Zulöaer Mzeiger
Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. —
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
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Nr. 8 — 13. Jahrgang
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Fulda, Freitag, 10. Januar 1936 ffisaaBaamaraiaöZHg^^
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
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Genf im Schatten der Geschütze.
Wird der Völkerbundsrat am 20. Januar die Ölsperre beschlichen?
Der Völkerbundsrat wird am 20. Januar im Schatten der Geschütze zusammentreten. Das ist eine Feststellung, die ein englisches Blatt im Hinblick aus den gewaltigen Flvttcnaufmarsch im Mittelmeer macht und die trefsènd die Lage kennzeichnet. Die grössten und modernsten Schiffe manövrieren im Mittelmeer und zeigen an, daß die Völkerbundsmächte für alle Fälle gegen Italien gerüstet sind. Die Flottenzusammenziehung im Mittelmeer ist die grösste seit dem Weltkriege.
Die Völkerbundsstaaten werden ihre Entschlüsse in Genf zur Beendigung des italienisch-abessinischen Konflikts auf die Flottendemonstratiou einzustellen haben. Der Londoner „Daily £>eralb" weist offen darauf hin, daß Italien nun nicht „ungestraft Amok laufen und die Völkerbundsmächte einschüchtern könne, und daß
die Verhängung der Ülsanktion nunmehr als sicher zu gelten
habe. Der gleichen Ansicht ist auch der diplomatische Mitarbeiter der „Morningpost", der ausführt, daß Frankreich jetzt nicht mehr in der Lage sei, gegen die Olsperre Widerstand zu leisten und daß es andererseits für die britische Regierung „außerordentlich schwierig" sein wurde, jetzt nicht für die Sperre zu stimmen. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Herald" weist außerdem darauf hin, daß die Ansicht bestehe, daß ein „Verzweiflungsakt" Mussolinis in jedem Falle möglich sei, auch ohne die Olsanktion, seit die Aussichten für einen Sieg in Abessinien geschwunden seien.
Der Pariser „Oeuvre" glaubt demgegenüber feststellen zu können, daß man auf Grund der englisch-französischen Aktion auf die Olsperre werde verzichten können, und
es sei sehr gut möglich, daß man in Genf am 20. Januar diese Frage noch einmal vertagen werde unter dem Vorwand, daß der amerikanische Kongreß noch nicht den endgültigen Wortlaut verabschiedet habe. Auf englischer und auf französischer Seite befürchte man, daß die Ausdehnung der Sühnemaßnahmen den Abbruch der diplomatischen Beziehungen nach sich ziehen könne und man dadurch Gefahr laufe, dem Duce nicht mehr die Ratschläge erteilen zu können, die ihm augenblicklich von einigen friedliebenden europäischen Mächten gegeben wurden.
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Wien und derzlottenausRarstS im Ätieteër
Die gesamterömischePresse unterstreicht mit Nachdruck in ihren Pariser und Londoner Berichten die von amtlicher Stelle gegebenen Erklärungen über die Flottenbewegungen Frankreichs und Englands und weist in den Überschriften die Auslegungen der Sanktionspresse als willkürlich zurück. Gleichzeitig betont die „T ribun a" in einer Pariser Meldung, man sei von allen Seiten bemüht, klarzustellen, daß die französischen Geschwadermanöver in keinerlei Zusammenhang mit der derzeitigen Spannung im Mittelmeer stünden und nichts mit den militärischen Äbmachungen zwischen Frankreich und England zu tun hätten. Der Direktor des gleichen Blattes weist in einer Polemik gegen die englische Zeitung „Daily Herald" mit Nachdruck darauf hin, daß die Flottenmaßnahmen Englands und Frankreichs, deren sanktio- nistlscher Charakter von dem erwähnten englifchen Blatt bestätigt werde, in offenem Widerspruch zum Völkerbund stünden, der an keine militärischen Sanktionen denke. Der Völkerbund müsse sich mehr und mehr den Entscheidungen und Interessen der englischen Admiralität unterordnen.
Diese Karte vom Mittelmeer, in dem England und die ihm verpflichteten Mächte 92 Einheiten ihrer Flotten mit insgesamt etwa 1 Million Tonnen zusammen gezogen haben, zeigt den Ring der Mächte um Italien.
