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Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried­rich Ehrenklau, Fulda, Königstratze 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- byDh. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren­klau, Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- unb Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Verantw. für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda. Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pfennig. Bei Wieder­holung wird Nachlatz nach Preisliste gewährt. D.A." XII. 35. 750. - Zur Zeit ist Preis­liste Nummer 4 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 9 13. Jahrgang

Fulda, Samstag, 11. Januar 1936

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Friedliche Arbeit für den Fortschritt der Menschheit.

Der Glückwunschaustausch beim Neujahrsempfang des Führers.

Am Freitag erfolgte der vom 1. Januar verschobene Neujahrsempsang der Vertreter der Wehrmacht und der beim Reich beglaubigten Vertreter der auswärtigen Mächte bei dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler imHaus des Reichspräsidenten" in Berlin. Trotz strömenden Regens war das Haus des Reichspräsidenten von Tausenden umlagert, die die Anfahrt der Gratu­lanten und das damit stets verbundene militärische Schau­spiel miterleben wollten.

Um V2II Uhr kündete Marschmusik den Auftakt des militärischen Schauspiels an. Geführt vom Spielmanns­zug und Musikkorps des Berliner Wachregiments schwenkte die Ehrenkompanie, die nach alter Tradition bei den diplo­matischen Empfängen die militärischen Ehren erweist, von der Straße Unter den Linden kommend, in die Wilhelm­straße ein. Hoch zu Roß der Kompanieführer, Hauptmann von der Lancken, der die 2. Kompanie des Wachregiments, seine Mecklenburger, Pommern und Schleswig-Holsteiner, zu diesem hohen Ehrendienst führte.

Die GlüüivünWe der Wehrmacht.

Während der Musikzug den Präsentiermarsch spielte fuhr der Wagen des Führers, in dessen Begleitung sein persönlicher Adjutant, Obergruppenführer Brückner, war, im Vorgarten ein.

Stürmische Heil-Rufe grüßten von der Straße, als der Führer nach einem kurzen Gruß an die Ehren­kompanie das Haus betrat.

Gleich darauf erschienen die Vertreter der Wehrmacht, als erster im offenen Wagen der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, General der Flieger Göring, ebenfalls stürmisch begrüßt. Gleich darauf folgten der Reichskriegs­minister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, General­oberst von Blomberg, der Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherr von Fritsch und der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Dr. e. h. Raeder.

Inzwischen waren auch die Herren der nächsten Um­gebung des Führers, die beim Neujahrsempfang des Diplomatischen Korps zugegen sind, eingetroffen, unter ihnen der Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Neurath, der Chef der Präsidialkanzlei, Staatssekretär Dr. M e i ß n e r, der Chef der Reichskanzlei, Staatssekretär Dr. Lammers, der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Dr. von B ü l 0 w, der Chef des Protokolls, Ge­sandter von Bülow-Schwante. Dann begann

der Empfang im großen Saal des Hauses des Reichspräsidenten.

Der Reichskriegsminister übermittelte die Glückwünsche der Wehrmacht, Rudolf Heß die Glückwünsche der Partei und Staatskommissar Dr. Lippert die der Stadt Berlin.

Inzwischen war unter dem Jubel der Zuschauer menge die Abordnung derSalzwirker Brüderschaft" im Thale zu Halle, die sogenannten Halloren, in ihrer würdigen Tracht eingetroffen, die nach altem Brauch dem Reichsoberhaupt mit ihrem Neujahrsgedicht Salz und Wurst überbrachten. Der Führer dankte den Halloren und sprach ihnen zugleich für ihre Brüderschaft seine besten Wünsche fürs neue Jahr aus.

Der Empfang der ausländischen Diplomaten.

An den Empfang der Wehrmachtvertreter schloß sich der feierliche Neujahrsempfang der ausländische N D r P l 0 m a t è n. Die Ehrenkompanie erwies die mili- tarlschen Ehrenbezeugungen. Sämtliche 51 in Berlin be­glaubigten fremden Botschafter, Gesandten und Geschästs- trager waren erschienen, um dem Führer ihre und ihrer Negierungen Glückwünsche zum Jahreswechsel auszu- lprechen und die Wünsche des Oberhauptes des Deutschen

Der Empfang der Diplomaten im großen Saal des Hauses des Reichs­präsidenten". Der päpst­liche Nuntius über­bringt als Doyen des Diplomatischen Korps dem Führer und Reichs­kanzler die Glückwün­sche von 51 beim Reich beglaubigten Vertre­tern der auswärtigen Mächte. (Presse - Illu­strationen Hoffmann.)

