuer Pressedezernent beim oberhessischen Landgericht.) Der Präsi­dent des oberheffischen Landgerichts hat anstelle des zum Oberstaatsanwalt beförderten Landgerichtsrates Knauß den Landgerichtsrat Dr. Kalbfleisch zum Presse-Dezer­nenten bei dem Landgericht der Provinz Oberheffen in Gießen bestimmt.

Frankfurt a. M., 12. Januar. (60 000 Mark Ein­topfspende in Frankfurt.) Bei der heutigen Ein­topfsammlung, der ersten im neuen Jahr, wurden in Groß- Frankfurt 58 500 Mark gesammelt. Da in den nächsten Tagen, wie stets, eine Nachsammlung stattfindet. ist mit einem Endergebnis von ungefähr 60 000 Mark zu rechnen.

Frankfurt a. M., 12. Januar. (Anklage wegen Reichsflucht st euer - Hinterziehung.) Gegen den Universitätsprofessor Dr. Max Wertheimer, geboren 1880 in Prag, und gegen seine Ehefrau Anna geborene Caro wurde von der hiesigen Staatsanwaltschaft Anklage wegen Reichsfluchtsteuer-Hinterziehung in Höhe von 45 649 Reichsmark erhoben. Die Eheleute bewohnten früher in der Claus Groth-Straße ein eigenes Haus und begaben sich dann im Jahre 1933 nach Newyork, und zwar unter Mit­nahme ihrer Vermögenswerte und ohne die Reichsflucht­steuer zu entrichten.

Excention der Abtei von einer allzu starken Durchdringung verschont blieb. Die nördliche Grenze der Chatten war wieder eine natürliche: die Wasserscheide zwischen Wetter und Ruhr beziehungsweise Diemel; aber auch hier gab es weite Vorstöße, wie z. B. die Bataver am Niederrhein Chatten sind. Als im 3. Jh. die Eroßstämme entstanden, werden die Chatten, obwohl sie selbständig blieben, nicht mehr genannt, aber es erscheint bewundernswert, daß sie Namen und Volkstum erhalten haben, ohne in Nachbar- stämmen aufzugehen.

Die weiteren Darlegungen beantworteten unter gründ­licher Schilderung der stammeskundlichen Eigenart und historischen Wirksamkeit der Sachen und Franken die Frage, wie sich gegen diese die Hessen behauptet haben. Es kann hier nicht auf alle die erwähnten, in ihren Erkenntnissen für die Siedlungs-, Wirtschafts- und Eeistesgeschichte wich­tigen Tatsachen eingegangen werden. Erwähnt sei aber die von dem Marburger Professor Arnold erkannte Bedeu­tung der Ortsnamenforschung, wobei die auf -heim aus­gehenden Orte auf fränkische Kolonisation, ja auf ein eigenes Staatssiedlungssystem hinweisen (vergl. in der Rhön : Ostheim, Nordheim, Frankenheim usw.!)

Durch überaus anschauliche Lichtbildkarten verstand es Prof. Stengel, seine theoretischen Ausführungen weitesten Kreisen verständlich zu machen. Zusammenfassend konnte er schließen mit den Worten:

Der hessische Stamm ist zähe geblieben In den Brandungen der Zeiten, heute hofft er auf seinen Tag, um Mitwirken zu können an der Gestaltung

der dmifchor. Zânst."