Wagenb orgèsner.
Von autorisierter italienischer Seite wurde erklärt, Italien sehe die Flottenbewegungen als vollständig normal an und betrachte sie mit der größten Ruhe. Italien, so heißt es, habe keinen Anlaß, diesen Maßnahmen politischen Charakter beizulegen. Die fraglichen Vorgänge lassen daher, wie von derselben Stelle hinzugefügt wird, Italien vollkommen gleichgültig, ob- wohl sie von vielen Zeitungen ins Licht gerückt worden seien.
Scharfes Deinem einer Renier-Meldung.
Das amtliche italienische Nachrichtenbüro „A g e n - z t a Stefani" richtete folgenden scharfen Angriff gegen das englische Nachrichtenbüro Reuter: „Das Lügensystem, das die englische Agentur Reuter geschaffen hat, wird immer bedauernswerter. Die Neuternachrichten über die Abreise der Alpini aus Meran sind völlig phantastisch. Die Alpini-Abteilungen sind in tadelloser Ordnung abgefahren, inmitten der Begeisterung der Bevölkerung, wie Tausende von Zeugen bestätigen können. Durch die dauernde Veröffentlichung von Lügen entehrt sich die englische Agentur. Dieses Verfahren ist auch nicht geeignet. die Stimmung zwischen den Völkern zu verbessern."
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Kegen der beste Bundesgenosse der MesAmer.
Schwere Kämpfe an der Nordfront. — Siegestaumel in Addis Abeba.
~ In der abessinischen Hauptstadt herrscht wieder Siegesjubel. Das ganze T e m b i en g e b i e t soll zurückerobert worden sein. Die vor drei Wochen eröffnete abessinische Offensive soll insgesamt 4000 Quadratmeilen Land gewonnen haben. Trotz italienischer Artillerieüberfälle und Luftbombardements südlich von Makalle soll der Fall dieser strategisch und politisch wichtigen Stadt bevorstehen. In Addis Abeba wird zugegeben, daß der Regen der beste Bundesgenosse des N e a u s sei.
Fahrpreisermäßigungen der Reichsbahn für die Olympischen Spiele.
Für aktive Teilnehmer und Besucher.
Für die Olympischen Spiele in Garmisch-Partenkirchen vom 6. bis 16. Februar und Berlin vom 1. bis 16. August und Kiel vom 4. bis 15. August wird den aktiven Teilnehmern, deren Begleitern und den offiziellen Pressevertretern für die Einzelfahrt vom Wohnort oder vom Grenzbahnhof nach dem Spielort und zurück eine Fahrpreisermäßigung von 5 0 v. H. des normalen Fahrpreises der benutzten Züge gewährt. Diese Reisenden müssen im Besitze des Olympia-Ausweises sein. Die ermäßigten Fahrausweise gelten a) zu den IV. Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen in der Zeit vom 1. Dezember 1935 bis 29. Februar 1936; b) zu den XI. Olympischen Spielen in Berlin und Kiel in der Zeit vom 1. kluni bis 30. Sevtember 1936 jeweils vier Tage
Unter der naßkalten Witterung haben die italienischen gruppen unsagbar zu leiden, zumal auch die Lebens- mrttelzusuhren infolge der morastigen Wege stocken ^ie abesslnlschen Krieger sind dagegen an die Regenzeit gewohnt und sind in Kleidung und Verpflegung be- dursmslos.
s J? £1 "Nische Hauptquartier meldet, daß die Abetzimer, die sich an der Nordfront auf den Hohen von Amba Aradam eingegraben hatten, durch ein mehrstündiges Artilleriefeuer der Italiener zum Rückzug gezwungen worden sind. Die von den Abessiniern aufgegebenen Höhen liegen etwa 20 Kilometer süd- l i Makalle, so daß diese Stadt nicht mehr so bedroht erscheint, wie vor einer Woche, als sie auf drei Seiten von abessinischen Truppen eingekreist war.