Reiches für ihre Staatsoberhäupter, Regierungen und Völker entgegenzunehmen.

Dre Ansprache des Nuntius.

Der Doyen des Diplomatischen Korps, der Apo­stolische Run tjuK, Monsignore Cesare O r sen i g 0 , sprach dem Führer im eigenen Namen und im Namen der vertretenen Souveräne und Staatschefs die besten Wünsche für das neue Jahr aus und fuhr dann u. a. fort:Möge dieses Jahr reich an Glück für die Person Euer Exzellenz sein. Den gleichen Wunsch hegen wir für alle die, die bei­der schweren täglichen Arbeitslast Ihre eifrigsten Mit­arbeiter sind. Sodann richten sich unsere Gedanken und unsere Wünsche auf Ihr ganzes Volk, angefangen mit der stets so fleißigen und gastfreien Bevölkerung dieser Haupt- adt und darüber hinaus auf alle Söhne Deutschlands.

Die besten dieser Wünsche gelten vor allem den Söhnen der Arbeit, mögen sic sich in den Fabriken Ihrer In­dustriestädte mühen oder im Schweiße ihres Angesichts das Ackerland bestellen.

In dieser ernsten Stunde des internatio­nalen Lebens, die sicherlich in der Geschichte der Völker denkwürdig bleiben wird, liegt uns auch daran, den Wunsch auszusprechen, daß das neue Jahr uns bald das so sehnlich erwartete große Geschenk brin­gen möge: den Frieden und die Ruhe der Welt!"

Der Dank des Führers und sein Wunsch für das neue Jahr.

Der R e i ch s k a n z l e r dankte für die Glückwünsche, insbesondere für die warmen Worte, die der Nuntius für die Berufsstände der arbeitenden Bevölkerung Deutsch-

Furchtbarer Orkan über Westdeutschland.

Sagelunivetter am Mederrhela.

Die Stadt Düsseldorf und die umliegenden Ge­biete wurden am Freitag von einem überraschend auf­getretenen, außerordentlich schweren H a g e l u n w etter heimgesucht. Ein starkes Gewitter, verbunden mit starkem Hagelschlag und einem gewaltigen Sturm, ging nieder, das schwere Schäden verursachte. Zahlreiche große Schau- fenfterscheiben wurden eingedrückt. Ein Blitzschlag zerriß die Oberleitung der Straßenbahn, Kioske wurden um­geworfen, das Dach der städtischen Tonhalle wurde teil­weise abgedeckt, zahlreiche Bäume wurden ent­wurzel t. Bei vielen Häusern wurden Steine abgerissen. Durch herabfallendes Gestein erlitten verschiedene Passanten Verletzungen.

Besonders schweren Schaden richtete das Unwetter in der C h a m 0 t t e f a b r i k Koppers in dein Düssel­dorf gegenüber gelegenen Oberkassel an. Eine läng'» gestreckte Fabrikhalle wurde umgeweht.

Die großen Schornsteine stürzten um und fielen aus die benachbarten Privathüuscr. Nicht weniger als sechs Personen wurden schwer und sechs leicht verletzt.

Auch im Heerdt e r Hase n waren die Wirkungen des Wirbelsturmes verheerend. Dort stürzte ein Loko­motivschuppen ein, wobei eine Person g e - tötet und zwei schwer verletzt wurden. Hart an der Stadtgrenze, an der Bocholter Straße, stürzte ebenfalls eine F a b r i k h a l l e ein. Die Zahl der Opfer betrug in diesem Falle einen Toten. fünf Schwerverletzte und eine

ranvs gesunden yar, erwiderte sie und fuhr unter anderem fort:Mit Befriedigung können wir feststellen, daß

das Jahr 1935 unserem Volke wichtige Fortschritte gebracht hat. Es ist uns gelungen, eine weitere gewaltige Anzahl arbeitsloser Volksgenossen neuer Tätigkeit zuzuführen und dadurch immer größeren Kreisen arbeitswilliger Kameraden die Möglichkeit einer besseren Ernährung, Wohnung und Familienfürsorge zu verschaffen. Die deutsche Wirtschaft hat sich im abgelaufenen Jahre weiter gefestigt. Das verständliche Verlangen unseres Volkes, die Früchte seiner Arbeit ebenso wie die anderen Völker auch nach außen gegen die Wechselfälle einer politisch bewegten Zeit zu sichern, ist im vergangenen Jahre endlich Wirklichkeit geworden. So blicken wir mit Tank gegen die Vorsehung, die unsere Arbeit gesegnet hat, auf das Jahr 1935 zurück und treten mit dem festen Willen, das begonnene Werk erfolgreich fortzusetzen, in das neue Jahr ein.