Aus Ha r r a r in Addis Abeba eingetroffene Nachrichten besagen, daß der Gouverneur von Bale, Dedjas- matsch Bayenne M e r e d e, mit Kamelreitern und den in Bale ausgehobenen eLuten den Ort Karanle am Webbe-Schebeli-Fluß von den Italienern zurückerobert habe. Der Feind sei in die Flucht geschlagen, 1 Italiener und 30 Eingeborene seien auf italienischer Seite gefallen Die abessinischen Verluste seien gering. Nach weiteren Berichten haben die Abessinier eine tragbare Funkstation und zahlreiche Waffen erbeutet. Diesem Erfolg käme große Bedeutung zu, denn er entlaste den linken Flügel der von Ras Desta befehligten Südostarmee.
Von berufener italienischerSeite werden, wie aus Rom gemeldet wird, die abessinischen Meldungen über die Zurückeroberung der Landschaft Tembien a l s vollkommen falsch bezeichnet. Ebenso werden die abessinischen Nachrichten, wonach in Dagabur ein ä g y p - tisches Feldlazarett von italienischen Flugzeugen mit Bomben belegt worden sei, auf Grund einer beim Hauptquartier der Somalifront eingeholten Auskunft als gegenstandslos zurückgewiesen. Die fragliche Aktion habe, wie aufs bestimmteste erklärt wird, überhaupt nicht stattgefunden. Schließlich werden auch alle Nachrichten, wonach italienische Truppen den Gaskrieg begonnen hätten, entschieden bestritten.
für die Hin- und Rückfahrt. Die zur Inanspruchnahme der vorstehenden Vergünstigung Berechtigten erhalten außerdem freie Beförderung des Reisegepäcks und der Sportgeräte bis zum Gewicht von 75 Kilogramm. Auf den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen werden diese Reisenden in der Zeit vom 1. Juni bis 30. September 1936 gegen Vorzeigung des Olympia-Ausweises frei befördert.
An die Besucher der Olympischen Spiele werden bei Einzelfahrten von allen Bahnhöfen der Deutschen Reichsbahn nach den Spielorten Garmisch-Partenkirchen, Berlin oder Kiel Sonntagsrückfahrkarten (33% v. H. Fahrpreisermäßigung des Personen- zugfabrpreises) ausgegeben. Die Karten gelten a) nach Garmisch-Partenkirchen vom 1. Februar 0 Uhr bis 18. Februar 1936, 24 Uhr; b) nach Berlin und Kiel vom 30. Juli 0 Uhr, bis 18. August 1936, 24 Uhr Sie müssen, um Gültigkeit für die Rückfahrt zu erlangen, auf der Rückseite während des Besuches einer der Veranstaltungen mit einem Stempel des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele versehen werden.
Teilnehmer und Besucher der IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen, die am Spielort keine Unterkunft erhalten können und daher in der Umgebung untergebracht werden müssen, können „W ohn - karten" lösen, die zu bedeutend ermäßigten Preisen mit drei-, sieben- oder elftägiger Gültigkeit ausgegeben werden und die innerhalb der Geltungsdauer zu beliebig häufigen Fahrten zwischen Wohnort und Garmisch- Partenkirchen berechtigen. Solche Wohnkarten werden zwischen Garmisch-Partenkirchen und folgenden Bahnhöfen ausgegeben: Augsburg, München Farchant, Klais, Mittenwald, Murnau, Oberammergau, Oberau, Ober- und Untergrainau.
Eine Sondervergünstigung ist noch für die aktiven Teilnehmer, deren Begleiter und die offiziellen Pressevertreter geschaffen worden, die im Ausland wohnen, indem diese Reisenden für Anschlußreisen von Garmisch-Partenkirchen, Berlin oder Kiel aus zu beliebigen Zwecken im Reichs- bahngebiet MER. - F a h r s ch e i n h c s t e lösen können, die eine Fahrpreisermäßigung von 33% v. H. des Schnellzugfahrpreises enthalten. Diese Helftc gelten a) zu Anschlußfahrten von Garmisch-Partenkirchen aus vom 1. Dezember 1935 bis 29. Februar 1936; b) zu Anschlußreisen von Berlin oder Kiel aus während der Zeit vom 1. Juni bis 30. September 1936 drei Monate.