Erfüllt von der Sehnsucht, mit den anderen Völkern der Erde in Frieden zu leben und mit ihnen auf allen Gebieten des Lebens in gegenseitigem Verständnis zu­sammenzuarbeiten zum Wohle und zum Fortschritt der Menschheit, wünscht das deutsche Volk aufrichtig, das gleiche Streben nach vertrauensvoller Mitarbeit und gegenseitiger Rücksichtnahme auch bei allen anderen Völkern zu sehen.

Ich und die Reichsregierung sowie das gesamte deutsche Volk vereinigen sich daher mit Ihnen, Herr Nuntius, in der Hoffnung, daß das neue Jahr die sehnlich erwartete Entspannung und Beruhigung unter den Völkern und einen wirklichen Frieden bringen möge."

Nach diesen Ansprachen begrüßte der Führer und Reichskanzler und nach ihm der Reichsminister des Aus­wärtigen die im Halbkreis ihrer Rangfolge nach stehenden Botschafter, Gesandten und Geschäftsträger einzeln und nahm deren persönliche Glückwünsche entgegen, woran sich kurze Unterhaltungen knüpften.

Nachdem der Führer die Missionschefs verabschiedet hatte und die Abfahrt der Diplomaten erfolgte, erschien der Führer auf dem Balkon des Hauses des Reichs­präsidenten in Begleitung des Reichsaußenmintsters Freiherrn von Neu rath, des Staatssekretärs Meißner und des Staatssekretärs Dr. L a m mers. Die Menge begrüßte den Führer mit lauten Heilrufen. Nach der Abfahrt aller Wagen marschierte die Ehren­kompanie unter Vorantritt des Spielmannzuges und des Musikzuges zur Reichskanzlei und nahm dort Aufstellung. Einige Minuten später erschien der Führer, im braunen Ehrenkleid der Bewegung, vor der Reichskanzler, schritt die Ehrenkompanie ab und nahm dann den

Vorbeimarsch der Ehrenkompanie

entgegen. Der Regen hatte aufgehört, und die Menschen drängten sich, um dieses erhebende militärische Schauspiel zu sehen. Immer wieder erschollen Heilrufe auf den Führer des Reiches, der nach dem Vorbeimarsch der Ehrenkompanie die Sonderwache der Reichskanzlei ab­schritt.

Auch als der Führer längst wieder in die Reichs­kanzlei zurückgekehrt war, wich die Menschenmenge auf

(Fortsetzung auf Seite 2.)

ganze Reihe Leichtverletzter. Die Wucht der Windhose läßt sich daraus ersehen, daß Mauern von 5 0 Zenti- meter Dicke einfach umgeworfen wurden. An der Städtischen Tonhalle in Düsseldorf wurde das Dach des großen Kaisersaales abgedeckt, von dem Sturm weggetragen und über Häuser und Gärten nieder­geworfen. Auch an einer ganzen Reihe anderer Häuser wurden Dächer abgedeckt.

Böen mit 70-Stundenkilometer-Geschwindrgkeit.

Essen, 11. Januar. Der orkanartige Sturm, der am Freitag mittag über Westdeutschland hinwegbrauste und von dem besonders die Stadt Düsseldorf schwer heimgesucht wurde, nahm nach Feststellung des Reichswetterdienstes Essen-Mülheim seinen Weg von der deutschen Grenze über Köln, Essen, Dortmund, das Sauerland bis zur Weser. Das Wirbelsystem liegt über der nördlichen Nord­see. Am Freitag um 8 Ahr befand sich das Zentrum des Wirbels zwischen der Nordküste Englands und Skandi­navien. In Essen-Mülheim wurde bei dem Durchgailg der ersten Böe um 13 Ahr eine Geschwindigkeit von 70 «Stun­denkilometern gemissen. Trifft eine Kaltluftboe auf ihrem Durchzug auf größere örtliche Warmluftmassen, dann nimmt ihre Stärke und Kraft zu. Dies scheint besonders in Düsseldorf der Fall gewesen zu sein. Eine zweite Böe, die um 15 Ahr auftrat, hatte eine etwas geringere Ge­schwindigkeit von ungefähr 60 Stundenkilometern.

(Weitere Mâwneen siche Seite 2»)